LEITIDEE / PRÄAMBEL
Unser Entwurf folgt einer klaren Strategie:
1. Wie kann Architektur demokratische Prozesse stärken, ohne didaktisch / symbolisch zu sein.
2. Wie schafft Architektur Räume, die von Allen in der Gemeinschaft niederschwellig genutzt werden können.
3. Wie sollte sich ein Haus der Demokratie im Jahr 2025 in Bezug auf das städtische Umfeld einordnen.
4. Welche Antworten auf die Fragen der Gegenwart kann Architektur für die Zukunft geben.
5. Wie kann Architektur das grundlegende Arbeiten im Ehrenamt, ohne ökonomische Interessen, stärken und dessen Relevanz in der Gesellschaft und für die Demokratie Rechnung tragen und das ehrenamtliche Engagement stärken.
STÄDTEBAU
Das städtebauliche Umfeld ist geprägt von der Paulskirche und der innerstädtischen Lage zwischen Römer, Bahnhof und den kulturellen Nutzungen am Main und bildet somit eines der Zentren in der Frankfurter Innenstadt.
Wir haben uns in Bezug auf den Städtebau dafür entschieden, den Bestand des ehemaligen Rathauses weiter zu nutzen und das Haus der Demokratie innerhalb der vorgefundenen Struktur unterzubringen und auf einen Neubau im Hochbau auf dem Platz zu verzichten. Nur im Bereich des aktuell vorgefundenen Dachaufbaus aus den 60iger Jahren, wird ein neuer Park und neue Räume für die Gemeinschaft geschaffen, die öffentlich zugänglich sind und somit auch ein aktuellen Beitrag leisten, was Architektur für die Zukunft leisten muss, nämlich Dächer in den Städten für die Nachverdichtung zu nutzen, innerstädtische Grünräume zu schaffen und auf Neubauten vorab zu verzichten, wenn es bestehende Strukturen vor Ort schon gibt.
Das Haus der Demokratie wächst somit aus dem Bestehenden heraus und entwickelt dieses gebaute Erbe weiter, ohne symbolisch sein zu wollen. Dieses Bild trägt aus unserer Sicht sehr gut, um demokratische Prozesse zu verbildlichen, ohne didaktisch zu sein, sondern bildet eine Haltung ab, die aus unserer Sicht gerade in der Demokratie der letzten Jahre vernachlässigt wurde. Funktioniert Demokratie nicht gerade immer nur als Kontinuum und Weiterentwicklung einer Idee oder eines Diskurses und verneint doch der Neubau meist dieses Kontinuum eines Dialoges, will und muss besser sein als das Bestehende und ist es dabei oft nicht.
Aus unserer Sicht ist ein Neubau, egal wie gut und zeitgemäß gestaltet, auch immer ein Bild der Wegwerfgesellschaft der Moderne. Diese Art Sucht nach dem Neuen, nach der neuen Rettung und des nächsten technischen Fortschritts, der dann alle Probleme lösen wird, ist aus unserer Sicht ein falscher Weg in der heutigen Zeit.
FREIRAUM
Anpassungen auf dem Paulsplatz werden ausschließlich in den Freianlagen vorgenommen. Es werden die Probleme der Zugänglichkeit auf den Paulsplatz gelöst, Flächen werden entsiegelt und es werden zusätzliche Grünraume in Frankfurt geschaffen, die gerade im Sommer Aufenthaltsqualitäten zur Abkühlung für Alle schaffen und somit im Ergebnis die demokratischsten Räume überhaupt schafft, die es gibt, nämlich Plätze und Parks, die von Allen niederschwellig und barrierefrei zugänglich und genutzt werden können. Zudem wird der größtmögliche Beitrag zur Klimaanpassung der Innenstadt geleistet. Bei der Auswahl der der Pflanzungen wird auf eine hohes Maß an Biodiversität Wert gelegt.
FUNKTION HDD
Die einzelnen Funktionen des Hauses der Demokratie werden um den ersten Innenhof der bestehenden Struktur angeordnet. Das Atrium öffnet sich in den Geschossen in die einzelnen, dem Atrium zugeordneten, Funktionen und Nutzungen und öffnet sich dann ganz oben zum Dach, der Dachterrasse und dem dort befindlichen öffentlichen Raum.
