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Einladungswettbewerb | 06/2007

Konkurrierendes Planungsverfahren Hirschgartenerweiterung

Böschung zum Pionierpark

Böschung zum Pionierpark

3. Rang

LUZ Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Raumanalyse

Der bestehende Hirschgarten ist geprĂ€gt durch seinen Baumbestand, der an den RĂ€ndern dicht ist, wĂ€hrend in der Mitte eher großzĂŒgige WiesenflĂ€chen, die mit EinzelbĂ€umen und / oder Baumgruppen "ĂŒberstellt" sind, das Erscheinungsbild bestimmen. TeilrĂ€ume entstehen, indem sich zwischen diesen Baum ĂŒberstandenen Wiesen wiederum dichterer Baumbestand als zusammenhĂ€ngende Pflanzungen findet. Die öffentliche GrĂŒnanlage hat insgesamt landschaftlichen Charakter.
Anders ist dies bei den FlĂ€chen des ehemaligen und vorhandenen Parkplatzes im Planungsgebiet. Bedingt durch die Abmessungen fĂŒr Erschließung und StellflĂ€chen entstehen lange und schmale Raumeinheiten. Teilweise werden diese bereits heute durch dichten Baumbestand zu den angrenzenden FlĂ€chen abgegrenzt. Schmale "Kammern" sind bereits ablesbar, insbesondere auf einer TeilflĂ€che des ehemaligen Parkplatzes, ansatzweise auch bei der Parkplatzerweiterung.
Ähnliche Strukturen entwickeln derzeit sich auf den aufgelassenen GleisflĂ€chen, hier sind die Raumeinheiten noch schmĂ€ler. Dies ist bedingt durch den Abstand einzelner Gleise zueinander, durch die sehr langsame Gehölzentwicklung auf den SchotterflĂ€chen ist dies erst andeutungsweise ablesbar.
Eine Vorstellung der rĂ€umlich-optischen Wirkung dieser Gehölzstrukturen nach einer viele Jahre wĂ€hrenden Entwicklung ist ablesbar auf dem Bahndamm der gegenĂŒberliegenden S-Bahnhaltestelle Laimer UnterfĂŒhrung.

Konzeptioneller Ansatz

Die Hirschgartenerweiterung liegt auf einer FlĂ€che, die seit langem im weiteren Sinne durch Verkehr (PKW, Bahn) geprĂ€gt ist. Die fĂŒr diese verkehrlichen Anforderungen typische Raumbildung durch Vegetation wird dem Grundkonzept des Entwurfs zugrunde gelegt: das "Prinzip der Kammerung". Die entstehenden Kammern können unterschiedlich breit sein, in der LĂ€ngsrichtung durchqueren sie das Planungsgebiet auf voller LĂ€nge.
Unterschiedlich breite Gehölzstrukturen grenzen die einzelnen Kammern deutlich wahrnehmbar zueinander ab, ohne zu unĂŒberwindbaren Barrieren zu werden. Hier werden nur BĂ€ume gepflanzt, die Baumstrukturen bleiben einer Membran vergleichbar passierbar. StrĂ€ucher werden Ă€ußerst sparsam und nur punktuell verwendet. Der Parkplatz wird dicht zur Umgebung abgepflanzt.
Die unterschiedlichen Nutzungsanforderungen werden in die einzelnen Kammern platziert.
Auf umfangreiche, deutlich Raum bildende Bodenmodellierungen wird verzichtet. Lediglich der Spielplatz wird ca. 50 cm abgesenkt, der Übergang zum Pionierpark wird soweit als möglich ebenfalls mit einer 40-60 cm hohen Böschung als "Kante" ausgeformt.
Die Raumbildung und Zuordnung der Nutzungen der Konzeption zur Erweiterung des Hirschgartens sind geprÀgt durch Eindeutigkeit und Klarheit, aber auch durch Einfachheit und Robustheit.

