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Offener Wettbewerb | 09/2025

Landesgartenschau Kleve 2029

Blick auf den Eingangsbereich der Gartenschau

Blick auf den Eingangsbereich der Gartenschau

Anerkennung

Preisgeld: 22.000 EUR

club L94

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Horizonte im Wandel - neue und alte Blicke auf Stadt, Wasser und Landschaft
EINLEITUNG
Die Stadt Kleve wird im Wesentlichen von folgenden Elementen geprägt: Die Schwanenburg und die daran angeschlossene Siedlung waren Keimzellen der Entwicklung. Hier sind bis heute die kleinteilige historische Struktur und ihre Maßstäblichkeit ablesbar. Die Burg und die Stiftskirche prägen in ihrer Erscheinung die schon vom weitem sichtbare Stadtsilhouette. Die zahlreichen Landschaftsräume wie Reichswald, Rheinniederungen und die Düffel bieten durch ihre einzigartige und vielfältige Tier- und Pflanzenwelt einen abwechslungsreichen und erlebbaren Natur- und Erholungsraum. Die historischen Gartenanlagen charakterisieren das Stadtbild und fungieren als Alleinstellungsmerkmal und Anziehungspunkt mit überregionaler Strahlkraft. Im Klever Stadtgebiet spielt das Wasser eine zentrale Rolle: Altrhein, Spoykanal und Kermisdahl gliedern die Landschafts- und Siedlungsstruktur. Die Topografie prägt das Stadtbild: Der Höhenrücken entlang des Tiergartens und des Kermisdahls teilt Kleve in Ober- und Unterstadt.

LEITTHEMA
Das Leitthema der Gartenschaubewerbung Stadt-Land-Wasser für die Landesgartenschau in Kleve 2029 wird umgesetzt und mit dem gartenhistorisch begründeten Thema der Blickbeziehungen auf die Stadt, das Wasser und die Landschaft verknüpft.

FREIRAUMKONZEPT
Durch die topographische Lage der Stadt Kleve auf einer Endmoräne und durch die bedeutende, gartenhistorsche Geschichte der Stadt mit den vorgelagerten Galleien und den zwei großen ehemaligen Tiergärten entsteht eine einzigartige räumliche Situation, die die Themen Stadt, Wasser und Landschaft in besonderer Weise inszeniert. Diese Inszenierung wird aufgegriffen, verstärkt und ergänzt. Bestehende Blickbeziehungen aus der Stadt in die Landschaft als auch von der Landschaft in die Stadt werden mit neuen ergänzt, Kontraste zwischen Wegeführungen werden verstärkt, neue, zeitgemäße Parktypologien werden geschaffen.
Dementsprechend werden drei Parktypologien ausgebildet:

- Stadtpark (Prinz-Moritz-Park Nord und Süd)
- Uferpark (Endmoränenhang mit Uferweg und Treppenturm auf der Endmoräne)
- Landschaftspark (Aktivpark, Ufergarten, Wiesenpark)

ENTWURF

Stadtpark
Der nördliche Prinz-Moritz-Park erhält eine Auftaktplatz mit einer langen Panoramabank, einem Wasserspiel und einem Hangspielplatz. Dieser Auftaktplatz leitet die Besucher in einen orthogonalen Rundweg mit zwei Querverbindungen ein. Durch die Wiederherstellung der ursprünglichen, strengen Grundanlage wird die barocke Gestaltung dokumentiert und in den Kontrast mit den weiteren Parkanlagen aus anderen gartenhistorischen Epochen gesetzt. Alle Zeitepochen von 1647 bis 1956 und deren Gestaltungsprinzipien werden durch einfache Mähbilder in einem Wiesenmeer während und ggf. nach der Gartenschau auf einfache Weise wiederhergestellt und dem Besucher nahegebracht.
Ein Steg durch die Wildnis des Uferparks am oberen Rande des Endmoränenhanges verbindet den nördlichen Teil des Moritzparks mit dem Südlichen. Zwei Balkone erlauben erste Blicke durch den partiell freigeschnittenen Hang auf die Galleien und den neuen Wiesenpark.
Der südliche Teil bildet ein anderes Wegenetz aus und wird dementsprechend im Stil eines Landschaftsgartens weiterentwickelt, welches ebenfalls mit einem Rundweg ergänzt wird. Hier stehen die alten Baumriesen im Vordergrund.

