Einladungswettbewerb | 03/2025
Hochbauliche Entwicklung Bezirksamt Hamburg-Nord in Hamburg-Eppendorf
©&MICA GmbH
Hochpunkt auf der ehemaligen Bücherhalle
Teilnahme / 2. Rundgang
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Silvia Ciprian, Stefan Fahlbusch, Christophe Leclere, Ludovic Bacon Maho, Ross Skyba, Huilian Tang, Albrecht Maaß, Kaspar Dettinger
Tragwerksplanung
Erläuterungstext
Bezirksamt Hamburg-Nord: Alt trifft Neu und wird grüner Wohnraum
Aus einem der ersten Verwaltungsbauten im Hamburg der 50er Jahre wird ein gemischtes Quartier, das sich zu allen umgebenden Seiten öffnet. Es begegnet im Osten dem Stadtraum des alten Eppendorfs und nimmt im Westen die Idee der freistehenden Gebäude im Grünen auf. Das neue Wohnquartier wird ein Bindeglied zwischen Epochen, zwischen Wohnen und Gemeinschaft und bewahrt den Charakter des Zeitzeugnisses Bezirksamt.
Die funktionale Weiterentwicklung des Gebäudeensembles schafft trotz der hohen baulichen Dichte hochwertige Außenräume. Mit dem Angebot kleiner Wohnungen schließt dieses Bauprojekt eine Lücke in der Eppendorfer Wohnlandschaft. Die Versiegelung ist auf ein Minimum reduziert, ein Großteil der Bäume wird erhalten. Das Quartier lebt vom umgebenden und eingewebten Grün.
Städtebauliches Konzept: Verschiedenheiten verbinden
Das Bezirksamt in Eppendorf steht als Ensemble an der Schnittstelle zweier heterogener Nachbarschaften. Das neue Quartier reagiert entsprechend mit unterschiedlichen hochbaulichen und landschafsgestalterischen Mitteln. Im Zentrum steht die Idee eines Wohnquartiers, das sich zu seiner Umgebung öffnet und den Bestand logisch fortschreibt.
Wir fokussieren dabei drei Baufelder:
_Bauteil C: In Richtung Marie-Jonas-Platz steht eine starke Adressbildung zum Stadtteilzentrum im Fokus. Ein neues, fünfgeschossiges Gebäude wird der geschlossenen Fassaden von Bauteil C1 vorgelagert und verbindet den Bestandsbau stärker mit dem öffentlichen Raum. Das erhöhte Gebäudevolumen sorgt für mehr Sichtbarkeit, und eine öffentlichkeits-orientierte Erdgeschossnutzung verstärkt die Verbindung. Das einhüftige Bauteil C1 wird nach Süden erweitert und schafft so einen neuen Bezug zum Außenraum.
_Bauteil E: Auf die ehemalige Bücherhalle setzen wir einen Neubau, erhalten jedoch die historische Fassade. Hier entsteht am Knick der Magistrale ein Hochpunkt, der mit insgesamt neun Geschossen Leuchtturm des Quartiers wird und sich in der Höhenentwicklung am bestehenden Schwesterheim orientiert. An dem Ort mit dem höchsten Potenzial zur Nachverdichtung schaffen wir zusätzlichen Wohnraum ohne neu zu versiegeln, alle Bäume bleiben bestehen und die Parkplätze werden weitgehend entsiegelt.
_Bauteil A: Ein kompletter Neubau sorgt an der Südseite des Bestands für mehr Luft, Durchlässigkeit und Großzügigkeit. Der ursprüngliche 80er Jahre-Bau trennt den Hof in zwei ungleiche Teile und verbaut das zentrale Treppenhaus. Das neue, freistehende Hofgebäude ermöglicht nun einen gleichmäßig geteilten und luftigeren durchlaufenden Grünbereich und den unverbauten Blick aus dem denkmalgeschützten Treppenhaus.
Sowohl zur Magistrale, als auch zum Marie-Jonas-Platz und vor dem ehemaligen Sitzungssaal laden öffentlich zugängliche Auftaktplätze zur Begegnung ein. Durch den Anbau Richtung Mari-Jonas-Platz entsteht ein eigenständiger, begrünter Ankommens- und Aufenthaltsraum entlang der Kümmelstraße. Hier befinden sich die Haupteingänge in die Bestandsgebäude.
Ein durchlaufender Grünraum im Inneren des Quartiers verbindet alle Wohnbereiche miteinander und ist nur für die Bewohner und Nutzer zugänglich. Dabei ist die östliche Seite des Hofs eher ruhig, und von Erdgeschoss-Wohnungen umgeben, die westliche Seite geschäftiger. Hier werden die Erdgeschosszonen hauptsächlich von Gemeinschaftsnutzungen belebt. Hinter der Bücherhalle setzen sich die Höfe fort und gehen in einen vielseitigen Grünraum mit Spielflächen über. Organisch fügt sich damit das Ensemble an die südliche Grundschule, auch dank der Nutzung des Erdgeschosses des neuen Hofgebäudes als Kita, dessen Spielflächen an das Grundstück der Schule angrenzen.