Parkplatz

Die Lage des Parkplatzes kann nicht grundsĂ€tzlich verĂ€ndert werden. An der Schnittstelle zwischen bestehendem Hirschgarten und dessen Erweiterung bleibt er als ein störendes Element im Raum. FĂŒr die Nutzung stellt er fĂŒr den erweiterten Hirschgarten als Einheit eine Barriere dar. Der Versuch, den Parkplatz mit den Gestaltmitteln der Landschaftsplanung hĂŒbsch in die Umgebung einzubetten und die ÜberlaufparkplĂ€tze als Schotterrasen unscheinbarer erscheinen zu lassen, wĂŒrde bedeuten, ihn doch quasi ungeschehen machen zu wollen.
Der Typus Barriere begrĂŒndet den Vorschlag, diese Barriere fĂŒr die Parkbesucher möglichst klar erkennbar sowie möglichst klein und damit so schnell und leicht als möglich ĂŒberwindbar zu machen: fĂŒr den Parkplatz wird eine "Implantatlösung" gewĂ€hlt, die ca. 220 m lang und lediglich 18 m breit ist und das Abstellen von 200 PKW ermöglicht. Zum Park ist das Implantat mit einer Einfassung "umrandet", daher auch eindeutig zur Umgebung abgegrenzt. StellflĂ€chen und Erschließung sind einheitlich als KiesflĂ€che ausgebildet. Eine einreihige Bepflanzung mit SĂ€ulenpappeln umschließt den Parkplatz, im Norden steht die Pappelwand vor der breiteren Gehölzstruktur. Belagsmaterial, Abgrenzung und Bepflanzung bewirken auch hier eine Eindeutigkeit und Klarheit, sie zeigen das Implantat.
Die StellflĂ€chen sind 4.5 m lang und gehen nach der Einfassung in einen ca. 1.0 - 1.5 m breiten Wiesensaum (auch fĂŒr den Überhang der StellplĂ€tze) ĂŒber, bevor die dichte Gehölzpflanzung entlang der beiden LĂ€ngsrichtungen anschließt. Zwischen den StellflĂ€chen liegt eine 9 m breite ErschließungsflĂ€che, die sowohl Gegenverkehr als auch einfaches Ein- und Ausparken ermöglicht.
Die Zufahrt wird in die VerlĂ€ngerung der Winfriedstraße verlegt. Das Auffinden des Parkplatzes wird dadurch deutlich verbessert, der vorhandene Glascontainerstandort wird hier wieder angeordnet. Die neue FernwĂ€rmeleitung liegt jetzt sinnvoll unter einer VerkehrsflĂ€che, ihr Zickzack-Verlauf entlang der bestehenden Zufahrt könnte gegebenenfalls noch korrigiert werden.
Die Nutzung als Parkplatz ist im Tages- und Jahresverlauf unterschiedlich stark ausgeprĂ€gt. Zu Zeiten der Nichtnutzung oder geringen Auslastung kann die FlĂ€che ganz oder auch teilweise anderweitig genutzt werden, z.B. fĂŒr einen Weihnachtsmarkt, Flohmarkt, aber auch als eine temporĂ€r abgegrenzte, weitere Spiel- und VeranstaltungsflĂ€che.

