Nichtoffener Wettbewerb | 08/2025
Landesgartenschau 2030 Stadt Altenburg
©faktorgruen
2. Preis
Preisgeld: 33.000 EUR
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Georgios Grevenaris, Mustafa mohamed, Ricardo Patings, Tobias Pöpping
Erläuterungstext
Leitidee „Die grünen Perlen von Altenburg“
Altenburg besticht durch seine historischen Perlen, der Große und der Kleine Teich, das Schloss mit Teehaus, das Stadttheater und der Kunstturm mit der daneben liegenden Fischhälterei. Im Zuge der Ausrichtung der Landesgartenschau 2030 werden grüne Perlen in das Stadtgefüge eingefügt und entlang der blauen Flut mit den historischen Perlen zu einem Gesamtkonzept, den „Grünen Perlen am Blauen Faden“ verwebt. Die beiden prägenden Gewässer Großer und Kleiner Teich werden in den Fokus gerückt, neu in Wert gestellt und erlebbar gemacht. Dazu werden die Promenaden entlang der Ufer nach historischem Vorbild wiederhergestellt und die Uferbereiche zugänglich und erlebbar gemacht. Der Verkehr im Bereich der Teichvorstadt wird neu geordnet,
so dass eine platzartige Gestaltung zwischen den Teichen entstehen kann, die dem Fußgänger deutlich mehr Patz einräumt und die Verknüpfung der beiden Teiche herstellt.
Neue Grünflächen entlang der Blauen Flut wie z.B. der Schmuckplatz, die Öffnung der Historischen Fischhälterei, der Pocketpark an der Blauen Flut und die Regengärten schaffen ein Grünes Band, das sich bis zum Schloss zieht und die Verknüpfung sämtlicher Ausstellungsbereiche herstellt. Mit der Neugestaltung wird für die Landesgartenschau 2030 ein dauerhafter Rahmen geschaffen, in den das
Ausstellungskonzept wie selbstverständlich integriert werden kann.
Promenaden, Parks und Gärten - Der Park am Großen Teich
Der Große Teich bildet das Herzstück des Landesgartenschaugeländes sowie der zukünftigen Grünanlagen von Altenburg. Durch die Neuordnung der Verkehrs- und Parkierungsanlagen entsteht ein grüner Rahmen um den Teich, der die vorhandenen und teilweise unter Denkmalschutz stehenden Anlagen mit den neuen Parkerweiterungen zu einem zusammenhängenden Park verbindet. Entréeplätze binden den neuen Park in das Stadtgefüge ein und verknüpfen die verschiedenen Freiflächen und Gärten miteinander. Treppen und Sitzstufen am Wasser machen das Wasser erlebbar, ein begleitender Info- und Erlebnispfad macht die Geschichte der historischen Wasseranlagen erfahrbar.
Im Südlichen Bereich entsteht ein neuer Spiel- und Sportpark als Übergang in die offene Park- und Wiesenlandschaft. Hier werden niederschwellige Sportangebote für alle Generationen und Bevölkerungsgruppen, wie eine Skate-Anlage, ein Bewegungs- und Balancierparcours, Calisthenics sowie
verschiedene Klettermöglichkeiten vorgeschlagen. Der Sportpark öffnet sich in Form von Sitzstufen zum Großen Teich. Im zentralen Bereich wird ein großer Wasserspielplatz angelegt. So wird das prägende städtebauliche Element Wasser durch Zugänglichkeit und Interaktion ergänzt.
Die Promenade
Die Promenade am Großen Teich wird nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Der Weg entlang des Ufers erhält eine wassergebundene Wegedecke. Das Motiv der Bäume auf dem Weg wird in Form einer dezenten Stahlbandeinfassung wieder aufgegriffen und zum prägenden und identitätsstiftenden Element der neuen Promenade. Auf der wasserabgewandten Seite wird ein robustes Band in einem Natursteinpflasterbelag vorgeschlagen, dass farblich zur wassergebundenen Decke passt. Dieses stellt die barrierefreie Wegeverbindung her und integriert großzügige Sitzbänke in die Szenerie. Der Baumbestand wird erhalten und durch die entsprechenden Arten ergänzt.
Bereich Kleiner Teich
Der Weg um den Kleinen Teich wird ebenfalls neu und einheitlich gestaltet. Der Schmuckgarten wird in seiner ursprünglichen Form und Gestaltung wiederhergestellt. Die Straße „Am Kleinen Teich“ wird verkehrsberuhigt und in die Gestaltung integriert. Als Belag wir hier ebenfalls eine Pflasterung in einem robusten Natursteinbelag vorgeschlagen.
