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Offener Wettbewerb | 11/2010

Landesgartenschau Öhringen 2016

Sommerhalle

Sommerhalle

4. Preis

Stefan Fromm Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

H|G HĂ€hnig | Gemmeke Architekten und Stadtplaner Partnerschaft mbB

Architektur

ErlÀuterungstext

GESAMTKONZEPT DAUERANLAGE

Die besondere Aufgabe des Wettbewerbs besteht darin, das aus vier sehr unter-schiedlichen Teilbereichen bestehende GesamtgelĂ€nde fĂŒr die Landesgartenschau Öhringen zu einem zusammenhĂ€ngenden, ablesbaren und nutzbaren GrĂŒnzug zu entwickeln, der die Kernstadt mit dem östlich angrenzenden Stadtteil Cappel und mit dem neuen Wohngebiet Limespark verknĂŒpft. Verbindendes Landschaftselement ist dabei die Ohrn, die durch den konsequent am Flusslauf entlang gefĂŒhrten Ohrntalweg auch zum funktionalen RĂŒckgrat des GrĂŒnzugs wird.

Im Bereich des östlichen Stadtrandes der Kernstadt an der Öffnung zur freien Landschaft wird der Ohrn-Flusslauf ĂŒberlagert durch eine zweite, bisher unsichtbare Struktur, den Limes. Aufgrund seiner historischen und kulturellen Bedeutung fĂŒr Öhringen wird der Limes zu einem markanten, bewusst gestalteten linearen Land-schaftselement entwickelt. Im Schnittpunkt beider Strukturen entsteht ein stĂ€dte-baulich und landschaftlich wichtiger Ort im neuen OhrngrĂŒnzug, der mit der neuen Sommerhalle entsprechend gewichtig besetzt wird. Eine großzĂŒgig geschwungene Landschaftsterrasse am nördlichen Talhang der Ohrn spannt den Bogen zum Hofgut Cappel, das - trotz Trennung durch die Landesstraße - damit gut an den GrĂŒnzug angebunden wird.

Im spannungsvollen Kontrast zu den verbindenden Strukturen des OhrngrĂŒnzugs stehen die unterschiedlichen PrĂ€gungen und QualitĂ€ten der einzelnen Parkteile. Hofgarten, Cappelrain, Cappelaue und Hofgut sollen auch weiterhin als historische Parkanlage stĂ€dtische GrĂŒnverbindung, landwirtschaftlich geprĂ€gter Naturraum und als geschichtlich bedeutender herrschaftlicher Hofgarten ablesbar sein und ihre jeweilige IdentitĂ€t und ihren spezifischen Charakter behalten. Dies erfordert einen sensiblen Umgang und eine intensive Auseinandersetzung mit jedem dieser vier GrĂŒnrĂ€ume.


HOFGARTEN

Auf der Grundlage der gartendenkmalpflegerischen Beurteilung durch das Landesamt fĂŒr Denkmalpflege werden nur wenige gezielte Gestaltungsmaßnahmen vorgeschlagen. So wird unter Bewahrung bzw. vorsichtiger Wiederherstellung des französischen Gartens mit seiner zentralen (Sicht-) Achse und des englischen Gartens v.a. dort eingegriffen, wo die historischen Strukturen bereits weitestgehend ĂŒberformt wurden: im ehem. KĂŒchengarten und im Bereich des Streichelzoos. Hier wird durch die Anlage zweier bewusst kontrastierender, gewinkelter Holzdecks eine neue Gestaltungsebene eingefĂŒhrt, die gemeinsam mit der ebenfalls architek-tonisch geformten Tanzlinden-Plattform, dem kĂŒrzlich entstandenen Holzdeck an der Schlossmauer und dem linearen BlĂŒtenteppich im wieder hergestellten Oval des französischen Gartens einen eigenen zeitgemĂ€ĂŸen Ausdruck entwickelt.

Der neu gestaltete Spielplatz erhĂ€lt mit dem Holzdeck eine attraktive Kommuni-kationszone mit hohem und Aufenthalts- und Spielwert. Der durch die Zusammen-legung der beiden Seen deutlich vergrĂ¶ĂŸerte See wird durch das Holzdeck erschlossen und damit besser erlebbar gemacht. Gleichzeitig wird der bisher etwas abseits liegende Streichelzoo besser an- und eingebunden.