Uferpark
Der Uferpark westlich vom Kermisdahl wird weitestgehend in Bestand erhalten und seine Qualitäten lediglich aufgewertet. Die Oberfläche des durchgängigen Uferweges wird erneuert und wenn möglich leicht verbreitert. Die Bastionen werden aufgefrischt durch eine weitere ergänzt. An den Bastionen werden zum einen Blickbeziehungen rauf in den Moritzpark durch sensibles Freischneiden der Hangvegetation und auf den Stock setzen ermöglicht. Zum anderen entstehen weitere Blickbeziehungen auf das andere Ufer und dessen neue Parks. Am südlichen Ende des Moritzparks entsteht der Treppenturm an der Endmoräne. Er ermöglicht eine direkte Verbindung in den Wiesenpark auf der anderen Uferseite. Der Turm aus Stampfbeton schafft einen subtilen Bezug zur Endmoräne, deren glaziale Schichtung sich in den erdigen Schichten des Turmes wiederfindet. Ebenso ist eine Holzkonstruktion für den Turm sowie die Integration eines Fahrstuhls zugunsten der Barrierefreiheit denkbar. Der Turm könnte zudem Heimat für die heimische Fauna in Form von Vögeln und Fledermäusen bieten.

Landschaftspark

Entreeplatz
Am ehemaligen Hallenbad werden die Besucher:innen von einem Entreeplatz empfangen. Ein Wasserspiel und drei Schwammschollen mit üppigen Staudenpflanzungen bilden den Auftakt der Gartenschau und nehmen gleichzeitig das Oberflächenwasser des Platzes auf. Auf den Bodenplatten des Hallenbades werden die Blaue Halle und die Grüne Halle errichtet. Die beiden Hallen aus einer Glas/-Stahlkonstruktion nehmen während der Gartenschau die Hallenschauthemen (incl. Kassenzone, WC-Anlagen, Verleih, etc.) auf und haben das Potential auch nach der Gartenschau durch eine gastronomisches Nachnutzung dauerhaft erhalten zu bleiben. Die Grüne Halle mit diversen Rankpflanzen könnte in der Nachnutzung ein Stützpunkt für E-Mobilität werden.

Aktivpark
Im Anschluss an den Entreeplatz wird der Kanuclub mit einem neuen Anleger an das Wegesystem angebunden und bildet den Ausgangspunkt für den neuen Aktivpark. Dieser besteht aus einem Multifunktionsfeld (Fußball, Basketball), einem Beachvolleyballfeld, einem Skaterpark, einer Calestenicsanlage, einem Boulderplatz sowie einem kleinen Wasserspielplatz. Der Park bietet somit Attraktionen für alle Altersgruppen, insbesondere für Jugendliche Nutzer:innen.

Ufergarten
Der Ufergarten führt die Besucher:innen über einen Steg auf dem Wasser an den privaten Gartenzonen vorbei durch eine üppige Vegetation aus Wasserpflanzen. Der Ufergarten bleibt eine dauerhafte Attraktion für die Anlieger:innen und Besucher:innen. Eine Kermesdahlterrasse ermöglich einen direkten Wasserbezug und bietet ein schattiges, kühles Plätzchen mit Blick auf den Fluss und die Stadt.

Wiesenpark
Im Wiesenpark wird der Hauptweg zunächst durch die Spülfelder geführt. Hier entstehen WetLands, die durch Vernässung ein neues Feuchtbiotop bilden können. Die Gehölzstrukturen werden erhalten. In diesem Bereich trifft das Wegesystem der Galleien mit seinen imposanten Alleen auf den Wiesenpark und wird in den neuen Hauptweg eingeflochten. Ein Steg führt den Weg und die damit verbundene Sichtachse auf den Kermisdahl mit einer kreisrunden Aussichtsplattform mit einem Rundumblick. Der Hauptweg bindet im Anschluss den neuen Treppenturm über die bestehende Luisenbrücke an. Im weiteren Verlauf wird die Landschaft immer extensiver, bis zur Beweidung des Parks mit Schafen. Der Weg wird durch Baumhaine aus heimischen, biodiversen Klimabäumen begleitet. Diese schaffen wechselnde Raumbezüge und Raumabfolgen zwischen Stadt, Wasser und Landschaft und bieten gleichzeitig schattige Rückzugsorte. Landschaftslogen und Wiesenblicke laden an Kreuzungspunkten und Richtungswechseln zum Verweilen mit unterschiedlichen Blickbezügen ein. Im Bereich der Wasserkaskade wird die neue Brückenverbindung angeordnet. Hier könnte eine „Himmelstreppe“ die Verbindung entlang des alten Tiergartens bis zur Nassauerstrasse ermöglichen.

