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Offener Wettbewerb | 10/2024

Landesgartenschau 2032 Stadt Offenburg

Der neue Kinzigpark vernetzt sich mit dem Landschaftsraum und formuliert eine urbane Stadtkante
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Der neue Kinzigpark vernetzt sich mit dem Landschaftsraum und formuliert eine urbane Stadtkante

2. Preis

Preisgeld: 43.000 EUR

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

A.Calitz Visual

Visualisierung

Erläuterungstext

SYMBIOSE ALS NACHHALTIGE ENTWICKLUNGSSTRATEGIE
Symbiose ist das Schlüsselwort, das den Charakter und die Atmosphäre des zukünftigen Kinzigparks beschreibt. Symbiose meint eine harmonische Koexistenz heterogener Elemente, die miteinander interagieren und somit ein neuartiges Ganzes, eine Art gemeinsames Ökosystem, bilden.

Es ist unsere Antwort auf die Komplexität urbaner, sozialer und klimatischer Anforderungen in der heutigen Zeit und eine wirksame Strategie, die Stadt Offenburg fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen. Ziel ist es, den OffenburgerInnen und Gästen ein intensives Naturerlebnis inmitten der Stadt zu ermöglichen.

NETZARTIGE PARKFIGUR
Die netzartige Parkfigur schafft vielfältige Schnittstellen zur unmittelbaren Umgebung. Mit der Verlagerung des Offenburger Fußballvereins in den neu entstehenden Sportpark Süd ergibt sich die einmalige Chance, das derzeit als störende Barriere im Stadtraum wahrgenommene Vereinssportgelände, entsprechend seiner Bedeutung als zentraler Baustein im Stadtgefüge, zu einem wichtigen Gelenk zwischen Stadt und Landschaft auszubilden.

Ein hierarchisches Wegenetz aus Hauptwegesträngen aus hellem Asphalt mit Abstreu, die die Kinzig und den Universitätscampus anbinden, und einem feingliedrigen Netz aus untergeordneten Nebenwegen aus Schotter schafft Orientierung und zieht die Teilräume zu einer ablesbaren Parkfigur zusammen. Das Wegenetz diffundiert in die angrenzenden Stadträume und bildet eine starke Freiraumklammer von der Innenstadt bis zu den ins Abseits geratenen Flussläufen von Kinzig, Mühlkanal und Räderbach.

PARKMOSAIK VEREINT UNTERSCHIEDLICHE QUALITÄTEN
Ein Mosaik aus verschiedenen Zonierungen prägt die Parklandschaft und kombiniert ökologische Aspekte mit zeitgemäßen Freizeitnutzungen zu einem neuartigen Parktypus – den Klimapark an der Kinzig. Der neu entstehende Klimapark besetzt die strategisch bedeutsame Engstelle, an der Kinzig und Mühlkanal am dichtesten beieinander liegen. Der Park wird somit zur Klammer zwischen diesen zwei sehr unterschiedlichen Gewässertypen - dem urban geprägten Mühlkanal und der renaturierten Kinzig mit ihrer landschaftlichen Dimension. Die bandartige Zonierung der Parkstruktur folgt diesem graduellen Prinzip von landschaftlich (Kinzig) bis urban (Mühlkanal).

Der weitläufige Wiesenpark formt den zentralen Bereich und bindet die Campuserweiterung der Hochschule Offenburg an. Der westliche Übergangsbereich zum Hochwasserschutzdamm an der Kinzig wird durch einen schattigen Klimahain aus robusten Baumarten geprägt, deren Artenzusammensetzung sich an natürlichen Uferzonen und Flussauen orientiert. Im Bereich der östlichen Böschung des Dammbauwerks werden lediglich kleinwüchsigere Baumarten der Kategorie 3 vorgesehen, um Standfestigkeit und Hochwasserschutz nicht zu gefährden, die wasserseitige Böschung wird komplett frei von Gehölzpflanzungen gehalten und als flache Wiesenböschung ausgebildet. Das parkseitige Versickerungsrelief unterstützt das Regenwassermanagement und kombiniert ökologisch wertvolle Biotope mit spielerisch-didaktischen Naturerfahrungsräumen. Die westliche Parkflanke dagegen wird als urbane Kante zur Stadt ausgebildet. Ein eingewobenes Aktivband mit dicht programmiertem Bewegungsangebot verknüpft die Campuserweiterung im Süden mit dem platzartigen Entree am Bahnhaltepunkt im Norden. Das ehemalige Vereinsheim wird zum Parkcafé mit großzügiger Außenterrasse umgebaut.

