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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2023

Interimsstandort W√ľrttembergische Staatstheater Stuttgart / Maker City Stuttgart

Blick auf den Haupteingang der Oper

Blick auf den Haupteingang der Oper

4. Preis

Preisgeld: 32.000 EUR

GINA Barcelona Architects

Architektur

DGI Bauwerk Gesellschaft von Architekten mbH

Architektur

Weidinger Landschaftsarchitekten GmbH

Landschaftsarchitektur

Werner Sobek AG

Tragwerksplanung

Akustik-Ingenieurb√ľro Moll GmbH

Akustikplanung

Erläuterungstext

Haltung ‚Äď Ein Geb√§ude als Manifest
Sollte ein Geb√§ude ewig halten? Wenn ein so zeichenhaftes Projekt wie ein Opernhaus, oft Symbol oder gar Ikone unserer St√§dte, ein verg√§ngli-ches Geb√§ude sein kann, dann kann sicherlich jedes (zuk√ľnftige) Geb√§ude es ihm gleichtun.
Das Projekt f√ľr den neuen Interimsstandort W√ľrttembergische Staatstheater in Stuttgart bietet eine erstklassige Gelegenheit, die Art und Weise, wie wir planen und bauen, neu zu √ľberdenken. Aus der Not, eine komplexe Geb√§udestruktur f√ľr eine nur begrenzte Zeit erstellen zu m√ľssen, eine Tugend machend wird die ephemere Eigenschaft dieses Projekts in einer neuen, modularen Architektur erforscht, die zu gro√üen Teilen wiederverwendbar sowie in anderen Teilen (nahezu) vollst√§ndig recycelbar ist ‚Äď ein Opernhaus gewisserma√üen als Manifest, mit einem immens reduzierten CO2-Fu√üabdruck als Vorbildwirkung f√ľr unsere gebaute Zukunft.
Städtebauliche Einbindung
Der Entwurf orientiert sich in Ausdehnung und H√∂he an den Gegebenheiten des Orts, der bestehenden sowie der geplanten Umge-bungsbauten, und bewegt sich innerhalb der jeweiligen Grenzen der beiden Ausbaustufen des festgesetzten Bebauungsplanes. Die zuk√ľnftig angedachte Umwandlung nach der Interimsnutzung wird so deutlich erleichtert. Behutsam in der H√∂he gestaffelt, zeigt die volumetrische Ausgangskonfiguration von Beginn an die drei Hauptvolumen entsprechend der zweiten Ausbaustufe, welche w√§hrend der Interimsphase r√§umlich miteinander verbunden sind: Vom nord√∂stlich gelegenen, tempor√§ren Volumen des eigentlichen Opern-hauses am Wagenhallenplatz hin zu den beiden dauerhaften Geb√§uden im S√ľdwesten, welche vom Erdgeschoss (EG) bzw. Unterge-schoss (UG) bis zum 3. bzw. 4. Obergeschoss (3./4. OG) weitere Teile des Opernbetriebs sowie, in den dar√ľberliegenden Geschossen, die Wohnnutzung beherbergen.
Der Komplex ist entlang seiner Ost-West-Achse in einen √∂ffentlichen sowie einen privaten Bereich zoniert: Nach Norden ist die private Zone der Zufahrt des Logistikbereichs, dem Parkverkehr als auch den Eing√§ngen f√ľr Musiker, K√ľnstler und weitere Mitarbeiter der Oper vorbehalten. Nach S√ľden hin √∂ffnen sich die Geb√§ude durch gro√üz√ľgige Verglasungen zum √∂ffentlichen Raum. Die Verglasungen wer-den durch konkave, wellenf√∂rmige "Metallsegel" gesch√ľtzt, die an den Vorhang eines Opernhauses erinnern und dem Ensemble eine elegante und leichte Erscheinung verleihen. Vom Wagenhallenplatz aus nimmt die H√∂he des Ensembles sukzessive zu: Die H√∂he der Wagenhallen wird durch eine Reihe von nach S√ľden ausgerichteten gr√ľnen Terrassen aufgenommen und vermittelt √ľber die bis zu zusammengenommen siebengeschossigen Bebauung mit den Wohneinheiten auf dem Dach der Opern-Funktionsfl√§chen hin zum B√ľh-nenturm der Oper, der h√∂chsten Erhebung.
Zwei einladende Freitreppen, eine im Opernfoyer und eine als externer Zugang der Kantine, erm√∂glichen eine gro√üz√ľgige Erschlie√üung der oberen Etagen und der Panoramaterrassen innerhalb und au√üerhalb des Geb√§udes. Etwa auf halber H√∂he, zwischen den Opern-funktionen und der Wohnnutzung der oberen Geschosse, ist ein halb√∂ffentliches ‚ÄěPuffergeschoss‚Äú mit vorgelagerten Panoramaterras-sen Richtung S√ľden vorgesehen: Die Opernterrasse, die f√ľr die √Ėffentlichkeit bestimmt und direkt mit dem Foyer verbunden ist, wird als Balkon mit Blick auf den Wagenhallenplatz interpretiert. Die Kantinenterrasse mit direkter Anbindung durch die gro√üen Au√üentreppe bietet den MitarbeiterInnen und der √Ėffentlichkeit Platz zum Verweilen beim gemeinsamen Essen. Die Nachbarschaftsterrasse mit direkter Anbindung an den zentralen Innenhof des Wohngeb√§udes ist der privateren, gemeinschaftlichen Nutzung durch die Wohnnachbar-schaft vorbehalten, steht aber dennoch in unmittelbarer Wegeverbindung zur Kantine und deren Au√üenbereich.
