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Einladungswettbewerb | 07/2025

Innenentwicklung Albersbösch-Zentrum in Offenburg

Perspektive
10

Perspektive

ein 3. Preis / 3. Rang

Preisgeld: 8.000 EUR

ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS GmbH

Stadtplanung / Städtebau

helleckes landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

ALBERSBÖSCH LOVES YOU - Erläuterungen zum Planungskonzept

1. Vom Finden der inneren Mitte

Albersbösch ist ein lebendiger Stadtteil mit besonderem Flair. Im sozialen Sinn, aber auch stadtklimatisch und atmosphärisch hat der Stadtteil einiges an Qualitäten zu bieten: großzügige Grünräume, günstige Wohnungen und eine gute Erschließung. Die Anforderungen an ein zeitgenössisches Quartier erzeugen aber auch einen zunehmenden Veränderungsdruck auf architektonischer und städtebaulicher Ebene. Auf städtebaulicher Ebene erscheint eine Verdichtung sinnvoll, die einen Ort schafft, der die vorhandenen Nutzungen - Kirchen, Kindergarten, Versorgungsfunktionen etc. – an einer zusammenhängenden Mitte konzentriert und an die bereits geleisteten Verdichtungen im Osten (Seniorenwohnen, Montessori-Kindergarten etc.) anknüpft.

Der Stadtumbau angrenzend zum Perimeter im Osten ist sinnvoll, bestand aber vorwiegend aus einer einfacher Verdichtung. Er wandelte den Gebietscharakter Albersböschs. Was wir vorschlagen, ist die Transformation, also die Weiterentwicklung auf Basis existierender Elemente. Damit wird im Zentrum begonnen.

2. Verknüpfen der Räume

Wir sehen im Umbau der Heimburgstraße zur Promenade ein großes Zentrumspotenzial. Sie ist keine der großen Infrastrukturlinien, aber sie verbindet den östlichen mit dem westlichen Teil Albersböschs an der richtigen Stelle und verknüpft die wesentlichen sozialen Orte der Gemeinschaft: die Kirchen, den Kindergarten, die Handelseinrichtungen und Gastronomien und das existierende Seniorenwohnen im Osten. Ein weiteres wesentliches Potenzial ist die relativ geringe Bedeutung der Heimburgstraße für die MIV-Erschließung. Sie lässt Raum für den Langsamverkehr und ermöglicht so die Art von urbaner Verdichtung, die Albersbösch fehlt. Wir schlagen aufgrund dieser Potenziale vor, die Heimburgstraße vom Durchgangsraum zum abwechslungsreichen Verknüpfungsraum zu gestalten, der mit spezifischen Nutzungsangeboten die angrenzenden Funktionen in den öffentlichen Raum einbringt und diesen zum sozialen Interaktionsraum macht.

3. Transformationen

Die Möglichkeit für die Gestaltung dieses zentralen urbanen Raumes wird vor allem durch den Realisierungsteil des Wettbewerbs und durch den Ideenteil des „Einkaufszentrums“ geschaffen. Hier öffnen und verbinden wir die Räume und schaffen so urbane Aufenthaltsqualitäten im menschlichen Maßstab. Das zweite Element, das einen zentralen urbanen Raum ausmacht ist die bauliche Verdichtung. Diese findet einerseits in der Transformation durch Aufstockung (Einkaufszentrum) wie auch in den Neubebauungen auf dem Realisierungsteil statt.

Damit speziell der Realisierungsteil nicht als Wandel, sondern als Transformation im Sinne der Weiterentwicklung wahrgenommen wird, beziehen sich die Neubauten auf die im Gebiet existierenden städtebaulichen Typologien sowie deren Einsatz: präzise Positionierung von leicht versetzen Baukörpern, die Platzräume definieren und zwischen ihnen die Dominanz der Grünstruktur zulassen. An zentraler Stelle an der Heimburgstraße sitzt in Anlehnung an die Grundidee des Stadtgrundrisses ein Hochpunkt.

