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Kooperatives Werkstattverfahren | 04/2026

Gestaltungsideen für das Bahnhofsumfeld Hamburg-Altona

6

Teilnahme

APB. Schneider Andresen Pommée Architekten und Stadtplaner PartG mbB

Stadtplanung / Städtebau

HAHN HERTLING VON HANTELMANN

Landschaftsarchitektur

LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie

Visualisierung

Erläuterungstext

Idee
Die Neuentwicklung des Bahnhofsumfeldes birgt eine Jahrhundertchance für ganz Altona. Als folgerichtige Weiterführung der Grünachse von der Elbe bis zur neuen Mitte Altona entsteht der neue Schienenpark mit vielfältigen Freiraumangeboten, gesäumt von neuen Quartiersbausteinen für Wohnen, Arbeiten Mobilität und Stadtgemeinschaft. Gleichzeitig wird die Ost-West-Verbindung für Fußgänger und Radfahrer rund um den zentralen Quartiersplatz neu geordnet.

Quartiers-Bausteine
Die Strategie der neuen Quartiersentwicklung sieht eine stufenweise Realisierung vor, die es ermöglicht die hohen Anforderungen an Mobilität, Erreichbarkeit und Sicherheit während des gesamten Umgestaltungsprozesses uneingeschränkt aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig steht den Investitionen ein hohes Neubauvolumen gegenüber, welches den Stadtteil mit bis zu 600 Wohnungen und attraktiven Flächen für Einzelhandel und Gewerbe erweitert. Durch zwei neu Hochpunkte entsteht ein Dreiklang mit dem bestehenden Hochhaus um den Paul-Nevermann-Platz.

Busbahnhof Altona
Der neue Busbahnhof entsteht als erster Baustein im Bereich des alten Schienenkörpers auf 2 Ebenen. Die Hauptzufahrt erfolgt von der Max-Brauer-Allee (72%). Weitere Zufahrten befinden sich von Norden aus der Präsident-Krahn-Straße (9%) sowie vom Westen aus der Scheel-Plessen-Str. (19%). Die Bussteige sind auf zwei Ebenen organisiert. Die Bussteige mit 200 m Länge bieten Sie ausreichend Haltemöglichkeiten für den zukünftig erhöhte Taktung von An- und Abfahrten. Die Ausfahrten erfolgen ausschließlich in Richtung Scheel-Plessen-Str. und Max-Brauer-Allee, wodurch der südliche Teil der Präsident-Krahn-Straße vom Busverkehr unberührt bleibt. Die untere Ebene wird über eine, nördlich des Bahnhofes gelegene, im Freiraum integrierte Rampe erreicht. Dort befinden sich ebenfalls die notwendigen 21 Überliegerplätze, sowie die Ausfädelung auf die Scheel-Plessen-Straße. Die Fußgängerverbindung der unterschiedlichen Abfahrtsbereiche erfolgt über zwei barrierefreie Treppenaufgänge, sowie eine großzügige Freitreppe. Von hier aus wird ein neu geschaffener Zugang zur S-Bahn in weniger als 70 m Lauflänge erreicht. Um die Aufenthaltsqualität der unteren Ebene zu gewährleisten, werden verschiedene Tageslichtquellen geschaffen: Ein großes Oberlicht über der Freitreppe sorgt für Belichtung des Treppenaufgangs und der umliegenden Bereiche. Ergänzend werden die bestehenden Torbögen in der östlichen, der Anlieferungsrampe folgenden Backsteinwand geöffnet und belichten die untere Ebene aus seitlicher Richtung. Hinzu kommen Oberlichtbänder die, in der darüberliegenden Parkstruktur integriert, den Bereich zwischen Bussteig und Überliegerplätzen mit natürlichem Licht versorgen.

Radhaus, Parkscraper & Akademiker
Das Parkhaus mit seinen ca. 500 Bestandsstellplätzen wird durch neue Gebäudestrukturen eingebaut. Zur Grünachse hin entsteht das Radhaus mit 1.000 Fahrradstellplätzen welches gleichzeitig den S-Bahn-Abgang bildet. In den oberen Geschossen liegen Flächen für Verwaltung und Coworking sowie ein Zugang auf die begrünte Dachfläche. Nördlich des Parkhauseses entsteht der 16-geschossige Parkscraper ein gemischtes Wohnhochhaus mit begrünter Fassade, welches den Grünraum nach Norden hin flankiert. Längs der Präsident-Krahn-Straße entsteht der Akademiker, für Studenten und Auszubildende, welches über der Zufahrtsrampe zum Schellfischtunnel Einzelhandels-Lieferhof steht.

