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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2013

IGA Berlin 2017

4. Preis

SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

Landschaftsarchitektur

schlaich bergermann partner - sbp SE

Bauingenieurwesen

Sauerbruch Hutton

Architektur

werk3 architekturvisualisierungen

Visualisierung

ErlÀuterungstext

Mitarbeit:

Sumika Aizawa, Sumika Pia Custodis, Elena Emmerich, Lisa Hankow, Peter Hausdorf, Sophie Holz, Denny Mlotzeck, Maja Neumann, Sebastian Radtke, Martin Tietz, Jakob Trzebitzky, Maja van der Laan


New Urban Arcadia
Die mythologische Landschaft Arkadien stellt in der westlichen Kultur einen Sehnsuchtstopos dar, der vielfach in der Gartengeschichte verarbeitet worden ist. Er steht auch fĂŒr ein utopisches Moment jenseits der ZwĂ€nge der Gesellschaft. Eine Stunde jenseits Berlins steht das Arkadien der Potsdamer Insel fĂŒr das positive, das aufgeklĂ€rte Gesicht Preußens.
Das Arkadien zwischen Marzahn und Hellersdorf wird sicher alles andere, als eine pastorale Ideallandschaft. Das Urbane Arkadien muss BrĂŒche und GegensĂ€tze aushalten und sogar zum Thema machen. Die Dualismen Stadt und Landschaft (in unmittelbarem Kontakt), Technische Logik und Poesie der Flusslandschaft, die Kultur der GĂ€rten und das Unvorhersehbare der Natur eröffnen Spannungsfelder. Der Entwurf geht der Frage nach, inwieweit nun die vorgeschlagenen Interventionen in der Landschaft diese Spannung in eine arkadische Aufladung und emotionale Wirksamkeit verwandeln können.
Die wichtigste strukturelle Setzung ist dabei das VerhĂ€ltnis der „GartenbrĂŒcke“ zwischen Hellersdorf und Marzahn als krĂ€ftige „kulturelle“ Spur zum Naturraum der Wuhle mit dem neuen Wuhletrail. Am Friedenspark wird die Stadt zu einem neuen VerhĂ€ltnis zu ihrer Parklandschaft finden mĂŒssen. Und schließlich stellt der vorgeschlagene „Summit“ auf dem Kienberg den zentralen visuellen Bezugspunkt aber auch das verbindende ideele Zentrum der Wuhlelandschaft dar.
Die GĂ€rten der Welt werden mit dem Festival „Counterworlds“ / Gegenwelten den utopischen, manchmal auch widerstĂ€ndigen Charakter guter Landschaftsarchitektur in die Zukunft tragen.


Die GartenbrĂŒcke
Zugang durch Urbanisierung: Jelena-Santic-Friedenspark
Der Tafelberg mit dem beeindruckenden Blick ins Tal bekommt eine stÀdtische Fassung:

- Stadtplateau als L-förmige Verbindung der verkehrlichen AnknĂŒpfungspunkte
(Neuer Parkplatz und U-Bahn) mit starkem Zug zur neuen WuhlebrĂŒcke; AnknĂŒpfung der Seilbahnstation.
- Zentraler Ort der Jugend fĂŒr Hellersdorf und Marzahn. Die Feuerwehr wird nicht nur rĂ€umlich, sondern auch als Akteur in die Jugendarbeit eingebunden. SpĂ€ter ist die bauliche Setzung eines Jugendhauses auf dem Platz vorstellbar.
- Mineralischer Park: Hybrid aus Platz und Park mit fassenden Alleen, einem „rollbaren“ Asphaltrahmen und grĂŒn gefassten Spiel- und Sportkammern.
- Anbindung des Rasenplateaus an den zentralen Platzbereich und Verbesserung der AufenthaltsqualitÀten.
Wildnisbereich am freigelegten Hellersdorfer Graben.
- Starke Inszenierung des BrĂŒckenzugangs ĂŒber Plateau mit Überblick und Treppenanlage, BrĂŒcke in direkter achsialer Verbindung zum U-Bahnhof.
- Der Portalrahmen bildet ein Tor zum Park und dient gleichzeitig als Orientierungspunkt fĂŒr Besucher, die von der U- Bahn Station kommen. Eine robuste 4m breite Stahlbetonplatte wird von dĂŒnnen Edelstahlseilen im Abstand von etwa 4m getragen. Die Betonplatte setzt sich jenseits der HĂ€ngebrĂŒcke fort und wird in regelmĂ€ĂŸigem Abstand von etwa 15m von schlanken StahlstĂŒtzen-Paaren getragen. Jede StahlstĂŒtze steht auf einem Stahlbetonsockel samt FlachgrĂŒndung. So wird ein auf das Minimum reduziertes und damit Ă€ußerst wirtschaftliches und robustes Tragwerk erzielt.


