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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2013

Los P11 Freiraumplanung fĂŒr das Industrieareal newPark

ein 3. Preis

BĂŒro Drecker

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Alles ist im Fluss – wie sich eine Landschaft wandelt

Das neue Industrieareal newPark soll zu einem Top-Standort fĂŒr innovative Technologien entwickelt werden und schafft dabei neue Arbeitsperspektiven fĂŒr die Region des nördlichen Ruhrgebietes, ein umfassender Prozess des Wandels vollzieht sich an diesem Standort. Das GrĂŒn- und Freiraumkonzept zum newPark kreiert attraktive Anziehungspunkte und Erlebnisorte fĂŒr die Nutzergruppen – sowohl fĂŒr Anwohner als auch gleichzeitig fĂŒr die vor Ort arbeitenden Menschen und hat des Weiteren eine Magnetwirkung fĂŒr die Freizeit-, Naherholungs- und Natursuchenden, so dass sich neue Besucherstrukturen ausbilden. An das Areal angrenzende RuheplĂ€tze im Freiraum stellen Oasen des Innehaltens dar, die den im Park arbeitenden Menschen gleichzeitig soziale Kontakte und GesprĂ€chskoordinierungen in den Pausen ermöglichen.

Innerhalb der historisch gewachsenen Kulturlandschaft "Dortmunder Rieselfelder" im Stadt-gebiet von Datteln stellen die zwei TieflandsgewĂ€sser Lippe und Schwarzbach charakteristische Elemente des Freiraums dar. Die Aktivierung des bereits vorhandenen Schwarzbachsystems wird gefördert. Der frĂŒher in Sohlschalen gefasste, weitgehend gestreckt verlaufende Schwarzbach wird befreit und einer eigendynamischen Entwicklung ĂŒberlassen, durch die sich MĂ€ander, Flutrinnen, Mulden und SandbĂ€nke ausbilden. TemporĂ€r Wasser fĂŒhrende Senken in der GewĂ€ssersohle und die Aue selber fungieren als natĂŒrliche RetentionsrĂ€ume und ersetzen die sonst erforderlichen, kĂŒnstlichen RĂŒckhaltebecken. Durch die initialisierte Eigenentwicklung des GewĂ€ssers wird die vom Menschen geformte Landschaft zurĂŒck in eine Naturlandschaft transformiert – die Natur holt sich sukzessiv FlĂ€chen durch natĂŒrliche, zyklische Prozesse zurĂŒck, der Wandel verĂ€ndert die Landschaft und fĂŒhrt zu stetigen Wechseln im Erscheinungs-bild. Bereits vorhandene landschaftstypische Waldgebiete und GehölzbestĂ€nde werden er-halten und ergĂ€nzt. Eine neuartige Verbindung zum gesamt-stĂ€dtischen GrĂŒnsystem in Datteln stellt ein weiteres Potenzial des GrĂŒn- und Freiraumkonzeptes newPark dar. Als wichtiger Trittstein im Biotopverbund ermöglicht das neu geplante Areal Tier- und Pflanzenarten die Wanderung in Zeiten des Klimawandels und fördert die natĂŒrliche biologische MobilitĂ€t.

Die aufgeweitete Schwarzbachaue lĂ€dt die Besucher ein, fĂŒr einen Au(g)enblick zu verweilen, um die landschaftsĂ€sthetischen Impressionen der temporĂ€r bunt blĂŒhenden Auenwiesen inner-halb der Offenlandschaft im Wechselspiel mit locker verteilten EinzelbĂ€umen aus Traubenkirschen, Erlen und Eschen aufzunehmen und wirken zu lassen. Unterschiedliche BlĂŒhaspekte von Wasser-Schwertlilie, Sumpf-Dotterblume, MĂ€desĂŒĂŸ und Blutweiderich schaffen ein im Jahresverlauf wechselndes und optisch reizvolles Farbmosaik. Werden und Vergehen sind elementare Prozesse, welche die fĂŒr Auenlandschaften typischen, kontinuierlichen VerĂ€nderungen symbolisieren. Natur wird entlang des Wegesystems zum Erlebnis, der Besucher kann die unterschiedlichen und miteinander vernetzten Biotopwelten wie Auenwiesen, Galerie- und AuenwĂ€lder im Schwarzbachtal samt ihrer Bewohner wie Wasser- und Wiesenvögel, Libellen und Amphibien intuitiv fĂŒr sich entdecken – Artenvielfalt und Artenschutz werden zum Erlebnis, neue Lernorte entstehen. Unterschiedliche rĂ€umliche Natur-QualitĂ€ten sind Gegen-welten zur Arbeit, Ressource fĂŒr Ruhe und Naturerfahrung zugleich.