Stadtblöcke und Verteilerebene
Rund um dem Paul-Nevermann-Platz entstehen neue Stadtblöcke mit Läden/Einzelhandel in EG und Mezzanin sowie Wohnungen in den Obergeschossen. Der Block an der Max-Brauer-Allee erhält ein 16-geschossiges Wohnhochhaus, welches im Dreiklang mit „Vogel-Hochhaus“ und Parkscraper neue urbane Wohnlagen erzeugt. Durch den Rückbau der Unterführungen in Richtung Platz der Republik im Süden und nach Osten zur Neuen Großen Bergstraße entstehen barrierefreie Stadträume mit oberirdische Querungen. In Verteilerebene im UG wird über die S-Bahn-Zugänge erreicht und schafft neben den DB-Technikflächen Raum für großflächige Discounter sowie einen Food-Court deren Anlieferung über die bestehende Rampe von Norden her erfolgt.

Schienenpark – Quartiersplatz – Ottenser Kletterpark
Leitgedanke ist die Schaffung von abwechslungsreichen Freiraumtypologien entlang der grünen Achse zwischen Elbufer und der Neuen Mitte Altona. Drei Freiraumbausteine werden im Rahmen der städtebaulichen Neuordnung entwickelt und unterschiedlich topografisch, je nach Nutzungsart geformt. Der Parksport im Norden mit Sitztribünen und leichten Hügeln, der Stadtplatz mittig als Relief zum Sitzen mit Holzdecks und einer abgesenkten Brunnenscheibe zum Erfrischen und Spielen, sowie der große Spielplatz und Gartenraum, der Schwammfunktion für das Quartier im Süden als Übergang zum Platz der Republik übernimmt und einen neuen zentralen Treffpunkt generationsübergreifend schafft.
Wertvoller Altbaumbestand im Süden und den angrenzenden Straßenräumen des Areals wird bewahrt und in die neue Figur nach Möglichkeit integriert.
Das Konzept ermöglicht die Herstellung von attraktiven Freianlagen als Treffpunkte für die unmittelbaren Nachbarschaften mit vielseitigen Angeboten. Der bestehende und neu zu gestaltende Straßenraum wird qualifizierte mit ansprechenden Eingangsbereichen, z.T. Vorgärten und Gehwegen als Begegnungsort des Alltags und kurzen Wegen innerhalb des Quartiers zu Nahversorgung und Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr.

Regenwassermanagement
Retentionsdächer mit einem mind. 15cm starken Substrataufbau und Einstauvolumen halten anfallendes Regenwasser auf den Hauptdächern der Neubauten zurück. Bei Starkregenereignissen wird das überschüssige Regenwasser als „Kasskadenprinzip“ in flache Rückhalterigolen in den Vorzonen der Neubauten geleitet und verzögerte abgegeben.
Das anfallende Regenwasser auf den befestigten Oberflächen der Freianlagen wird nach Möglichkeit dezentral in die angrenzenden Pflanzflächen abgeleitet.
Eine Besonderheit ist ein großes Rückstauvolumen, welches unter der neuen Spielplatzfläche im Übergang zum Platz der Republik geschaffen werden kann, da dort genügend Abstand zu der dort verlaufenden S-Bahntunneltrasse besteht.
Die Freianlagen folgen insgesamt einem Reliefgedanken und bieten durch die Geländemodulation in allen drei Teilbereichen Einstauvolumen für eine Starkregenvorsorge.

Fahrradführung durchs Quartier
Die Veloroute 16 mit Übergang in die Veloroute 14 bleibt bestehen als schnelle Nord-Südverbindung. Die Routen 7 und 1 bleiben als starke Ost-Westachsen ebenfalls bestehen. Als Angebot wird durch den Park aus Norden kommend ein Radweg in der Grünachse angeboten, der über eine Mischfläche im Platzbereich nach Süden zum Platz der Republik einfädelt. Die Ost-West Achse von der Ottensener Hauptstraße wird ebenfalls gestärkt mit einem Radweg als Querung zwischen neuem Stadtplatz und Busbahnhof/ Radhaus in Richtung Max-Brauer-Allee.Die geplanten frei zugänglichen Fahrradabstellanlagen sind dezentral an strategisch wichtigen Orten verteilt und bieten zusätzliche 510 Stellplätze zu der wettergeschützten Abstellmöglichkeit im „Radhaus“ vis á vis des Busbahnofs.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der städtebauliche Entwurf überzeugt durch die klare Herausarbeitung und damit Stärkung der zwei prägenden Grünachsen Altonas. Die nord-südlichen Grünzüge verbinden die Mitte Altona mit der Elbe, während die west-östlichen Verbindungen die Quartiere Ottensen und Altona sinnvoll verknüpfen.