Parkscholle im Naturraum
Im Naturraum des Wuhletals bildet eine intensiv gestaltete und genutzte Scholle den BrĂŒckenkopf fĂŒr die WuhlebrĂŒcke:

- Leicht nach Osten ansteigendes GelÀndeplateaus in Anlehnung an den bestehenden Damm;
- CafĂ© am Wuhleteich mit 300 AußenplĂ€tzen seeseits auf zwei Deckebenen und mit baumbestandenen Rasenterrassen;
- Absetzteich des Grenzgrabens mit Schilffeldern westlich des Teichs;

GartenmÀander und BerggÀrten
Die Landschaftsfuge am Grenzgraben gewinnt in der Pendelbewegung atmosphĂ€rische Vielfalt und Tiefe. Der Bergsockel birgt einige Überraschungen:

- Doppelstrang aus Talweg und 4m höher gelegenem Bergweg; VerknĂŒpfung ĂŒber mĂ€andrierende TreppenlĂ€ufe;
- Im Westen Entwicklung von Obstwiesen mit „wilden BlĂŒtenteppichen“ am freigelegten Hangfuß und am Kleingartenufer; Im Osten Freistellung der alten Eichen- und WeidensolitĂ€re;
- Potentielle Anbindung von KleingÀrten als MustergÀrten;
- „Alpine“ HanggĂ€rten am Bergweg als geneigte Einschnitte in den Böschungskörper; Klettergarten, Alpen- Tatra- und Karpatengarten, Sonnengarten und Weingarten und der ArchĂ€ologische Garten mit FundstĂŒcken aus dem Berg;


Mystic River Revealed: Die Wasserwelten
Von der Quelle zur MĂŒndung:
Das gestalterisch fragmentierte und so aufgeschlossene Motiv einer Flusslandschaft entwickelt ein starkes RĂŒckgrat fĂŒr GartenbrĂŒcke und große Parkwiese. Eine gartenkĂŒnstlerische Reflektion der Naturlandschaft des Wuhletals.

- In den Höhenunterschied von 2,50m wird ein von West nach Ost mÀandrierendes GewÀssersystem gelegt.
Die GewĂ€sserbreiten nehmen nach Osten zu, die Fließgeschwindigkeiten nehmen ab.
- RĂŒckzugsbereiche, gewĂ€ssertypgemĂ€ĂŸe Pflanzungen und Installationen auf den entstehenden Halbinseln;
Erschließung ĂŒber steinerne Fassungen, denen jeweils eine pflanzliche Fassung gegenĂŒbersteht;
- Quellplatz am Gelenk zu den TalgĂ€rten und der Seilbahnstation, WasserstĂŒrze und Stromschnellen in der Bachphase, Geysire in Zwischenteichen, Regen und TaugĂ€rten auf den Halbinseln; Nebelfelder ĂŒber der MĂŒndung am Eingangsplatz;
- Wirksame rĂ€umliche Fassung mit starkwĂŒchsigen AuenbĂ€umen wie Weiden, Platanen und Zuckerahorn;


Die TalgÀrten
Eine markante Topografie bildet den wirksamen aber flexiblen Rahmen fĂŒr das Gartenband.

- Überhöhung der Böschung am Blumberger Damm und Zergliederung in ca. 2.00m hohe Plateaukörper als Raumbildner fĂŒr die Garteninszenierungen in den entstehenden Talsituationen; Nutzung der Erdmassen der Wasserwelten;
- Bepflanzung der Plateaus mit quirlstĂ€mmigen GroßstrĂ€uchern: Amelanchier, Parrotia, Acer ginalla, Rhus typhina etc. Punktuelle ZugĂ€nglichkeit als Aufenthaltsebene;
- TalrĂ€ume ermöglichen EinzelgĂ€rten bis 600mÂČ oder schaltbare Gruppen kleinerer GĂ€rten zu Einzelthemen;