Spielplatz

Anforderungen an die nachgewiesene GrĂ¶ĂŸe von 5.000 m2 als auch LĂ€rmschutz bedingte AbstĂ€nde zur Wohnbebauung fĂŒhren zu einer Konzentration der SpielflĂ€chen etwa mittig im Planungsgebiet. Damit unterscheidet sich das Konzept der Spielplatzgestaltung der Erweiterung deutlich vom Bestand. Hier sind eher kleinere "Spielpunkte" zu finden, die dann in die Rasen- und WiesenflĂ€chen ĂŒbergehen. Diese ÜbergĂ€nge in Spielwiesen (mit wenigen EinzelbĂ€umen, kleinen Baumgruppen) sind auch bei der vorgeschlagenen Planung möglich. Insgesamt wird der Spielplatz etwas abgesenkt, dadurch werden niedrige Sitzstufen oder auch kleine Stein- bzw. Rasenböschungen zum angrenzenden GelĂ€nde möglich.
Auf den Wiesen entsteht ein gegebenenfalls zeitlich versetztes Patchwork aus ruhigeren Nutzungen wie Lagern, Sonnen, Krabbeln und aktiveren Nutzungen wie Federball, Volleyball, Fußball. Auf die Anlage eines Skaterplatzes wird verzichtet; der Ausbau der im Hirschgarten bereits vorhandenen Anlage wird vorgeschlagen. Das gewĂŒnschte Kunstrasenfeld mit 40 x 25 m GrĂ¶ĂŸe sprengt als festgelegte EinzelspielflĂ€che ebenfalls den Maßstab der ErweiterungsflĂ€che. Als Ersatz wird der Ausbau des im Hirschgarten vorhandenen Hartplatzes zum Kunstrasenplatz vorgeschlagen.
Dem Spielplatz wird als Kleinarchitektur im Park ein ĂŒberdachter Freisitz zugeordnet. Die ErgĂ€nzung mit einem Kiosk ist im Bedarfsfall möglich.

LĂ€rmschutz

Zur Ausbildung der notwendigen LĂ€rmschutzwand an der ARA-FlĂ€che wird die Errichtung einer so genannten "IGA-Mauer" vorgeschlagen. Das Betonfachwerk als statisches Korsett der Konstruktion wird mit Natursteinen ausgefacht. Das Aufschichten der Steine ist auch lockerer möglich, dadurch wird die ökologische Wirksamkeit der Mauer als Lebensraum fĂŒr Flora und Fauna weiter erhöht. Samt HinterfĂŒllung hat die Mauer Anschluss an den belebten Boden.
Die AnsichtsflÀche der Mauer wirkt gemauert, Bahnschotter wird keinesfalls verwendet, dieser liegt traditionell in den BahnflÀchen und hat in der Vertikalen gar nichts zu suchen.
Zur Pionierparkseite wird das GelÀnde ca. 1.5 m tiefer angeschlossen um eine deutlich erkennbare Absturzsicherung auszubilden.
Die Böschung hinter der Mauer wird beidseits des ARA-GebÀudes als "Verwerfung" ausgebildet. Die Mauer kommt Àhnlich einer tektonischen Verschiebung zum Planungsgebiet und schiebt auf TeilflÀchen den Bestand aus Gleisen, Schotter und Vegetation "wild" zusammen. Die LinearitÀt geht damit verloren, das vorhandene, wertvolle Material wird letztlich gesichert und nach dem Bau der LÀrmschutzwand in anderer Anordnung spÀter wieder eingebaut. Die Betretbarkeit dieser FlÀche wird dadurch zusÀtzlich erschwert, was ökologischen Aspekten zugute kommt.
Der Mauerabschnitt hinter dem ARA-GebÀude wird als grob bearbeitete Betonwand und ohne Böschung zum Pionierpark ausgebildet. Hinter der Mauer kann sich hier ein schattiger Pionierwald ausbilden, das Standortspektrum wird insgesamt erweitert.