Oper ‚Äď Erschlie√üung, funktionale Organisation und B√ľhnenkonzept
Ein Opernhaus er√∂ffnet stets ein au√üergew√∂hnliches und einzigartiges Zusammentreffen einer heterogenen Gruppe aus K√ľnstlerInnen, Mitarbeitenden und Publikum, das einer sorgf√§ltigen Organisation und Optimierung von verschiedenen Nutzungsebenen und -hierarchien bedarf. Entsprechend werden drei Betrachtungsebenen der funktionalen Organisation unterschieden:
"Ready, Set, Go!" ‚Äď ‚ÄúAuf die Pl√§tze, fertig, los!‚ÄĚ
Das Raumprogramm der Oper wird, von S√ľdosten nach Nordwesten gelesen, entsprechend der Abfolge der drei Geb√§udek√∂rper des Bebauungsplans sowie den Anforderungen an die N√§he zur B√ľhne organisiert: Vorhaltung, Vorbereitung und Vorstellung ‚Äď Ready, Set, Go! So k√∂nnen die unterschiedlichen Bed√ľrfnisse im Betrieb des Opernhauses ber√ľcksichtigt werden, je nachdem, ob es sich um allt√§g-liche Vorbereitungen und Proben oder einen Auff√ľhrungstag handelt. Gleicherma√üen liegt der Anordnung der Opernfunktionen in den beiden permanenten Geb√§udeteilen die √úberlegung zugrunde, R√§ume und Funktionseinheiten zu schaffen, die f√ľr die k√ľnftige Umnut-zung dieser Bereiche f√ľr andere kulturelle, kommerzielle und terti√§re Zwecke geeignet sind, sobald der Opernbetrieb eingestellt wird.
"Ready": Das am weitesten von der B√ľhne entfernte, s√ľdwestliche Volumen ist vornehmlich f√ľr die Vorbereitung und Produkti-on der Kulissen und des weiteren Theaterbedarfs vorgesehen. Hier befinden sich ein Gro√üteil der Werkst√§tten, die Lager und Magazine sowie die Hauptzug√§nge f√ľr Logistik und M√ľllentsorgung. Der gro√üe offene Raum des Kulissenlagers muss aus Sicht der VerfasserIn-nen nicht zwingend direkt mit der B√ľhne verbunden sein, da die Produktion im Laufe von Wochen oder gar Monaten erfolgt. Eine hoch-funktionale, unmittelbare Beziehung √ľber die √ľppig dimensionierte Magistrale besteht indes. Die verh√§ltnism√§√üig laute und ‚Äěschmutzige‚Äú Produktion, wird so von den sensiblen Proben- und Auff√ľhrungsr√§umen weitestgehend ferngehalten.
"Set": Im zentralen Volumen befinden sich die Garderoben und Prober√§ume im UG, 1. und 2.OG mit kurzen Wegen zu B√ľhne und Orchestergraben, um optimale Voraussetzungen f√ľr den B√ľhnenbetrieb vorzuhalten. In zeitlicher Sicht sind dies die R√§ume, die bereits in den Stunden vor und auch w√§hrend der Auff√ľhrung stark frequentiert sind.
"Go": Neben der obligatorischen B√ľhne beherbergt das Hauptvolumen alle daran direkt angrenzenden R√§ume, den szenischen Turm, den Orchestergraben und die weiteren Technikr√§ume, die f√ľr die Darbietung der Szenen erforderlich sind. Kurz vor und w√§hrend der eigentlichen Vorstellung geht es im Backstage-Bereich des √Ėfteren relativ chaotisch zu. Die R√§ume und Abl√§ufe auf den Hinter- und Seitenb√ľhnen wurden folglich so flie√üend und direkt wie m√∂glich ausgelegt, um das Zusammenspiel von K√ľnstlern, Musikern, S√§ngern und Technikern zu optimieren.
Eine horizontal verlaufende Magistrale mit einer lichten H√∂he von 8,5 m und 5,4 m Breite verbindet alle drei Geb√§udek√∂rper, von den Lagern und Produktionswerkst√§tten hin zur B√ľhne, physisch miteinander. Es erscheint sinnvoll, die Trassen und Funktionsweise der Opernwaggons bis hin zum Kulissenlager und den Werkst√§tten vorzuhalten. Im nordwestlichen Bereich verl√§uft die Magistrale an der Fassade und erlaubt so interessante (partielle) Einblicke in das Operngeschehen. Aufgrund ihres dreigeschossigen Foyercharakters ist f√ľr die Nachintermszeit zum Beispiel vorstellbar, das dritte Volumen mit seinen Werkst√§tten und Produktionslagern in einen Kultur- und Veranstaltungsort mit direktem Zugang vom Platz im Zwischenbereich zu den Wagenhallen umzuwandeln. So kann die vorhandene Struktur gr√∂√ütenteils beibehalten werden ‚Äď weniger notwendige Umbauten sparen Geld und Ressourcen.
