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Offener Wettbewerb | 09/2025

Landesgartenschau Kleve 2029

Gesamtkonzept Gartenschau
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Gesamtkonzept Gartenschau

2. Preis

Preisgeld: 60.000 EUR

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

a2b.graphics - architekturdarstellungen

Visualisierung

Erläuterungstext

VIELFÄLTIGES LANDSCHAFTSENSEMBLE

Die Stadt Kleve liegt malerisch am Rande der Rheinniederungen. Markante Landschaftsformen prägen das Stadtbild. Der Höhenrücken der eiszeitlichen Endmoräne folgt dem langen Bogen des Kermisdahls und definiert eine räumlich prägnante Kante zwischen Unter- und Oberstadt. Der dicht bewaldete Hang unterstreicht diesen Effekt und schafft eine steil aufragende grüne Kulisse in der weiten Ebene. Schwanenburg und Stiftskirche bilden die höchsten Punkt auf und prägen die weithin sichtbare Stadtsilhouette.

Bereits im 17. Jahrhundert nutzte Kurfürst Johann Moritz diese außergewöhnliche landschaftsmorphologische Situation um eine eng mit der umgebenden Kulturlandschaft verzahnte, gartenkünstlerische Gesamtkomposition zu erschaffen. Die historischen Gartenanlagen charakterisieren das Stadtbild und stellen ein Alleinstellungsmerkmal mit überregionaler Strahlkraft dar.

Die heutzutage nur in Fragmenten sichtbaren landschaftlichen Qualitäten und die Intention einer gesamtheitlichen Parklandschaft gilt es wieder stärker herauszuarbeiten, als tragendes Element für eine zukunftsgewandte Entwicklung von Kleve.

DICHTE ABFOLGE UNTERSCHIEDLICHER ATHMOSPHÄREN

Der Entwurf sieht eine behutsame Weiterentwicklung bestehender Strukturen vor. Das Mosaik aus dicht aufeinanderfolgenden Landschaftstypologien mit städtischen Parkanlagen, waldartigen Hängen, offenen Wiesen, unterschiedlichen Uferbereichen und Feuchtwiesen sowie Feldern und Alleen, bietet viele Anknüpfungspunkte zur Weiterentwicklung. Der Kermisdahl bildet das Rückgrat der neuen Parklandschaft, entlang dessen sich beidseitig sich ganz unterschiedliche Freiräume aufspannen.

Drei Hauptwege arbeiten durch ihre unterschiedliche Ausformulierung die verschiedenen Atmosphären heraus und sind klar voneinander unterscheidbar. Die Stadtterrasse definiert als lineare Wegeachse den räumlichen Abschluss der Stadtebene, die Kermisdahlpromenade folgt dem langen Bogen des Flusses und die Landschaftspromenade mäandriert zwischen Flussufer und Feldern und bettet sich weich in die sensible Landschaft ein.

Der Reiz aus unterschiedlichen Landschaftsräumen und Atmosphären, die innerhalb kurzer Zeit in einer spannenden Abfolge erlebt werden können, bietet ein großes Potenzial auch für die Gartenschau.

VERKNÜPFUNG ZU EINER DURCHGEHENDEN PARKLANDSCHAFT

Das neue Wegesystem baut auf dem bestehenden auf, verknüpft es jedoch zu einer durchgehenden Parklandschaft beidseitig des Kermisdahl. Die Intensität nimmt graduell von Nord nach Süd ab und schafft eine szenische Abfolge von der Stadt bis in die freie Landschaft.

Durch die Anbindung an die bereits vorhandenen Brückenquerungen verspannt sich der Stadtpark beidseitig des Flusses mit einer unteren Landschaftsebene und einer oberen Stadtebene. Südlich der Luisenbrücke wird ein gradueller Übergang in die freie Landschaft geschaffen, wobei der Teilbereich südlich der neu geschaffenen, zweiten Fußgängerbrücke als Naturraum erhalten wird, der nur punktuell an den Rändern betreten wird. Die Qualität der offenen Weite soll erhalten und gestärkt werden.

