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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2025

Klimaangepasste Neugestaltung Mühlenpromenade einschließlich Brunnenplatz in Berlin-Pankow

Brunnenplatz mit Brunnenskulptur, Spielband und Kiezhain
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Brunnenplatz mit Brunnenskulptur, Spielband und Kiezhain

2. Preis

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

AKTIVE FREIRÄUME ZUR REVITALISIERUNG DES MÜHLENKIEZES
Die Mühlenpromenade ist die zentrale Ost-West-Freiraumverbindung im Mühlenkiez zwischen Kniprodestraße und Greifswalder Straße. Als Teil der in den 60er und 70er Jahren erbauten Großwohnsiedlung ist sie in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr heutigen Anforderungen an einen zeitgemäßen, klimaresilienten öffentlichen Raum, weder funktional noch gestalterisch. Der öffentliche Raum im Mühlenkiez wirkt heterogen, Vegetationsflächen sind undifferenziert, es mangelt an Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit. Die Mühlenpromenade bietet derzeit keine Orientierung und hat nur eine geringe Leitwirkung in einem räumlich zerfaserten Umfeld.

Mit der Neugestaltung der Promenade erhält das Quartier eine klare Ost-West-Leitlinie, sie gliedert die Freiräume des Mühlenkiezes und wird zum zentralen Orientierungselement. Die Mühlradskulptur auf dem Brunnenplatz bildet den markanten visuellen Bezugspunkt der Promenade. Ihren östlichen Auftakt findet sie im neugestalten Platz der drei Grazien. Die Freiräume des Mühlenkiezes lagern sich an die Promenade an und begleiten sie. So entsteht ein Spielplatzband zwischen Quartierspavillon und Thomas-Mann-Straße, vor der Kita Bewegungsreich sowie eine Parcourstrecke an der Gustav-Eiffel-Oberschule. Die Promenade wird zum Motor der Entwicklung hin zu einem modernen, klimaangepassten Quartier. Sie kühlt das Quartier, nimmt Oberflächenwasser auf und bietet gleichzeitig barrierefreie Aufenthaltsbereiche für alle Altersgruppen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung attraktiver Spielangebote für Kinder, ein Angebot gezielt für junge Familien um die Altersdurchmischung des gesamten Quartiers zu fördern und damit die Zukunftsfähigkeit des Mühlenkiezes zu sichern.

MÜHLENPROMENADE
Die Mühlenpromenade ist die Hauptverbindung im Quartier. Sie wird von Fußgängern und Radfahrern gleichzeitig genutzt ohne die Verkehre zu trennen. Ein Ausbau auf 6,50 m Breite ermöglicht eine konfliktfreie Nutzung der Promenade. Ein barrierefreier Belag aus großformatigem Betonsteinpflaster eignet sich sowohl für Kinderwagen als auch für Rollatoren und macht sie zur Promenade für Alle. Vegetationsstreifen mit Verdunstungsbeeten und Versickerungsmulden begleiten die Promenade und nehmen Oberflächenwasser unmittelbar da auf, wo es anfällt. Bestandsbäume entlang der Promenade werden erhalten und ergänzt und stärken die Leitwirkung der Promenade.

BRUNNENPLATZ
Der derzeit räumlich undefinierte Brunnenplatz wird reduziert und als klarer Endpunkt der Mühlenpromenade ausformuliert. Die Bestandsbäume im Süden werden zu einen lockeren Baumhain ergänzt und fassen den Platz. Die Belagsflächen werden hier zugunsten einer offeneren, versickerungsfähigen Oberfläche aus wassergebundener Decke zurückgebaut. Unter dem Baumschatten werden Bänke und Picknicktische für alle Kiezbewohner geschaffen.
Zentrales Element des neuen Brunnenplatzes werden die Mühlradskulpturen. Bewegliche, Mühlrädern nachempfundene, Ringe versprühen Wasser über feine Düsen. Eine interaktive Steuerung und die windabhängige Bewegung der Räder lässt sie zu einem beliebten Spielobjekt auf dem Platz werden. Gleichzeitig kühlt die Verdunstungskühle des Sprühnebels den Platz an heißen Sommertagen. Gastronomieterrassen und ein Duftgarten vor dem 18-geschossigen Gebäude ergänzen das Angebot auf dem Brunnenplatz.