Das teilweise stark verzweigte Wegenetz wird in Teilbereichen geordnet und an die umgebenden Stadt- und FreirĂ€ume angebunden. Die kanalisierte Ohrn wird im Bereich des Hofgartens ökologisch aufgewertet und an einigen Stellen zugĂ€nglich und erlebbar gemacht. Im sĂŒdöstlichen Bereich neben dem Hoftheater wird der vorhandene Parkplatz mit 40 StellplĂ€tzen neu geordnet und in den Park integriert.


CAPPELRAIN

Der ĂŒber eine neue UnterfĂŒhrung an den Hofgarten angebundene schmale GrĂŒnzug am Cappelrain besitzt eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen den beiden „Polen“ Hofgarten und Cappelaue. Trotz seiner geringen Breite kann der Cappelrain in Verbindung mit einer Renaturierung bzw. ökologischen Aufwertung der Ohrn zu einem wertvollen GrĂŒnkorridor entwickelt werden. Durch Auslagerung der vorh. KleingĂ€rten im westlichen Bereich entsteht die Möglichkeit, den durch die Unter-fĂŒhrung ankommenden Fußweg zunĂ€chst als Uferweg im GrĂŒnen fortzufĂŒhren. Ein kleines Holzdeck bietet Aufenthaltsmöglichkeiten am Wasser.

Im Bereich der heutigen TennisplĂ€tze entsteht durch ErgĂ€nzung und Neuordnung der vorhandenen Einrichtungen eine attraktive Freizeitsportanlage fĂŒr Jugendliche in Verbindung mit einer neu geschaffenen Sitzstufenanlage zur Ohrn. Ein kleines PlĂ€tzchen und eine neue BrĂŒcke ĂŒber an der Ohrn stellen das Gelenk zur nördliche angrenzenden Sportschiene mit Hallen- und Freibad sowie zum sĂŒdlich liegenden Wohngebiet dar. Ein Infopfad Wasserkraft setzt VerknĂŒpfungspunkte zur Cappelaue.


LIMES

Beim Austritt aus dem engen Stadtraum in die weitlĂ€ufige offene Feldflur kreuzt der Weg die Trasse des Obergermanisch-Raetischen Limes, der selbst jedoch an keiner Stelle sichtbar ist. Um die Bedeutung dieses ehem. römischen Grenzwalls fĂŒr die Stadt Öhringen und fĂŒr die Landesgartenschau hervorzuheben, soll der Verlauf des Limes im GelĂ€nde „durch gestalterische Elemente erlebbar gemacht werden“. Da der Limes selbst aus archĂ€ologischen GrĂŒnden nicht dauerhaft ĂŒberbaut werden darf, schlagen wir die Anlage eines „Limesbandes“ etwa in der Breite des Schutzstreifens (ca. 30 m) vor, das an der westlichen Seite zu den vorhandenen Gehölzstrukturen durch eine kleine Böschung, an der Parkseite durch eine durchgehende Linie aus Gabionen begrenzt wird. Diese um etwa 45 cm gegenĂŒber dem be-stehenden GelĂ€nde erhöhte Kante wird von einem breiten Gehweg und einer intensiv gestalteten GrĂŒnzone mit Aufenthalts-, Spiel- und Informationspunkten begleitet. Der Limes selbst wird im GelĂ€nde durch 1,50 x 1,50 m große und 20 cm starke Betonplatten symbolisiert, die im Abstand von 6 m auf dem natĂŒrlichen Boden verlegt werden. WĂ€hrend der Gartenschau soll auf jede zweite Platte eine gleichgroße Platte als Fertigfundament mit Öffnung verlegt werden, in die ca. 5 m hohe, farbig gestrichene Kanthölzer analog des LGS-Logos eingesetzt werden. Dadurch wird ein hoher Wiedererkennungswert zum Logo gewĂ€hrleistet und der Limes als zentrales Gartenschau-Element erkennbar gemacht.

Auf diese Weise wird das Bild des linearen, schnurgeraden, in Querrichtung nur punktuell durchlĂ€ssigen Grenzzaunes bzw. -walls klar ablesbar und mit einfachen Mitteln umgesetzt, ohne einerseits den Eindruck einer historischen Rekonstruktion zu erwecken, andererseits das Thema streng wissenschaftlich-historisch aufzuarbeiten (was möglicherweise eine solche „Inszenierung“ verbieten wĂŒrde).

Den oberen Endpunkt des Limesbandes bildet eine Plattform, von der aus in beiden Richtungen weitere Limespunkte wahrgenommen werden können.