PRINZ-MORITZ-PARK MIT STADTTERRASSE

Der ehemalige Lustgarten von Kurfürst Johann Moritz wurde im 19. Jahrhundert im Stile eines Englischen Landschaftsgartens umgestaltet. Die historische Parkstruktur mit dem eingewachsenen Altbaumbestand wird lediglich behutsam verändert und den heutigen Bedürfnissen angepasst. Die Geometrie der Wege orientiert sich weitgehend am historischen Verlauf, fügt jedoch neue Knotenpunkte hinzu. Durch eine Vereinfachung des Wegesystems auf ein angemessenes Maß können die Wiesenflächen zu großzügigeren Einheiten zusammengefasst werden, was dem ohnehin geteilten und beengten Park zu Gute kommt. Der Charakter der Parkanlage als ruhiger Ort zum Flanieren mit altem Baumbestand und einem Wechsel zwischen schattigen Aufenthaltsbereichen und sonnigen Parkwiesen bleibt dabei erhalten.

Der Prinz-Moritz-Park befindet sich auf der oberen Stadtebene am Rande der bewaldeten Hangkante, Relikt der eizeitlichen Endmoräne. Die Kante der Stadt findet hier einen terrassenartigen Abschluss, der die Dramaturgie der landschaftlichen Situation 35 m oberhalb des Flusses unterstreicht. Der auf dem nördlichen Teilstück bereits vorhandene lineare Promenadenverlauf wird bis in den südlichen Teilbereich verlängert und schafft eine visuelle Klammer zwischen den getrennten Parkabschnitten. Es entsteht somit ein markanter baulicher Abschluss im Sinne einer Stadtterrasse über die gesamte Länge der Parkanlage der die Ausblicke in die Weite der Landschaft inszeniert. Hierfür werden punktuelle Öffnungen in der dicht bewaldeten Hangkante geschaffen, insbesondere durch Entfernen der Strauchschicht, so dass eine spannungsvolle Abfolge an geschlossenen und offenen Bereichen entsteht.

Mit dem Neubau der Kreisverwaltung kam es zur Teilung der ursprünglich in einer Gesamtheit gedachten Parkanlage zu zwei räumlich getrennte Parkhälften die nur über den Straßenraum miteinander verbunden sind. Das fehlende Teilstück zwischen den Parks wird nun durch eine aufgeständerte Stegkonstruktion entlang der Ostfassade der Kreisverwaltung überbrückt. Hierdurch entstehen eine durchgehende Erlebbarkeit der Hangkante und eine gestalterische Kontinuität der Parkanlage. Die Baumwipfelpromenade auf Höhe der Baumkronen wird zum eigenständigen Erlebnis und fügt der Parklandschaft eine neue Attraktion hinzu.

WALDARTIGER HANGGARTEN MIT SPIELMORÄNE

Der bestehende Hanggarten wird nur minimal bearbeitet, die zentralen Bereiche des Hanggartens bleiben weitestgehend im Bestand erhalten und nur die Ränder entlang der oberen und unteren Kante werden mit einem Waldsaum gärtnerisch überarbeitet. Hierdurch entsteht ein attraktiver Übergang zu den angrenzenden Wegebändern. Punktuell werden Blickschneisen geschaffen um wieder visuelle Blickachsen in die umgebende Landschaft herausarbeiten zu können. Die vorhandenen Wege werden erneuert und leicht verbreitert, so dass die Verbindungen zwischen unterer und oberer Ebene gestärkt werden.

Der vorhandene Spielplatz im Prinz-Moritz-Park wird erneuert und über den Hang bis auf die untere Zwischenebene erweitert. Eiszeit als übergeordnetes Thema schafft einen engen Bezug zur eiszeitlich geprägten Landschaftsmorphologie der Endmoräne. Der künstlich überformte Hang, die Spielmoräne, wird in das Bewegungskonzept eingebunden und ermöglicht eine spielerische Überwindung des Höhenunterschieds mit Rutschen, Seilen und Kletterelementen. Die obere Ebene des Spielplatzes greift in der Farb- und Formgebung das Thema der Eiszeit auf und schafft einzigartige Spielelemente mit engem Bezug zur Geschichte des Ortes.

SCHATTIGE KERMISDAHLPROMENADE MIT FLUSSPANORAMA

Die Erfahrbarkeit des Wassers ist zentrales Element in der Gesamtkonzeption. Während der ehemals schiffbare Spoykanal mit seinem urbanen Charakter die Innenstadt prägt, öffnet sich nach der Brücke an der Wasserstraße der Kermisdahl zu einem fast seeartigen Gewässer, das den Übergang in die Landschaft inszeniert.