Ökologisch hochwertige, stabile LebensrĂ€ume fĂŒr Tiere und Pflanzen sind zugleich neue NaturerfahrungsrĂ€ume, die es fĂŒr die Besucher zu erschließen gilt. Durch das konzipierte Wegenetz an den RĂ€ndern des newPark werden die Besucher gezielt gelenkt, damit die wertvollen Naturbereiche entlastet, geschont und mit Respekt behandelt werden und sich die Natur ungestört entwickeln kann. An einzelnen Kontaktzonen kommen die Besucher nĂ€her an die Natur heran und können diese bewusst wahrnehmen und deren Faszination fĂŒr sich entdecken. Die newPark-Landschaft besteht aus FreirĂ€umen im Parkbereich, aus Mischzonen im Übergangsbereich sowie aus Feuchtwiesen, EinzelbĂ€umen und naturnahen Waldinseln im Außenbereich, die allesamt unterschiedlichen Entwicklungsregeln unterliegen. Eine gezielte WegefĂŒhrung fĂŒhrt an diese Stellen heran und zeigt dem Betrachter die Sinnlichkeit und Schönheit von Natur und Landschaft.

Der Eingangsbereich in einer großen "Waldlichtung" ist mit breiten Grachten, welche das dynamische Element "Wasser" aufgreifen und fokussieren, sowie artifiziellen Kokon-Installationen ausgestattet, um dem Gebiet Aufmerksamkeit und Wiedererkennung zu geben. Die Elemente "Waldlichtung" und "Kokon" sind Wesenselemente der Landschaft bzw. Natur. Die Hauptachse (Magistrale) des newPark stellt einen stĂ€dtebaulichen Gegenpol zur parallel verlaufenden Schwarzbachsenke dar. Hier konzentrieren sich der newPark Plaza als zentraler Treffpunkt, der Gewerbe- und Forschungscampus als Ort des wissenschaftlichen Austausches sowie der Ausstellungspavillon und PrĂ€sentationsflĂ€chen fĂŒr Messen und Events. Obwohl die geometrischen Strukturen des Industrieareals in Form der linear angeordneten Straßen, GebĂ€ude und AlleebĂ€ume im Kontrast zu den mosaikartigen, ungeordneten und spontan gewachsenen Strukturen der Naturlandschaft stehen, vernetzen die verschiedenen natĂŒrlichen Landschaftskompartimente das Industrieareal mit dem Naturraum, so dass fließende Übergangssituationen die Spannungen zwischen den beiden GegensĂ€tzen auflösen. Harte Raumkanten zwischen Baufeldern und der Naturlandschaft werden vermieden, Übergangssituationen zwischen Industrieareal und Naturlandschaft geschaffen. Das vorgelegte Konzept integriert den newPark in die charakteristische Parklandschaft der Lippe- und Schwarzbach-niederung, greift vorhandene Geometrien der rĂ€umlich-historisch bedeutsamen Rieselfelder auf und ergĂ€nzt diese Strukturen durch völlig neue prozessorientierte AnsĂ€tze, ohne dabei die Eigenarten des Landschaftsraumes zu vernachlĂ€ssigen.

Das Zusammenspiel von geordnetem Industrieareal und Naturlandschaft vermittelt dem Besucher die Einzigartigkeit des newPark und hinterlĂ€sst nachhaltige EindrĂŒcke, in denen sich die progressiven GebĂ€udestrukturen mit der Sinnlichkeit der Landschaft vereinen und miteinander verschmelzen. Der moderne und zugleich natĂŒrliche Charme des Parks verzaubert die Besucher in vielfĂ€ltiger Weise und lĂ€sst dennoch genĂŒgend Spielraum fĂŒr eigene Fantasien zu. Geplant ist ein Szenario, in dem Mensch und Natur nicht lĂ€nger GegensĂ€tze, sondern Akteure einer gemeinsamen Entwicklung von gegenseitigem Nutzen werden. Durch gezielte und an die Kulturlandschaft angepasste Pflegeprogramme werden notwendige Maßnahmen getĂ€tigt, die eine langfristige Differenzierung der Standorts- und Artenvielfalt der Auenlandschaft gewĂ€hrleisten.