Counterworlds / Gegenwelten
Das internationale Gartenfestival „Counterworlds / Gegenwelten“ ist eine Forum fĂŒr den utopischen, visionĂ€ren oder kommentierenden Gehalt der Gartenkunst. Es findet im vierjĂ€hrigen Turnus unter wettbewerblicher Beteiligung internationaler KĂŒnstler und Architekten statt. Die grĂ¶ĂŸeren „MeistergĂ€rten“ werden dabei um „Gartenskizzen“ junger Akteure ergĂ€nzt. Themenfindung und PrĂ€mierung finden unter öffentlicher Beteiligung statt. Das Thema 2017 lautet „lost or never seen“, handelt also von verlorenen oder nie gesehenen Orten. Der Subotnik-Garten reflektiert dabei die Gartenkultur der DDR der die GĂ€rten der Welt ihre Existenz verdanken.


Das Wuhletal
Wuhle und Wuhletrail werden zur „langsamen“ Verbindungsstruktur in Nord-SĂŒdrichtung; Der Naturraum der Wuhle stellt einen spannenden Gegensatz zur kultivierten Welt der GĂ€rten dar.

- Das stets verĂ€nderliche, dynamische einer Flusslandschaft, sowie die bevorstehenden Initialmaßnahmen legen nahe die Wuhle nicht als fertigen „Zustand“, sondern als dauerhafte Landschaftsbaustelle verstĂ€ndlich zu machen. DurchfĂŒhrung erster Initialmaßnahmen: Neue VernĂ€ssungsbereiche und gezielte Störungen des linearen Flusslaufes am Kienbergfuß;
- Der „Wuhletrail“ bildet gleichzeitig die Wahrnehmungsebene und die Tabu-Grenze des Naturraums; 2,00m schmaler Betonpfad mit platzartigen Aussichtspunkten an den RichtungsĂ€nderungen. VerknĂŒpfung vom Ufersteg am Wuhleteich bis zu den Wegestichen im Wiesenpark.


Der Kienberg
Der Kienberg ist der landschaftliche Höhepunkt in der Wuhlelandschaft. Gleichzeitig wird er zum Vermittler und zum ideelen Zentrum von new urban arcadia.

- Differenzierte rĂ€umliche Öffnung des Kronenmantels: lange offene Wiesenkorridore als Verbinder in die GĂ€rten der Welt, Herausarbeiten der charakteristischen Lichtungsplateaus und des Gipfelplateaus.
- ErgĂ€nzung des Wegesystems um Spange und Serpentinenpfad auf der Ostseite mit Anbindung der TĂ€lchenbrĂŒcke, Allseitige Anbindung der ZugĂ€nge und Ermöglichung von Rundwegen ĂŒber den Gipfel;
- Programmatische AnknĂŒpfung an alle Aspekte der Wuhlelandschaft: Bewegung und Sport, insbesondere ĂŒber Kletterparcour zwischen HanggĂ€rten und Kletterlichtung, Himmelsgarten auf der großen Westlichtung (Grabgestaltung IGA), Rangertreffpunkt wuhleseitig an der Schnittstelle Wald / Wiese; Sommerrodelbahn an der Nordseite optional;
- Herausarbeiten der Gipfelregion als Doppelplateau, Einbindung der Liftstationen in den Erdkörper mit eine Überhöhung bis 5,00m, Schaffung eines geometrisch klar definierten Hauptplateaus als Basiskörper des Gipfelbauwerks.


The Summit – Observatorium als Gipfel
The Summit bildet den zentralen Fluchtpunkt des New Urban Arcadia Projekts. Es macht als Kontrapunkt die bestehende Landschaft durch Kontrast sichtbar und öffnet einen neuen Assoziationsraum. Die Form vermeidet den Import beliebiger Symbole und bezieht sich als artifizieller Gipfel auf die Landschaft selbst.

- Kegelstumpf, konstruiert aus StahlgerĂŒst, 30m Höhe, Durchmesser unten 50m, oben 10m. Bespannung des StahlgerĂŒsts mit einem Metallgewebe, dass den Körper von außen als Volumen von ephemerer MaterialitĂ€t erscheinen lĂ€sst.
- Nutzung des Volumens als Voliere (zumindest zur IGA) und / oder Aufzuchtstation; Entwicklung eines lichten Baumbestandes halber Höhe im Innern;
- Auf- und Abstieg als Doppelspirale innerseits der AußenflĂ€che mit Ruhe- und Aussichtspodesten, Rundweg zur Umwanderung des Raums in halber Höhe; Aussichtsplateau auf 135,00 mĂŒNN.
- Zugangsbauwerk mit Ticketing im Erdsockel, AusbaufĂ€hig zum CafĂ© mit Veranstaltungsbereich (dann zweigeschossig), Außenterrasse mit Blick auf das Stadtzentrum und Alex.

