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Award / Auszeichnung (nur fĂŒr Studenten) | 10/2022

Lavespreis 2022

The Reproductive House – Was ist Gemeinwohl?

1. Preis

Preisgeld: 2.000 EUR

Malin Meyer

Student*in Architektur

ErlÀuterungstext

Nach dem Prinzip „Housing First“ entsteht gemeinschaftlichen Wohnraum fĂŒr Studierende und obdachlose Menschen, ein Ort zwischen Gaußpark und Campus, der Menschen in existenzieller Not uneingeschrĂ€nkt aufnimmt und vielfĂ€ltige WohnbedĂŒrfnisse, von anonymer Übernachtung bis Einzel- und Gemeinschaftswohnung fasst. In einer offenen Holzstruktur finden Wohnmodule, Beratungsstellen, medizinische Nothilfe, Gemeinschaftsnutzungen und GewĂ€chshĂ€user Platz. Durch die offene konflikthemmende Struktur im Außenraum wird sowohl Begegnung als auch RĂŒckzug ermöglicht.
Auf dem Weg zur gefestigten Wohnsituation bietet dieses niedrigschwellige temporÀre Zuhause Menschen die Möglichkeit, Selbstvertrauen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Aus der Fragestellung „Was bedeutet Gemeinwohl?“ heraus hat die Verfasserin Malin Meyer eine Struktur entwickelt, die sich mit der gesellschaftlichen Herausforderung der Obdachlosigkeit in StĂ€dten auseinandersetzt. Verortet auf einem GrundstĂŒck zwischen Okerufer und Gaußberg in Braunschweig, im Übergang zwischen der aufgelockerten punktartigen Bebauung des Parkrandes und dem Campus der Technischen UniversitĂ€t, wird die Errichtung einer Holzstruktur mit differenzierten eingestellten Kuben vorgeschlagen.

Die Unterscheidungen der Konstruktionen ergeben sich aus den unterschiedlichen nutzungsbezogenen Anforderungen an die AufenthaltsrĂ€ume. So werden einfache UnterkĂŒnfte fĂŒr eine anonyme Übernachtung angeboten bis hin zu Konstellationen von Wohngemeinschaften, die eine RĂŒckfĂŒhrung in eine gefestigte Wohnsituation unterstĂŒtzen sollen.

In der Ausarbeitung zeigt das Projekt einen gekonnten Umgang mit Raumproportionen, sowohl in den Freibereichen als auch den umbauten RĂ€umlichkeiten. Der konsequente Einsatz nachwachsender Rohstoffe bis hinein in die konstruktiven Details unterstreicht die Haltung der Verfasserin zur angemessenen Architektursprache und der Einbindung der Struktur in die gesamtgesellschaftliche Nachhaltigkeitsdiskussion.

Malin Meyer zeigt mit diesem Entwurf einen ganzheitlich konzipierten Beitrag mit hoher SensibilitĂ€t bezogen auf die Aufgabenstellung sowie die baulichen Fragestellungen des ressourceneffizienten und einfachen Bauens. Der Entwurf schafft AtmosphĂ€ren mit großem Respekt fĂŒr die Nutzenden und die rĂ€umlichen Ausformulierungen, die einen Weg zu einem neuen Ort im Sinne der Heimat aufzeigen können. Diese QualitĂ€ten in der inhaltlichen, gestaltgebenden und konstruktiven Auseinandersetzung spiegeln sich bis hinein in die Zeichnungen und Darstellungen. Die Jury ist der Meinung, dass dieses Projekt herausragende QualitĂ€ten besitzt und wĂŒrdigt es mit dem ersten Preis.