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Mehrfachbeauftragung | 04/2011

Mehrfachbeauftragung "Städtebauliche Entwicklung und Neuordnung Stadtmitte Bexbach"

ein 2. Preis

Machleidt GmbH

Stadtplanung / Städtebau

Hanke + Partner Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

G R I Gesellschaft f√ľr Gesamtverkehrsplanung, Regionalisierung und Infrastrukturplanung

Verkehrsplanung

Erläuterungstext

Städtebauliche Grundsätze

Mehr Gestaltqualität im öffentlichen Raum - Das Zentrum neu wahrnehmen

Das Ortsbild im Zentrum von Bexbach ist gepr√§gt durch seine klar gefassten √∂ffentlichen Stra√üenr√§ume (Bahnhof-/Rathausstra√üe), welche durch die Blickbeziehungen zu den identit√§tsstiftenden Geb√§uden wie der Kirche St. Martin, der Post und dem Bahnhof sowie dem Rathaus eine gute Orientierung bieten. Jedoch f√ľhren die f√ľr den Autoverkehr optimierten Stra√üenprofile mit ihrer entsprechenden Verkehrsbelastung zu mangelnder Aufenthaltsqualit√§t f√ľr Fu√üg√§nger und Radfahrer und bieten kaum Chancen zur Bespielung des Freiraumes durch L√§den oder Gastronomie.

Gemeinsam mit den erheblichen Gestaltungsdefiziten im √∂ffentlichen Raum (Bel√§ge, M√∂blierung, Gr√ľn) sowie der von den Eigent√ľmern h√§ufig vernachl√§ssigten Fassadengestaltung/-sanierung f√ľhrt dies zu einem zunehmenden Verlust innerst√§dtischer Nutzungen und somit zu einer sehr eingeschr√§nkten Wahrnehmung des Zentrums.

Bezogen auf das Ortsbild ist das √ľbergeordnete Ziel des Entwurfs, den √∂ffentlichen Raum durch ein einheitliches Erscheinungsbild zu st√§rken und das Zentrum klarer ablesbar zu machen. Die vorgeschlagene Gestaltung sieht hier einen verkehrsberuhigten Gesch√§ftsbereich mit einheitlichem Material im Sinne einer zusammenh√§ngenden Ensemblewirkung vor.

Im Detail geschieht dies durch eine Aufpflasterung der Fahrspuren und deren Markierung durch ein 3 cm hohes Bord. Haltem√∂glichkeiten f√ľr Kurzparker und Fahrradstellpl√§tze werden gestalterisch in einseitige Baumsequenzen eingebunden.

Rathaus- und Bahnhofstra√üe werden zusammen mit dem Markt- und dem Kirchplatz in Zukunft das lebendige Zentrum Bexbachs bilden. Ein hochwertiger, vielf√§ltig bespielbarer √∂ffentlicher Raum bildet eine wichtige Grundvoraussetzung um den Ort f√ľr Einzelhandel und Gastronomie attraktiv zu machen.

Am Marktplatz schränken vor allem bauliche Elemente und Stellplätze den Stadtraum in seiner Nutzbarkeit deutlich ein.

Das Konzept sieht zun√§chst das Aufr√§umen und den Abriss aller baulichen Relikte auf dem Platz, wie z.B. der Marktarkade, der Marktallee und des Bestandsgeb√§udes Schwalbengasse Nr. 11 vor. Der bauliche Abschluss vor dem bestehenden ‚Äěhalben‚Äú, zum Platz offenen Baufeld im S√ľdosten bildet einen klar gefassten Marktplatz aus, welcher zuk√ľnftig als zentraler Veranstaltungsort der Stadt flexibel genutzt werden kann. In seiner Gestaltung wird der Marktplatz durch eine Platzintarsie belegt und durch lineare Gestaltelemente gegliedert.

Funktional erg√§nzt wird der Platz durch ein √Ąrztezentrum mit angeschlossenem Mehrgenerationenhaus. Die Erdgeschosszone wird durch √∂ffentliche bzw. den Marktplatz belebende Nutzungen wie beispielsweise einem Speisesaal gekoppelt mit Gastronomie, einem Seniorencaf√© mit Au√üenbestuhlung oder einem Jugendzentrum mit ehrenamtlicher Betreuung durch Senioren bespielt, um den Raum f√ľr alle Generationen und zu allen Tageszeiten zu einem gemeinsamen lebendigen Ort zu machen.