Organisation der Produktion vs. Proben
Parallel zu der im vorigen Punkt beschriebenen Logik werden die Raumprogrammaspekte des Produktions- und Auff√ľhrungsgesche-hens vom t√§glichen Proben- und Verwaltungsprogramm r√§umlich vertikal getrennt. So werden in den oberen Stockwerken, die mehr Privatsph√§re und bessere Lichtverh√§ltnisse bieten, die meisten Prober√§ume f√ľr Musiker, K√ľnstler und T√§nzer und die B√ľros der Opern-verwaltung untergebracht. Lediglich der Orchesterprobensaal wurde im UG und EG des mittleren Geb√§udek√∂rpers untergebracht. So verf√ľgt er √ľber eine direkte Anbindung an den Orchestergraben und die weiteren Orchesterr√§ume. In den Pausen steht den Oper-MitarbeiterInnen die Kantine auf dem Geschoss der Probenr√§ume zur Verf√ľgung. Die Platzierung der Kantine mit der vorgelagerten Terrasse an der Schnittstelle zum Wohnen macht es attraktiv, in der Nachnutzungszeit dort z. B. ein Restaurant in prominenter Lage unterzubringen.
√Ėffentlich vs. privat
Den dritten Parameter stellt die Differenzierung von √∂ffentlich und privat dar. In der Beziehung zwischen dem internen Personal, den Stars der B√ľhne und dem Publikum wird dies deutlich. Bereits beim Zugang sind den Nutzergruppen unterschiedliche Eing√§nge zuge-ordnet. Alle √∂ffentlichen Eing√§nge sind in dem tempor√§ren Volumen zum Wagenhallenplatz hin konzentriert. Das Opernfoyer kann √ľber zwei Eing√§nge betreten werden: Direkt vom Platz aus befindet sich der Haupteingang, der nur an Vorstellungstagen genutzt wird. Ein zweiter Eingang f√ľr den Kartenverkauf befindet sich im Zwischenraum neben der Au√üentreppe. Auf diese Weise kann das Hauptfoyer f√ľr die √Ėffentlichkeit bei Bedarf geschlossen bleiben oder anderweitig genutzt werden, w√§hrend der Zugang zum Foyer der Oper tags√ľber f√ľr Informationssuchende und den Ticketverkauf erhalten bleibt. Im Hauptfoyer neben dem Platz und unter der Terrasse sind die Garde-robe, das Lager und die Zug√§nge zum Saal auf verschiedenen Ebenen untergebracht. R√ľckw√§rtig befinden sich, jeweils an den Zwi-schenbereichen der drei Geb√§udek√∂rper, der MitarbeiterInnen-Zugang und die Einfahrt der wettergesch√ľtzten, innenliegenden Anliefer-zone. Die in gr√∂√ütm√∂glicher N√§he zur B√ľhne als auch dem Foyer befindlichen Einzelgarderoben der Opernstars erhalten auf der Ostsei-te einen separaten Eingang.
Gemeinschaftswohnen ‚Äď Funktionale Organisation und Architektur
Das Projekt umfasst das Gemeinschaftswohnen auf zwei bzw. vier Geschossen, welche sich √ľber den Funktionsbereichen der Oper im westlichen und mittleren Teil des Komplexes befinden. Dabei folgen die modulare Holzkonstruktion, die wiederverwendbaren Fassa-denbekleidungsmodule und die daraus resultierende Grundtypologie der Wohneinheiten der konstruktiven und nachhaltigen Logik des Gesamtprojekts bis hinein in die Oper.
Das viergeschossige, gr√∂√üere Volumen der Wohnnutzung gruppiert die Wohnungen um einen gro√üen begr√ľnten Innenhof zur gemein-samen Nutzung. Die √ľber einen partiell aufgeweiteten Laubengang zug√§nglichen Wohnungen sind mit ihren Wohnzimmern und K√ľchen zum Hof ausgerichtet, um das Gemeinschaftsleben zu st√§rken. Die privateren R√§ume werden an den Au√üenfassaden mit Blickbeziehun-gen in die Umgebung angeordnet. In der Erdgeschosszone √∂ffnet sich der Innenhof zu den ausladenden Panoramaterrassen im S√ľden. In den s√ľdwestlichen Ecken der beiden Wohnbebauungen finden jeweils gemeinschaftliche Einrichtungen wie ein Gemeinschaftsraum, Sporteinrichtungen, Fahrradabstellpl√§tze u. √Ą. ihren Platz.