Die existierende Topografie mag künstlich erzeugt sein, sie trägt jedoch wesentlich zum Charakter des Ortes bei und so schreiben wir auch hier ein vorhandenes Element in neuer Form und Nutzung fort: Transformation statt Wandel!

4. Präzision und Einfachheit

Die konzeptionelle DNA Albersböschs liegt im Geist der Nachkriegsmoderne in der präzisen Setzung einfacher, serieller Baukörper und deren Spiel mit großzügigen Freiräumen. Beide Themen, serielles Bauen (niedrige Miete) und Durchgrünung (klimagerechte Stadt) spielen heute die zentrale Rolle in der zeitgenössischen Stadt. Um in dieser Setzung dennoch Urbanität, Vielfältigkeit und atmosphärische Qualität zu schaffen, basiert unser Konzept auf zwei zentralen Fundamenten: der präzisen und kleinteiligen Setzung der Baukörper zu klaren urbanen Räumen und die Varianz in der Höhenentwicklung.
Diese beiden Maßnahmen ermöglichen uns die Verwendung sehr einfacher und serieller Grundrisse und Baukörper, die mit einem hohen Vorfertigungsgrad entwickelt werden können. Wir begrenzen und auf zwei Typologien: den Regeltyp und den Hochhaustyp. Durch die kleinen Fußabdrücke (kleine GRZ) und die deutliche Vertikalität (hohe GFZ) entsteht ein offener urbaner Raum der die Landschaft zulässt und doch eine hohe Dichte aufweist.

5. Das Prinzip weiterbauen

Neben den neuen Setzungen im Realisierung-steil liegt der Fokus in den Ideenteilen auf dem weitergedachten Transformieren. Die Maßnahmen sind dabei abgestuft und als Maßnahmenkatalog zu verstehen. Die gewählten Strategien zielen auf drei wesentliche Ziele: Erstes Ziel ist die (Nach)Verdichtung und Qualifizierung der Räume. Der Zeilen- und Punktcharakter mit den großzügigen Freiräumen wird erhalten und fortgeschrieben. Die zeitgemäße Dichte wird mit dem Repertoire und im Sinne der Ursprungssiedlung erreicht. Das zweite Ziel ist die Wirtschaftlichkeit. Eine wesentliche Qualität Albersböschs sind die guten Wohnungen zu bezahlbaren Mieten. Unsere Eingriffe verzichten auf die üblichen Gentrifizierungsumbauten und schaffen mit einfachen Maßnahmen effiziente Lösungen. Das Prinzip „E“ bestimmt auch die Freiraumtransformation und die Anpassung der Straßenräume. Das dritte Ziel ist das ressourcenschonendes Bauen und der weitgehende Erhalt des Bestands. Dieses Ziel fällt leicht, weil die Bestandgebäude stadträumlich gut sitzen und die Substanz in weiten Teilen gut in Schuss ist.

6. Freiraumkonzept

Die Kolpingstraße und Wichernstraße sind die tragenden Erschließungen des zentralen Bereiches. Durch die Reduzierung auf Tempo 30 können bisher getrennte Verkehrsarten zusammengeführt werden und wertvoller Raum für eine qualitative und raumbildende Baumbepflanzung geschaffen werden. Zwischen diesen beiden Spangen spannt sich die Heimburgstraße als zukünftige Quartierspromenade auf. An ihr sind wichtige öffentliche und gemeinschaftliche Freiräume angelagert. Sie verbindet beide Kirchvorplätze miteinander und dient dem Quartier als temporärer Veranstaltungsort für Flohmärkte, Vereinsfeste, Weihnachtsbuden, etc.

Neben der Neufassung der wesentlichen Straßenräume soll die sozialräumliche Widmung der Freiräume unter Beibehaltung der großzügigen Gesamtanlage gestärkt werden. Typischerweise ist diese in Quartieren der 70er Jahre nur wenig ausgeprägt.

In den neuen Wohnanlagen entstehen Erdgeschosswohnungen mit eigenen Freisitzen. Diese privaten Gartenbereiche stärken die Identität der gemeinschaftlichen Wohnhöfe. Das wird auch durch die Entwicklung von charakteristischen öffentlichen Freiräumen in der Mitte von Albersbösch unterstützt.