Mehr Nutzungsvielfalt - Neue Leitfunktionen f√ľr das Zentrum finden

Diese und andere publikumsaffine Nutzungen befinden sich bereits im Bereich Rathaus-/Bahnhofstra√üe. Der gro√üe Supermarkt (Real) am √∂stlichen Zentrumsrand bildet zwar einen Publikumsmagneten, stellt aber gleichzeitig eine Konkurrenz f√ľr den Einzelhandel im Zentrum dar. Leerst√§nde in der Innenstadt, insbesondere in imagebildenden Geb√§uden wie Post und Bahnhof pr√§gen das Stadtbild negativ. Diese werden als Ortsbild pr√§gende Geb√§ude und Strukturen erhalten und einer besonderen Nutzung zugef√ľhrt.

Entwicklungsschwerpunkt ist das vorhandene Zentrum sowie dessen Stärkung und Belebung. Dies kann durch die zentrale Konzentration der Nutzungen sowie die Ansiedlung neuer Funktionen erfolgen. Dabei sollte man sich nicht in eine unmittelbare Konkurrenzsituation zu den großen Nachbarstädten Neunkirchen und Homburg begeben, sondern sich auf die örtlichen Qualitäten von Bexbach besinnen und diese herausstellen. Bexbach ist kein Mittelzentrum, sondern ein kleiner Ort mit hohem Freiraumpotenzial und touristischer Attraktion. Mögliche neue, bexbachtypische Funktionen könnten ein zentraler Hofladen der umliegenden Bauern, ein Seniorenfitness-Center oder Handwerksbetriebe sein.

Einer der vorhandenen Discounter oder m√∂glicherweise ein zus√§tzlicher zur Nahversorgung notwendiger Supermarkt werden im zentralen Bereich der Bahnhofstra√üe als Magnet im Zentrum untergebracht und mit innerst√§dtischem Wohnen in den oberen Etagen kombiniert. Als idealer Standort empfiehlt sich das durchgesteckte Grundst√ľck Bahnhofstra√üe Nr.11, da es zental liegt, der Zugang zur Bahnhofstra√üe orientiert und der Parkplatz von der G√ľterstra√üe angefahren werden kann. Dar√ľber hinaus erscheint das vorhandene Geb√§ude sanierungsbed√ľrftig und st√∂rt das Ortsbild in seiner Dimension und Anmutung.

Trotz des demografischem Wandels und der damit verbundenen steigenden Nachfrage nach alternativen Wohnformen in der Innenstadt (Stichwort: Stadt der kurzen Wege) verf√ľgt das Bexbacher Zentrum vor allem im Bereich Senioren- und Generationenwohnen √ľber kein nachhaltiges Angebot.

Die Entwicklung attraktiver Wohn- und Lebensbereiche in der Innenstadt sollte demnach im Vordergrund stehen. Der Entwurf sieht vor, mit einem Seniorenwohnhaus im Kulturhof und einem Generationenwohnhaus am Marktplatz entsprechende Angebote, nicht zuletzt auch zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts zu schaffen.

Mehr Stadtbaukultur ‚Äď Kommunikation, Mobilit√§t und Kultur im Zentrum verankern

Der Bahnhof mit Vorplatz sowie die Alte Post bilden das Tor zur Innenstadt.
Das Bahnhofsgeb√§ude wird zur Mobilit√§ts- und Energiezentrale mit intensiver Beratung zu diesen Themen ausgebaut. Zus√§tzlich wird ein Infopunkt eingerichtet, in welchem die Stadt √ľber die beabsichtigten Umbauma√ünahmen informiert und den Prozess im Dialog mit dem B√ľrger begleiten kann.

Der alte Posthof eignet sich f√ľr eine Folgenutzung als Kulturhof und kann in dieser Funktion nicht nur zusammen mit dem Bahnhof einen repr√§sentativen Ortseingang darstellen, sondern Bexbachs Position gegen√ľber den anderen konkurrierenden Standorten st√§rken. Eine Dependance des Bergbaumuseums, beispielsweise eine typische Bergarbeiterwohnung, kann einen Teil des angestrebten Kulturbetriebs √ľbernehmen und zu einer innerst√§dtischen touristischen Attraktion werden. Des Weiteren bietet ein multifunktionaler B√ľrgersaal zusammen mit dem halb√∂ffentlichen Innenhof vielf√§ltige Nutzungs- und Bespielungsm√∂glichkeiten. Zum Wohnanger hin sind besondere Wohnformen wie Seniorenwohnen m√∂glich.