Die kleineren Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen sind im schmaleren, mittigen Geb√§udek√∂rper auf zwei Geschossen gruppiert. Diese Wohnungen k√∂nnen etwa f√ľr (tempor√§r anwesende) Opernk√ľnstler gedacht sein, was auch der st√§rkere Bezug zu Oper und Kantine nahelegt. Im Gegensatz dazu l√§sst das gro√üz√ľgigere westliche Volumen eine gr√∂√üere Vielfalt an Wohnungstypologien mit mehr Wohn-fl√§che zu, die potenziell interessanter f√ľr den Verkauf oder m√∂gliche Investoren sind.
Modulare Konstruktion, Materialität und Nachhaltigkeit
Der Entwurf interpretiert den semitempor√§ren Charakter als formale Identit√§t des Geb√§udes. Die im Inneren stets wahrnehmbare Materia-lit√§t basierend auf einem Ein-Stabprinzip aus Schichtholz wird in der √§u√üeren Erscheinung durch eine robuste, wei√üe Streckmetallfassade gesch√ľtzt. Zum √∂ffentlichen Raum und den Panoramaterrassen hin gro√üfl√§chig verglast, legt sich ein konkaves Metallgewebe als eine Art schwebender Schleier davor, welcher Assoziationen an einen Opernvorhang evoziert. Das Vorhangthema wird im Inneren √ľber das Foyer bis in den Opernsaal getragen.
Die neue tempor√§re Spielst√§tte stellt, wie bereits erw√§hnt, eine relativ ungew√∂hnliche Typologie dar, deren materielles Leben sich in zwei Phasen entfaltet. Das Opernhaus und die Verbindungsbauten zwischen den Geb√§udevolumen werden mittelfristig wieder verschwinden, was f√ľr die beiden dauerhaften Geb√§udek√∂rper nicht gilt. Anstatt auf ein Konzept der Wiederverwendung auf rein prim√§rer Materialebene zu setzen, nutzen wir radikal die Synergie der Typologien: Das Opernhaus und das Wohngeb√§ude basieren auf demselben 5,4 x 5,4 m gro√üen Stabgittermodul, das wirtschaftliche Spannweiten f√ľr den Holzbau bietet. Das Holztragwerk und anteilig die Fassaden der Oper, tempor√§r als Spielst√§tte zusammengef√ľgt, werden nach Spielende zerst√∂rungsfrei abgetragen und m√∂glichst an gleicher, gegebenen-falls auch an anderer Stelle, als Wohnsonderbau wieder aufgebaut. Diese Art der Wiederverwendung ist keine Fiktion, sondern wird bereits als Prototyp in Form der Wohngeb√§ude neben der tempor√§ren Spielst√§tte selbst gebaut. So kann das zuk√ľnftige zweite Leben der Materialkonfiguration Oper direkt vor Ort erprobt und erlebt werden. Das Material wird somit nicht downcycled, "thermisch verwertet" oder √Ąhnliches, sondern direkt und vordefiniert wiederverwendet ‚Äď mit einem √§u√üerst positiven Einfluss auf das Treibhauspotenzial und auf die Lebenszykluskosten, da sich ein Teil des Opernhauses in Zukunft direkt als neues Objekt amortisiert. Die einzelnen Stabwerke und Brettsperrholztafeln der Holzkonstruktion sind einzig √ľber Schraub- oder Kontaktverbindungen zusammengef√ľgt und k√∂nnen ohne gro√üen Aufwand in ihre Einzelteile zerlegt werden. Es wird etwa darauf geachtet, dass der Bodenaufbau schwimmend und r√ľckbaubar errichtet wird. Ebenso wird auf Holzschutzmittel verzichtet. Ein vordefinierter Querschnitt von 20 x 44 cm l√§sst sich in unterschiedlichen L√§ngen entweder zu einer mehrteiligen St√ľtze oder einem mehrteiligen Tr√§ger zusammensetzen. So k√∂nnen Querschnitte je nach An-wendung vergr√∂√üert oder verkleinert werden. Die Querschnitte weisen immer die Einhaltung der Abbrandrate und somit Gew√§hrleistung der Feuerwiderstandsklasse R90 auf. Die weitgespannten Tragwerke des Opernhauses bestehen aus Fachwerkbindern, die durch Tri-angulierung desselben Brettschichtholz-"Ein-Stabprinzips‚Äú in Kombination mit Stahlzugst√§ben gebildet werden. Die erforderlichen Be-tonbauteile (Gr√ľndung/St√ľtzung) werden entweder sortenrein verwendet, sodass eine Wiederverwendung als Betonzuschlag nach dem R√ľckbau m√∂glich ist, oder sie bestehen aus Fertigteilen, die eine Wiederverwendung erm√∂glichen. Insgesamt ist eine klare rasterorien-tierte, vertikale Lastabtragung gegeben. Horizontale Kr√§fte werden √ľber Kerne und zus√§tzliche Kreuzverb√§nde abgetragen. Die Fassade hat ein typisches Standardraster von 1,35 m. Deren Elemente werden nach R√ľckbau der Oper im Wohnungsbau eingesetzt und durch erg√§nzende Bestandteile komplettiert.
