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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2012

Hamburger Deckel - Abschnitt Altona, "Gut bedacht 2.0"

3. Preis

Preisgeld: 24.000 EUR

SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

Landschaftsarchitektur

Machleidt GmbH

Stadtplanung / StÀdtebau

ErlÀuterungstext

Mitarbeit:

Sumika Aizawa, Stephanie Braconnier, Elena Emmerich, Sophie Holz, Maja van der Laan, Frederike MĂŒller, Christoph Schimetzky

Gartenpark und Feldmark

Idee
Mit dem Bau der A7 wurde die Bahrenfelder Feldmark zerstört. Mit der Überdeckelung kehrt das Erleben von Landschaft in die Stadt zurĂŒck. Die neue Landschaftsfuge lebt dabei vom SpannungsverhĂ€ltnis zwischen lebhaft gegliederten Gartenparks an den Köpfen und einem großzĂŒgigen Wiesenraum im Zentrum.

Die RĂŒckkehr der Bahrenfelder Feldmark:
Der Deckel wird von einem diagonalen Beziehungsgeflecht ĂŒberspannt: die Lutherhöhe zwischen Kirche und neuer Stadtkante, die Bahrenfelder Chaussee mit dem grĂŒnderzeitlichen Fabrikensemble und der neu interpretierte Bahrenfelder Marktplatz bilden IdentitĂ€tsorte, stĂ€dtische Merkzeichen und damit die Ankerpunkte in einem System von Blickbeziehungen. Sie beschreiben den offenen Kernbereich des Freiraumbandes auf dem Deckel. Die Aktivierung und das Erleben dieses Raums erfolgt von den RĂ€ndern aus. Das Zentrum steht fĂŒr die freie Aneignung zur VerfĂŒgung. Das Raumbild ist geprĂ€gt von den markanten und blockhaften Gehölzkulissen von Bonnepark und Lutherpark. Diese werden als historische Parkinlays auch in ihren geschwungenen „langsamen“ WegefĂŒhrungen und dem pittoresken Baumbestand bestandsorientiert entwickelt und in ihrer Eigenart herausprĂ€pariert. Sie sind eingebunden in ein landschaftliches GefĂŒge grĂ¶ĂŸeren Maßstabs das von „schnellen“, vernetzenden Beziehungen und klaren Raumkanten lebt. Die Lutherkirche als herausragende Dominante wird als Blickpunkt nach Westen freigestellt. Der geschlossene Gehölzbestand wird gelichtet. Die Lutherkirche wird zur Kirche auf dem WiesenhĂŒgel.

New urban Gardening: Die neuen Gartenparks
In Altona wird mit neuen Formen des GĂ€rtnerns in der Stadt experimentiert. Die neuen Gartenparks im Norden und SĂŒden verstehen sich als öffentliche Parkanlagen mit Gartenfeldern unterschiedlichen Charakters. Neben die klassischen vereinsgebundenen Kleingartenanlage mit Einzelparzellen treten GemeinschaftsgĂ€rten interessierter BĂŒrgergruppen, von Schulen und Kitas, von verschiedener Kulturen. Neben dem klassischen RĂŒckzug ins Private tritt das Erlebnis (und die Erleichterung) gemeinschaftlichen GĂ€rtnerns. In den Gartenparks berĂŒhren sich die unterschiedlichen sozialen SphĂ€ren des Privaten, der Öffentlichkeit und der vielen Teilöffentlichkeiten. Die Entwicklung dieser Gartentypen ist fĂŒr die Zukunft offen angelegt. Dies erfordert ein robustes, vernetzendes ParkgerĂŒst mit einigen klaren Erschließungen und rĂ€umlichen Setzungen. Dieses GerĂŒst entwickelt sich pragmatisch aus den Höhenabwicklungen auf dem Deckel in Verbindung mit den stĂ€dtebaulichen AnknĂŒpfungspunkten. Angestrebt wird ein luftiges Gewebe aus Gartenfeldern, BaumplĂ€tzen, Obstwiesen und OffenrĂ€umen mit Wieseneinsaaten oder Spielfeldern (auch im Hinblick auf die Deckelaufbauten). Die Bespielung dieses Gewebes mit unterschiedlichen Gartentypen ist prinzipiell offen.