Der vorhandene Baumbestand wird weitgehend erhalten und durch eine Vielzahl von neuen erdgebundenen Bäumen ergänzt. Alle Platz- und Wegeflächen sollen mit sickerfähigen Bodenbelägen ausgeführt werden. Durch seitliches Entwässern der befestigten Bereiche kann so das Einleiten von Regenwasser in die Kanalisation vermieden werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit erkennt die Qualitäten des Stadtteils und möchte diese auf Basis der existierenden Elemente in die Zukunft transformieren.

Im Realisierungsteil zeigen sich jedoch die Herausforderungen dieses selbst auferlegten Anspruchs. Die im Bestand des Hl.-Geist-Areals vorhandene Qualität der künstlichen Topographie möchten die Verfasser beibehalten, gleichwohl die Bestandsgebäude inkl. Gemeindesaal zurückbauen. Somit bleibt zwar die Rückseite der Hl.-Geist-Kirche weiterhin eingebettet in die bauliche Struktur, allerdings entsteht eine Reihe von städtebaulich wie freiräumlich unbefriedigende Situationen. Durch den weitgehend erforderlichen Neuaufbau der künstlichen geschaffenen Freiraumebene entstehen auf drei Seiten neue, fast geschosshohe Stützwände, auf denen dann die 3- bis 5-geschossige Neubebauung über der Umgebung thront. Das neue Quartier wirkt damit eher als Insel im gewachsenen Stadtteilgefüge. Unter der künstlichen Topographie schlagen die Verfasser den Bau einer großzügig dimensionierten Tiefgarage mit über 100 Kfz-Stellplätzen vor, die jeden Neubau direkt erschließt. Neben der Kirche schlagen die Verfasser einen achtgeschossigen Hochpunkt vor, der zurückgesetzt von der Kolpingstraße das Zentrum von Albersbösch markieren soll. Im Erdgeschoss mit öffentlichen bzw. gewerblichen Nutzungen belegt, spannt das Haus im Gegenüber zur Kirche einen neuen gut proportionierten Hof auf, der dann über eine Treppenanlage auf das Plateau des eigentlichen Wohnquartiers führt. So nachvollziehbar die städtebauliche Figur eines Hochpunktes an der Kolpingstraße ist, so nachteilig wirkt sich dies doch auf das Quartier aus. Heilig Geist und sein Kirchhof wird in die zweite Reihe gedrängt und durch das sehr große Volumen klein gehalten. Die vorhandene Parkplatzfläche an der Kolpingstraße wird dagegen, leicht verkürzt, aber im Wesentlichen unverändert beibehalten. Eine städtebauliche Haltung, die nicht nachvollzogen werden kann und dem Charakter des Stadtteils auch nicht angemessen ist. Zu hinterfragen ist diese Setzung insbesondere auch dann, wenn die Umsetzung des vorgeschlagenen „Albersböscher Hofs“ als korrespondierender Freiraum im Süden der Heimburgstraße nicht zu realisieren wäre. Die hier im Ideenteil für das Einkaufsquartier vorgeschlagene Transformation ist grundsätzlich angemessen. Ob die Bestandsbebauung jedoch die Aufstockung mit bis zu drei zusätzlichen Wohngeschossen tragen kann, ist doch zu hinterfragen.

Die Heimburgstraße soll als verkehrsreduzierter, dicht begrünter und teilweise entsiegelter Boulevard das Hl.- Geist-Areal mit den genossenschaftlichen Wohnbausteinen an der Wichernstraße verbinden. Dieser Ansatz wird begrüßt. Die gezeigten Ansätze für eine klimaoptimierte Neugestaltung der Wichern- und Kolpingstraße sind gut nachvollziehbar und schaffen den notwendigen Kompromiss zwischen neuen Baumstandorten in großzügigen Pflanzstreifen und der Beibehaltung von straßenbegleitenden Parkplätzen.