Die Elementbauweise erlaubt eine schnelle und einfache Montage und Verbindung mit dem Tragwerk. Generell wird ein sehr hoher Vorfertigungsgrad erzielt, der einen sauberen und schnellen Baufortschritt sicherstellt sowie Lager- und Vorhalteflächen auf der Baustel-le reduziert. In Verbindung mit dem auf die Bauaufgabe zugeschnittenen Energiekonzept wird eine wirtschaftliche Errichtung sowie Un-terhaltung des Gebäudekomplexes in Aussicht gestellt.
Energie und Lebenszyklus
Energetisch setzt sich diese gedachte Lebensabschnittsteilung konzeptionell fort. Der Wohnbau wird vollelektrisch-geothermisch ver-sorgt, mit langer Lebensdauer. Die Oper wird mit modularen Luft-Wasser-W√§rmepumpen versorgt, die nach Lebensende des Opernbaus direkt anderorts weiterverwendet werden k√∂nnen. Hochspezifische TGA, wie sonst in Opernbauten √ľblich, wird vermieden, und Systeme aus dem B√ľrobau (Heiz-/K√ľhldecken, RLT etc.) finden Verwendung, mit direkter Kreislaufwiedereingliederbarkeit.
Klimatisch wird die Oper anteilig nat√ľrlich bel√ľftet und in Nebenbereichen in Niedrigenergiestandard ausgef√ľhrt, passend bzgl. der wiederzuverwendenden Fassadenmodule zum Niedrigenergie-Wohnneubau. Eine bioklimatische Au√üenraumgestaltung unterst√ľtzt das positive Quartiersklima und die Umsetzbarkeit nat√ľrlicher Konditionierungsma√ünahmen.
Das radikale Nachhaltigkeitskonzept setzt auf Modularität in allen Betrachtungsebenen und wird, im Gegensatz zu reinen Material-Recycling-Ansätzen, eine echte, vordefinierte und auch ökonomisch sinnvolle Lebenszyklusgestaltung der Typologien sicherstellen. In den dauerhaften Gebäuden sind auch die technischen Anlagen entsprechend langlebig ausgelegt.
Akustik Auditorium
Ansteigende Sitzreihen des Parketts und der Balkone schaffen nicht nur gute Sichtbeziehungen, sondern zugleich sehr gute H√∂rbedin-gungen insbesondere f√ľr den Direktschall. Das H√∂ren der ersten Wellenfront ist ja unmittelbar verkn√ľpft mit dramatischem ‚ÄěInvolve-ment‚Äú ‚Äď im Unterschied zum ideal klangvollen ‚ÄěEnvelopments‚Äú des Konzertsaales. Ein Schwerpunkt der akustischen Planung zielt daher auf eine m√∂glichst hohe Diffusit√§t des Hallfeldes in allen Wellenl√§ngenbereichen, z.B. durch m√∂glichst schallbrechende Oberfl√§chen. Die flinken und kurzzeitigen konsonantischen Anteile von Sprache und Musik werden hierdurch zerstreut und aufgel√∂st, wohingegen die klangtragenden vokalen Komponenten auf der l√§ngeren Zeitachse erhalten bleiben. Diffusit√§tsbildung des Schallfeldes entsteht u. a. durch streuend reflektierende Oberfl√§chen, au√üerdem im breitbandigen Spektrum durch Beugung und Brechung an Raumstrukturen und Einbauten, z.B. der Balkone. Die Formung eines gut austarierten spektralen Nachhallzeitverlaufs wird erleichtert durch die Materialwahl der Holz-Wandfl√§chen. Hiermit kann wichtige Tiefenabsorption vergleichsweise einfach durch Holz- und Helmholtzresonatoren reali-siert werden. Ein weiterer Schwerpunkt der akustischen Planung besteht in der besonderen ‚ÄěBehandlung‚Äú tiefer, langer Wellen im Hall-feld, mit dem Ziel, eine m√∂glichst gute Deutlichkeit des musikalischen und sprachlichen Geschehens sicherzustellen.
Wir legen zudem Wert auf gutes Selbsth√∂ren bzw. die Raumwahrnehmung auf der B√ľhne durch m√∂glichst viele Direkt-R√ľckw√ľrfe aus dem Raum. Der Zeitbereich < 200 ms ist h√∂rphysiologisch prim√§rer, und Retroreflektoren der Raumecken sowie einer Rasterdecke oberhalb der akustisch transparenten Deckensegel k√∂nnen Musikern und Akteuren auf der B√ľhne ideale H√∂rbedingungen schaffen. 3D-Winkelspiegel (Retroreflektoren) senden ‚Äď unabh√§ngig von ihrer Orientierung im Raum ‚Äď direkte R√ľckw√ľrfe zu jedem beliebigen Aus-gangspunkt im Raum zur√ľck. Die Decke kann oberhalb der akustisch transparenten ‚ÄěSichtblenden‚Äú auf ideale Weise f√ľr weitere akusti-sche Gestaltbildungen optimiert werden (Absorption, Schalllenkung, Diffusit√§tsbildung).
Brandschutz
