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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2007

Landesgartenschau Aschersleben 2010

Lageplan Herrenbreite und Bestehornpark

Lageplan Herrenbreite und Bestehornpark

Ankauf

Preisgeld: 5.000 EUR

Lohaus · Carl · Köhlmos PartGmbB Landschaftsarchitekten · Stadtplaner

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Parks und Promenaden ‚Äď Ascherslebener W√ľrze

Ein wohldosiertes Gemisch aus √∂ffentlichen Parks, Promenaden und G√§rten pr√§gt das Bild der Innenstadt von Aschersleben. Diese werden den Besuchern in sechs ‚ÄěG√§ngen‚Äú kredenzt. Jeder ‚ÄěGang‚Äú bietet ein ganz eigenes sinnliches Erlebnis: traditionsreich, aber auch modern, spritzig, aktuell und immer regional oder lokal eng verwur-zelt. Der Vorschlag f√ľr die Gangfolge ist lediglich als Empfehlung zu verstehen. Selbstverst√§ndlich k√∂nnen die ‚ÄěG√§nge‚Äú beliebig kombiniert werden und auch ein ‚Äěcross-over‚Äú ist erw√ľnscht.

Eine-Terrasse
Wenn man sich Ascherleben von der durch den Gew√ľrzanbau gepr√§gten Landschaft n√§hert, ist die neu gestalte-te Eine-Terrasse das Entree zur Stadt. In dem h√∂her gelegenen Teil der Eine-Wiesen informiert die Landwirt-schaft u.a. √ľber die Geschichte und aktuelle Tendenzen des regionalen Gew√ľrzpflanzenanbaus im europ√§ischen und internationalen Kontext. Die modern gestaltete Promenade mit ungew√∂hnlichen Sitz- und Spielangeboten f√ľhrt zum traditionsreichen Promenadenring, der die Altstadt umschlie√üt.

Promenadenring und Innenstadt
Mit den 15 noch erhaltenen Wehrt√ľrmen steht der Promenadenring quasi als Synonym f√ľr die √§lteste Stadt Sachsen-Anhalts. Insbesondere im s√ľdlichen Teil des Rings ist die eigenwillige topographische Lage der Stadt im Flusstal noch erlebbar. Die Gestaltung der Promenade repr√§sentiert den Zeitgeschmack seiner Entstehungszeit im 19. Jahrhundert. W√§hrend der Gartenschau werden hier Sommerblumen pr√§sentiert. Sie schm√ľckten typi-scher Weise die Parks der Jahrhundertwende und sind bis heute beliebte Farbtupfer in den St√§dten. Ihre Aus-wahl unterliegt starken modischen Schwankungen und wird durch immer neue Z√ľchtungen ver√§ndert. Entspre-chend k√∂nnten im Wallring die Sommerblumentrends Trends der letzten Jahrhunderte und der letzten Jahrzehnte dem aktuellen Zeitgeschmack gegen√ľbergestellt werden.
Ankn√ľpfend an die Drive-Thru-Gallerie der Ausfallstra√üen werden auch ausgew√§hlte Orte in der Innenstadt tem-por√§r in Szene gesetzt und lassen somit die gesamte Stadt zum Teil der Ausstellung werden.

Herrenbreite
Die historische Grundstruktur des Parks bestehend aus einem die gro√üe Wiese umschlie√üenden Promenaden-rahmen, der von einer Bl√ľtenbord√ľre begleitet wird, und das streng axiale Wegesystem im Inneren der Fl√§che werden wieder hergestellt. Das axiale Wegesystem wird durch Verbindungen zum neuen Bestehornpark erg√§nzt und passen die mehrfach √ľberformte Parkstruktur der aktuellen Stadtentwicklung an. Auch die heckengefasste Bl√ľtenbord√ľre erh√§lt eine zeitgem√§√üe, wenig pflegeintensive Bepflanzung aus halbschatten- und schattenver-tr√§glichen (ggf. m√§hbaren) Stauden und Kleingeh√∂lzen wie Hortensien. Diese dauerhaft angelegten Pflanzungen k√∂nnen w√§hrend der Gartenschau als beispielhafte Fl√§chen f√ľr die Gestaltung √∂ffentlicher Gr√ľnfl√§chen pr√§sen-tiert werden.
Im Schnittpunkt der Hauptwegeachsen entsteht ein Platz. Er kann f√ľr Feste und Veranstaltungen genutzt werden, l√§sst sich im Winter fluten und in eine Eisbahn verwandeln und bietet in der warmen Jahreszeit bewegliche Fon-t√§nen, die Jung und Alt zum Spielen herausfordern. Die Font√§nen lassen sich in der Intensit√§t und in ihrer Aus-richtung ver√§ndern und bieten somit vielf√§ltige Variationsm√∂glichkeiten und immer neue Wasserbilder.
Je mehr Fontänen einen zentralen Zielpunkt treffen, um so höher steigt die zentrale Mittelfontäne empor.
Die benachbarten Wiesen k√∂nnen dauerhaft und w√§hrend der Gartenschau flexibel f√ľr Veranstaltungen genutzt werden.
Die neuen Wege zum Bestehornpark sind von ‚Äěduften‚Äú Themeng√§rten begleitet. Die tempor√§ren G√§rten zeigen Variationen zum Thema Duft, Wellness und Gesundheit auf der Basis von Pflanzen.

