Einladungswettbewerb | 05/2025
Haus der Musik in Braunschweig
©Dorte Mandrup Arkitekter
Anerkennung
Preisgeld: 12.500 EUR
Architektur
Tragwerksplanung
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit zeichnet sich durch ein gut strukturierten Grundriss aus. Die Eingriffe in den Bestand sind angemessen im Umfang. Der Saal ist klar in das Bestandsvolumen eingeschnitten. Während an der Jacobstraße die dienenden Räume des Konzerthauses und im Erdgeschoss die Anlieferung angeordnet sind, befindetsich an der Poststraße ein offenes und terrassiertes Treppenfoyer, das mit seinen Zwischenpodesten und Podesten verspricht, den „dritten Ort“ in die alltäglichen Abläufe zu integrieren und entsprechend zu aktivieren. Dieses Treppenfoyer wird in der Ausgestaltung und Offenheit sehr positiv beurteilt. Hier ist auch für die Nutzenden an den vorhandenen erhaltenen Betonkonstruktionen attraktiv erfahrbar, dass es sich um einen Bestandsbau handelt. Die Treppen mit Ihren Podesten sind in der Lage, große Besuchermengen aufzunehmen und gleichzeitig in Zeiten ohne große Besucherströme nicht leer zu wirken. Die Nischen in Ihrer Kleinteiligkeit als dritter Ort werden kritisch diskutiert. Einige Zwischenpodeste sind nicht barrierefrei erreichbar. In der Flächenbilanz zeigt sich dieses Treppenfoyer allerdings in einem sehr großen Anteil an Verkehrsfläche und damit verbunden in einer sehr großen BGF Fläche. Dieser Umstand wird kritisch beurteilt und liegt weit über dem Durchschnitt der Arbeiten.
Die Musikschule wird als zweigeschossiger Aufbau auf das Haus gesetzt. Dadurch entsteht ein sehr großes kompaktes Volumen, das städtebaulich die Höhen der Umgebung überschreitet und auch durch die eingefügte horizontale Teilung der Fassadengestaltung nicht ganz überzeugt. Die flächige Organisation der Musikschule führt allerdings zu einer großen Anzahl von unbelichteten und damit nicht attraktiven Unterrichtsräumen. Die Lage in den Obergeschossen ist für die Besucher trotz der vorbeschriebenen attraktiven Treppenverbindung aufwendiger zu erreichen.
Die Fassade orientiert sich an dem Entwurf von Elisabeth und Gottfried Böhm.
Anstatt der geschlossenen Elemente werden sandgestrahlte Glaselemente vorgeschlagen, um die Transformation in einen Kulturort zu zeigen. Ob die Semitransparenz des Glases dazu geeignet ist, die Fassade der Böhms mit Ihren Unterkonstruktionen nachzubilden, wird kritisch diskutiert.
Die Anlieferung in der Brabandtstraße mit Rückwärtsfahrt wird kritisch gesehen, da ÖPNV und sonstiger Verkehr angehalten werden müssen. Die Erschließung für Fußgänger aus dem Fußgängerzonenbereich wird positiv gesehen. Öffentliche Radabstellanlagen können neben dem Gebäude erhalten bleiben, einige wenige Radabstellanlagen für Mitarbeitende wurden im Haus vorgesehen.
Die Einschnitte für den Konzertsaal erfolgen ohne direkten Bezug zum vorhandenem Raster. Etliche Aussteifungswände inkl. der Treppenhäuser werden entfernt, dieses wäre zu kompensieren. Eine Weiternutzung der alten Deckenfelder als tragende Wände wird nicht funktionieren, die Mindestbewehrung wäre unterschritten.
Der Konzertsaal ist zur Beurteilung nicht vollständig dargestellt, für eine vollständige Bewertung des Konzertsaales fehlt ein Längsschnitt. Er ist jedoch soweit prinzipiell umsetzbar. Kreisrunde Formen, wie Balkonbrüstungen, sind diffus aufzulösen. Für die Luft- und Körperschalltrennung zwischen großen Saal und darüberliegender Musikschule ist ein hoher baulicher Aufwand zu erwarten.
Für den Musikschulbetrieb werden zwei Geschosse als in sich geschlossen inkl. der Musikschulsäle vorgesehen (4.+5.OG) Einige innenliegende Unterrichtsräume haben kein Tageslicht, dies ist sehr problematisch. Die Registerprobenräume sowie das Tonstudio liegen von den Sälen zu weit entfernt. Ebenso sind Verwaltungs- und Schülerleitungsräume von der Ebene des Lehrerzimmers getrennt. Dieses sollte jeweils angepasst und zusammengelegt werden. Die Anlieferungssituation muss in Bezug der Musikschulnutzung geprüft + ggf. angepasst werden.
Die Verfassenden haben eine Strategie: Erhalt und Transformation der Gebäudemasse, ohne die Funktionalität einzuschränken – und diese Strategie geht auf. Auch wird die gewürdigte Fassade von Elisabeth und Gottfried Böhm in Konzeption und Struktur und in Bezug auf die kollektive Erinnerung bewahrt, dem Gebäude soll zukünftig ein transluzentes leichtes Gewand verliehen werden, so dass zukünftig das Braunschweiger Musikleben gefeiert werden kann – sowohl für die Ausübenden als auch für die Zuhörenden, die Passanten werden zu einem ´musikalischem Fest´ eingeladen. Der ausgewogenen Ansatz zur Erhaltung, Wieder- und Weiterverwendung und Neubau ist überzeugend dargelegt, der Entwurf ist ein wertvoller Beitrag.
©Dorte Mandrup Arkitekter
©Dorte Mandrup Arkitekter