Nichtoffener Wettbewerb | 12/2024
Landeswettbewerb NRW 2024 – Einfach Bauen. Nachverdichtung einer studentischen Wohnanlage in Aachen-Mitte
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Visualisierung
©ACMS Architekten GmbH
Teilnahme
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
Architektonische Haltung:
Die „einfache“ Konstruktion des Gebäudes soll durch die Bewohner:Innen erlebbar werden. Die gewählten Materialien werden wo eben möglich als unbehandelte Sichtoberflächen eingesetzt, um die Gestalt des Gebäudes zu prägen sowie eine spätere sortenreine Trennung im Falle eines Rückbaus zu ermöglichen. Installationen werden als Aufputz-Installationen sichtbar ausgeführt. Das konstruktive und funktionale Erfordernis aller Bauteile wie z.B. Sonnenschutz wird immer hinterfragt, sodass z.B. auf Nordseiten außenliegender Sonnenschutz grundsätzlich nicht vorgesehen ist und auf allen anderen Seiten mit einem händisch zu schließenden Klappladen versehen sind. Auf „dekorative“ Elemente wird bewusst verzichtet, was Klarheit im Erscheinungsbild unterstreicht. Durch manuell zu bedienende Elemente wird eine direkte Kontaktaufnahme zum Gebäude der Nutzer:Innen notwendig und das Erleben der Architektur gefördert.
Gebäudeform und Grundrisse:
Die Analyse des Bestands der Rochusstraße zeigt, dass sich die vorhandene Skelettstruktur und ihr Achsraster optimal für die neue Wohnnutzung mit klaren, einfachen Grundrissen eignet. Durch die Anordnung der 8er Wohngemeinschaften an den Kopfenden und die Erschließung der Einzelapartments über den verbindenden Flur werden Erschließungsflächen reduziert. Der Neubau am Seilgraben zeichnet sich durch eine kompakte Gebäudeform mit klarem Achsraster und Grundrissen aus. Durch die Kompaktheit wird der Gebäudefußabdruck und die Hüllfläche reduziert. Zur Optimierung von Erschließungsflächen wird das Treppenhaus des Bestandes für den Neubau mitgenutzt.
Sowohl bei dem Gebäude an der Rochusstraße als auch bei dem Anbau am Seilgraben wurde auf die konsequente Trennung von Tragkonstruktion und Fassade geachtet. Durch diese Trennung lassen sich Anforderungen an die Bauteile reduzieren und es ermöglicht, flexibel auf mögliche Umnutzungsszenarien reagieren zu können
Materialwahl:
Die Wahl der Materialien ist unter Berücksichtigung der Anforderungen an die Konstruktion aus Nutzung und Umwelteinflüssen heraus getroffen worden, sodass die Stärken der jeweiligen Materialien voll ausgeschöpft werden können. Graue Energie in der Errichtung und im Lebenszyklus wird dadurch reduziert. So wird die Tragkonstruktion des vorhandene Stahlbetonskeletts an der Rochusstraße aus Stützen und Unterzügen sowie Flachdecken in der Rochusstraße erhalten und im erf. Maße gartenseitig um eine regalartige Holzkonstruktion mit Wand- und Deckenplatten aus Massivholzplatten ergänzt. Im Seilgraben wird eine äquivalente Stahlbeton-Skelett-Tragstruktur mit geplant. Durch diese Tragstrukturen von Bestand und Anbau werden Anforderungen an Brand- und Schallschutz materialoptimiert genutzt. Die Aufstockung im westlichen Gebäudeteil der Rochusstraße wird zur Gewichtsoptimierung als Holzbau errichtet.