Bestehornpark
Der Bestehornpark wird Teil des modernen Schulcampus und kn√ľpft gleichzeitig an die historischen Wurzeln der Villeng√§rten an. Ausgehend von dem gro√üz√ľgigen offenen Entree mit breiter Stufenanlage zur Wilhelmstra√üe wird eine geradlinige, gut auffindbare Wegeverbindung zur Herrenbreite angeboten. Sie wird begleitet von einem sich Richtung Herrenbreite verj√ľngenden Band mit Spiel- und Bewegungsangeboten, die auch auf die Jugendli-chen Nutzer ausgerichtet sind (‚ÄěFreiluftmuckibude‚Äú).
In Verl√§ngerung der wei√üen Villa wird westlich des Weges eine ruhige, locker mit den erhaltenen B√§ume √ľbestell-te Wiesenfl√§chen angelegt, die f√ľr diverse Ballspiele benutzt werden kann. Die wegebegleitende Hecke und die erhaltenen B√§ume verweisen auf die urspr√ľngliche Ausdehnung des Villengartens.
Der Mensa vorgelagert werden w√§hrend der Gartenschau und in geringerem Umfang auch als Dauerzustand Wild- und Nutzpflanzen pr√§sentiert. Ziel dieses Ausstellungs- und Gartenthemas ist es, die vergessenen oder auch unbekannten Pflanzen wieder ins Bewusstsein zu r√ľcken und die Vorlieben f√ľr Gem√ľse- und Kr√§uterarten der einzelnen Epochen darzustellen. Ein Nutzgarten als bunter Teppich der Jahrhunderte wird entstehen, der alle Sinne anspricht. Selbstverst√§ndlich k√∂nnen die pr√§sentierten Pflanzen auch im benachbarten Restaurant / Mensa gekostet werden.
In diesem Zusammenhang wird vorgeschlagen, auch das ehemalige Palmenhaus unter Verwendung der vorhan-denen Mauerrelikte wieder als Glashaus herzustellen. M√∂glich ist beispielsweise die kosteng√ľnstige Herstellung als nicht oder nur √ľber Solarzellen beheiztes Kalthaus, das den Schulen des Bildungszentrums in der warmen Jahreszeit als attraktiver kultureller Veranstaltungsraum zur Verf√ľgung gestellt werden kann.
W√§hrend der Gartenschau kann hier die Garten-Infothek ihren Standort haben und der Raum f√ľr Vortr√§ge und / oder Kochvorf√ľhrungen genutzt werden.

Stadtpark
Die Atmosphäre des Stadtpark als ruhige, beschauliche und introvertierte Oase in der Stadt wird kultiviert: ein Ort der Meditation, der Stille, der Mystik.
Der Charakter des Stadtparks als mauergefasste Baumhalle wird durch die Entnahme einzelner Geh√∂lze und durch die Nachpflanzung der Alleen analog zur denkmalpflegerischen Vorgabe gest√§rkt. Das Wegkreuz mit mitti-gem Rondell wird als Grundger√ľst des ehemaligen Friedhofs besonders herausgearbeitet. Unregelm√§√üig in den Baumbestand eingef√ľgte torartige Rahmen heben das Wegekreuz r√§umlich hervor. Sie werfen Nachts einen leichten Lichtschimmer auf die Wege. Das Rondell wird durch einen Wasserspiegel betont, der scheinbar bis in unendliche Tiefen reicht. Auf der Oberfl√§che spiegeln sich die wippenden Baumkronen und die ziehenden Wol-ken. Das Rondell wird gerahmt von rosa, wei√ü und violett bl√ľhende Halbkugeln aus Rhododendron und Azaleen. Ausgehend von einer dichteren Pflanzung in variierenden H√∂hen am Rondell versprenkeln die Halbkugeln in die Tiefe des Parks. Blumenzwiebeln verwandeln die baumbestandenen Rasenfl√§chen im Fr√ľhjahr in einen Bl√ľten-teppich.
Bequeme und robuste hölzerne Liegen und Sessel sind im Park frei verteilt und können beliebig positioniert und gruppiert werden. Sie bieten nach einen ereignisreichen Gang durch die Gartenschau Entspannung.
W√ľnschenswert w√§re die Einrichtung eines √∂ffentlichen Lesezimmers in dem vorhandenen Geb√§ude an der n√∂rd-lichen Mauer des Parks. Hier k√∂nnten alle Besucher nach Belieben und ohne Aufsicht in B√ľchern, die von A-scherslebener B√ľrgerinnen und B√ľrgern gestiftet wurden, bl√§ttern, lesen und somit mehr √ľber die Ascherslebener erfahren. Selbstverst√§ndlich kann auch ein Buch mit in den Park genommen und auf den Sesseln oder Liegen gelesen werden. Diese Einrichtung lie√üe sich auch dauerhaft an diesem Ort etablieren ‚Äď und wenn man sich in einem Buch festgelesen hat, kann man es auch einige Tage mit nach Hause nehmen.