Pionierpark

Im Planungsgebiet stellt sich der Pionierpark als streifenartige Struktur dar, die durch den Verlauf der alten Gleisanlagen geprĂ€gt ist. Die Struktur setzt sich beidseits fort und ist auf der gesamten LĂ€nge insgesamt eher ein schmales Band mit einzelnen, unterschiedlich großen Aufweitungen.
Die vorhandenen Strukturen sollen wo immer möglich erhalten, wo noch möglich als Typus wieder hergestellt werden. Dies gilt fĂŒr die Gleise, fĂŒr die unterschiedlichen BahnschotterflĂ€chen, fĂŒr Prellböcke und anderes "Bahninterieur" ebenso wie fĂŒr die charakteristische Vegetation.
Die Grobschotterstreifen der Gleise selbst sind dabei immer gleich in ihren Ausmaßen, wĂ€hrend die feineren Schotterstreifen in der Breite durchaus variieren können. Es entsteht eine variable Streifenstruktur. Auf den unterschiedlich groben SchotterflĂ€chen entwickelt sich die Vegetation auch unterschiedlich schnell zum raumwirksamen Element. FĂŒr Pioniervegetation typisch ist das periodisch wiederkehrende ZurĂŒckgeworfenwerden auf das Ausgangsstadium. Es entstehen lichte Rohbodenstandorte fĂŒr ökologisch wertvollere, da artenreichere Pioniergesellschaften im Vergleich zu waldartigen Pflanzengesellschaften.
Dies soll bei der Pflege berĂŒcksichtigt werden: nach 15-25 Jahren werden die Baumstreifen (dominant Birke) auf den FeinschotterflĂ€chen auf den Stock gesetzt, es gibt "Licht und Luft" fĂŒr Standorte, auf denen zunĂ€chst wieder die Krautschicht Platz zur Entfaltung bekommt. Die auf den GrobschotterflĂ€chen sich langsamer entwickelnde (Vor)Waldvegetation wird dann raumwirksamer. Dieses "Auf und Ab" des Wechsels der raumwirksamen Vegetation kommt einem großen "Vegetationsmobile" gleich, das fĂŒr den gesamten Pionierpark zum Charakteristikum wird.
Das Betreten wird sich nicht vermeiden lassen, bei entsprechender Frequenz werden die ökologischen QualitĂ€ten nicht beeintrĂ€chtigt. Der Abschnitt der "Verwerfung" wird mit einem Steg erschlossen, so dass die Natur des Pionierparks ein StĂŒck weit gelenkt erlebbar gemacht wird.

Übergang Pionierpark zu den BahnflĂ€chen

Der Pionierpark grenzt an genutzte BahnflĂ€chen an, so dass eine Abgrenzung zwingend notwendig ist. Die LĂ€rmschutzmauer soll hier im gesamten Pionierpark als etwa 1.5 hohes Element eingesetzt werden. Von den Gleisanlagen aus sichtbar entsteht ein fĂŒr den Pionierpark neues und typisches Element, das zur Bahn den Rand ausbildet. An den Orten des gezielten HeranfĂŒhrens von Besuchern an den Rand zur Bahn steht die Mauer als Tresen hohe Kante, von der aus die Gleisanlagen beobachtet werden können. Die vorgeschlagene Höhe verhindert ein mĂŒheloses Übersteigen der Abgrenzung.
Die Mauer bildet einen neuen Standorttypus fĂŒr Flora und Fauna aus, der zudem eine niedrige Sonnen- und eine Schattenseite hat. Die gesamte Mauer bildet einen besonderen Lebensraum aus und könnte als AusgleichsflĂ€che angerechnet werden.

Übergang PrivatgrundstĂŒcke zum Pionierpark

FĂŒr diesen Übergang wird ebenfalls durchgehend der Einsatz eines typischen Elementes vorgeschlagen: ein Band aus Groß- und KleinbĂ€umen, fĂŒr das die Anpflanzung von Gleditschie und Wildapfel vorgeschlagen wird. Die Baumreihe wirkt wie ein Schleier zwischen den GegensĂ€tzen des PrivatgrĂŒns und des Pionierparks - und vermittelt zwischen diesen sehr unterschiedlichen Erscheinungsbildern. Sie verlĂ€uft nördlich des ĂŒbergeordneten Fuß- und Radweges und markiert diesen damit auch mit den Jahreszeiten. Im Abschnitt der Hirschgartenerweiterung vermittelt sie zwischen intensiv genutztem Park und ökologisch wertvoller AusgleichsflĂ€che.