Die durch äußere Einflüsse beanspruchte Erdgeschosszone wird besonders robust einschalig aus Mehrkammer-Hochlochziegeln gemauert und mit einem Besenstrich-Putz versehen. Für die nichttragenden Außenwände der Obergeschosse ist eine vorgefertigte hochwärmegedämmte Holztafelkonstruktion geplant, die sich in ihrem schlanken Wandquerschnitt i.W. auf Ihre Dämmstärke reduziert und die Wohnfläche um bis zu 8% steigert. Die Außenwandbekleidung der Holzkonstruktion besteht aus einer vertikalen Lärchenholz-Stülpschalung, welche die dynamische Gebäudeform im Straßenraum durch ihren Schattenwurf unterstreicht. Konstruktiver Holzschutz und die Wahl der Holzart gewährleisteten eine dauerhafte, wartungsarme und ökologische Fassade. Indem die Außenwände vorgefertigt auf die Baustelle geliefert werden, ist die verkehrliche Einschränkung während der Bauphase auf der engen Rochusstraße auf ein Minimum reduziert, da die Bauzeit verkürzt werden kann.
Lebenszyklus und Reduktion von Grauer Energie:
Durch die Nutzung der bestehenden Tragstruktur der Rochusstraße wird der Lebenszyklus des Gebäudes verlängert. Im Vergleich zu einem Neubau wird hierbei ein erheblicher Anteil an grauer Energie eingespart. Diese Konstruktionsweise hat dem Gebäude bereits eine Vielzahl an Nutzungen ermöglicht. Um diesen Gedanken fortzusetzen, findet der Skelettbau auch im Neubau am Seilgraben Berücksichtigung. Eine maximale Flexibilität in den Grundrissen wird gewährleistet, die eine Nachnutzung ermöglicht. Der Lebenszyklus des Gebäudes wird dadurch auch über die aktuell geplante Nutzung hinaus verlängert.
Die Verwendung von Holz als primärem Werkstoff reduziert unter Berücksichtigung des konstruktiven Holzschutzes den Ausstoß von Grauen Energien in der Errichtungsphase sowie im Lebenszyklus gegenüber konventionelleren Konstruktionen erheblich.
Tageslichtversorgung und passiver sommerlicher Wärmeschutz:
Um eine optimale Tageslichtversorgung in den hohen Zimmern zu gewähren, wurden hohe Fenster mit Brüstung so positioniert, dass das Licht tief ins Zimmer fällt. Die Fensterfläche wird so gegenüber einer bodentiefen Verglasung reduziert. Auf eine zusätzliche Absturzsicherung kann verzichtet werden. Auf Ost-, West und Südfassade wird der sommerliche Wärmeschutz durch händisch zu bedienende, außenliegende, perforierte Fensterläden sichergestellt. Auf der Nordfassade kann auf einen außenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden.
Gebäudetechnik:
Nach Entkernung des Bestandgebäudes, sowie Errichtung des Rohbaus am Seilgraben, werden die im Werk vorgefertigten Nasszellen mit integrierter Küchenzeile in die Gebäude eingebracht. Aufwendige Abdichtungs-, Installations- und Fliesenarbeiten können eingespart werden, die Funktionskerne müssen lediglich angeschlossen werden. Durch das Zusammenfassen von Bad und Küchenzeile in den Einzelapartments wird der installierte Bereich erheblich reduziert.
Mechanische Lüftungen werden ausschließlich für die innenliegenden Nasszellen vorgesehen. Dabei wird die Frischluft über eine Fensterpfalzöffnung und einen Türunterschnitt in die Nasszelle angesaugt und über einen Abluftkanal im Installationsschacht der Nasszelle über Dach geführt. Eine weitere Lüftung erfolgt über manuelles Fensteröffnen.
Gebäudebetrieb, Wartung und Instandhaltung:
Zur Reduktion von Wartungskosten im Gebäudebetrieb wird bewusst auf wartungsintensive Einbauten verzichtet. Technische Installationen werden so gering wie möglich gehalten. Installationen bleiben durch die Aufputz-Installation leicht zugänglich. Der händisch zu bedienende Klappladen erfordert durch seine Einfachheit kaum Wartung.
Plan 01
©ACMS Architekten GmbH
Plan 02
©ACMS Architekten GmbH
Plan 03
©ACMS Architekten GmbH