KLIMARESILIENTE PARKANLAGE
Der Park ist zentraler Baustein in Offenburgs gesamtstädtischer Strategie, den zukünftigen Herausforderungen an einen klimaresilienten Stadtumbau gerecht zu werden. Ein vielfältiges Parkrelief unterstützt die Zonierung und vermittelt zum westlich angrenzenden Hochwasserschutzdamm. Das Mikrorelief unterstützt die ökologische Diversität durch ein dichtes Patchwork aus unterschiedlichen Landschaftstypologien, gleichzeitig ermöglicht es temporäre Einstauflächen für Regenwasser, insbesondere bei Starkregenereignissen. Der Wandel der Jahreszeiten findet somit Ausdruck im sich verändernden Erscheinungsbild der Parklandschaft mit Wechseln von trocken zu nass. Die kleinteilige Biodiversität schafft attraktive Rückzugsorte und Nahrungsquellen für die heimische Fauna wie Vögel, Amphibien und Insekten aber auch als Zwischenstation für Zugvögel.

INSZENIERUNG DER UFERKANTEN
Die beiden parallel verlaufenden Wasserläufe von Kinzig und Mühlkanal stehen in starkem Kontrast zueinander – auf der einen Seite der breite Flusslauf der Kinzig mit seiner landschaftlichen Dimension, auf der anderen Seite der baulich gefasste Mühlkanal als historische Entwicklungsachse der Stadt Offenburg. Mit der geplanten Renaturierung und Dynamisierung der Kinzig wird sich zukünftig der Unterschied zum städtisch gefassten Mühlkanal noch stärker herausbilden. Diese Qualität unterschiedlicher Atmosphären – regulierter Kanal und dynamisches Fließgewässer - drückt sich auch in der Zonierung der Parks aus. Ausgehend von der naturnahen Flusslandschaft der Kinzig wird der Park in Richtung Mühlkanal immer urbaner mit einem intensiv programmierten Freizeitprogramm.

Die Panoramapromenade auf dem Hochwasserschutzdamm inszeniert die Schnittstelle zwischen gebauter Stadt und dynamischer Landschaftsmorphologie. An strategisch wichtigen Schnittstellen werden balkonartige Aussichtspunkte, Sitzstufen und informelle Uferzugänge geschaffen. Im Bereich des Klimaparks springt die Deichlinie besonders weit in den Park zurück und ermöglicht eine deutliche Abflachung der Böschungskanten, um die räumliche Barriere des Dammbauwerks abzumildern und einen möglichst direkten Bezug zwischen Parkanlage und Flusslandschaft herzustellen. Das Kinzigplateau schiebt sich als flaches Holzdeck über die Böschungskante und bietet weite Ausblicke bis zu den Hügelkuppen des Schwarzwalds. Der lineare Radschnellweg auf dem westlichen Hochwasserschutzdamm schafft zusammen mit der bewegteren Panoramapromenade auf dem östlichen Damm eine starke räumliche Klammer, die auch den nördlichen Stadteingang an der Kinzigbrücke stärkt. Zwei neue Fuß- und Radwegestege queren die Kinzig: Ein südlicher Steg bindet den Park an das gegenüberliegende Schulareal und das Freibad am Gifiz-See an, ein zweiter Steg im Norden das Messegelände westlich der Kinzig.