Die Nutzungen und Funktionen „wickeln“ sich sozusagen um dieses neu geschaffene Atrium und das Dach wird über eine große Treppen- und Aufzugsanlage innerhalb des Innenhofes / des Atriums auf die einzelnen Geschosse zentral erreicht. Das Dach bildet durch seine Anordnung als öffentlichen Raum / Park des Hauses der Demokratie einen neuen, offenen Stadtraum in der City Frankfurts und bildet eine Art umgekehrten Raum in Relation zum Innenraum der Pauskirche.
Im Erdgeschoss wird neben dem Foyer und den Flächen für die Multivison und des Shops auch das Labor untergebracht, um die Arbeit an der Demokratie auch im Außenraum sichtbar zu machen. Besucher der Ausstellungen und der Paulskirche gelangen über den Haupteingang in das Foyer und zur Information. Im UG befinden sich die Nebenräume und ein neuer Verbindungstunnel zur Paulskirche. Dieser wird schon als Auftakt der Ausstellung gestaltet.
Im Falle von Veranstaltungen in der Paulskirche kann diese Verbindung als separater Eingang für Caterer / Personal aber auch Künstlerinnen oder Rednerinnen etc. genutzt werden. Die Andienung wird über die Nordseite des HDD in Verbindung mit einem Aufzug zum Untergeschoss vorgeschlagen.
Im 1. und 2. Obergeschoss liegen die Ausstellungsbereiche sowie die Verwaltung. Im 3.OG gelangt man in die Bibliothek sowie zu den Workshopräumen.
Für den großen Veranstaltungsraum mit über 200 Personen wird aufgrund der hohen baulichen Anforderungen des Brandschutzes, aber auch aus den Vernetzungs- und Ressourcenaspekten auf die Möglichkeiten der Nachbarschaft im Rathaus oder der evangelischen Akademie zurückgegriffen.
FUNKTION HAUS DES EHRENAMTS
Für den Westteil des Gebäudes mit dem zweiten Innenhof schlagen wir ergänzende Nutzungen im Sinne des Hauses der Demokratie vor. Gerade in der Innenstadt von Frankfurt am Main sind Räume für gemeinnützige Vereine, Genossenschaften, Stiftungen, Räume für politische und sozialer Arbeit wichtig. Denn sie lassen das Gebäude zu einem Ort gelebter Demokratie werden, sind Ort und das Symbol demokratischer Arbeit. Sie werden im Sinne einer kommunalen Infrastruktur unterstützt. Die Nutzerinnen müssen in diesem Sinne kuratiert werden. Die Nutzungen wirken dann integral mit dem HDD, so kann z.B. ein Verein sein Büro günstig im HDE mieten, und auf die Ressourcen des HDD für Mitgliederversammlungen oder Veranstaltungen zurückgreifen.
Durch brandschutztechnische und zugangstechnische Abtrennung kann das Haus des Ehrenamtes auch unabhängig vom Haus der Demokratie funktionieren.
KONSTRUKTION / EINGRIFFE IN DEN BESTAND
Die Eingriffe in den Bestand werden minimiert und der erste Innenhof im ehemaligen Rathaus wird als neues Zentrum, als zentrales Atrium des Hauses für Demokratie entwickelt.
Im Atrium wird durch eine neue Treppen- und Aufzugsanlage und die Öffnung vom UG bis auf das Dach ein Erlebnis des Gemeinsamen geschaffen. Durch diese sichtbare, offene und neue Erschließung vom Untergeschoss bis auf das Dach werden alle Bereiche niederschwellig erreicht und die entsprechenden Nutzungen werden in diesen Raum, ins Atrium hin geöffnet. Somit werden die Eingriffe in den Bestand minimiert, da die neuen Bauteile der Erschließung innerhalb des Innenhofs als neue Bauteile angeordnet werden. Diese Räume die angegliedert an das Atrium sind, werden auf den bestehenden Geschossen so weit geöffnet, dass in Verbindung mit den neuen Treppen im Atrium offenen Räume entstehen. Der neue Aufzug wird auch im Atrium für das HDD wie selbstverständlich integriert und erschließt somit niederschwellig und barrierefrei alle Bereiche des neuen Hauses der Demokratie.
Durch die Anordnung der zusätzlichen vertikalen Erschließungsmöglichkeiten in den Atrien und das vorgestellte Regal an der Nordfassade wird die Arbeit an und in der Demokratie sichtbar und erlebbar gemacht. Gleichzeitig wird eine flexiblere Anordnung und auch Änderung der Funktionen im Inneren ermöglicht. Das Regal erlaubt einen unabhängigen Zugang von Außen zur Dachterrasse und den angelagerten Nutzungen auf den Geschossen. Dabei verbindet es den Grünraum mit dem Dach.