Übergang Erweiterung zum bestehenden Hirschgarten

Die "Kammer" des ursprĂŒnglichen Parkplatzes wird als benutzbarer Parkabschnitt hergestellt. Durch Entfernen des dichten Aufwuchses im westlichen Abschnitt entsteht eine mit EinzelbĂ€umen ĂŒberstellte, gut nutzbare WiesenflĂ€che. Die bestehende Boulebahn wird auf der FlĂ€che neu angeordnet.
Von besonderer Bedeutung ist der neue Weg entlang des sĂŒdlichen Randes der Kammer. Er schließt fließend an den Weg in der GrĂŒnverbindung entlang der Winfriedstraße an, die ÜbergĂ€nge in den Hirschgarten können verbessert werden. Die nördlichen Bereiche des Wohngebiets Birketweg bekommen darĂŒber hinaus eine direkte Anbindung an den Nymphenburger Park bzw. den Sportpark.

Übergang Birketweg zum bestehenden Hirschgarten

SĂŒdlich des Walls hat sich hier durch die bisher abseitige Lage zum Hirschgarten ein abgelegenes WĂ€ldchen ausgebildet. Diese AtmosphĂ€re soll möglichst erhalten werden, die GrĂŒnflĂ€che des Planungsgebietes bildet zukĂŒnftig den Waldsaum aus. Im blĂŒtenreichen Wiesensaum stehen die grĂ¶ĂŸtenteils vorhandenen SolitĂ€rbĂ€ume und Baumgruppen, einzelne Neophytenbeete werden ergĂ€nzt. Die wichtige, ost-westgerichtete WegefĂŒhrung wird möglichst nahe an die GrundstĂŒcke gelegt.
Zur Herstellung der Wegeverbindungen vom Wohngebiet in den Hirschgarten werden in den vorhandenen Wall zwei "Kerben" geschlagen (eine davon im Planungsgebiet), so dass barrierefreie Anbindungen entstehen. Der Pfad auf dem Wall wird durch HĂ€ngebrĂŒcken miteinander verbunden. Der Spiel- und Erlebniswert auf dem WallrĂŒcken wird insgesamt gesteigert.

Vegetation

Die "Kammern" werden durch seitliche Baumpflanzungen aus Eiche, Hainbuche, Ahorn, Linde und Esche in unterschiedlicher Breite ausgebildet. StrÀucher wie Hartriegel, Kornelkirsche, Haselnuss und Wildrosen werden nur punktuell dazugepflanzt. Insgesamt soll mit der Verwendung von HochstÀmmen und mehrstÀmmigen BÀumen eine AtmosphÀre von "Baum + Gras" entstehen. Die direkte Verbindung zwischen den einzelnen Kammern bleibt möglich. Lediglich der Parkplatz wird bis zum Boden beastet dicht eingepflanzt, so dass die PKW verdeckt werden.
Auf den seitlich an den Spielplatz angrenzenden WiesenflĂ€chen stehen EinzelbĂ€ume oder kleinere Baumgruppen. Hier ist die Verwendung von Eichen, Kiefern, Kirschen und Kastanien vorgesehen. Im Übergang zu den PrivatgrundstĂŒcken wird die Anlage von so genannten Neophyten - Beeten vorgeschlagen. KrautgĂ€rten gleich gibt es abgegrenzte Blumenbeete, die gegebenenfalls auch von Anwohnern gepflegt werden können.
Der Schleier zwischen PrivatgrĂŒn und Pionierpark entsteht aus Gleditschie - HochstĂ€mmen zusammen mit mehrstĂ€mmigen Malus - SolitĂ€rstrĂ€uchern, die ebenfalls einen möglichst hohen Kronenansatz haben. Entlang dieser Schnittstelle wird die als Birkenersatz bereits eingefĂŒhrte Gleditschie konsequent verwendet.
Im Pionierpark selbst werden die Birkenstreifen auf dem Feinschotter zusammen mit der Krautschicht angesĂ€t, einzelne Gehölzarten wie Eiche, Hainbuche, Hartriegel und Rosen werden den Saatgutmischungen beigefĂŒgt. Auf dem Grobschotter soll sich die Vegetation im Laufe der Jahre eher spontan ansiedeln.
Die WiesenflĂ€chen der Hirschgartenerweiterung werden ebenfalls mit blĂŒtenreichen Mischungen angesĂ€t. In den Mischungen blĂŒhen Arten, die nicht nur eine Trittbelastung ertragen, sondern auch nach dem (mehrfachen) RĂŒckschnitt erneut zur BlĂŒte kommen. Das oberste Bodensubstrat wird aus Kies und Rotlage, ggf. etwas Humus gezielt hergestellt. Einzelnen Gehölzstreifen werden zudem unterschiedlich breite Kiesstreifen vorgelagert, so dass das Standortspektrum erweitert wird.