Die vorhandenen Stellplätze werden in einem kompakten Parkdeck auf der Ostseite angeordnet. Dadurch entsteht Platz für eine neue Stadtterrasse am Kleinen Teich. In Verbindung mit einem kleinen Café, sowie einem Sonnendeck im Wasser entsteht ein neuer Frei- und Aufenthaltsraum, der zu einem attraktiven Treffpunkt in Altenburg werden kann.
Platz „Zwischen den Teichen“
Durch die Anlage eines Kreisverkehrs kann jeweils auf eine Fahrspur in jede Richtung verzichtet werden. So kann Platz geschaffen werden für großzügige Querungsanlagen, die die beiden Teiche miteinander verbinden. Eine einheitliche und durchgängige Belagsgestaltung in einem Natursteinpflaster lässt einen Platz entstehen, der die Verbindung der beiden Freiräume um den Großen und Kleinen Teich betont. Es entsteht eine durchgängige Wegeverbindung in Form der „Teichuferpromenaden“, die die Altstadt im Norden über die Teichvorstadt mit den Gärten und Parks an den Teichen im Süden verbindet.
Die Gärten an der Blauen Flut
Auch entlang der Blauen Flut entstehen attraktive Wegeverbindungen, die als „Blaue Promenade“ Aufenthaltsorte schaffen und eine neue Erlebnisqualität bieten. Ein Holzsteg macht die historische Fischhälterei erlebbar, Sitzstufen und kleine Balkone nehmen Bezug auf die angrenzenden Nutzungen und laden zum Verweilen am Wasser ein.
Der blaue Faden
Die Blaue Promenade wird durch ein Spielband begleitet, das verschiedene Spiel- und Betätigungsangebote rund um das Thema der Altenburger Spielkarten bietet. So können beispielsweise Spieltische an verschiedenen Orten in der Altstadt sowie in den Grünanlagen am Großen und Kleinen Teich verortet werden, um öffentliches Leben anzuregen. Es entsteht ein spannender und kurzweiliger Weg von den Teichen bis zum Schloss. Parallel
dazu werden unmittelbar an der Blauen Flut naturnahe Erlebnisorte geschaffen, wie z.B. Fischunterstände, Kiesbänke, Weidengebüsche und Totholzsetzungen. So werden verschiedenen Lebensbereiche im und am Wasser erfahrbar und bieten sich als naturpädagogische Lernorte für die nahegelegenen Schulen an. In diesem Zuge wird das berühmte Nachschlagewerk „Brehms Thierleben“ von Alfred Brehm zu einem zentralen Thema:
Der Geschichtenpfad „Tierleben“ erzählt auf einigen Informationstafeln in der Stadt Wissenswertes zu verschiedene Tierstämmen.
Ausstellungskonzept
Das Ausstellungskonzept fügt sich wie selbstverständlich in die Daueranlagen ein, so dass auf aufwändige Rückbaumaßnahem verzichtet werden kann. Die Ausstellungsbereiche können in den neugeschaffenen Parkteilen verortet werden, dadurch bleiben die historischen und denkmalgeschützten Anlagen frei von intensiver Überformung durch Ausstellungsinhalte. Eine kleine Teichbühne bildet zusammen mit dem Kulturhaus „Rote Zora“ ein neues Kulturforum. Flächenintensive Veranstaltungsbereiche können auf den zukünftigen Parkierungsflächen im Westen angesiedelt werden.
Die Eingänge
Markante Eingangssituationen verknüpfen den Teichpark an den wichtigen Stellen mit der Stadt und den ankommenden Rundwegen. Im Übergang zum Platz zwischen den Teichen entsteht ein Entréeplatz, der zugleich den Anfang der neu gestalteten Promenade am See markiert. Die Teichterrassen im Osten nehmen in Anlehnung an die historische Nutzung eine kleine Gastronomie in Form eines Gewächshauses auf. Ein Klimaplatz mit Wasserspiel und Fontänen lädt zum Spielen und Verweilen ein.
Bereich Schloss und Teehaus
Im Schlosshof können temporäre Ausstellungen zu den Themen Kübelpflanzen und Pflanzenverwendung in historischen Gärten angesiedelt werden. Im umgebenden Schlossgraben werden die „Giardini segreti“, von Künstlern aus der Region gestaltete Gärten angelegt. Diese können nach Anmeldung bzw. im Rahmen von besonderen Events besichtigt werden. Im benachbarten Teehaus kann die vorhandene Gastronomie einbezogen werden. Auch hier finden wir weitere temporäre Gärten zu einzelnen Pflanzenthemen, wie Rosen, Lilien usw.