Der westliche Uferweg wird als langer gleichmäßiger Bogen ausgebildet. Der Weg baut auf der Bestandssituation auf, schneidet jedoch dort wo notwendig mit niedrigen Stützmauern in die Hangkante ein um eine saubere Geometrie erzielen zu können. Die sich hieraus ableitende Form gibt dem stadtseitigen Uferweg seinen eigenständigen Charakter. Durch die erhöhte Lage eignet sich der Wegeverlauf zur Inszenierung von Ausblicken auf das Flusspanorama. Es entsteht ein nahezu romantischer Panoramaweg entlang des Flussufers, im Schatten der Bäume mit der dramatischen Hangkante im Rücken und den gelenkten Blicken auf die sonnige, offene Wasseroberfläche. Punktuelle Uferbalkone verstärken diesen Effekt und schieben sich als kleine Aufenthaltsplateaus über die Böschungskante. An der vorhandenen Luisenbrücke sorgen Sitzstufen in der Uferböschung für einen stimmungsvollen Aufenthaltsort mit Blick auf die Burgsilhouette. Ein kleiner Garten mit Waldstauden betont den wichtigen Knotenpunkt.

SONNIGE LANDSCHAFTSPROMENADE MIT WECHSEL ZWISCHEN UFERN UND FELDERN

Der nördliche, siedlungsnahe Übergangsbereich in die Galleien wird als öffentliche Parkanlage mit aktiven Nutzungsbausteinen ausgebildet und schafft sozusagen ein Pendant zum oberen, innenstadtnahen Stadtpark. Der nördliche Abschnitt zwischen der Straße Königsgarten und dem Wohngebiet wird als aktiver Stadtpark mit vielfältigen Nutzungsbausteinen ausgebildet. Ein mäandrierendes und verzweigtes Wegesystem durchzieht den Park und erlaubt wechselnde Erlebnisse. Mal nähert sich der Weg dem Ufer, mal nähert er sich den Wiesen und Baumgruppen der Feldflur. Schmale Nebenwege aus Schotter ergänzen die 2,50 m breiten Hauptwege. In loser Abfolge sorgen Wegeaufweitungen für kleine Aufenthaltsbereiche.

Der bestehende Spielplatz auf dem ehemaligen Stadtbadgelände wird in die Gesamtgestaltung eingebunden und ergänzt das vielfältige Aktivangebot. Ein urbaner Aktivbaustein am südlichen Ende der Stadtbadstraße vor dem Kanuclub bietet ein multifunktionales Sportfeld aus farbigem EPDM für Streetball und andere Freizeitsportmöglichkeiten. Der Kanuclub erhält eine öffentliche Picknickwiese mit Außengastronomie und wird zum wichtigen Baustein im Park. Ein großzügiges Holzdeck mit Sitzstufen führt bis hinunter an die Wasseroberfläche und ermöglicht ein Eintauchen in den malerischen Flussraum. Gleichzeitig dient das Holzdeck als Anlegesteg für Kanus. Eine sonnige Liegewiese führt mit sanfter Neigung bis ans Flussufer.

In die Wegegabelung fügt sich ein naturnaher Wasserspielplatz als zentraler Anlaufpunkt im Park. Natürliche Materialien wechseln sich mit Pflanzungen ab, dazwischen sorgen Wasserdüsen und pfützenartige Vertiefungen für abwechslungsreiche Spielangebote für Kinder verschiedener Altersklassen. Eine Kiesfläche mit beweglichen Holzstelen verweist auf den ehemaligen Flussauenwald. Ein Gartenband bündelt experimentelle Gemeinschaftsgärten.

Die neue Steganlage der Wasserpromenade überbückt die Lücke im Uferpark, die durch das vorhandene Wohnquartier entstanden ist. Sie bildet das bauliche Gegenstück zur Baumwipfelpromenade Der Uferweg verspringt an dieser Stelle aufs Wasser und bietet einen attraktiven Wegeverlauf direkt über die Wasseroberfläche. Die Flusslandschaft kann hierdurch noch einmal ganz neu erlebt werden. Der Steg rückt von den angrenzenden Privatgrundstücken ab und ein Wassergarten schafft einen attraktiven grünen Puffer zum öffentlichen Weg. Die breite Zwischenzone dient als Retentionsfilterbecken mit Kies und Uferpflanzen, insbesondere Schilfrohr mit guten Filtereigenschaften.

