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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2026

Hochbauliche Neuentwicklung Viktoriakarree an der Universität Bonn

Vikoriakarree_Blick von der Franziskanerstraße
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Vikoriakarree_Blick von der Franziskanerstraße

ein 1. Preis

Preisgeld: 60.000 EUR

Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH

Architektur

Hartwich Bernhardt INGENIEURE GmbH

Tragwerksplanung

WINTER Beratende Ingenieure für Gebäudetechnik

TGA-Fachplanung

Müller-BBM Building Solutions GmbH

Bauphysik, Nachhaltigkeitskonzept, Brandschutzplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Die städtebauliche Figur ist grundsätzlich gut nachvollziehbar: Anker des Neubaus ist der Schwimmhallenbaukörper des ehemaligen Victoriabades, der in seiner Kubatur bleibt. Zusätzlich schlagen die Verfasser einen viergeschossigen Baukörper vor, der sich von der Franziskanerstraße in den Block bzw. die neue Gasse entwickelt. Beide Baukörper werden durch einen dritten verbunden, der die grüne Mitte begrenzt und vorrangig als Bindeglied und zur inneren Erschließung dient.

Klare Gebäudekanten an der Franziskanerstraße sowie die Fassadengestaltung mit offenen Schaufenstern bilden eine einladende Geste und Verbindung zu den umliegenden Nutzungen. Das Café ist als öffentliche Nutzung direkt an der Ecke Franziskanerstraße mit zurückgesetzten Fassaden gut platziert und leitet den Besucher in das Gebäude und zu den folgenden Eingängen bzw. Hauptnutzungen.

Im Rahmen globalisierter Nutzungen ist in diesem Fall auch eine „globalisierende Fassadengestaltung“ gewählt, die als „klassisch-konservativ“ bezeichnet werden kann. Sie unterstreicht die Transparenz und gewollte Durchlässigkeit des Gebäudes für das Quartier. Sie wird vom Preisgericht jedoch auch hinsichtlich ihrer Dominanz und fehlender Identitätsstiftung für die Nutzung Bibliothek kontrovers diskutiert.

Die Fassade ist hochwertig, der Travertin-Stein des historischen Schwimmbades ist aufgenommen und sie steht für ein multifunktionales Gebäude mit kulturellen, vielleicht aber auch kommerziellen Inhalt. Die transparente und einladende Eckgestaltung im EG setzt sich durch die Ausbildung von großformatigen „Schaufenstern" in den Obergeschossen fort. Gestalterisch fassen horizontale Naturstein-Bänder die Geschosse und ihre Nutzungen zusammen. Die dazwischenliegenden senkrechten und in unterschiedlichen Rhythmen angeordneten Fassadenelemente ermöglichen wechselnde Einblicke in unterschiedliche Nutzungen.

Nicht nachvollziehbar ist die Dachgestaltung mit sehr eng gesetzten Gauben, die eine nachträgliche Verdichtung zur Wohnnutzung vermuten lässt. Eine möglicherweise zu starke „Dominanz“ wurde auch hinsichtlich der Kubatur des kompletten Neubaus diskutiert.

Die Haupterschließung von Kulturforum und Bibliothek ist eine konsequente Fortführung der einladenden Ecksituation, so z. B. durch die Fassadenführung, den großzügigen Eingang und die konsequente Fortführung des Weges bis zum oben beschriebenen Erschließungsbaukörper. Der Besucher wird in das Gebäude geleitet und kann sich durch die offene und dennoch definierte Grundrissgestaltung direkt orientieren. Die Lage des Kulturforums in den Obergeschossen wurde in Bezug auf Sichtbarkeit und Flexibilität dennoch kritisch bewertet.

Die grüne Mitte ist großzügig gestaltet und bietet Raum für die geforderten Baumpflanzungen, liegt jedoch nicht innerhalb des Neubaus, sondern grenzt optisch an die rückwärtige Wohnbebauung an. Dies wurde als möglicher Nachteil in Bezug auf Nutzung und Attraktivität gewertet. Durch die einschwenkende Eingangssituation in der neuen Gasse entsteht zusätzlich ein zweiter attraktiver Freiraum. Die Erschließung von Nebennutzungen wie Fahrradgarage und Müllentsorgung sind gut gelöst.

Die denkmalgeschützte Fassade des erhaltenen Schwimmbades ist nach innen geschützt und energetische ertüchtigt. Sie ist in zwei Galeriegeschossen auf sogenannten Lesebalkonen sichtbar, jedoch aufgrund des geringen Abstandes der Balkone zur Fassade nach Meinung der Jury nicht voll erlebbar. Der bestehende Keller wird einer neuen Nutzung zugeführt. Die vorhandene Bausubstanz wird voll genutzt und ist im relativen Vergleich zu anderen Wettbewerbsergebnissen etwas zu groß. Die Magazine sind entgegen der Auslobung alle im Untergeschoss untergebracht.

Die Primärkonstruktion ermöglicht als Betonskelettbau mit speicherfähigen Flachdecken die großzügigen Funktionsbereiche, die ineinander übergehen und flexibel genutzt werden können. Die Fassade als Pfosten-Riegel-Konstruktion erscheint eher wiederum eher klassisch-konservativ als betont nachhaltig. Insgesamt stellt sich die Frage der tatsächlichen Recycling-Fähigkeit der Materialien. Positiv zu bewerten ist, dass die Materialien und Konstruktion sehr solide und wenig wartungsintensiv sein werden. Der baulich-architektonische Ansatz erscheint also nachhaltig, da hochwertig und langlebig.

Leider wurden die Hinweise zu einer nachhaltigen Versorgungstechnik (z. B. Brunnennutzung) nicht aufgenommen und stattdessen wird ein Anschluss an das Fernwärmenetz vorgeschlagen. Dies sollte optimiert werden. Die Dachflächen werden einerseits für Gründächer und andererseits für PV-Flächen genutzt. Der Fensterflächenanteil müsste insgesamt und konkret im Brüstungsbereich merklich reduziert werden. Der starre Sonnenschutz bietet nur einen begrenzten sommerlichen Wärmeschutz.

Materialien und Konstruktion bieten eine nachhaltige, wirtschaftliche und flexible Nutzung, auch wenn die Flächeneffizienz rechnerisch zu gering ausfällt. Der Kostenrahmen liegt etwas über dem Durchschnitt aller Arbeiten. Die NUF liegt im Durchschnitt, die VF liegt etwas über dem Durchschnitt. Die Ansätze für Klimaneutralität, sommerlichen Wärmeschutz, Brandschutz, Barrierefreiheit und Schallschutz müssen optimiert werden. In einer möglichen weiteren Entwurfsbearbeitung sollten dennoch auch Optimierungen in Bezug auf die Fragen zur identitätsstiftenden und maßstabsgerechten Architektur berücksichtigt werden.

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Arbeit die vielfältigen Anforderungen der komplexen Aufgabenstellung grundsätzlich gut erfüllt, indem Sie eine ansprechende Architektursprache, einen gut strukturierten Städtebau im Rahmen der Festsetzungen des Bebauungsplans anbietet. Das Raum- und Funktionsangebot ist gut gelöst und bietet eine ausreichende zukunftsorientierte Flexibilität.
Viktoriakarree_Gasse

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Viktoriakarree_Bibliothek

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Lageplan

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