Barrierefreiheit und Mobilität
Sämtliche Wegeverbindungen werden barrierefrei ausgebildet. So wird der wassergebundene Weg in der neu gestalteten Teichuferpromenade durch ein Pflasterband begleitet, das durch seine gesägte und feingestockte Oberfläche eine optimale Begehbarkeit für Rollstuhlfahrer und Rollatoren erlaubt.
Für die Straße „Teichvorstadt“ wird eine großzügige Querung in Form einer Mittelinsel vorgeschlagen. Diese kann durch einen Zebrastreifen unterstützt werden.
Im Zuge der Anlage der neuen Parkpalette entsteht ein Mobilitäts-Hub am Kleinen Teich, der sämtliche Mobilitätsarten miteinander verknüpft. Der Bereich wird als Mobilitätsdrehscheibe unter Einbeziehung zusätzlicher Angebote, wie E-Bike-Verleih und Carsharing mit entsprechenden Ladestationen ausgebaut.
Wasserkonzept
Das Regenwasser der neu gestalteten Straßen- und Platzflächen wird in Form von wasseroptimierten Baumstandorten den Bäumen zugeführt und sorgt für eine ausreichende Wasserversorgung. Das überschüssige Wasser wird in unterirdischen Zisternen gesammelt und steht zur Speisung der Wasserspiele
sowie zum Gießen zur Verfügung. Durch ihre barrierefreie Gestaltung als bodenbündige Fontänenfelder laden sie zum Spielen ein. Die Wasserelemente bieten eine willkommene Erfrischung während der warmen Sommermonate und tragen positiv zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Darüber hinaus werden die Regengärten an der blauen Flut zu „Stadtschwämmen“, indem diese das Regenwasser der umliegenden Häuser und Straßen aufnehmen, reinigen und in die Blaue Flut ableiten. Das gereinigte Regenwasser sorgt hier nicht nur für eine Verbesserung der Wasserqualität, sondern zeigt auch wie eine zukunftsfähige und nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung funktioniert.
Klima- und Vegetationskonzept
Der Umgang mit dem Klimawandel ist ein zentrales Thema im Rahmen der Landesgartenschau Altenburg 2030. Der vorhandene Baumbestand wird weitestgehend erhalten und in das Konzept integriert. Umfangreiche Neupflanzungen sorgen im Sommer für ein angenehmes und kühlendes Schattendach. Es entsteht ein lebendiger Wechsel zwischen Licht und Schatten sowie eine spannende Abfolge von Räumen.
Die Baumpflanzungen entlang der beiden Teiche werden ergänzt, die Platzräume der Entréeplätze werden jeweils durch teils vorhandene, teilweise neu gepflanzte Solitärbäume mit eigenem Charakter und Wuchs betont und inszeniert. Durch Unterpflanzungen mit Stauden und Gräsern sowie Sitzkanten und Holzdecks entstehen kühle Orte im Schatten, die auch während den heißen Sommertagen zum Verweilen einladen.
Bei der Auswahl der Baumpflanzungen wird auf zukunftsfähige und klimaresiliente Arten geachtet. Daneben sorgen die Wildblumenpflanzungen mit ihren Kräutern und Stauden für Biodiversität und ein lebendiges Pflanzenbild.
Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit – „cradle to cradle“
Die Beläge und Materialien für Wege und Ausstattungen werden so gewählt, dass sie jederzeit recycelt und wiederverwendet werden können. Wenn möglich werden regionale Rohstoffe wie Kies, Steine und Holz verwendet. Der Energieverbrauch neuer baulicher Anlagen kann durch Photovoltaik oder Wärmerückgewinnungsanlagen gedeckt werden, so dass ein klimaneutraler Park entstehen kann. Die Bänke und Holzdecks werden aus heimischem Holz, vorwiegend Douglasie gefertigt. Bei der Beleuchtung kommt energiesparende LED-Technik zum Einsatz.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Stärke der Arbeit ist die Schaffung einer spannungsvollen Choreografie, die die Besucherinnen der Gartenschau an einem zusammenhängenden Weg vom historischen Bahnhof, über die Altstadt bis zum großen Teich führt. Hierbei werden sowohl historische Perlen der Stadt als auch neu zu entwickelnde Highlights gekonnt miteinander verbunden. Der Rundweg um den großen Teich zeichnet sich durch spannungsvollen Raumsequenzen aus. Weite, eher extensive Rasen- und Wiesenbereiche wechseln sich intensiv gestalteten Bereichen ab. Ein solcher ist beispielsweise der Klimaplatz. Dieser wertet gekonnt die bestehenden Mäuerchen auf und schafft einen attraktiven neuen Ort am Wasser. Der Weg führt den Besucher weiter zu der wohl proportionierten Spiel- und Sportspange, die räumlich sehr überzeugend auf das Hallenbad ausgerichtet ist. Die Neupositionierung der Parkplätze wird einerseits begrüßt, da sie neuen Grünraum schafft, andererseits negativ bewertet, da sie die Wege zwischen Parkplatz und Schwimmhalle vergrößert und Kosten verursacht. Nördlich der Bauerngärten sind die Wohnmobilstellplätze und der Parkplatz neu geordnet. Positiv gewertet ist die städtebauliche Positionierung, kritisch beurteilt wird die Verkleinerung des Wohnmobilstellplatzes und der damit verbundene wirtschaftliche Aufwand. Die Zora wird als Kulturhub entwickelt und mit einer Kulturwiese und einer Gastronomie sinnvoll ergänzt. Die Promenade wird nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Sie ist aus wassergebunden Wegedecke mit einem Band aus geschnittenem Natursteinpflaster barrierefrei gestaltet. Wasserseitig sind auf dem großen Teich ein Balkon und eine Bühne vorgeschlagen. An zwei Stellen schaffen Sitzstufen die Möglichkeit für Aufenthalt am Ufer. Eine Aussichtsplattform an der historischen Südspitze des Teiches ergänzt das Angebot des Wassererlebens. Die Bühne auf dem Teich erscheint unrealistisch, zudem sollte geprüft werden, ob ein Plateau auf dem großen See ausreichend ist. Die Dimensionierung der Sitzstufen an den Teichen wird hinterfragt.
Die Straße am kleinen Teich wird verkehrsberuhigt gestaltet. Der gewonnene Raum wird als grüne Stadtterrasse mit Außengastronomie gestaltet. Hier entsteht ein neuer Aufenthaltsraum für die Stadtgemeinschaft mit der Möglichkeit von Außengastronomie. Sitzstufen stellen den Bezug zum Wasser her. Das Parkdeck wird mit einer grünen Fassade dargestellt. Während die Stadtterrasse mit ihrem urban-grünen Charakter begrüßt wird, wird das Sonnendeck auf dem Wasser hinterfragt. Die dreigeschossige Parkgarage wirkt im Stadtraum zu dominant. Der Schmuckplatz wird in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt, könnte jedoch etwas intensiver gestaltet sein. Die Fischhälterei wird über einen Holzsteg erschlossen und verbindet sich gut mit dem Pocketpark an der grünen Flut und dem Artur-Grosse Weg. Der Umgang mit dem historischen Ort ist angemessen.
Das starke, sichere Grundkonzept der Ausstellung schafft eine exzellente Grundlage für ein vielfach bespielbares Gartenschaubespielung. Dadurch, dass intensive Zonen kompakt gestaltet sind, bleiben ausreichend extensive Bereiche. Diese sind nicht zuletzt notwendig für die temporäre Bespielung der Gartenschau.
Das Ausstellungskonzept ist gut ausgearbeitet und verbindet überzeugend historische und neue Highlights Altenburgs. Der vorgeschlagene Zaunverlauf im Süden überzeugt. Das Altenburger Schloss und die vorgeschlagenen Giardini Segreti, von Künstler der Region gestaltete Gärten im Schlossgraben, bilden einen weiteren Ausstellungsschwerpunkt. Auf dem Weg vom Bahnhof, zur Altstadt, bis zu den Teichen werden immer wieder gute Orte für Pocketparks und interessante Ausstellungsthemen gefunden. Mit dem Klimaplatz und den Regengärten werden bewusst Themen des aktuellen Stadtbaudiskurses aufgegriffen. Der vorgeschlagene temporäre Steg zum Zoo würde die kleine Insel überfordern und wird kritisch gesehen.
Die Arbeit schafft eine gute Abwägung zwischen dem respektvollen Umgang mit dem Denkmalschutz und neuen Interventionen. Die Arbeit zeichnet sich aus durch eine große Gestaltungsqualität, eine hohe formale Sicherheit, kontrastreichen Atmosphären.
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Lageplan 1:1000
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Großer Teich 1:500
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Großer Teich LGS 1:500
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Großer Teich 1:200
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LGS Residenzschloss 1:500
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LGS Kleiner Teich 1:500
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Ausstellungskonzept
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Pikto Uferpromenade
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Pikto Klimaplatz
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Pikto Kleiner Teich
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Pikto Obstwiese
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Pikto Blaue Flut