Erschließung / Wegesystem

Das Prinzip der Kammerung fĂŒhrt zu einem geradlinig ausgerichteten Wegesystem im Planungsgebiet. Richtungswechsel werden mit einem "Mosaik der kleinen PlĂ€tze" bewĂ€ltigt. Die PlĂ€tze werden seitlich gefasst und als Kieseinstreudecke hergestellt. Teilweise schieben sich die seitlichen Baumpflanzungen auf die PlĂ€tze, die samt Möblierung auch AufenthaltsqualitĂ€t bekommen. Standorte fĂŒr Informationen zum Park und / oder Kunst sind hier ebenfalls vorgesehen. Am Ende der aus dem Hirschgarten kommenden Wege entstehen an den Gleisanlagen ebenfalls kleine platzartige Aufweitungen. Die "Verwerfung" wird ĂŒber einen Gitterroststeg begehbar, ohne dass die wertvollen VegetationsflĂ€chen direkt betreten werden. Die ĂŒber die Gleisanlagen geplante BrĂŒcke kann behindertengerecht an einen der PlĂ€tze angebunden werden.
Die Hauptwege werden asphaltiert, einzelne Nebenwege als Kieswege oder mit wassergebundener Decke ausgebildet. Als den Parkplatz querende AsphaltbÀnder sind die beiden Wege deutlich ablesbar und schneiden in diesen ein.

Ökologie

Mit dem Hirschgarten als ĂŒberregional bedeutsamem Lebensraum fĂŒr gefĂ€hrdete Arten wie Abendsegler, Gartenrotschwanz, GrĂŒnspecht und dem Totholz bewohnenden Eremiten einerseits und den Gleisanlagen als landesweit bedeutsamem Lebensraum fĂŒr zahlreiche Arten der Pionier- und Ruderalfluren, Magerrasen und jungen GehölzbestĂ€nde andererseits treffen im Planungsgebiet zwei grundlegend verschiedene Biotoptypen aufeinander. Die im Hirschgarten vorkommenden Arten sind an dauerhafte Bedingungen angepasst, wĂ€hrend im Gegensatz dazu die Arten im Bereich der Gleisanlagen auf die durch den Menschen bedingten extremen Standortsbedingungen und StandortverĂ€nderungen angewiesen sind.
Die wertvollen AltbaumbestÀnde am Rand des Hirschgartens bleiben erhalten, so dass mit der vorgeschlagenen Gestaltung hier keine BeeintrÀchtigungen des Lebensraums verbunden sind.
Die Gleisanlagen werden wo möglich in ihrem bisherigen charakteristischen Zustand mit den eingebauten Gleisen und den verschiedenen Schottersubstraten belassen. FĂŒr die durch die LĂ€rmschutzwand, die Wege und die Spielanlagen in Anspruch genommenen Bereiche werden großflĂ€chig Magerrasen auf kiesigem Substrat angesĂ€t, die zusammen mit den SchotterbĂ€ndern vor den Gehölzstreifen am Parkplatz und der IGA-Mauer fĂŒr die im Gebiet vorkommende Zauneidechse ideale Bedingungen bieten. Die KrĂ€uterrasenflĂ€chen der Hirschgartenerweiterung können frĂŒhzeitig vor den Eingriffen in den Bestand durch die Baustellenzufahrt sowie die LĂ€rmschutzwand mit autochthonem Saatgut geeigneter SpenderflĂ€chen hergestellt werden, Die Zwischenlagerung und der spĂ€tere Wiedereinbau der durch den Mauer- und Böschungsbau tangierten Materialien der Gleisanlagen (Schotter, Holzschwellen, GleisstĂŒcke) vermindern die Eingriffswirkung zusĂ€tzlich.
Die Pflege Hirschgartenerweiterung und des Pionierparks orientiert sich an den bahntypischen Nutzungen (Nebeneinander von Bereichen mit hĂ€ufiger und seltener Pflege), um dauerhaft auch Pionierstadien, die z. B. fĂŒr die BlauflĂŒgelige Ödlandschrecke von Bedeutung sind, zu erhalten. So stellt sich auf den von Grobschotter geprĂ€gten Bereiche höherer Bewuchs langsamer und in anderer Zusammensetzung ein als auf den Bereichen mit feinerem Substrat. Die auf den SchotterflĂ€chen aufkommenden lichten VorwĂ€lder mit Strauchschicht werden in Abschnitten von 15 - 25 Jahren auf den Stock gesetzt, auch um den Feinmaterialeintrag gering zu halten und den fĂŒr die Arten der Magerrasen und SĂ€ume erforderlichen lichten Charakter zu erhalten.