Verzahnende Stadtkontur
Die vorgeschlagenen stĂ€dtebaulichen Kanten im Norden und SĂŒden des Gebiets setzen auf eine intensive Verzahnung des Stadtkörpers mit dem Landschaftsraum. Angestrebt wird nicht eine „GlĂ€ttung“ der SiedlungsrĂ€nder sondern eine spannungsreiche Konturierung mit Raumöffnungen und Verengungen und der klaren Ausbildung von QuartiersidentitĂ€ten ĂŒber ihre Lage und Beziehung zum Park. Mit dem Verspringen der Stadtkante entsteht im Westen zudem eine vertikale Verzahnung mit dem Park: Der Parkweg wird zur Stadtstraße, wird zum Parkrandweg. An den VersĂ€tzen (wie an der Lutherhöhe) entstehen geschĂŒtzt Stadtbalkone. Die vorgeschlagenen Baustrukturen greifen die Typologien und Körnungen der geplanten und bestehenden Nachbarschaften auf, verdichten sich jeweils an den Eckbereichen zum Park.

Seitenwechsel: die ParkbrĂŒcke im Bonnepark
Mit den Neubebauungen am Bonnepark erfolgt eine KlĂ€rung der verwaschenen Parkkanten und ÜbergĂ€nge. Die Bebauung an der Silcherstraße im Osten erhĂ€lt parkseitig eine ErgĂ€nzung mit PunkthĂ€usern. Dieses autofreie Quartier wird ĂŒber die Parkwege erschlossen und bildet eine attraktive Stadtkante zum Park aus. Die Bebauung ist soweit zurĂŒckgezogen, dass ein Parksaum in 50m Breite erhalten bleibt. Das stĂ€dtische Haus am Bahrenfelder Marktplatz 17 wird damit zum Haus im Park und hilft den Eingang in den Park mit öffentlichen Nutzungen (wie Gastronomie, BĂŒrgerhaus, NABU) von SĂŒden zu eröffnen. Auf der Westseite greift eine Kopfbebauung die Baulinien der Ensemble Bahrenfelder Chaussee / Parkdomizil auf und definiert eine maßstabsvermittelnde Parkkante. Der „Seitenwechsel“ des Bonneparks erhĂ€lt mit diesen baulichen ErgĂ€nzungen eine klare Kontur, der Park erhĂ€lt eine stĂ€dtisch definierte „BrĂŒcke“. Über eine Promenadenspange zwischen Theodor- und Silcherstraße werden die Parkrandstraßen zusammengebunden und mit dem zentralen Freiraum verknĂŒpft. Der neugestaltete Spielplatz an der Silcherstraße bildet den Auftakt dieser freirĂ€umlichen Geste an der Reineckestraße im Osten. Das in den neuen Siedlungen anfallende Regenwasser wird in gestalteten RasenbĂ€ndern gesammelt und zur BewĂ€sserung der neuen Gartenparks eingesetzt.