Die vorgeschlagene Stadtstruktur mit klar definierten Stadtkanten ist gut proportioniert. Der hohe Anteil an Wohnungsbau im Quartier wird ausdrücklich positiv bewertet.

Am Schnittpunkt der Grünachsen entsteht mit dem neu gestalteten Paul-Nevermann-Platz ein zentrales Element, das die umliegenden Bausteine zu einem lebendigen Mittelpunkt Altonas zusammenführt.

Der im Norden geplante Busbahnhof stellt eine architektonisch überzeugende Lösung für ein modernes Verkehrsbauwerk dar. Positiv hervorgehoben wird die Integration quartierbelebender Nutzungen aus den Bereichen Kunst, Kultur und Gewerbe. Gleichzeitig werden die hohen Baukosten sowie der konstruktive Aufwand kritisch gesehen, da sie in einem Missverhältnis zum erwartbaren Nutzen stehen. Zudem werden die Dimensionierung der Zu- und Abfahrten sowie die durch Stützen eingeschränkte Funktionalität im Untergeschoss (Aufstellung Überlieger-Busse) beanstandet.

Das gegenüberliegende „Rad-Haus“ bietet sinnvolle Stellflächen für den ruhenden Fahrradverkehr. Das seitlich angeordnete Hochhaus wird jedoch aufgrund der komplexen Lastabtragung über der Busbahnhofseinfahrt sowie der hohen Lärmbelastung kritisch beurteilt.

Im Westen fügt sich die kleinteilige Blockstruktur sensibel in den Kontext Ottensens ein, während im Osten ein großmaßstäblicher Baukörper den Maßstab Altonas aufnimmt. Zusammen mit dem sanierten Kaiserhof-Hochhaus entsteht durch zwei neue Hochpunkte ein markantes Ensemble mit Fernwirkung.

Die Freiraumstruktur mit „Schienenpark“, „Quartiersplatz“ und „Ottenser Gärten“ bietet vielfältige Nutzungsangebote. Insbesondere der Schienenpark und die gemeinschaftlichen Gartenflächen werden positiv bewertet. Der Quartiersplatz hingegen bleibt in seiner räumlichen und gestalterischen Ausprägung hinter den Erwartungen zurück. Ihm fehlen die notwendige Prägnanz und Identität eines zentralen Stadtplatzes; stattdessen wirkt er als Teil der übergeordneten Grünverbindung. Auch die Standortbedingungen für die Bäume werden kritisch gesehen.

Verkehrliche Einordnung
Der Entwurf sieht eine geteilte Busanlage auf zwei Ebenen vor, die über drei Anbindungen an das an-grenzende Straßennetz erschlossen wird. Die Hauptanbindung erfolgt über die Max-Brauer-Allee, westlich bindet die Rampe des Untergeschosses an die Scheel-Plessen-Straße an. Zusätzlich ist eine Zufahrtsmöglichkeit über die Präsident-Krahn-Straße vorgesehen. Es sind zwei Zu- und Abgänge auf der Busanlage für den Umstieg zwischen den Ebenen der Busanlage und für die Erreichbarkeit der Verteilerebene vorgesehen. Dies ermöglicht einen Umstieg zwischen Buslinien auf kurzem Weg.

Klimatische Einordnung
Der Entwurf wird durch einen zusammenhängenden Grünzug von Nord nach Süd geprägt. Dies ermöglicht die Durchwegung unter durchgängiger Beschattung, was als positiv zu bewerten ist. Die offene Geometrie fördert zudem die Durchlüftung zwischen Nord und Süd. Auf dem Paul-Nevermann-Platz ist die Begrünung mit Sitzgelegenheiten gekoppelt, so dass Rückzugsorte während heißer Sommertage entstehen. Die Brunnenscheibe sorgt zusätzlich für Abkühlung. Der Schienenpark ist heterogen gestaltet: Die Vegetation bietet Hitzeschutz am Tage, während sich die offenen Rasenflächen nachts besonders stark abkühlen.