SPIELKONZEPT
Das Spielband beginnt unmittelbar am Brunnenplatz. Das Spielangebot umfasst hier alle Altersstufen, von Kleinkindern bis Jugendlichen. In der Nähe zur Außengastronomie bildet ein Kleinkinderspielplatz mit Sand und Matschtisch den Auftakt. Kletterelement, Rutschen und Holzdecks schließen sich unmittelbar an den Kleinkinderspielbereich an. Das Spielangebot richtet sich hier an die 5 bis 12-Jährigen.

Ein essbarer Waldgarten und ein Bereich mit Outdoor-Fitnessgeräten für alle Genrationen trennen die Jugendlichen von den Kindern. Eine Sitztribüne, ein Streetballkorb und Tischtennisplatten bieten hier ein breites Angebot für Jugendliche.

Das Parcourband vor der Gustav-Eiffel-Oberschule fördert die Motorik der Kinder. Parcourelemente aus dem urbanen Streetbereich bieten hier unzählige Möglichkeiten für Geschicklichkeitschallenges unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade.

Ein Naturerlebnisbereich vor der Kita „Bewegungsreich“ fördert die Entdeckungsfreude der Kitakinder. Naturmaterialien ohne standardisierte Spielelemente fördern hier die Feinmotorik der Kinder. Baumstämme, Steine, Weidengebüsche, Material zum Hüttenbauen, laden zum Erkunden, Entdecken und Selbstgestalten ein.

VERKEHRSKONZEPT
Die Mühlenpromenade wird vollständig autofrei. Die Zufahrt der Hanns-Eisler-Straße zur Kita wird weiterhin erhalten, jedoch wird hier der Verkehr auf die Anlieferung der Kita reduziert und über die Platzfläche geführt. Eltern können zukünftig ihre Kinder über die Mühlenpromenade sicher und autoverkehrsfrei zur Kita bringen. Kurzparker in der Hanns-Eisler-Straße bieten ausreichend Stellplätze für Elterntaxis außerhalb der Mühlenpromenade.

Durch den Rückbau der Thomas-Mann-Straße wird deren trennende Wirkung aufgehoben und die Kontinuität von Mühlenpromenade und Brunnenplatz gestärkt, ohne Autoverkehr und trennende Bordsteinkanten. Der Radweg der Mühlenpromenade verschwenkt nach Süden auf die Thomas-Mann-Straße, so dass Konflikte zwischen Radfahrer:innen und Fußgänger:innen auf der Platzfläche entschärft werden. Eine kleine Mobilitätsstation mit Fahrradinfrastruktur und überdachten Stellplätzen ergänzt das Angebot und fügt sich mit seinem Gründach behutsam in den grünen Quartierssaum ein.

REGENWASSERMANAGEMENT
Zur Regenwasserbewirtschaftung werden einfache, nicht-technische Maßnahmen gewählt, um Installations- und Wartungskosten zu minimieren. Die Art der Starkregenvorsorge setzt sich aus einem Paket aus unterschiedlichen Maßnahmen zusammen, die die spezifischen Versickerungseigenschaften der vorhandenen Bodenschichten berücksichtigen. Konkret werden in Bereichen mit geringer hydraulischer Leistungsfähigkeit flache Rückhalteräume, sogenannte Verdunstungsbeete, mit maximal 15 cm Einstautiefe geschaffen. Dort wo die Versickerungseigenschaften des Bodensubstrats es zulassen, werden bis zu 30cm tiefe Versickerungsmulden angelegt, die durch ausgewählte Pflanzenarten für wechselfeuchte Bedingungen die Wasserspeichereffizienz deutlich erhöhen.

Gleichzeitig werden flexible Strukturen geschaffen, um auf Extremwetterereignisse reagieren zu können und einen wichtigen Beitrag zur Starkregenvorsorge in versiegelten Innenstadtbereichen zu leisten. Entscheidend ist hierbei die topografische Gestaltung, die den Oberflächenabfluss gezielt in große, zusammenhängende Mulden und Verteifungen leitet und temporär einstaut. Die grün-blauen Infrastrukturen helfen durch Verdunstungskühlung das lokale Mikroklima zu verbessern.