Das Tragwerk von ‚The Summit‘ bildet eine aufgelöste Stahl-Kegelschale mit etwa 30m Höhe auf einem 5m hohen Sockelbauwerk. Die MantelflĂ€che wird durch geneigt stehende Stahlhohlprofile gebildet die durch Ringe im Abstand von etwa 5m stabilisiert werden, Ă€hnlich zu Fassreifen. Die so entstehende Viereckstruktur wird durch diagonal verlaufende Seile ausgesteift, so dass sich eine echte Schalentragwirkung einstellt. Damit kann die Struktur mit minimalem Materialeinsatz sowohl die Lasten aus der Aussichtplattform in etwa 35m Höhe ĂŒber dem Kienberg, als auch die aus Wind bzw. Eis und Schnee sicher und wirtschaftlich abtragen. Die Maschenweite des PrimĂ€rtragwerks betrĂ€gt zwischen 1m und 3m, so dass die Struktur direkt mit dem fĂŒr Volieren typischen leichten Edelstahlnetz bespannt werden kann. Die beiden Erschließungstreppen fĂŒr die Aussichtplattform und die Beobachtungsplattform auf halber Höhe werden direkt vom PrimĂ€rtragwerk abgehĂ€ngt. Durch separaten Auf- und Abgang können unliebsame Begegnungen auf den Treppen vermieden werden. Die von der Treppe abgesetzten Ruhepodeste erzeugen eine ruhige, durchgĂ€ngige Turmansicht.
Durch die Rotationssymmetrie sind alle Verbindungsknoten in einer horizontalen Ebene gleich. Dieser Wiederholungsfaktor ermöglicht eine besonders wirtschaftliche Serienfertigung der Knoten. Am unteren Rand steht die Stahlstruktur auf einem Betonring der in das Sockelbauwerk mit Cafe und Seilbahnstation integriert wird. Hier werden alle HorizontalkrĂ€fte kurzgeschlossen und die verbleibenden VertikalkrĂ€fte können ganz einfach flach gegrĂŒndet werden, da auf Grund des Umfangs am unteren Rand von etwa 50m Bodenpressungen von deutlich unter 200 kN/m2 auftreten.


In die GĂ€rten der Welt

Die EingangsplÀtze
Die ParkeingĂ€nge werden als großzĂŒgige PlĂ€tze verstanden an denen das schwingende Wegesystem eingespannt ist. Sie bilden klar formulierte Übergangszonen zwischen den stĂ€dtischen VerkehrsrĂ€umen und der Welt des Parks.

Parkentree Blumberger Damm
Die einfache Gestaltung betont die skulpturale Raumfolge durch das Eingangsensemble

- Gepflasterter Platzteppich mit schiefen Ebenen, Geneigter Einschnitt im Mittelhof;
- Randliche Fassung mit Baumgruppen am Vorplatz (FahrradstÀnder, Parken B, Kartenautomaten) Freie Mitte mit Betonung der ZugÀnge zu den Schaltern;
- Anbindung des Gartenbandes / Renaissancegarten ĂŒber Kiefernboskett am Mittelhof;
- Verbindung des tiefliegenden Wirtschaftshofs mit einem Gartenbasar unter Platanendach, Zufahrt vom Blumberger Damm in höhengleicher Situation;


PromenadenplĂ€tze an der Eisenacher Straße
Die Tiefe des Parkraums ist unmittelbar am Eingang aufgrund des Baumbestands kaum spĂŒrbar. Der Besucher wird zur Raumeröffnung auf die Promenaden gelenkt.