GARTENPROMENADE RÄDERBACHINSEL
Die bisher kaum öffentlich erschlossene Räderbachinsel wird zu einem wertvollen Trittstein in den neuen Sportpark Süd. Insbesondere die nördliche Inselspitze übernimmt die Funktion als vernetzendes Freiraumgelenk. Das Areal rund um die Villa Pfähler und das ehemalige Jugendzentrum mit der neu verorteten Veranstaltungshalle wird zum sozialen Treffpunkt für alle Generationen. Die Verlagerung der Veranstaltungshalle von der Räderbachinsel in den Bereich des ehemaligen Jugendzentrums nördlich des Räderbachs entzerrt die Nutzungen, klärt die Wegebeziehungen und schafft Raum zur Orientierung. Die aus dem Kinzigpark verlängerte Wegeachse führt über zwei neu gesetzte Stege in direkter Linie bis zur Veranstaltungshalle. Auf Parkseite erhält die Wegeachse einen kraftvollen Auftakt mit Trendsportarena und Parkkiosk. Die neue Veranstaltungshalle wird in den Mündungsplatz eingebunden, eine multifunktionale Platzfläche für vielfältige Veranstaltungen im Außenraum. Anlieferung und Andienung der Feuerwehr erfolgen über eine neu gesetzte Zufahrt zum Südring entkoppelt vom Fußgängerverkehr. Die Hauptwegeachse wird über eine neue Fußgängerquerung über den Südring an das parkartige Verbindungsstück zum Sportpark angebunden. Wegbegleitende Aktivstopps mit Fitnesselementen stimmen auf den Sportpark ein.