Notwendige Treppenr√§ume und die Au√üentreppen am Bauk√∂rper der Oper erm√∂glichen kurze Rettungswegdistanzen. Au√üerdem wird das Geb√§udeensemble in die erforderliche Anzahl an Brandabschnitten, z.B. zwischen Zuschauer- und B√ľhnenhaus, unterteilt. Die ober-irdischen Bauk√∂rper haben, abgesehen vom verbindenden Mittelteil, einen grunds√§tzlichen Abstand von mindestens 5 m zueinander und beugen so grunds√§tzlich der Brandausbreitung vor. Auf notwendige Flure soll durch die Bildung von Teilnutzungseinheiten bis 400 m¬≤ verzichtet werden. Die drei, w√§hrend der Opernphase, miteinander verbundenen Hauptgeb√§udek√∂rper befinden sich auf einem ge-meinsamen Teilkellergeschoss, welches u. a. auch eine unterirdische Gro√ügarage aufnimmt. Die geschlossene, unterirdische Gro√üga-rage, die Versammlungsr√§ume, das B√ľhnenhaus sowie einzelne Teilbereiche, wie z. B. Atrien, erhalten Sprinkleranlagen. Bei geschoss-√ľbergreifenden Raumsituationen, wie Atrien, soll die lokale Sprinkleranlage √ľber die Gro√ügarage und Versammlungsr√§ume hinaus kom-pensatorisch ausgeweitet werden, um h√∂here Anforderungen an Bauteile und Abschl√ľsse schutzzielorientiert reduzieren zu k√∂nnen.
Die R√§umlichkeiten der Versammlungsst√§tte erhalten Brandmelde- und Sprachalarmierungsanlagen. Die Aufz√ľge im Bereich des Thea-ters sind mit einer Brandfallsteuerung ausgestattet. Die notwendigen Treppenr√§ume werden mit trockenen Steigleitungen ausgestattet, um der Feuerwehr den Innenangriff zu erm√∂glichen und Feuerwehrfl√§chen auf dem Grundst√ľck so weit wie m√∂glich vermeiden zu k√∂n-nen. Es werden nur drei separate Feuerwehrbewegungsfl√§chen vorgesehen, welche leicht zu erreichen sind.
Außen- und Freiraumgestaltung
Die Freiraumgestaltung √ľbersetzt die begonnenen Aktivit√§ten der Maker-City in eine dauerhafte Form, die √∂kologische Ziele und Teilha-beprozesse integriert.
Opernplatz: Der Entwurf st√§rkt den im "B-Plan" vorgeschlagenen √∂ffentlichen Raum als zuk√ľnftigen gro√üen zentralen Opernplatz √∂stlich der Wagenhallen. In seiner endg√ľltigen Fassung (2. Nutzungsphase) k√∂nnte dieser Platz den Geb√§udeteil des neuen Opernfoyers etwa als Veranstaltungs-Pavillon partiell integrieren. Wir sind der √úberzeugung, dass dieser Platz ein ma√ügeblich freier und gepflasterter Au√üenraum sein sollte, um so flexibel und vielseitig nutzbar zu sein.
Begleitende Freir√§ume: Die R√§ume rund um die Wagenhallen und ihre Nebengeb√§ude sind gegen√ľber dem neuen Opernplatz als gr√ľne und informelle Stadtr√§ume mit einem intimeren Charakter als der zentrale Platz angedacht. Verschiedene Freizeitaktivit√§ten, Kinderspiel-anlagen und Sportm√∂glichkeiten werden dort installiert. Es entstehen Orte gemischter Nutzung.
Pufferzone/Wohnen ‚Äď Terrassen und Innenh√∂fe: Die dachseitigen Au√üenanlagen werden umf√§nglich begr√ľnt und mit einer dezidierten Au√üenraumgestaltung geordnet. Bei Erfordernis von gr√∂√üeren Substratschichten werden Pfanztr√∂ge eingebracht.
Bepflanzung: Lineare Baumsetzungen mit klimaadaptiven B√§umen entlang der S√ľdwest-Nordost-Achsen entsprechen den geplanten, zuk√ľnftigen Stra√üenz√ľgen des festgesetzten Bebauungsplanes. Urbane Korridore gliedern das neue Stadtviertel und vernetzen die neu-en Geb√§ude der Pioniere Urbaner Produktion und des Quartiershubs hin zu den Bahngleisen westlich der Wagenhallen. Quer zu diesen Achsen lockern baumbestandene Platzr√§ume den √∂ffentlichen R√§umen auf.
Regenwassermanagement: Die angrenzenden Freifl√§chen wurden mit einem mineralisierten Mischpflaster versehen, das den Boden f√ľr Regenwasser durchl√§ssig macht und Hitzeeffekte abschw√§cht. Diese Strategie hat sich als geeignet erwiesen, etwa in Form von Kinder-spielpl√§tzen oder Wasserfont√§nen, um mikroklimatisch zur Befeuchtung und Abk√ľhlung im Geviert beizutragen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfassenden schlagen f√ľr die Interimsspielst√§tte ein gesamtheitliches Konzept √ľber die drei zur Verf√ľgung stehenden Baufelder vor. Dabei homogenisiert ein Fassadenmaterial die Bauk√∂rper und macht die Interimsspielst√§tte zu einem wahrnehmbaren Ganzen!