Neuformatierung eines historischen Orts: Der Bahrenfelder Marktplatz
Das EinschnĂŒren des Marktplatzes mit Verkehrsbauwerken, die extremen MaßstabssprĂŒnge in der benachbarten Bebauung und der topografische Versatz am Osdorfer Weg machen die Entwicklung einer neuen Platzidee erforderlich die sich auch vom historischen Bild löst. Vorgeschlagen wird ein Geschwisterpaar aus KopfgebĂ€uden im Osten und Westen. Das GebĂ€ude im Westen erhĂ€lt einen Info-Turm als neues Merkzeichen; das östliche GebĂ€ude nimmt die L-Struktur der sĂŒdlich angrenzenden Bebauung auf und nimmt ĂŒber die Geschossigkeit des Kopfes auch Bezug zum Bestand im Osten auf. Das Ensemble wird durch die Platzintarsie und eine Treppenanlage am Osdorfer Weg zusammengespannt. Der Platz ist damit gegenĂŒber der Straßenebene deutlich eingesenkt und erhĂ€lt als optischer Filter zur Straße eine Reihe von Heckenlamellen die die DiagonalitĂ€t der vormaligen Platzfigur zurĂŒckhaltend aufgreifen. Blickbeziehungen zur nördlichen Platzkante werden neu entwickelt. FreirĂ€umlich lebt der Platz vom Kontrast der strengen Figur mit den erhaltenen GroßbĂ€umen. Er ist gestaltet mit einem kleinformatigen Pflasterbelag (enge und offene Fugen ermöglichen partiellen Rasenbewuchs) und wird durch Rasenfelder gegliedert . Der Platz kann so kleinere Gartenoder FlohmĂ€rkte aufnehmen ohne im Normalzustand eine ĂŒberzogene UrbanitĂ€t auszustrahlen. Den Deckel gestalten: Einbinden und Inszenieren mit Parkelementen Der Hamburger Deckel stellt ein Pionierprojekt dar, das mit seinen BrĂŒchen und Barrieren einerseits flĂŒssig einzubinden ist, sich anderseits aber selbstbewusst als technisches Werk zu erkennen geben sollte. Dies betrifft das Mikrorelief der Faltungen auf dem Deckel selbst, die GelĂ€ndekanten zur Umgebung und die topografischen Durchdringungen der Ausfahrten und Wartungselemente. - Vorschlag: alle aufgehenden „harten“ Bauwerksteile werden einem klaren Materialduktus unterworfen: reliefgeschalter heller Beton und silbergraue Metallteile.

- Ein zentraler Promenadenweg bildet das RĂŒckgrat des Parks fĂŒr Fahrradfahrer und FußgĂ€nger und zeichnet dabei die charakteristische Bogenfigur nach. Er wechselt zwischen den Mittel- oder RandgrĂŒndungen seine Lage und wird als Ortbetonweg als Teil des Bauwerks interpretiert. Er schwingt leicht erhaben ĂŒber den Faltungen der DeckeloberflĂ€che (5-30cm) und ermöglicht damit eine barrierefreie Überwindung der Hochpunkte; mittels Aufkantungen wird der Weg gleichzeitig zum multifunktionalen Parkmöbel (Sitzen, Skaten, Balancieren,
);

- Die barrierefreien BrĂŒcken ĂŒber Osdorfer Weg und Bahrenfelder Chaussee werden in der Anmutung als Teil des Promenadenbandes interpretiert. Treppen binden die Hochpunkte an die gequerten Straßenebenen an.

- Die Ausfahrten Osdorfer Weg werden mit aufgehenden WĂ€nden hergestellt und nur leicht einmodelliert. Die ĂŒberdachten FlĂ€chen, als RasenflĂ€chen hergestellt und begehbar, ermöglichen Blicke in die Ausfahrten;

- Vogelkirschenhain: Der Zwischenraum der Ausfahrten am Osdorfer Weg erhĂ€lt eine raumwirksame Schale aus wilden Vogelkirschen. Die BrĂŒcke wird zum Weg durch die Baumkronen: Der Hain bildet den zentralen rĂ€umlichen Schirm und verzahnt als lineares Element die Parkteile Gartenpark und Feldmark.

- Bahrenfelder Terrasse: Die westliche Deckelkante zwischen ParkbrĂŒcke und Bahrenfelder Chaussee bildet eine eigenstĂ€ndige Ebene mit BaumplĂ€tzen und Spiel- / Sportinseln aus. Sie vermittelt zwischen dem höherliegenden Deckel und dem (privaten) Umfeld mittels einer klaren baulichen Kante. Die Faltung des Deckels wird an dieser Horizontlinie erlebbar. Die Nutzungen der Parkkante aktivieren den offenen Rasenraum
als Spielraum.

