Offener Wettbewerb | 07/2025
Grün- und Freiräume Nordwestbahnhof in Wien (AT)
6
Visualisierung CEF-Fläche
©Carla Lo Landschaftsarchitektur
3. Rang
Beurteilung durch das Preisgericht
„Ein Park, der Stadtnatur erlebbar macht“ – so beschreiben die Verfasser*innen ihren konzeptionellen Ansatz. Aus der langgezogenen und in der Tiefe variierenden Grundform des zentralen Parks leiten sie einen spannenden Szenenwechsel unterschiedlicher Raumwahrnehmungen ab. Die räumliche Differenzierung der einzelnen Parkräume wird dabei durch einen mäandrierenden, den gesamten Park durchziehenden Wald- und Gehölzsaum erreicht. Dieser wird vom Parkweg begleitet, der als informelle und sickeroffene Nord-Süd-Verbindung eine zusätzliche Funktion übernimmt.
Ein „Mosaik der Lebensräume“ bespielt die Parkräume. Dabei werden verschiedene Habitate – vom Hochstaudenflur über den Flutrasen bis zum urbanen Klimawald – nicht nur ökologisch vorbildlich thematisiert, sondern auch für die räumliche, topografische und nutzungs-bezogene Differenzierung im Park genutzt. Hier finden die geforderten CEF-Flächen und Retentionsbereiche ebenso selbstverständlich Platz wie Sport- und Spielzonen sowie ruhigere Aufenthaltsflächen.
Die in der ersten Wettbewerbsstufe von der Jury kritisierten Entréeplätze zum Augarten und am Tabor sind im Verhältnis zur sehr vielfältigen Gestaltung des Parkraumes nach wie vor schematisch ausgebildet, lassen jedoch das Versprechen einer einladenden Freiraumgeste erkennen. Die Ausstattung des Parks ist zurückhaltend und stimmig.
Durch die grundsätzlich klare räumliche Strukturierung des Parks wirkt auch der von den Verfasser*innen angestrebte Einbezug der Stakeholder*innen in die weitere Ausformulierung glaubhaft. So kann das derzeit noch sehr breit gefasste Angebot künftig geschärft und präzisiert werden.
Am Übergang zwischen Freiflächen und Esplanade ergeben sich drei unterschiedliche topografische Situationen: Eine Erhöhung des Grünraums um eine Sitzstufe kennzeichnet geschützte Parkräume; ein ebenerdiger Übergang bindet Grünraum und Esplanade zusammen; und eine erhöhte Esplanade schafft einen tribünenartigen Ausblick in die Tiefe des Parks. Diese differenzierte Behandlung verspricht gute Nutzbarkeit, ist in ihrer gestalterischen Ausformung als einfache Betonkante jedoch noch etwas banal.
Die Esplanade selbst ist als baumbestandener, linearer Raum konzipiert. Leider verbleibt ihre Gestaltung in einem gewissen Schematismus: Der eigentlich qualitätvolle Raum im Schatten zwischen den Baumreihen wird durch die vorgesehene Nutzung als Zufahrt für Einsatzfahrzeuge sowohl gestalterisch als auch funktional eingeschränkt. Die in die Esplanade eingestreuten „coolen Hubs“ erschließen sich der Jury weder konzeptionell noch funktional – zumal bereits durchgehende Arkaden und doppelte Baumreihen als schattige Aufenthaltsbereiche vorhanden sind.
Bei den Quartiersplätzen vor den Hallen kann die programmatische Absicht – insbesondere im Zusammenspiel mit den Sportplätzen vor der Schule – überzeugen. Die gestalterische Umsetzung mit frei geformten Pflanzflächen wirkt jedoch noch beliebig.
Die Behandlung der Stichstraßen als „Grätzlgassen“, „Spielgassen“ und „Klimagassen“ lässt die gewünschte differenzierte Adressbildung erkennen. Dennoch wird die Gestaltung weiterhin stark von den angenommenen Verkehrsflüssen und Fahrzeugradien bestimmt.
Die Qualität dieses Projekts zeigt sich insbesondere in der konzeptionellen Grundidee, Stadtnatur erlebbar zu machen. Sie schafft es, den unterschiedlichsten Anforderungen an den zentralen Freiraum innerhalb eines verbindenden räumlichen Konzepts gerecht zu werden. Dabei überzeugt das Grundgerüst stärker als die detaillierte Umsetzung. Auch wird vonseiten der Jury ein eindeutiger, identitätsstiftender inhaltlicher Bezug zum Areal vermisst.
Visualisierung Aktiv-Park
©Carla Lo Landschaftsarchitektur
Visualisierung Esplanade und Platz
©Carla Lo Landschaftsarchitektur
Masterplan
©Carla Lo Landschaftsarchitektur
Lageplan Vertiefungsbereich
©Carla Lo Landschaftsarchitektur
Präsentationsplakate
©Carla Lo Landschaftsarchitektur