Über die Staffelung der Baukörper durch die Ausbildung von verschiedenen Terrassen, insbesondere auf der 3.Ebene, welche durch eine größere Freitreppe zugänglich ist, entsteht eine sehr selbstverständliche städtebauliche Setzung, die in ihrer Höhenentwicklung sehr gut mit den benachbarten Wagenhallen und den beiden Bestandswohngebäuden harmoniert und gute Freiräume erzeugt.

Die angebotenen Pl√§tze bieten das Potential f√ľr eine gute Aufenthaltsqualit√§t und eine positive stadtklimatische Wirkung. Die gr√ľnen Innenh√∂fe der Wohnbauten bieten angemessene Spiel- und Aufenthaltsm√∂glichkeiten.

Kontrovers wird im Preisgericht bei diesem ganzheitlichen Konzept allerdings auch die sp√§tere Segmentierung bzw. der R√ľckbau in die einzelnen Baufelder diskutiert, die die durchg√§ngigen Terrassen zerschneiden w√ľrden bzw. alternative Stegl√∂sungen erfordern w√ľrden. Auch die Bespielung und Frequentierung der √∂ffentlichen Terrassenebene an diesem Standort wird kritisch bewertet. Dass die Nutzung der Spielst√§tte als Interim nicht augenscheinlich in seiner Gestalt ersichtlich wird, wurde ebenfalls kontrovers diskutiert.

