Einladungswettbewerb | 05/2025
Haus der Musik in Braunschweig
©Gustav Düsing
2. Preis
Preisgeld: 20.000 EUR
schlaich bergermann partner - sbp SE
Tragwerksplanung
Dehne.Kruse, Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG
Brandschutzplanung
Müller-BBM Building Solutions GmbH
Akustikplanung
Transsolar Energietechnik GmbH
Energieplanung
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfassenden der Arbeit 1001 gliedern das Bauvorhaben sehr geschickt in drei horizontale Schichten: ein offen, transparent und einladend wirkendes Erdgeschoss. Die Ebenen +1 bis +3 bilden eine weitere Schicht, welche an die Traufhöhen der Umgebung anschließt und in ihrer Fassadengestaltung eine gekonnte Reminiszenz und schöne Weiterentwicklung an den Bau der Böhms darstellt.
Über dieser Schicht scheint das 4.OG als Gastronomieebene ganz leicht und zart als eine Art Pavillon mit umlaufender Terrasse zu schweben.
Sehr positiv wird die Eingangsebene, der dritte Ort, bewertet, der sich terrassenartig bis in das 2.OG erstreckt und vielfältige Orte der Begegnung, des gemeinsamen Miteinanders jeder Art, anbietet und dies auf sehr niederschwellige Art. Kontrovers wird die Lage der Rolltreppen und der etwas versteckt liegenden Treppenantritte der hinter der Küche liegenden Treppenanlage diskutiert. Die Erschließungsflächen der Musikschule werden in ihrer Art als eine sehr schöne Fläche der Begegnung und des Aufenthaltes gesehen.
Die BGF ist überdurchschnittlich und wird als kritisch gesehen.
Insgesamt stellt sich der Entwurf 1001 in der Zartheit der Architektursprache, der Niederschwelligkeit für die Benutzer:innen und die Besucher:innen und der Flexibilität und Großzügigkeit des dritten Ortes als einen sehr wertvollen Beitrag zur gestellten Aufgabe dar.
Die Erschließung durch den Fußverkehr in der Fußgängerzone der Poststraße wird als verkehrssicher erachtet. Die öffentlichen Radabstellanlagen neben dem Gebäude bleiben erhalten. Das ungenutzte Untergeschoss könnte für weitere Fahrradabstellplätze genutzt werden, da es sonst keine eigene Anlage dafür gibt. Die Anlieferung wird nicht gut dargestellt und erscheint zu klein bemessen, könnte aber funktionieren. Hierzu könnten auch Flächen der vorgeschlagenen Musik-Kita genutzt werden.
Die Einschnitte in den Rohbau für Konzertsaal beziehen sich auf die vorhandene Struktur, diese wird in größerem Umfang erhalten. Ob die neuen Stahlstützen mit Mikropfählen erforderlich sind, würde sich bei vertiefter Planung zeigen.
Der Konzertsaal ist etwas zu klein, jedoch hinsichtlich des Volumens gut zu erweitern. Die Musikschule ist offen zum Foyer, deshalb wären eventuell Sondermaßnahmen wie Schleusentüren, Vorhänge im Foyerbereich etc. nötig.
Für den Musikschulbetrieb werden zwei Geschosse als in sich geschlossen vorgesehen und somit autark nutzbar sein. Ein separater Zugang 24/7 muss noch eindeutiger organisiert werden. Die Musikschulsäle sind im Untergeschoss nah beieinander und zugänglich angeordnet. Die Verortung von Musikschulfächern (Schlagwerk "wieder" im Keller, Tonstudio näher/ direkt an Musikschulsäle) muss angepasst werden. Die Musikhalle kann für die Ergänzung öffentlicher Probenräume aufgelöst werden.
Der Entwurf der Verfasserinnen und Verfasser ist eine Hommage an das Böhm´sche Original – die vorgeschlagene Transformation soll leicht, offen, hell, einladend und modern wirken und gelingt in hohem Maße. Gekonnt werden charakteristische Elemente des ´Originals´ dekonstruiert, neu kombiniert und zeitgemäß interpretiert. Ebenso sensibel und behutsam wie der Umgang mit der Substanz ist, werden bestehende Qualitäten weiter entwickelt. Der ´dritte Ort´ wird als großzügiges, zentrales Atrium, als öffentliches, gemeinschaftliches und inklusives Wohnzimmer mit urbanen Qualitäten - inmitten der Innenstadt - angeboten. Das von den Verfassenden als ´Reprise´ bezeichnete Entwurfskonzept ist Grundlage für einen überzeugenden Stadtbaustein in der prognostizierten ´Post-Retail-City´.
©Gustav Düsing
©Gustav Düsing
©Gustav Düsing