Südlich des Wohnquartiers bis zur Luisenbrücke setzt sich der aktive Stadtpark in abnehmender Intensität fort. Zum Wohnquartier wird ein visueller Puffer durch eine dichte Gehölzpflanzung geschaffen. Eine große zusammenhängende Aktivwiese integriert einen Bolzplatz aber auch Flächen zum Picknicken. Das Wegesystem bindet an die rückwärtige Straße In den Galleien an und ermöglicht somit auch den Zugang aus den angrenzenden Wohngebieten. Auf den ehemaligen Spülfeldern entsteht eine abwechslungsreiche Spieltopografie mit leichten Erdmodellierungen durch Bodenauftrag. Ein Querweg verspannt die Luisenbrücke mit der Allee durch die Felder.

Südlich davon wird der Uferpark wesentlich landschaftlicher und extensiver. Der Hauptweg mäandriert noch bis zur zweiten, neu gesetzten Kermisdahlbrücke zwischen Flussufer und rückwärtigen Entwässerungsgräben. Dazwischen spannen sich zunächst ausgedehnte Wiesenbereiche auf, die immer stärker in Nass- und Feuchtwiesen übergehen, da der Grundwasserflurabstand in Richtung Süden spürbar abnimmt. Der Landschaftstyp mit einzelnen Wasserstellen und Feuchtwiesen wird durch minimale Eingriffe intensiviert. Vereinzelt quert der Hauptweg Wasserstellen mit Stegen oder rückt über ein Holzdeck bis ans Wasser heran. Schmale Schotterwege führen zusätzlich zwischen den Wasserstellen hindurch und bieten ein intensives Naturerlebnis.

Der Hauptweg verschwenkt nach Osten bis hinter den neu geschaffenen Entwässerungsgraben. Eine platzartige Aufweitung vermittelt zur angrenzenden Feldflur der Galleien und intergiert einen kleinen Vogelbeobachtungsturm als markantes Holzbauwerk. Zum südlichen Bereich mit sensiblen Brutgebieten für Wasservögel wird Abstand gehalten, lediglich ein Schotterweg wird weitergeführt und endet mit einem Holzsteg. Die Fläche wird somit als zusammenhängender Grünraum erhalten, der nicht zerschnitten wird, insbesondere die Uferbereiche bleiben unangetastet. Der Besucher bewegt sich entlang der Ränder und erfährt die Weite.

STÄRKEN DES WASSERERLEBNISSES

Die Ebene der Rheinniederung prägt ein vielfältiges Landschaftsbild, das eng mit der hydrologischen Situation verknüpft ist. Die kultivierten Uferränder und Auen werden als ausgedehnte Weideflächen genutzt, die höher gelegenen landwirtschaftlichen Flächen sind durch Kanäle, Feldgehölzsäume und Baumreihen geprägt. Die ehemaligen Flussauen liegen nur noch wenig oberhalb der Wasseroberfläche und haben dementsprechend geringe Grundwasserflurabstände. Insbesondere den südlichen Bereich prägen ausgedehnte Nass-und Feuchtwiesen mit vereinzelten Wasserstellen.

Es werden verschieden Maßnahmen ergriffen um die Wasserqualität des Flusses und das Algenwachstum in den Griff zu bekommen. Mit Schilfrohr bepflanzte Kanäle entlang der östlichen Grundstücksgrenze nehmen das nitratreiche Oberflächenwasser von den angrenzenden Feldern auf und filtern die Schadstoffe bevor sie den Kermisdahl erreichen. Durch den geringeren Nährstoffeintrag soll das Algenwachstum reduziert werden. Das Filterbecken entlang der Wasserpromenade übernimmt eine ähnliche Funktion. Punktuelle Verengungen des Gewässerbetts durch bepflanzte Kiesbänke erhöhen die Fließgeschwindigkeit, führen zu weniger Sedimentablagerungen und schaffen wertvolle Biotope.

GARTENSCHAUKONZEPT

Das Gartenschaumotto Stadt I Land I Wasser findet sich auch in dem übergeordneten Freiraumkonzept für die Daueranlagen wieder.