Der übergeordnete Gedanke der Freiraumaufwertung legt seinen Fokus auf die Straßenräume. Die lateral am Planungsgebiet verlaufenden Straßenzüge der Kolpingstraße und Wichernstraße werden mit unregelmäßig angeordneten Straßenbaumpflanzungen und Grünstreifen ausgestaltet und lösen so die heute prägende Längsparkierung auf und schaffen einen wohltuenden freiräumlichen Mehrwert und Adressierung im Quartier. Der neu geschaffene Boulevard Heimburgstraße schafft mit der städtebaulichen neuen Komposition um das Kirchzentrum das gemeinschaftliche Zentrum innerhalb des Quartiers. Geschickt und adäquat werden bestehende Qualitäten mit neuen Elementen wie beispielsweise der Experimentiergarten oder der Albersböscherhof miteinander vernetzt. Innerhalb des Realisierungsperimeters wird der Erhalt der heutigen Topographie kritisch gesehen. So wird die nördliche Integration des Freiraums mittels Stützmauern und Rampen gelöst, welches einen harmonischen, fließenden Übergang verunmöglicht.

In den Ideenteilen für die genossenschaftlichen Wohnquartiere zeigt die Arbeit die erwünschten Potenziale einer qualifizierten Innenentwicklung auf. Die vorgeschlagene Nachverdichtung in den Quartieren westlich und östlich der Wichernstraße ist durchweg angemessen und schafft gerade nördlich und südlich des Eichenknicks gut proportionierte Wohnhöfe, die für die Bewohnenden trotz zusätzlicher Bebauung auch eine hohe Aufenthaltsqualität versprechen. Die Verfassenden gehen allerdings fälschlicherweise von einer 4-geschossigen Bestandsbebauung aus und schlagen eine Aufstockung um ein dann fünftes Geschoss vor. Dies wird seitens der Wohnungsgenossenschaften kritisch beurteilt und würde die Wohnhöfe auch in Teilen doch sehr beengen. Im Detail ist zu hinterfragen, weshalb gut funktionierender Gebäudebestand abgebrochen und neu aufgebaut wird, etwa an der Straße Grüner Gang. Das vorgeschlagene Stellplatzkonzept, das hier weitgehend auf neue Tiefgaragen setzt, nicht befriedigend, da diese im genossenschaftlichen Wohnungsbau nur sehr schwer wirtschaftlich darzustellen wären. Insgesamt zeigt der Ideenteil für den Wohnungsbau auf, dass die Schaffung zusätzlichen Wohnraums durchaus mit der Erhöhung der Freiraumqualitäten verbunden werden kann.

Die Freiraumzonierung in den Baufeldern des Ideenteils in private- und gemeinschaftlich genutzte Gartenräume sind schlüssig und lassen einen hohen Mehrwert in den heute unternutzten Flächen im unmittelbaren Wohnumfeld entstehen. Aussagen welche Entwicklungsmöglichkeiten die Freiräume des bestehenden Spielplatzes bei den Garagen oder des Kindergartens übernehmen können, sind nicht erläutert.

Insgesamt eine Arbeit, die sich intensiv mit der Aufgabe und dem Stadtteil auseinandergesetzt hat und sich durch ein gut durchgearbeitetes Konzept für alle Aufgabenbereiche auszeichnet. Allerdings kann der Vorschlag für das Heilig-Geist-Areal städtebaulich wie freiräumlich nicht völlig überzeugen.
Lageplan

Lageplan

Lageplan (Ausschnitt)

Lageplan (Ausschnitt)

Gestaltungsplan

Gestaltungsplan

Gesamtperspektive mit Grundprinzipien

Gesamtperspektive mit Grundprinzipien

Konzept (1) Vom Finden der Inneren Mitte

Konzept (1) Vom Finden der Inneren Mitte

Konzept (2) Verknüpfung der Räume

Konzept (2) Verknüpfung der Räume

Konzept (3) Transformationen

Konzept (3) Transformationen

Konzept (4) Präzision und Einfachheit

Konzept (4) Präzision und Einfachheit

Konzept (5) Das Prinzip weiterbauen

Konzept (5) Das Prinzip weiterbauen