Wegesystem
Das Wegesystem besteht grundsätzlich aus einem neuen mäandrierenden Hauptweg, der über Wegeschlaufen das jeweilig andere Ufer anbindet, sich in das bestehende Wegenetz einbindet und dadurch kleine und große Rundwege für die Gartenschau und die Daueranlage beidseitig des Ufers erzeugt. Formal spielt das Wegenetzt mit den Kontrasten der verschiedenen Epochen von historisch bis zeitgemäß.

Landesgartenschaukonzept
Die Themengärten und die Wechselflorflächen begleiten im Wesentlichen den Hauptweg im Landschaftspark auf der östlichen Uferseite des Kermisdahl. Die Hallenschauen bilden dabei den Auftakt im Norden mit der entsprechenden Infrastruktur und vielen Wechselflorflächen. Im Anschluss entstehen die Themengärten Bauen, Graben, Pflanzen im Rücken der Einfamilienhäuser. Dieser Bereich wird für die Daueranlage zurückgebaut und durch einen niedrigen Lärmschutzwall mit Baumpflanzungen ersetz, der ggf. die Konflikte mit den angrenzenden Sport- und Spielnutzungen mindert.
Im Moritzpark steht die zentrale Rasenfläche für die temporären Veranstaltungen (Bühne, Zelt, Gastro für insgesamt 350 Personen) zur Verfügung. Das Gartenschaugelände wird mit Ein- und Ausgängen am Moritzpark, an den Hallenschauen und an der neuen Kermisdahlbrücke im Süden eingezäunt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit insgesamt zurückhaltendem und ruhigem Gestus entwickeln die Verfasser:innen innerhalb der historisch bedeutenden Gartenlandschaft Kleves an den Ufern des Kermisdahls den Rahmen für eine neue Parkschicht.

Im Zusammenspiel von Wegeverläufen, punktuell gesetzten Aussichtsplätzen und Brücken gelingt dabei mit der Erschließung eine selbstverständliche Verbindung der beiden Geländeteile. Durch entsprechende Exposition der Stege und Balkone wird der Wunsch erkennbar, die außergewöhnliche Stadtsilhouette und Topografie des Ortes in den Blick zu rücken und wertzuschätzen.

Besonders gelungen ist die Ausgestaltung des Prinz Moritz Parks und die künftige Verbindung seiner beiden Teilbereiche über eine maßstäblich und feinfühlig ausgebildete Stegkonstruktion im Rücken der Kreisverwaltung. An den Eckpunkten sind angemessene Balkone vorgesehen, von denen aus sich über Blickkorridore in der Hangbewaldung die Aussicht in das Land öffnet.

Der respektvolle Umgang mit dem Bestand des Prinz Moritz Parks wird ausdrücklich gewürdigt. Die Idee, durch unterschiedliche Mahd dekorative, temporäre Rasen- und Wiesenbilder zu schaffen, wird als reizvoll und gut realisierbar beurteilt.

Leider kann der Geländeteil östlich des Kermisdahls nicht in gleicher Weise überzeugen. Das kantige Wegesystem bietet mit fast stereotyp an jeder Biegung eingehängten Plätzen zu wenig Anreize, das Gelände in selbstverständlichen Runden zu entdecken. Als unpassend für diesen Landschaftsraum werden auch die dichten Baumpflanzungen vor allem im südlichen Teil angesehen. Im Übergang zur Stadt weiter nördlich sind die gehäuften Sport- und Freizeitanlagen in unmittelbarer Benachbarung zur Wohnbebauung problematisch und konfliktträchtig.

Für die Landesgartenschau sind die Standorte für mögliche Ausstellungsangebote und Attraktionen v.a. Im landschaftlichen, östlichen Teil allzu additiv und räumlich uninspiriert entlang der Wege aneinandergereiht und können nicht überzeugen.

Insgesamt präsentiert die Arbeit vor allem für den westlichen Teil ein wirklich stimmiges Konzept. Leider kann sie dies weder für das gegenüberliegende Gelände noch für die Erfordernisse einer attraktiven und innovativen - wenn auch temporären – Landesgartenschau weiterentwickeln.

Das Thema des Turmgebäudes war nicht Wettbewerbsgegenstand und ist somit nicht Bestandteil der Beurteilung.
Lageplan mit Gartenschaukonzept M1000

Lageplan mit Gartenschaukonzept M1000

Blick auf den Turm an der Endmoräne und den Wiesenpark

Blick auf den Turm an der Endmoräne und den Wiesenpark

Lageplan Dauernutzung M500

Lageplan Dauernutzung M500

Blick entlang des Ufergartens und dem Ufersteg

Blick entlang des Ufergartens und dem Ufersteg

Konzeptpiktogramme

Konzeptpiktogramme

Raumbilder

Raumbilder

Hangsituation Turm an der Endmoräne

Hangsituation Turm an der Endmoräne