Um die Versickerungseigenschaften des Bodens zu verbessern werden verschiedene, aufeinander abgestimmte Strategien zur Verbesserung der hydraulischen Leistungsfähigkeit durchgeführt. Die Maßnahmen nutzen innovative und kostengünstige Techniken und entsprechen den anerkannten Regeln der Technik. Eine Maßnahme nutzt das vor Ort anfallende Abbruchmaterial (Asphalt, Beton) und zerkleinert es in seine mineralischen Bestandteile mit unterschiedlichen Korngrößen von Staub bis Kies. Diese werden in die oberen 30 cm der vorhandenen Bodenschicht eingearbeitet und stärkt insbesondere die mikrobiologische Bodenfauna. Eine zweite Maßnahme wirkt durch die Zugabe von Biochar, einem Nebenprodukt aus Pflanznekohle. Die variirenden Korngrößen werden je nach vorhandener Bodenstruktur gewählt, in sandigen Bereichen werden feinere Partikel verwendet, in ton- oder schluffreichen Böden gröbere. Die dritte Maßnahme nutzt die Eigenschaften der „Hollow Balls“-Technologie um das Porenvolumen und die Wasserspeicherkapazität des Bodens zu erhöhen zu erhöhen.

PFLANZSTRATEGIE
Die Pflanzflächen werden strategisch so gewählt, dass ein gleichmäßiger ästhetischer und funktionaler Effekt über die gesamte Fläche der Intervention erzielt wird. Die vorgeschlagenen Bepflanzungen verfolgen zwei Hauptziele: einerseits die ästhetische Aufwertung des Raums, andererseits die funktionale Verbesserung mit Förderung der Biodiversität, Unterstützung der Fauna (Tier-, Insekten- und Mikrobenwelt), Verbesserung des Bodensubstrats und Effizienzsteigerung bei der Entwässerung.

Die Pflanzung erfolgt in zwei Phasen:
Phase A: Initialpflanzung zur schnellen Etablierung und Strukturgebung

Phase B: Ergänzende Aussaat zur Rahmung der ersten Struktur und Kostensenkung
In den Versickerungsmulden und Verdunstungsbeeten wird eine Pflanzenmischung vorgesehen, die sowohl trockene als auch feuchte Bedingungen verträgt. Die Mischung setzt sich aus einem Anteil von 70% Stauden und 30% Gräsern zusammen. Der hohe Anteil einheimischer Stauden ergänzt durch nichtinvasive Neophyten (für eine verlängerte Blütezeit und verbesserte ökologische Funktion) bieten eine hohe Biodiversität und ausgezeichnete Insektenweide. Mit der Pflanzung entsteht eine strukturierte Pflanzung mit hoher saisonaler Attraktivität. Die Pflanzung verbessert die Wasseraufnahmefähigkeit deutlich und schafft Feucht-Trocken-Habitate. Es ist keine Bewässerung erforderlich und die Pflege reduziert sich auf eine jährliche Mahd. Mögliche heimische Arten sind Iris sibirica, Aster linosyris, Teucrium chamaedrys, Filipendula vulgaris, Lythrum salicaria, Eryngium planum, Molinia caerulea sowie als Neophyten Lysimachia ciliata ,firecracker‘, Geranium sanuineum, Achillea millefolium ,Red Velvet‘, Sedum telephium ,Matrona‘, Euphorbia seguieriana, Artemisia ludoviciana, Kalimeris incisa, Calamagrostis x acutiflora ,Overdam‘ oder Panicum virgatum.
Übersichtsplan

Übersichtsplan

Brunnenplatz

Brunnenplatz

Schnitt Brunnenplatz mit Spielband

Schnitt Brunnenplatz mit Spielband

Brunnenplatz grün-blaue Infrastruktur

Brunnenplatz grün-blaue Infrastruktur

Mühlenpromenade

Mühlenpromenade

Übergang Hanns-Eisler-Straße

Übergang Hanns-Eisler-Straße