Die Interimsspielst√§tte wird frontal √ľber den Wagenhallenplatz erschlossen. Das gro√üz√ľgige, 2- geschossige Foyer mit vielf√§ltigen Blickbez√ľgen ist einladend konzipiert. Der Theatersaal ist gut proportioniert, jedoch funktioniert die Parkettebene aufgrund einer zu geringen Fu√übodenneigung in dieser Form nicht.

Die durchlaufende Magistrale f√ľr die Kulissen als Verbindung der einzelnen Lager zur B√ľhne wird den funktionalen Anforderungen gerecht und kommuniziert √ľber die Glasfassade nach au√üen, was positiv gesehen wird. Der im Untergeschoss verortete Orchestersaal, der √ľber seine 2-Geschossigkeit ebenfalls mit dem Au√üenraum interagieren soll, wird ebenfalls positiv gesehen.

Alle Geb√§ude sind extrem klar strukturiert und ordnen sich konsequent einem Achsraster unter. Mit der vorgeschlagenen Modulbauweise ist auch ein nachvollziehbarer R√ľckbau der Interimsspielst√§tte und deren Umwandlung in einen neuen Baustein in der Maker-City gew√§hrleistet. Bzgl. der Wirtschaftlichkeit liegt der Entwurf im oberen Bereich.

Die Fassade aus vorgeh√§ngten Streckmetallpaneelen in unterschiedlichster Form wirkt noch sehr schematisch, besitzt aber durchaus gro√ües Potential, auch in Hinblick auf immer wichtig werdende Themen des sommerlichen W√§rmeschutzes. Die Verfassenden schlagen in Analogie zu Theatervorh√§ngen eine gro√üfl√§chig ondulierte Fassade hoher Plastizit√§t nach S√ľden vor, welche der Interimsspielst√§tte eine ad√§quate, identit√§tsstiftende Adressbildung gibt. Die vorgeschlagene Qualit√§t der S√ľdfassaden sollte sich umlaufend bei den Bauk√∂rpern wiederfinden, sodass keine R√ľckfassaden entstehen.

Die Wohnnutzungen sind in den oberen Geschossen um einen gro√üz√ľgigen Innenhof √ľber Laubeng√§nge organisiert und lassen gute Wohnqualit√§ten erkennen.

Insgesamt stellt der Beitrag einen sehr interessanten und klar strukturierten L√∂sungsansatz f√ľr die gestellte Aufgabe dar, der jedoch hinsichtlich seiner kritisch gesehenen Nachnutzung nach dem R√ľckbau der Interimsspielst√§tte nicht voll √ľberzeugen kann.
Blick in das Auditorium

Blick in das Auditorium

Blick auf die dauerhaften Gebäude im Vordergrund

Blick auf die dauerhaften Gebäude im Vordergrund

Lageplan Interimszustand

Lageplan Interimszustand

Lageplan Folgenutzung

Lageplan Folgenutzung

Ansicht S√ľd-West

Ansicht S√ľd-West

Schnitt AA

Schnitt AA

Lageplan Folgenutzung

Lageplan Folgenutzung

Lageplan Interimszustand

Lageplan Interimszustand

Grundriss EG

Grundriss EG

Schnitt BB

Schnitt BB

Außenperspektive - Haupteingang

Außenperspektive - Haupteingang

Innenperspektive - Auditorium

Innenperspektive - Auditorium

Außenperspektive - dauerhafte Gebäude

Außenperspektive - dauerhafte Gebäude