Stufenweise Realisierung

Die Erweiterung des Hirschgartens mit dem Pionierpark und dem Anschluss an die ĂŒbergeordnete Fuß- und Radwegeverbindung entlang der Bahn wird schrittweise realisiert.
In der ersten Realisierungsstufe wird der Parkplatz hergestellt, da dieser eine wichtige Infrastruktur-einrichtung auch fĂŒr die zahlreichen Besucher des bestehenden Hirschgartens darstellt. Zudem umfasst die erste Stufe den Teil des neuen Parks, der sich vom Parkplatz bis zur neu geplanten ĂŒbergeordneten Fuß- und Radwegeverbindung erstreckt. So kann den Bewohnern der neuen Baugebiete bereits möglichst frĂŒh eine wohnungsnahe Spiel- und Erholungsnutzung ermöglicht werden. Außerdem wird bereits der Abschnitt des Fuß- und Radweges mit hergestellt, der sich östlich des Parks in Richtung Stadtmitte erstreckt. Somit ist bereits jetzt eine durchgĂ€ngige Wegeverbindung vorhanden, indem ĂŒber die Parkwege an zwei Stellen der Anschluss an das bestehende Wegenetz - ĂŒber das Wohngebiet sowie den GrĂŒnzug an der Winfriedstraße - möglich ist.
Der schmale Streifen, der dort zwischen Weg und BahngelĂ€nde bleibt, wird zunĂ€chst noch als BaustelleneinrichtungsflĂ€che fĂŒr den Ausbau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke benötigt. Nun ist bereits eine durchgĂ€ngige Verbindung Richtung Westen möglich, die vorerst noch durch den neuen Park und ĂŒber die Winfriedstraße fĂŒhrt.
Die erste Stufe kann im Bedarfsfall auch in weitere Abschnitte aufgeteilt werden (z. B. Parkplatz, Spielplatz).
Im zweiten Abschnitt wird der westliche Teil des Pionierparks hergestellt, der nicht von der Baustelleneinrichtung betroffen ist. Somit ist die bahnbegleitende Fuß- und Radwegeverbindung durch den Pionierpark nun vollstĂ€ndig nutzbar.
In der dritten und letzten Stufe der Realisierung werden schließlich die FlĂ€chen fĂŒr die Baustelleneinrichtung wieder hergestellt. Außerdem wird die LĂ€rmschutzwand entlang der ARA errichtet.
Hirschgartenerweiterung

Hirschgartenerweiterung

Spielbereiche

Spielbereiche

Vegetation/ Erschließung/ Ökologie

Vegetation/ Erschließung/ Ökologie

ParkrÀume

ParkrÀume