Rosarium
Eine gro√üe Vielfalt an Rosenbl√ľten und -d√ľfte k√∂nnen Gartenschaubesucher im rekonstruierten Rosengarten genie√üen.

Einfriedung Gartenschaugelände
Die Einfriedung des Gartenschaugel√§ndes erfolgt √ľber semitransparente, in Aschersleben produzierte Vliese. Diese werden in der Herrenbreite z.B. zwischen die B√§ume der Randallee bespannt, im Bestehornpark wird da-mit die Einfriedung des Schulcampus bespannt. Die Vliese sind mit individuellen, jeweils auf den jeweiligen Standort bezogenen Motiven bedruckt oder bilden alle Ascherslebener B√ľrger ab, die so Ihre Besucher empfan-gen.
Wo dieses möglich ist können auch die Straßenräume als Übergänge integriert werden. Alternativ werden die Bereiche einzeln abgegrenzt und ein elektronisches Ticketing bietet variable Zugangsmöglichkeiten.

Nachnutzung
Mit Ausnahme der temporären Gärten und Ausstellungsflächen bleiben alle Bereiche in der Nachtnutzung in vol-lem Umfang erhalten.

Beurteilung durch das Preisgericht

Positiv sind der Leitgedanke ‚ÄěAscherslebener W√ľrze‚Äú als regionaler Bezug sowie der behutsame Umgang mit dem Bestand und die Orientierung an den denkmalpflegerischen Zielsetzungen. Hervorzuheben ist ebenfalls, dass ein gro√üer Teil in die Dauernutzung √ľbergeht. Der Entwurf hat insgesamt viel Qualit√§t und man k√∂nnte ihn als solide bezeichnen. Dennoch fehlt das Besondere, der Pfiff, das Alleinstellungsmerkmal, was eine Gartenschau in Aschersleben unverwechselbar macht. Auch kommen Spielm√∂glichkeiten f√ľr Kinder zu kurz.
Auf der Herrenbreite wird der Besucher am Bahnhof mit pflanzlichen Themen empfangen und auf die Gartenschau eingestimmt. Zwei neue Achsen wurden hinzugef√ľgt und leiten in den Bestehornpark. Der Entwurf ist zur√ľckhaltend und orientiert sich an den denkmalpflegerischen Zielen. Das Wasserspiel als begehbare Fl√§che ist der H√∂hepunkt im Zentrum des Platzes. Durch die Anordnung der neuen Pflanzachsen ist ein geschickter √úbergang in den Besthornpark m√∂glich. Anzumerken ist, dass der neue Kiosk an der s√ľdlichen Platzkante bezugslos angeordnet wirkt. Spielm√∂glichkeiten f√ľr Kinder fehlen in der Herrenbreite g√§nzlich.
F√ľr den Bestehornpark ist die konsequente Wegeverbindung und die klare Gliederung mit Themen hervorzuheben, die sich am Schulstandort orientieren, wie Schulgarten, Sport und Spiel. Die Aufwertung der ehemaligen Orangerie als Informationspunkt, aber insbesondere auch die Nutzung f√ľr Kochvorf√ľhrungen in Zusammenhang mit den au√üen liegenden Kr√§uterbeeten orientiert sich an dem Leitgedanken ‚ÄěAscherslebener W√ľrze‚Äú und ist eine besondere Attraktion. Der √úbergang mit riesigen Treppenanlagen zur Wilhelmstra√üe ist f√ľr den Ort unangemessen. Gelungen ist hingegen die Zugangssituation zum Stadtpark, die mit pflanzlichen Mitteln besonders hervorgehoben wurde.
Im Stadtpark erh√§lt der Entwurf den waldartigen Charakter. Punktuelle Akzente wie Wasserbecken, Rhododendronpflanzungen und tor√ľberstandene Wege bilden einen Kontrast zu der verwunschene Atmosph√§re. G√§rtnerische Themen sind entlang der R√§nder dezent angeordnet. Seitliche √úberg√§nge zwischen Stadtpark und Eine-Terrasse betonen die Abgeschiedenheit des Stadtparks.
Auf der Eine-Terrasse orientiert sich der Entwurf an dem IBA-Projekt. Das Leitthema findet sich an diesem Standort wieder.
Herrenbreite

Herrenbreite

Wasserspiel Herrenbreite

Wasserspiel Herrenbreite

Lageplan Stadtpark und Eine-Terrasse

Lageplan Stadtpark und Eine-Terrasse

Bestehornpark

Bestehornpark

Stadtpark

Stadtpark