Hochbauliches Konzept: Abgestimmtes Ensemble
Der denkmalgeschützte Bestand wird mit den Neubauten harmonisch weitergebaut. Die neuen Gebäudeteile stellen sich nicht in den Vordergrund, sondern ergänzen das Bestehende. So übernimmt der Hochpunkt auf der Bücherhalle nicht nur die äußeren Proportionen, sondern auch das Stützraster des Bestands. Der Eingangsbereich erstreckt sich über den bestehenden Patio und nutzt diesen als Loggia für die neu entstehende Erdgeschoss-Nutzung. Die Aufdopplung von Bauteil C1 folgt ebenfalls dem bestehenden Raster und schreibt die jetzige Büronutzung sinngemäß in Wohnungen um. Auch ästhetisch bleibt der Bestand die Orientierungsgröße. Fassaden werden zeitgemäß interpretiert – sowohl in der Gliederung als auch in der Gestaltung.
Funktionales Konzept: Mehr Wohnraum, lebendige Erdgeschosse für alle
Der Großteil des Quartiers ist der Wohnnutzung vorbehalten – und zwar vornehmlich in kleineren Wohnungen und gemeinschaftlichen Wohnformen, die in Eppendorf ansonsten Mangelware sind. Zur Magistrale orientieren sich kleine Apartments, die für Studierende oder Angestellte des nahen Uniklinikums attraktiv sind. Richtung Marie-Jonas-Platz finden vor allem Wohnungen für Familien oder Senior*innen Platz. Von hier aus profitieren sie von den kurzen Wegen und der niederschwelligen Erreichbarkeit alltäglicher Annehmlichkeiten.
Wir erhalten die flexible Baustruktur, in der sich jeweils drei Bauteile an den beiden zentralen Treppenhäusern des Bestands treffen. Diese bleiben als wichtigste Erschließung erhalten und werden durch untergeordnete Treppenhäuser ergänzt. ‘Sicherheitstreppenhäuser light’ erschließen in den Neubauten die Wohnungen über der Bücherhalle und im neuen Bauteil im Hof. Alle Wohnungen der Neubauten sowie die Wohnungen in Bauteil C verfügen über einen privaten Außenbereich.
Aber hier wird nicht nur gewohnt. Geplant sind ein Medienhaus für Kinder und Jugendliche in der ehemaligen Bücherhalle, Gemeinschaftsräume und ein Café im Bauteil B, im Anbau Richtung Stadtteilzentrum ein Co-Working-Café und ein Restaurant im ehemaligen Sitzungssaal. Die öffentlichen Funktionen werden ergänzt durch eine Kita, deren Freibereich mit den Hofflächen der danebenliegenden Grundschule verschmilzt.
Alle Abstandsflächen liegen auf dem eigenen Grundstück. Die Bücherhalle und Bauteil A funktionieren als eigenständige Gebäude, der Bestand kann aufgrund seiner Struktur und der gegenseitigen Abhängigkeit der einzelnen Bauteile nur als Ganzes betrieben werden.
Tragwerksplanung: Effizient und bestandsgerecht
_Bauteil A: Der geplante Neubau mit 6 Geschossen wird in Massivbauweise errichtet. Die Tragstruktur besteht aus Stahlbetondecken, ergänzt durch Kerne zur Aussteifung. Tragende Mauerwerkswände in Kombination mit wenigen Stahlbetonwänden übernehmen die vertikale Lastabtragung. Die bestehende Tiefgarage kann die Lasten des Neubaus nicht ohne aufwändige Verstärkungsmaßnahmen aufnehmen, die als unwirtschaftlich gelten. Daher wird der Neubau der Tiefgarage bevorzugt. Die bestehenden Außenwände können temporär als Verbau genutzt werden, was die Baugrubensicherung vereinfacht und den Bauprozess optimiert.
_Bauteil E: Das 8-geschossige Hochhaus entsteht auf der bestehenden Bücherhalle, die als Basis erhalten bleibt. Es wird in Stahlbetonskelettbauweise mit vorgehängter Fertigteilfassade errichtet. Die Aussteifung erfolgt über zwei Stahlbetonkerne, während Stahlbetonstützen die vertikalen Lasten tragen. Fertigteilelemente für Balkone ermöglichen eine schnelle Umsetzung, und Pfahlgründungen werden bei Bedarf integriert.
_Bauteil C: Während die Sanierungsmaßnahmen statisch weniger im Fokus stehen, liegt der Schwerpunkt der Tragwerksplanung auf der geplanten Erweiterung, die an den Bestandsbau angeschlossen wird. Der 5-geschossige Baukörper wird in Skelettbauweise mit Fertigteilen umgesetzt. Besondere Beachtung gilt der Verbindung von Alt- und Neubau sowie der Vermeidung von Setzungsunterschieden. Die Erweiterung wird voraussichtlich auf einer Bodenplatte gegründet.
Energieversorgung: die Nachhaltigkeit im Fokus
Der Entwurf setzt sich einen klimaneutralen Betrieb als Maßstab. Ein Klimafahrplan und CO2-Bilanzierungen können im Planungsverlauf zielführend eingesetzt werden. Zur Energieversorgung werden nach einschlägiger Prüfung prioritär fossilfreie Quellen in der Nachbarschaft verwendet, beispielsweise die Nutzung von Abwärme aus dem Abwasserkanal oder mittels Geothermie. Eine gute Alternative sind Luft-Wasser-Wärmepumpen in Kombination mit Fernwärme. Die Dachflächen werden zur Stromversorgung mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet.
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Erweiterung Richtung Marie-Jonas-Platz
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Schwarzplan & Leitidee
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Hochpunkt Richtung Magistrale
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Neubau im Innenhof
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Adresse am Marie-Jonas-Platz
©&MICA GmbH, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg
Freiraumentwurf 1:500
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Grundriss EG1 1:200
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Grundriss EG2 1:200
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Grundriss RG 1:200
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Axonometrie Funktionsverteilung
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Schnitt 1:200