- Anlage langgestreckter PromenadenplĂ€tze vor den Parkhighligts Balinesischer / Orientalischer Garten. Als gegensĂ€tzliche Zwillinge leiten sie nach Norden formale, nach SĂŒden eher landschaftliche Gartenphilosophien in ihrer Formensprache ein;
- Am zentralen Platz: Nutzung der Brunnentechnik fĂŒr neues Wasserspiel mit Sitzring als Treffpunkt;
- Brunnen der Brunnenstraße gelangen in das Gartenlapidarium, Sammlungsort fĂŒr GartenstĂŒcke aus aller Welt nördlich des Englischen Gartens.
Marzahner Ausguck und TĂ€lchenbrĂŒcke
- Neuanlage des barrierefreien Zugangs von der Westseite mit Blick ins TĂ€lchen;
- Damit auch Freistellung von Blickbeziehungen Richtung Marzahn;
- Ausbildung eines Plateauplatzes mit Sitzkante;
- TĂ€lchenbrĂŒcke mit geschwungenem Verlauf unter Einbeziehung von BestandsbĂ€umen. Topografische Zugangssperre bergseits mittels Freistellung des Widerlagers und KlapptĂŒre am BrĂŒckenanlauf.
- Tragwerkstypus entspricht dem der BrĂŒcke am Auftakt Hellersdorf, mit dem Unterschied, dass auf Grund der KrĂŒmmung im Grundriss eine zentrische StĂŒtzenreihe ausreicht. Als GelĂ€nderfĂŒllung wird auf ein Edelstahlnetz, sehr Ă€hnlich zum Netz von ‚The Summit‘ zurĂŒckgegriffen.


Die Spielorte
Übergreifendes Thema fĂŒr die SpielplĂ€tze sind Phantastische Orte aus Literatur und Film. FĂŒr den Asiatischen Kulturkreis steht Xanadu, fĂŒr den Westlichen Peter Pans Neverland und fĂŒr die Menschheit insgesamt Pandora, der Mond der Hollywood-ErzĂ€hlung Avatar.

- Jugendspielplatz Pandora mit zentraler WasserflĂ€che (Plansche) ĂŒber Kunststoffbelag, große RasendĂŒne aus Kunstrasen, „Hallelujah“-Berge zum Klettern mit grĂŒnem Pelz und Übergang in den Bambusdschungel mit Kletterlandschaft;


Der IGA-Layer in den GĂ€rten
In der Wuhlelandschaft
Produktive Landschaften und Stadtbosketts reichern die Wuhlelandschaft um neue Erfahrungsebenen an.