- Topografien: WĂ€hrend sich die ReliefversĂ€tze des Deckels in der Regel durch raumökonomische Böschungen leicht abzeichnen, an der B. Terrasse sogar herausgearbeitet werden, wird der zentrale Wiesenraum vor der Lutherkirche zur weichen Einmodellierung genutzt. SolitĂ€rbĂ€ume und Gruppen bleiben auf GelĂ€ndeerhebungen erhalten; Die bestehenden LĂ€rmschutzwĂ€nde werden abgetragen und zur VerfĂŒllung des Deckels genutzt.

- Deckelanfang, und Deckelende: die Beobachtung des ein- und ausfahrenden Verkehrs stellt ein spezifisches Parkerlebnis in Altona dar. Im Norden und SĂŒden entstehen PlĂ€tze und Balkone um den Blick auf den strömenden Verkehr zu ermöglichen.

- Biotopverbund: die neue Bahrenfelder Feldmark verknĂŒpft die vorhandenen Biotope und bildet eine wichtige Voraussetzung fĂŒr die weitere Biotopvernetzung.

Die Parks vernetzen: Entwicklung und Einbindung des Bestandes
Mit der Auslegung der Hauptpromenaden in Nord-SĂŒd-Richtung sowie der neuen Ost-West-Beziehungen im Lutherpark und der ParkbrĂŒcke Bonnepark als short cuts können die bestehenden Parkwegenetze zu ruhigen Binnensystemen entwickelt werden. Sie werden erneuert ohne ihren Park-Charakter zu verlieren. Die Anbindungen an die ParkrĂ€nder und Hauptwege sind neu zu ordnen und werden durch EingangsplĂ€tze gestĂ€rkt. Der Lutherpark Ost erhĂ€lt randliche Wege um im Norden eine behutsame bauliche Entwicklung zu ermöglichen oder im SĂŒden bestehende Siedlungsfragmente einzubinden. Der Zugang August-Kirch-Straße und damit an die „Volksparkachse“ wird im Rahmen des Möglichen erweitert und mit einer platzartigen Eingangssituation versehen. Die zweite stĂ€dtebaulich dominante Beziehung zum Volkspark ist der Holstenkamp. Dieser wird als 30 m breite Parkstraße mit 4 Baumreihen und innen liegendem Boulevard interpretiert. Das Ensemble des Pflegezentrum Bahrenfeld wird Baumpflanzungen mit der Gehölzkulisse des Lutherparks verwoben.
Die Landschaftsachse im Norden wird am nördlichen Tunnelkopf mit dem Gartenpark verschrĂ€nkt. Der Kopfplatz leitet auf das verwilderte Schießstandareal ĂŒber. Ein auf dem Grat eines Walls verlaufener Weg sowie eine barrierefreie Anbindung leiten in den Schulgarten am Volkspark ĂŒber. Weitere querende Wegebeziehungen werden vermieden, die innere Struktur der SchießwĂ€lle erhalten. Die Plateaus im Ostteil des Parks werden mit Spiel- und Sportinseln auf verschiedenen Ebenen behutsam nutzbar und zugĂ€nglich gemacht. Die Wall-Graben-Strukturen im Westen bleiben weitgehend unberĂŒhrt. Eine selbststĂ€ndige Aneignung ist denkbar. Im SĂŒden korrespondieren die AnknĂŒpfungen des neuen Sportparks Baurstraße mit dem Versatz der Stadtkante im Westen an der Adickesstraße wie auch der sĂŒdlichen Kopfbebauung an der Bahntrasse. Die Anbindungen enden jeweils in KopfplĂ€tzen. In Richtung Elbe nimmt die Hauptachse nach der (vorgegebenen) Bahnunterquerung die Ausrichtung der vorhandenen Siedlungskante Bossekamp auf und schließt vor der Walderseestraße ab. Neue Rampenanbindungen ĂŒber die BrĂŒcke Behringstraße und die BrĂŒckenunterfĂŒhrungen sichern eine barrierefreie