Die angrenzende Räderbachinsel ergänzt das Bewegungsangebot durch weitere gesundheitsfördernde Aspekte wie lokale Nahrungsmittelproduktion. Über die gesamte Länge der Insel werden die privaten Kleingartenparzellen geöffnet und in ein öffentliches Gartenband für Alle umgewandelt. Das übergeordnete Thema der Mitmach-Gärten, im Sinne der „essbaren Stadt“, setzt sich aus einer kleinteiligen Abfolge ganz unterschiedlicher Freiraumtypen und Atmosphären zusammen. Gemeinschaftlich bewirtschaftete Gartenparzellen, mit kleinen Gewächshäusern und Hochbeeten wechseln sich mit Streuobstwiesen ab. Picknickbereiche wechseln sich mit Marktflächen zum Vertrieb und Tausch von regionalen Produkten ab. Großzügige Öffnungen in der Parzellenstruktur der privaten Kleingartenanlage ermöglichen stärkere Wasserbezüge, punktuelle Sitzstufen führen bis an die Wasseroberfläche. Die leicht mäandrierende Gartenpromenade bricht die Monotonie des mittig verlaufenden Erschließungswegs und orientiert sich mal mehr zum Mühlkanal, mal mehr zum Räderbach. Auf Höhe des Pfadfinderheims schafft eine durchgrünte Platzfläche einen zentralen Treffpunkt. Über die gesamte Breite stuft sich der Platz bis zum Mühlkanal ab, wo er einen Ort am Wasser mit Kajakanleger schafft.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Konzept überzeugt durch eine gelungene Einbindung in die Stadt. Wegeverbindungen werden funktional gesetzt und gestalterisch angemessen herausgearbeitet. Die netzartige Parkstruktur vereint unterschiedliche Qualitäten und differenziert diese schlüssig im Raum.
Der neu entstehende „Klimapark“ besetzt die strategische Engstelle an Kinzig und Mühlbach. Er wird zur Klammer zwischen diesen sehr unterschiedlichen Gewässertypen.
So entsteht ein Gradient zwischen dem urban gestalteten Mühlkanal mit vielfältigen Nutzungsangeboten und der renaturierten Kinzig mit ihren landschaftlichen Dimensionen.
Diese Dichotomie wir durch eine schlüssige Raumbildung erlebbar gemacht. Dem Damm werden parkseitig Gehölzgruppen vorgelagert, die zukünftig ein gutes Binnenklima schaffen und die Aufenthaltsqualität im Parkbereich verbessern.
Allerdings wurde die Abschottung der Kinzig durch den Baumbestand im Preisgericht kontrovers diskutiert.
Eingespannt wird der zentrale Wiesenraum, der funktional passend von einem diagonalen Weg durchzogen wird östlich und westlich von Gehölzgruppen, die jedoch eine unterschiedliche Programmierung erhalten; westlich am Deichfuß naturnahe Bereiche und östlich mit vielfältigen Spiel- und Sportangeboten.
Die Spiel- und Sportbereiche am östlichen Wiesenrand wurden grundsätzlich als am richtigen Standort bewertet, allerdings wurde die Dichte der Nutzungsangebote sowie der hohe Versiegelungsgrad in diesem Bereich kritisch beurteilt.
Am Bahnhalt wird mit einem großzügigen Entreeplatz mit Café der Blick in den Wiesenraum eröffnet und die Besuchenden über eine netzartige Wegestruktur wie selbstverständlich in Richtung Kinzigdamm geleitet.
Durch den Gehölzfilter gelangt man auf den Dammweg, von dem aus sich der Blick in den Naturraum der Kinzig öffnet. Vermisst werden allerdings auch Öffnungen im Gehölzbestand, so dass ein Blick in Richtung Park und ein Rückblick zum Schwarzwald kaum möglich ist.
Zwei neue Kinzigstege ermöglichen die Gewässerquerung schlüssig an der Bahn und nördlich der Hochschulerweiterung. Das Hochschulareal fügt sich wie selbstverständlich in den neuen Parkraum ein, beginnend mit dem Hochschulcampus der in seinem Versiegelungsgrad zu stark wirkt und einer gut proportionierten Campuswiese mit kleiner Bühne. Allerdings wird auch diskutiert, ob die Gebäude den offenen Wiesenraum zu stark dominieren. Das östliche Wegegelenk wird eingefasst von einer Trendsportanlage, die zwar Nutzungsangebote für Studierende und Parkbesuchende bietet, jedoch in ihrer Größe und Intensität mit der Lage in unmittelbarer Hochschulnähe nicht überzeugen kann.
Parkentree und Fußgängersteg leiten wie selbstverständlich zur Mühleninsel und zum Mündungsplatz. Die gut platzierte neue Veranstaltungshalle ist so schon aus dem Park heraus gut erkennbar und die Orientierung und Anbindung an den Sportpark wird erleichtert.
Die Räderbachinsel wird für die Allgemeinheit erlebbar und nutzbar gemacht. Der unmittelbare Zugang zum Wasser wird durch Sitzstufen bis zum Wasser ermöglicht. Erschlossen wird die Insel durch eine mehrfach verspringende Gartenpromenade, an der sich unterschiedliche Nutzungsangebote für alle wie Streuobsthaine, Picknickwiesen, Mitmach-Gärten und urban farming eröffnen.
Mit öffentlichen Terrassen und Plätzen werden das Pfadfinderheim und die Villa Pfähler in dieses vielfältige und schlüssige Nutzungskonzept integriert, dass die bisherige Kleingartennutzung in eine diverse Nutzungsmischung für alle transformiert und gleichzeitig den Bezug zur bisherigen Nutzung beibehält.
Der Wiesenraum zwischen Südring und neuem Sportareal erhält angepasst an den Klimawandel ein Versickerungsrelief und wird locker mit Bäumen überstanden. So entsteht ein Wiesenraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Dieser wird durchzogen durch ein „Bewegungsband“ mit Aktivangeboten, das schlüssig den Sportpark anbindet.
Die neu gestalteten Eingangssituationen im Bürgerpark überzeugen und schaffen ein gutes Parkentree. Der Erhalt des Boccia-Clubs und die Wegeführung über eine Fußgängersteg auf die andere Seite des Mühlenstegs wird als überzeugende Lösung gewertet. Insgesamt zeigt die Arbeit ein schlüssiges Gestaltungskonzept, das vielfältige Nutzungen ermöglicht und sensibel auf die vorhandenen Strukturen reagiert.
Gesamtkonzept

Gesamtkonzept

Bestand – Barriere im Stadtraum / Gelenk zwischen den Wasserläufen / Kontinuität der Grünkorridore

Bestand – Barriere im Stadtraum / Gelenk zwischen den Wasserläufen / Kontinuität der Grünkorridore

Bürgerpark

Bürgerpark

Kinzigpark

Kinzigpark

Detail Kinzigpark

Detail Kinzigpark

Räderbachinseln

Räderbachinseln

Detail Räderbachinseln

Detail Räderbachinseln

Die Gartenpromenade auf der Räderbachinsel bindet beide Uferseiten ein und schafft einen interaktiven Ort zum Mitmachen

Die Gartenpromenade auf der Räderbachinsel bindet beide Uferseiten ein und schafft einen interaktiven Ort zum Mitmachen