- Urban Farming als feinmaschiges Gewebe verbunden mit GemeinschaftsgĂ€rten der Bewohner. RegengĂ€rten: FĂŒr die BewĂ€sserung wird aufbereitetes Regenwasser der Siedlungen genutzt, das in offenen GrĂ€ben verteilt wird.
- Als lĂ€ngerfristiges Projekt wird eine durchgĂ€ngige Sprache zur Einbindung der SiedlungsrĂ€nder vorgeschlagen. Vor Straßen, ParkplĂ€tzen und Wohnbauten entsteht ein Baumband, das Stadtboskett. Die infrastrukturellen Fugen im Stadtkörper werden dagegen geöffnet. Obstbaumfelder verzahnen die Landschaft mit der Stadt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit der Idee eines „Urbanen Arkadiens“ stellen die Verfasser die Landschaft am Wuhletal in einen historischen Kontext zu den klassischen GartenrĂ€umen um Potsdam. Dieser Anspruch ist zunĂ€chst die Grundlage fĂŒr eine sehr klare Gliederung, mit der die einzelnen Teilbereiche als eigenstĂ€ndige, wiedererkennbare FreirĂ€ume konzipiert werden.
Der Eingangsbereich in Hellersdorf wird zu einem prÀgnanten Parkelement ausgeformt, womit gleichzeitig der Friedenspark gut gewichtete ErgÀnzungen erhÀlt.
Mit dem gÀrtnerischen Thema mehrerer Heckenquartiere wird der unmittelbare Zugang inszeniert und als ein einladendes Entree erkennbar.
Ob das zeichenhafte Bauwerk einer HĂ€ngebrĂŒcke in diesem Zusammenhang notwendig ist, erscheint fraglich, zumal die Wuhle ein relativ schmales GewĂ€sser ohne Schiffsverkehr ist, so dass StĂŒtzenabstand und -höhe eher ökonomischen Aspekten folgen sollten. Eine WeiterfĂŒhrung des Stegmotives auch in diesem Bereich wĂ€re weitaus angemessener gewesen.
Das an der Schnittstelle zwischen BrĂŒcke und Weg eingeordnete SeecafĂ© ist hier richtig positioniert und verspricht eine attraktive Nutzung. Im Umgang mit dem GewĂ€sserraum des Wuhletals wird insgesamt ein sensibles Herangehen bewiesen, wobei die verĂ€nderte FĂŒhrung von Grenzgraben und Alter Wuhle bis zur IGA 2017 wohl nicht realisierbar sein wird.
FĂŒr den Kienberg wird ein Konzept entwickelt, welches den Bestand respektiert, dennoch aber an den richtigen Stellen VerĂ€nderungen vorschlĂ€gt. Durch neue Sichtachsen wird der Berg besser in den umliegenden Parkraum eingebunden, die Wegerouten sind klug gefĂŒhrt. Vor allem die Differenzierung in einen Berg- und einen Talweg ist ein sehr gelungenes Motiv, um den sonnigen SĂŒdhang zu integrieren und die Wegstrecke entlang des Grenzgrabens attraktiver zu gestalten.
Auf der Kuppe wirkt die filigran geformte Metallkonstruktion als ein sehr gelungener Abschluß des HĂŒgels. Die volierenartige Konstruktion entwickelt sich aus der vorhandenen Topografie und symbolisiert mit der VerschrĂ€nkung vegetativer und baulicher Strukturen einen sensiblen, nachhaltigen Umgang des Menschen mit der Natur. Die Konstruktion nimmt in sich eine sehr leicht erscheinende, ĂŒber die Baumwipfel fĂŒhrende Treppe auf, die auf dem Weg dahin eine Vielzahl unterschiedlicher Ein- und Ausblicke bietet. Der funktionale Nutzen dieses langen Weges zur Turmspitze, die kleinen Aussichtsplattformen und der Blick in die Landschaft durch das Netz der Voliere werden kontrovers diskutiert. Eine barrierefreie Erschließung ist nicht gegeben.
Die Seilbahnstationen sind auf beilĂ€ufige Weise in das Plateau darunter geschoben und treten somit als eher untergeordnete Funktionselemente in den Hintergrund. Mit einer neu gefĂŒhrten Rampe wird der Marzahner Ausguck barrierefrei erschlossen, die geschwungen gefĂŒhrte TĂ€lchenbrĂŒcke fĂŒgt sich in das landschaftliche Wegenetz ein. Die Darstellung der BrĂŒcke bleibt sehr schematisch und geht nicht auf gestalterisch wichtige Details wie beispielsweise die GelĂ€nderkonstruktion ein.
Konsequenterweise werden die GĂ€rten der Welt durch ein prĂ€gnantes Wasserelement mit der Landschaft des Wuhletals verknĂŒpft. Die sehr expressiv ausgeformten „Wasserwelten“ greifen zwar weit in den Raum hinein, versprechen jedoch eine hohe AttraktivitĂ€t fĂŒr die Besucher der Gartenschau, wenngleich die Pflege und Unterhaltung Fragen aufwirft.
Entlang des Blumberger Damms wurde ein angemessenen ausgeformter Parkrand entwickelt, der die geometrischen Gartenstrukturen des Bestandes aufgreift, dabei das Besucherzentrum in selbstverstĂ€ndlicher Weise einschließt. Die Bezugnahme auf den Renaissancegarten ist erkennbar, jedoch wirken die verwendeten Freiraumelemente in ihrer konkreten Anordnung additiv, wodurch eine tatsĂ€chliche Integration nicht vollstĂ€ndig gelingt.
Am Eingang Eisenacher Straße wird der innere Vorplatz auf eine angenehme Weise geordnet, das Wasserbecken an der richtigen Stelle positioniert.
Die Überlegungen zur DurchfĂŒhrung der IGA zeigen eine hohe Durchdringung des Themas. Insbesondere die Darstellungen zur FĂŒhrung von Wegerouten und Inszenierung gĂ€rtnerischer Themen sind ĂŒberzeugend und versprechen eine hohe AttraktivitĂ€t der Ausstellung.
Funktionell sehr wertvoll sind die vielfĂ€ltigen VorschlĂ€ge fĂŒr Spiel- und Sportelemente. In einer sinnvollen Positionierung akzentuieren sie einzelne Szenerien und bieten Perspektiven fĂŒr eine zukĂŒnftig viel breitere Nutzung der Parklandschaft.
Die Arbeit zeigt einen hohen konzeptionellen Anspruch und kann diesen meist bis ins Detail nachweisen. Sie gibt auch ĂŒber die IGA 2017 hinaus wertvolle Impulse fĂŒr eine langfristige, prozessual orientierte Freiraumentwicklung.