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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2012

Lennepark

Anerkennung

JĂĽrgen Wagner Garten- und Landschaftsarchitekt

Landschaftsarchitektur

JKL Junker + Kollegen Landschaftsarchitektur und Stadtplanung

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Lenne-Park Finnentrop

Das Gestaltungskonzept ›Lenne-Park Finnentrop‹ lässt sich auf drei grundlegende Gedanken zurückführen:

1. Wo die Kräfte aufeinanderstoßen: Der Lenne-Weg
Der Verlauf des Lenne-Weges im Wettbewerbsgebiet sollte, unter Berücksichtigung aller relevanten Anschlüsse sowie Ein- und Ausgangssituationen, auf eine selbstverständliche, sinnvolle und attraktive Weise durch den Park geführt werden. Deshalb richtet sich der Verlauf des Weges weniger an formale Bezugspunkte, sondern vielmehr an den Gegebenheiten des Ortes: Das Wasser der Lenne aus dem Westen, der wiesenartige und zum Teil ruderale Bereich aus dem Osten stoßen aneinander. Genau an diesem Punkt, wo sich unterschiedliche Kräfte aneinander ›abarbeiten‹, wird der Verlauf des Lenne-Weges vorgeschlagen.

2. Eine gestalterische Position: Punktueller Eingriff
Um die Sicht auf die Lenne und den Zugang zum Wasser (besser) zu ermöglichen, wird das Ufer teilweise von Vegetation gelichtet. Allerdings sollte dabei die charakteristische Gestalt (Verlauf, Böschung u. a.) nicht maßgeblich verändert werden. Deshalb wird auf einen punktuellen Eingriff vertraut, das heißt: Die Uferkante wird nur an wenigen Punkten strukturell verändert, dann allerdings, um sie auf eine besondere und einzigartige Weise erlebbar zu machen.

3. Orte schaffen: Die Kabinette
Besondere Punkte zu thematisieren, bedeutet Orte zu schaffen. In Anlehnung an Kabinette aus dem 17. und 18. Jahrhundert – zumeist unverwechselbare fein gearbeitete Holzmöbelstücke zur Aufbewahrung von Kostbarkeiten – werden Orte vorgeschlagen, die sich genau an diesen Berührungspunkten von Wasser (Lenne) befinden. Zugleich berühren sie den Lenne-Weg und stehen in Bezug zu wichtigen Orten im Lenne-Park: Dem dicht bewachsenen Ufer (1), dem Lokschuppen (2), dem projektierten ›Haus der Wirtschaft‹ (3) und der Fußgängerbrücke (4), über die der Park vom Osten aus erschlossen werden kann.


Genauere Erläuterung und weitere Aspekte

Lenne-Kabinette
An den Kabinetten kann sich einerseits den spannungsreichen Phänomenen an dem Übergang von Wasser und Land gewidmet werden. Andererseits sind die Kabinette auch Orte des Experiments und des Spiels mit dem Phänomen Wasser: So betritt man beispielsweise ein Kabinett, deren Belagsoberfläche aus Stahlplatten besteht, an denen kleine Pontons befestigt sind. Je nach Körpergewicht und Art der Bewegung, geraten die Pontons in eine sanfte Bewegung; die Wasseroberfläche wird unter den Füßen fühlbar. In einem andere Kabinett kann beispielsweise ein Kanu auf besondere Weise anlegen. Dank einer Ausbuchtung in der Konstruktion des Kabinetts, besteht die Möglichkeit mit dem Kanu direkt auf das Kabinett zu fahren. Das Prinzip der Kabinette eignet sich besonders für die prozessuale Entwicklung des Lenne-Ufers. So könnten zukünftig – je nach Ressourcen – weitere Kabinette in anderen Bereichen der Lenne entwickelt werden (oder sogar Teil des umfassendes Konzeptes ›LenneSchiene‹ werden). Die Materialwahl der Kabinette, und auch sämtliche andere Konstruktionen, richten sich insbesondere an das in der Region ansässige feinverarbeitende Stahlhandwerk und weitere Handwerksbetriebe (Tischlerei / Schreinerei).

Lenne-Weg
Der Lenne-Weg markiert die BerĂĽhrungslinie von Wasser und Land. Er wird aus Asphalt mit beigefarbene Zuschlagstoffen ausgefĂĽhrt. An den Lenne-Weg schlieĂźen beispielsweise unterschiedliche Fahrradrouten an, die berĂĽcksichtigt wurden.

Lenne-We(ä)lle
Als Hangbefestigung, aus Gründen des Hochwasser- sowie des Lärmschutzes, wird ein Erdwall entlang der neuen Straßenführung (L593) vorgeschlagen, auf dem sich Bäume befinden. Die Lenne-Welle wird zur Straßenseite aus bewehrter Erde (Rasenansaat) als Landmarke ausgebildet.