Für die Verortung der Gartenschauinhalte wird die der Lagegunst der verschiedenen Orte genutzt. Auf der oberen Stadtebene in der historischen Parkanlage werden die Themengärten zu Gartenstilen und Epochen verortet. Mit der Veranstaltungsbühne im nördlichen und der Hauptgastronomie im südlichen Teilbereich sowie dem großen Moränenspielplatz sind hier publikumswirksame Hauptattraktionen verortet, wie auch die Baumwipfelpromenade.
Ein weitere Schwerpunkt mit Themengärten sind die Bereiche im Uferpark Nord mit Partnerschaftsgärten, Hausgärten und der Blumenhalle auf den Fundamenten des ehemaligen Stadtbads. Mit dem Kanuclub gibt es hier einen weiteren wichtigen Gastronomiestandort mit Bootsverleih. Aufbauend auf der Legende vom Schwanenritter wird zur Zeit der Gartenschau eine zusätzliche temporäre Querungsmöglichkeit über den Kermisdahl mit einem Schwanenfloß angeboten. Die Wasserpromenade in den südlichen Parkbereich schafft eine weitere Attraktion mit engem Wasserbezug.

Im Uferpark südlich der Wohnbebauung werden die Verbandsgärten und naturnahe Themen angeboten. Hier ist auch das grüne Klassenzimmer und die Spieltopografie auf dem ehemaligen Spülfeld untergebracht. Über die Luisenbrücke schließt sich der innere Rundweg durchs Kerngelände der Gartenschau. Südlich davon erstreckt sich der erweiterte Bereich mit Angeboten für Naturliebhaber und einer extensiven Gestaltung. Über die neu hinzugefügte Fußgängerbrücke gelangen die Besucher auf die andere Flussseite und können ihren Rundweg abschließen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit überzeugt durch ihre zurückhaltende Gestaltung und die Schaffung von 3 Hauptwegen mit unterschiedlichen Atmosphären. Das Wegesystem baut auf dem bestehenden auf, verknüpft es jedoch zu einer durchgehenden Parklandschaft beidseitig des Kermisdahl. Übergänge und vorhandene Aufstiege werden genutzt und in Qualität gesetzt. Die Verfasser schaffen es gekonnt mit angemessenen Eingriffen eine Korrespondenz zwischen dem neuen Bürgerpark westlich der Kermisdahls mit dem markanten Rücken der Endmoräne östlich des Gewässers herzustellen.

Die drei Hauptwege: Landschaftspromenade, Stadtterrasse und Kermisdahlpromenade mit ihren unterschiedlichen Atmosphären machen die charakteristischen Landschaftsräume erlebbar und setzen diese punktuell gekonnt in Beziehung.
Die neue Landschaftspromenade durch den aktiven Bürgerpark überzeugt durch ihre wechselnden Ein- und Ausblicke am Wasser, in dem Sie mal als Steg direkt am Wasser verläuft, sich dann löst und einen weiten Blick in die Landschaft bietet, oder den Blick gezielt auf die Wahrzeichen der Stadt Kleve lenkt. Im spannenden Dialog dazu steht die neu geschaffene Stadtterrasse an der Hangkrone, die entlang des Kreishauses eine attraktive Verbindung der beiden Teile des Prinz-Moritz-Parks herstellt. Angemessene punktuelle Auslichtungen im oberen Bereich des Hanges erlauben einen Ausblick in die Landschaft ohne die charakteristische Baumkulisse zu perforieren.
Weiterhin entsteht ein spannender Dialog mit dem langen Bogen der Kermisdahlpromenade, die bestandsorientiert nur durch Aufwertung der kleinen Bastionen am Wasser rhythmisiert wird. Dieser Wegekanon macht dauerhaft sowie für die Gartenschau die außergewöhnlichen Landschaftstypen für den Besucher erlebbar. Die vorgeschlagenen Ausbuchtungen als Baumwipfel-Promenade am Kreishaus sollten vor dem Hintergrund des Aufwandes in der steilen Hanglage überdacht werden.

Im Bereich des Prinz-Moritz-Parks wird der offene Charakter mit den großen Wiesenflächen und dem alten Baumbestand durch eine Vereinfachung des Wegesystems weiter gestärkt. Für die Entwicklung des historischen Parks wird dies von der Jury als an-gemessene Geste erachtet. Jedoch wird in diesem Zusammenhang diskutiert, ob dies dauerhaft für einen zentrumsnahen Park in Bezug auf die Bepflanzung, die Biodiversitat und Aufenthaltsqualität nicht zu wenig ist.
Die temporäre Attraktivierung des südlichen Parkbereiches durch eine Gastronomie während der Gartenschau wird begrüßt.
Die Erneuerung des dauerhaften Spielplatzes wird in seiner Dimension, Erhabenheit und Materialität im historischen Park von der Denkmalpflege kritisch gesehen. Der Spielbereich sollte behutsamer in den Park integriert werden.

