modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 07/2026

Grün-blaues Innenstadtband und Marktkirchenumfeld in Essen

Perspektive Marktkirchenumfeld
9

Perspektive Marktkirchenumfeld

3. Preis

Preisgeld: 13.000 EUR

arbos landscape GmbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

VERBINDEN.WACHSEN.BELEBEN.
Ein blau-grünes Innenstadtband und lebendiges Marktkirchenumfeld für Essen

Wie können wir die Zukunft unserer Innenstädte gestalten? Eine zukunftsweisende Antwort muss die Einkaufsstadt Essen um zwei wichtige Aspekte bereichern: Das Innenstadtband vom Kettwiger Tor über den Platz an der Marktkirche bis zum Viehofer Tor soll durch mehr Grün und einen nachhaltigen Umgang mit dem Regenwasser einen wirkungsvollen Beitrag zur Klimaanpassung leisten. Gleichzeitig sollen in dieses Grün eingebettete Sitzbänke, Treffpunkte und Ruheorte die Aufenthaltsqualität für Bürger*innen, Besucher*innen und Gewerbetreibende verbessern. Ziel des vorgeschlagenen Konzeptes ist es, die Innenstadt als lebenswerten, öffentlichen Raum für Alle nachhaltig zu stärken und eine Antwort auf die Forderung nach resilienten Innenstädten zu geben.

Die Essener Innenstadt folgt bis heute in ihrer Grundstruktur und in ihren Raumfolgen den mittelalterlichen Prägungen. Die südliche Altstadt und die Kettwiger Straße sind durch die Spuren der kirchlichen Geschichte mit ihren teilweise bis heute erhaltenen Bauwerken geprägt. Das Umfeld der Marktkirche war einst das wirtschaftliche, politische und religiöse Zentrum der Stadt. Gleichzeitig bildete es am Schnittpunkt wichtiger Verkehrs- und Handelsrouten ein zentrales Gelenk in der Innenstadt. Die Viehofer Straße bildet das Rückgrat der nördlichen Altstadt, die im Gegensatz zur Kettwiger Straße stärker bürgerlich geprägt war. Bis heute haben sich hier teilweise Wohnnutzungen erhalten, was auch einen Ausblick auf den Charakter und die zukünftige Entwicklung der Viehofer Straße gibt. Die individuellen Prägungen dieser drei Stadträume sollen sich in der Gestaltung bzw. Differenzierung des blau-grünen Bandes und des Marktkirchenumfeldes widerspiegeln. Vielleicht kann es so gelingen, neben den Maßnahmen zur Klimaanpassung und der Verbesserung der Aufenthaltsqualität auch das Verständnis für die Geschichte der Essener Innenstadt und ihrer öffentlichen Räume zu stärken.

Das Konzept der Klimainseln für die Entwicklung eines blau-grünen Bands bietet die Möglichkeit, statt versiegelter Flächen in der Innenstadt von Essen lebendige Grünflächen und vielseitige, qualitätvolle Aufenthaltsmöglichkeiten zu schaffen. Die klimawirksame Aufwertung der zentralen Fußgängerzone in Verbindung mit dem zentralen Entwurfsansatz des geringstmöglichen Eingriffs sowie die Stärkung der Einkaufsstadt Essen in Verbindung mit der Integration zunehmender Wohnnutzungen in der nördlichen Innenstadt stehen dabei im Mittelpunkt. Diese Aspekte geben klare Antworten auf die Anforderungen an resiliente Innenstädte sowohl aus ökologischer, sozialer als auch wirtschaftlicher Sicht. Die Klimainseln sind ein strategischer, konzeptioneller Ansatz zur behutsamen Umgestaltung der bestehenden Fußgängerzone. Sie ermöglichen eine nachhaltige Aufwertung der Innenstadt und stärken die Lebendigkeit und Nutzungsvielfalt, die von den Nutzer*innen auf unterschiedlichste Weise erlebt werden können.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit schlägt mit einem durchgehenden blaugrünen Band ein starkes Leitelement zur gestalterischen und ökologischen Aufwertung der Essener Innenstadt vor. Dabei entsteht ein spannender Rhythmus aus linearen Grünräumen, Aufenthaltsorten und Plätzen für Kultur und Begegnung.
Das vorgeschlagene Band aus sogenannten Klimainseln stellt ein flexibles und gleichzeitig identitätsstiftendes System dar, das sich als wiedererkennbares Element vom Willy-Brandt-Platz bis zum Viehofer Platz entwickelt. Grüne, mit Stau-den und Bäumen bepflanzte Inseln werden abhängig von der jeweiligen Situation entweder mit Sitzmauern mit Holz-auflagen oder breiten, niveaugleichen Plattenbänder eingefasst. Die Flexibilität, mit der hiermit auf unterschiedliche Fußgängerfrequenzen, Querungsbedarfe oder Flächenansprüche von Außengastronomie oder Spiel reagiert wird, ohne beliebig zu erscheinen, wird ausdrücklich begrüßt. Partiell wirken die massiven Einfassungen jedoch dominant und wer-den in ihrer Massivität z.T. kontrovers diskutiert.
In der Kettwiger Straße reagieren die erhöhten Bauminseln auf die Einschränkungen durch Leitungen im Untergrund. In Kombination mit unterirdischen Zisternen lässt das Konzept eine hohe, gut steuerbare Entsiegelungsquote und maximale Schwammstadteffekte erwarten.
Die Entréesituationen am Willy-Brandt- und Viehofer Platz werden durch das Klimaband und das damit verbundene zusätzliche Grün deutlich aufgewertet.
Der Platz an der Marktkirche wird zu einem betont grünen Platz, der angemessen auf das denkmalgeschützte Kirchengebäude und die in Zukunft steigenden Besucherzahlen der neuen Stadtbibliothek reagiert. Der südliche urbanere Teil vor dem Kirchenportal wird z.T. mit versickerungsfähigen Belägen gepflastert und an der richtigen Stelle in den Blickbeziehungen der zulaufenden Fußgängerachsen mit einem Wasserspiel ergänzt. Der nördliche Platzteil wird zu einem attraktiven Kirchgarten, der die bestehende Treppenanlage einbezieht und als Ruhe- und atmosphärischer Gegenpol zur Fußgängerzone sehr gut vorstellbar ist.
Der Entwurf verspricht mit seiner einfachen und robusten Gestaltsprache eine hohe Wiedererkennbarkeit und eine relativ geringe Eingriffsintensität in den Bestand. Er stellt somit einen wertvollen Beitrag zur zukunftsweisenden und klimaangepassten Gestaltung der Essener Innenstadt dar. Das Konzept lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten.
Perspektive Kettwiger Straße

Perspektive Kettwiger Straße

Piktogramm Leitidee

Piktogramm Leitidee

Lageplan M 1:500

Lageplan M 1:500

Lageplan Marktkirchenumfeld M 1:200

Lageplan Marktkirchenumfeld M 1:200

Lageplan Kettwiger Straße M 1:200

Lageplan Kettwiger Straße M 1:200

Lageplan Viehofer Straße M 1:200

Lageplan Viehofer Straße M 1:200

Möblierungskonzept

Möblierungskonzept

Funktionsschnitt Marktkirche M 1:100

Funktionsschnitt Marktkirche M 1:100