Lokschuppen
Die noch frei stehenden Wände des Lokschuppens sollen erhalten bleiben. Die nördlich fehlende Wand wird – bewusst kontrastreich aus glatt geschalten Beton – um wenige Meter von ihrem ursprünglichen Standort verrückt. Dadurch wird der Raumeindruck des Lokschuppens gestärkt, ohne dabei die gestalterische Maßnahme verstecken zu wollen. Auf der westlich gebogenen Seite des Lokschuppens wird eine feine Stahlkonstruktion vorgeschlagen, die ein paar Meter über den First des Lokschuppens reicht. So besteht die Möglichkeit, auf die gegenüberliegende Seite der Lenne sowie den Lenne-Park zu blicken. Vorstellbar sind hier auch temporäre Veranstaltungen (Kino, Theater, Musikveranstaltung usw.).

Parken unter Bäumen
Die vorgeschlagene Parkplatzfläche ist nicht nur eine Fläche, um Fahrzeuge zu parken, sondern vielmehr eine multifunktionale Fläche, auf der beispielsweise auch Veranstaltungen stattfinden können. Die Fläche aus Schotterrasen ist mit ein- und mehrstämmigen Gehölzen überstellt (siehe ›Baumauswahl- und Anordnung‹). Damit wird einerseits ein parken für bis zu 100 Fahrzeuge ermöglicht, andererseits beschränkt sich die Funktion der Fläche nicht auf das reine Parken – beispielsweise auch dann nicht, wenn das ›Haus der Wirtschaft‹ nicht realisiert wird und dadurch mit einer etwas verminderten Parknutzung zu rechnen wäre.

Haus der Wirtschaft
Für das projektierte ›Haus der Wirtschaft‹ wird ein Fläche (inkl. Terrasse) im Park vorgesehen, die eine günstige Verbindung zu der Parkplatzfläche, zum südlichen Erschließungsbereich sowie zur (extensiven) Wiesenfläche (zur Lenne) besitzt. Sollte das ›Haus der Wirtschaft‹ nicht realisiert werden, soll die für das Haus vorgesehene Fläche als ein kleiner Platz, beispielsweise für Veranstaltung, zur Verfügung stehen. (Aus diesem Grund ist auch nicht extra ein eigener Plan zu dem Zustand der Fläche ohne Gebäude abgebildet; das Konzept verträgt diese Ungewissheit).

Hochwasser
Um Hochwasserschutz zu gewährleisten, wird die Parkplatzfläche und die Terrasse um etwa 1,50 m erhöht. Um diese Stelle bei einem Hochwasser klar erkennbar und nutzbar zu machen, wird die etwas erhöhte Parkplatzfläche und die Terrasse des ›Hauses der Wirtschaft‹ durch eine schmale und gerade Betonsteinkante gefasst. An diese Kante wird das Wasser stoßen, sofern es zum Hochwasser kommen sollte. Damit wird einerseits dem Hochwasserschutz auf kostenextensive Weise Rechnung getragen, andererseits besteht so auch die Möglichkeit etwa die Hälfte des Parkes zu Hochwasserzeiten zu nutzen.

Baumauswahl- und Anordnung
Die Baumauswahl orientiert sich an den spezifischen Ort. Der Ufer- und Auenbereich der Lenne bringt unterschiedliche Vegetationen hervor. Diese variiert beispielsweise im Weichholzauenbereich (Fraxinus excelsior, Alnus glutinosa u. a.) und im Hartholzauenbereich (u. a. Acer campestre, Quercus petraea). Dieses Prinzip wurde aufgegriffen, aber auf eine artifizielle Art und Weise thematisiert (Raster).

Lichtblick Lenne-Schiene
Die von Seiten der Auslober vorgeschlagene Brückenkonstruktion wird aufgegriffen und an einigen Stellen modifiziert, beispielsweise durch eine Aussichtsplattform (Balkon) an der südlichen Brücke (Bahnüberführung). Die Gestaltung (Handlauf, Geländer, Bodenbelag usw.) orientiert sich an den restlichen Konstruktionen.

Lenne-Terrasse am Wehr
Die vorhandene Fläche wird weitgehend erhalten. Der Ort wird als ›Rastfläche‹ insbesondere für Fahrradfahrer verstanden. Hierfür werden einfache und breite Bänke auf einer wassergebundene Wegedecke aufgestellt, eine feste Abstell- und Abschließmöglichkeit für Fahrräder geschaffen sowie ein kleiner Brunnen (für die Erfrischung) aufgestellt. Der Platz wird durch Bäume gefasst.

Stellwerk-Nord
Teilweise Rodung von Bestandsbäumen, um den Blick vom Stellwerk-Nord auf das Lennetal zu öffnen. Eine Sitzmauer auf der östlichen Seite des Stellwerks fasst das Gelände.

Stellwerk-SĂĽd
Um den Hochwasserschutz im Bereich des Stellwerks-SĂĽd sicherzustellen, wird die AndienungsstraĂźe um etwa einen Meter angehoben. Der auf das Stellwerk-SĂĽd treffende Lenne-Radweg wird mit eine tragenden Unterkonstruktion (keine StĂĽtzen im Hochwasserbereich) konstruiert.

Ausstattung
Es wird eine der restlichen Gestaltung angemessenes Mobiliar entwickelt oder ausgewählt (Leuchten aus einer Stahl- / Holzkonstruktion, unterschiedlich ausgeformtes Sitzmobilar [mit und ohne Armlehne], Mülleimer usw.).

Material
Ăśberwiegend Stahl- und Holzkonstruktionen.
Lageplan

Lageplan