Der Haupteingang zur Landesgartenschau am alten Hallenbad erscheint nicht genügend durchdacht. Die Lage des Spielplatzes im Eingangsbereich ist ungünstig und auch die Position der Gastronomie ist hier nicht sinnvoll, insbesondere vor dem Hintergrund der gegenüber liegenden Bestandsgastronomie. Die Einbindung des Kanunclubs mit einem kleinen gastronomischen Angebot und einer Steganlage am Wasser wird als gelungen bewertet. Kritisch gesehen wird die intensive Ballspiel- und Sportfläche vor dem Kanuclub in direkter Nähe zur Wohnbebauung.

Nach Süden in den Galleien wird die konsequente Extensivierung zum Naturpark so-wohl räumlich als auch aus Sicht der Nachhaltigkeit und Unterhaltung von der Jury als angemessen betrachtet. Das Wegesystem greift stimmig die Richtung der landschaftsprägenden Obstbaumalleen auf und verflicht diese gekonnt mit den neuen Wegen im Landschaftspark. Der gezielt gesetzte Aussichtspunkt zur Vogelbeobachtung in der weiten Landschaft wird als ein weiterer Anziehungspunkt im Naturpark positiv bewertet.

Für die Ausrichtung der Landesgartenschau bietet der Entwurf mit seinem attraktiven und abwechslungsreichen Wegesystem und der Profilierung der Landschaftsräume und historischen Parks eine gute Grundlage.

Die Gartenschau Beiträge sind darüber hinaus allerdings wenig ausformuliert und lassen keine ausreichende Attraktivität erwarten. Publikumswirksame Hauptattraktionen, Themengärten, Bühne, Grabgestaltung sind hauptsächlich im historischen Park verortet. Wobei die Themengärten zu Gartenstilen und Epochen im Bereich der alten Bäume in der Realisierung schwer vorstellbar sind. Die raum- und besucherbezogene Verteilung der Gartenschaubeiträge ist nicht überzeugend gelöst. Die Ankerpunkte der Gartenschau müssen besser im Gelände verteilt werden. So wird z.B. der Bühnenstandort im Norden mit Ausrichtung zur Stadt aus akustischen Gründen kritisch gesehen.

Der Bereich im Landschaftspark Nord verspricht zwar eine hohe Erlebnisdichte, jedoch ist die Lage der Nutzungen nicht überzeugend. Die großzügigen Flächen für die Hoch-schule inklusive Freiluft-Hörsaal für den Bereich im südlichen Landschaftspark sind hier präsent verortet; dies entspricht der Bedeutung der Hochschule für die Zukunft der Stadt. Das Angebot auf diesen Flächen und die inhaltlichen Beiträge für die Besucher müssen eine hohe Attraktivität bieten. Die Spieltopographie im Bereich der flachen weiten Naturlandschaft der Spülfelder wird formal von der Jury kritisch gesehen.

Mit ca. 15 Hektar Bestandserhaltung (Wald und Uferwiesen) scheint der Park in großen Teilen dauerhaft extensiv pflegbar. Hierzu werden allerdings keine näheren Aussagen gemacht. Die Angabe von 2000 m² intensiv zu pflegender Pflanzflächen entspricht den Erwartungen.

Insgesamt ist der Entwurf ein sehr guter Beitrag für die Gesamtentwicklung des Landschaftsraumes sowie die Verknüpfung und Erlebbarmachung der bedeutenden und charakteristischen Landschaftselemente. In der Organisation und Konzeption der Gartenschauelemente bleibt der Beitrag hinter den Erwartungen zurück.
Gesamptkonzept Daueranlagen

Gesamptkonzept Daueranlagen

Südlicher Uferpark als Naturerfahrungsraum mit Feuchtbiotopen

Südlicher Uferpark als Naturerfahrungsraum mit Feuchtbiotopen

Gesamptkonzept Pikto

Gesamptkonzept Pikto

Querschnitt

Querschnitt

Blick auf den Stadtbalkon

Blick auf den Stadtbalkon

Gartenschau Mobilität

Gartenschau Mobilität

Gartenschau Nutzungen

Gartenschau Nutzungen

Blick auf den neuen Aktivpark

Blick auf den neuen Aktivpark