In einem weiteren Schritt wird das notwendige Standortmanagement im Postgebäude eingerichtet, um von hier aus alle kommunikativen Maßnahmen Vorort zu steuern.

Mehr Wohnen ‚Äď Vielf√§ltige Wohnformen f√ľr die Stadtgesellschaft

Der Aloys-Nesseler-Platz liegt versteckt auf der Quartiersr√ľckseite. Seine Lage im Stadtraum und seine Zug√§nglichkeit sind unklar. Seine schiere Gr√∂√üe, die verkehrliche √úbererschlie√üung, die Dominanz der Stellpl√§tze und die fehlende baulich/r√§umliche Fassung verhindern Orientierung, bzw. Adressbildung und bieten keine Aufenthaltsqualit√§t. Der vorhandene Neubau ger√§t in eine solit√§re Randlage (Torso) und provoziert den Konflikt zwischen √∂ffentlich/privat bzw. Vorder- und R√ľckseite. Lediglich tempor√§re Nutzungen wie beispielsweise das Stadtfest verm√∂gen derzeit den Ort kurzzeitig zu beleben, die √ľberwiegende Zeit √ľber liegt das sogenannte Zentrum jedoch brach.

Um den Ort positiv zu besetzen, empfiehlt es sich, die beabsichtigte Entwicklung zu einem Wohnstandort durch eine entsprechende Zwischennutzung vorzubereiten. Das ‚ÄěPublic Gardening‚Äú bietet die M√∂glichkeit, auf den sp√§teren Parzellen in Eigeninitiative betriebene Themeng√§rten, wie beispielsweise Kr√§uterg√§rten, Kirchg√§rten, Schulg√§rten etc., unterzubringen. Dies hat zur Folge, dass der Ort bereits im Vorfeld bekannt gemacht wird und Teile in die sp√§tere Angergestaltung √ľberf√ľhrt werden k√∂nnen.

Entscheidend sind die bauliche Erg√§nzung der r√ľckseitigen Baufelder und die r√§umliche Fassung des Aloys-Nesseler-Platzes auf den zur Verf√ľgung stehenden st√§dtischen Fl√§chen. Dies erfordert die Reduzierung der Parkpl√§tze in der Quartiersmitte, sowie eine bessere Quervernetzung zur Bahnhofstra√üe.

Diese baulichen Ma√ünahmen erm√∂glichen die Definition eines angemessen gro√üen Freiraumes mit klaren Raumkanten und damit die qualit√§tvolle Herausbildung eines f√ľr Bexbach neuen Freiraumtyps, dem‚Äú Wohnanger‚Äú. Dieser immer noch gro√üz√ľgige Freiraum dient im Gegensatz zum Zentrum als qualit√§tvoller Ruhepol f√ľr das Quartier und erh√§lt keine Versorgungsfunktionen. Der vorhandene Brunnen bleibt erhalten und wird in die neue Planung integriert.

Der Zugang vom Bahnhof wird baulich gefasst und durch lineare Freiraumelemente gegliedert. F√ľr die notwendige Belebung entscheidend ist die konsequente Adressierung und Orientierung der neuen Wohnbauten zum Wohnanger. Diese individuellen, innerst√§dtischen Wohnformen f√ľr √§ltere Menschen und junge Familien bestehen aus Reihenh√§usern bzw. kleinteiligem Geschosswohnungsbau. An der n√∂rdlichen Platzkante erhalten die Geb√§ude ein s√ľdorientiertes Pultdach mit privater Dachterrasse und an der s√ľdlichen Platzkante private G√§rten nach S√ľden.
Stadträumliche Defizite

Stadträumliche Defizite

Stadträumliche Potenziale

Stadträumliche Potenziale

Stadträumliches Leitbild

Stadträumliches Leitbild

Rahmenplan

Rahmenplan

Vertiefungsbereich

Vertiefungsbereich

Handlungsschwerpunkte

Handlungsschwerpunkte

Kurzfristige Maßnahmen

Kurzfristige Maßnahmen

Verl√§ngerter Bexbach und neugeatalteter Zugang zur "Gr√ľnen Lunge"

Verl√§ngerter Bexbach und neugeatalteter Zugang zur "Gr√ľnen Lunge"

Mittelfristige Maßnahmen

Mittelfristige Maßnahmen

Neuer verkehrsberuhigter Geschäftsbereich Bahnhofstraße

Neuer verkehrsberuhigter Geschäftsbereich Bahnhofstraße

Langfrisitge Maßnahmen

Langfrisitge Maßnahmen

Neuer Marktplatz

Neuer Marktplatz