CAPPELAUE MIT SOMMERHALLE

Das Limesband bildet den Übergang zum landschaftspark Cappelaue, der in der Daueranlage entsprechend den Vorgaben aus einem extensiven Bereich sĂŒdlich und einem intensiven Bereich nördlich der Ohrn besteht. Der GewĂ€sserrandstreifen Der Ohrn selbst bleibt aus GrĂŒnden des Natur- und Artenschutzes sowie der Über-schwemmungsgefahr weitgehend unangetastet wund wird von Ackernutzung freigehalten.

Im Gelenkpunkt zwischen dem Limesband und dem gestalteten Landschaftspark wird die gewĂŒnschte Sommerhalle als leichtes FlĂ€chentragwerk eingestellt. Die topografische Höhenkante wird in die GebĂ€udekonzeption der Sommerhalle aufgenommen. Somit wird ein ebenerdiges Vorfeld des GebĂ€udes an der Haller Straße (Vorfahrt, Anlieferung, etc.) gewĂ€hrleistet. Hangseits schließt die Halle mit einer Aussichtsterrasse und Gastronomie an das zur Ohrn abfallende GelĂ€nde an.

Die mit einem schwebenden Dach konzipierte Hallenkonstruktion akzentuiert damit die stĂ€dtebaulich wichtige GelĂ€ndesituation im Übergang der Stadtkannte zum gestalteten Landschaftsraum. Die vorgeschlagene Konstruktion stellt ein flexibles GrundgerĂŒst fĂŒr mögliche zukĂŒnftige Ausbaustadien dar.

Ein Spielplatz zu beiden Seiten des von Norden hereinfließenden Ströllerbaches ergĂ€nzt das Freizeitangebot und setzt einen wichtigen Baustein in der Nutzungskette zwischen Kernstadt und Hofgut Cappel.

Von der Sommerhalle fĂŒhrt eine Landschaftsterrasse aus Gabionenreihen am Talhang Richtung Osten und bindet die Reithalle sowie ĂŒber einen großzĂŒgig angelegten ebenerdigen Übergang das Hofgut Cappel an. Ein weiterer Fußweg entlang der Ohrn fĂŒhrt direkt in die Ortslage von Cappel. Die sĂŒdlich der Ohrn liegenden Bereiche sollen in ihrer landwirtschaftlichen Nutzung verbleiben.


WOHNGEBIET „KESSELÄCKER“

In der durch Straßen relativ stark vom Landschaftsraum abgetrennten FlĂ€che zwischen Römerallee und Stadtrand wird in Verbindung mit dem neue angelegten GrĂŒnzug Stöllerbachs ein kleines Wohngebiet zur Arrondierung des östlichen Ortsrandes vorgeschlagen.

Die Bebauung ermöglicht GebÀude- und Wohntypologien, wie z.B. freistehende Einfamilien- und DoppelhÀuser, MehrgenerationenhÀuser, gereihte EinfamilienhÀuser und AusbauhÀuser.

Aufgrund seiner Ausrichtung und Lage könnte hier ein in energetischer Hinsicht beispielhaftes Wohngebiet fĂŒr PassivhĂ€user, Plus-EnergiehĂ€user usw. entstehen. Das Wohngebiet lĂ€sst sich gut in mehreren Bauabschnitten realisieren.


HOFGUT CAPPEL

Aufgrund der Eigenschaft des Hofguts als private Liegenschaft werden in der Daueranlage lediglich einige kleinere Maßnahmen vorgeschlagen, die v. a. der Herstellung einer geeigneten Kulisse und Umgebung fĂŒr die AusstellungsbeitrĂ€ge wĂ€hrend der Landesgartenschau dienen. Dazu gehört v.a. die Anlage eines zentralen Nord-SĂŒd-Weges vom Haupthaus zum noch vorhanden Portal an der Haller Straße mit Oval um das vorhandene (zu sanierende) runde Wasserbecken.

Außerdem sollten die historischen (Blick-) Achsen in Ost-West-Richtung durch FĂ€llen bzw. Auslichten einiger BĂ€ume unter Schonung des historischen Baumbestandes auf der Grundlage des denkmalpflegerischen Gutachtens wieder hergestellt werden.
Dauernutzungskonzept

Dauernutzungskonzept

Perspektive See

Perspektive See

Perspektive Limesband

Perspektive Limesband