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Award / Auszeichnung | 01/2018

MIPIM Awards 2018

Katholisch-Soziales Institut Abtei Michaelsberg

DE-53721 Siegburg

Special Jury Award

meyerschmitzmorkramer

Architektur

WSP Deutschland AG

Projektsteuerung

caspar.

Architektur

holger meyer architektur

Architektur

Projektdaten

  • GebĂ€udetyp:

    InnenrÀume, Möblierung, Kultur-, VeranstaltungsgebÀude

  • ProjektgrĂ¶ĂŸe:

    keine Angabe

  • Status:

    Realisiert

  • Termine:

    Baubeginn: 01/2014
    Fertigstellung: 05/2017

Projektbeschreibung

Die historische Benediktiner-Abtei wurde mit viel GespĂŒr fĂŒr Material zu einem modernen Tagungsort mit Hotel umgebaut. Das neugebaute Forum scheint direkt aus dem Fels zu wachsen. Die Trennung zwischen Alt und Neu bleibt scharf, ĂŒberwunden wird sie an nur zwei Stellen mit schmalen, verglasten BrĂŒcken. Mit wenigen Materialien - Eichenholz, Naturstein und Glas - und daraus abgeleiteten Farben wurde in der Abtei ein Grundton entwickelt, der auch in der Gestaltung des Forums mitschwingt.


Ein Ort des Glaubens sensibel in die Zukunft gefĂŒhrt: die denkmalgeschĂŒtzte Abtei Michaelsberg ragt imposant ĂŒber Siegburg. Ein Ort, der Ruhe und Andacht ausstrahlt, aber rund 400 Veranstaltungen und rund 21.000 Besucher im Jahr bewĂ€ltigen muss. Ab 2014 wurde die ehemalige Abtei des Erzbistums Köln unter den PlĂ€nen des Kölner BĂŒros um Caspar Schmitz-Morkramer umgebaut. Einst Benediktiner-Kloster entstand heute ein hochmodernes Tagungszentrum mit 121 Hotelzimmern, Restaurant und KonferenzsĂ€len. Ein reduzierter Entwurf, bei dem die GegensĂ€tze von Tradition und Fortschritt, Historie und Zukunft, harmonisch in die Landschaft eingefĂŒgt werden und mit respektvoller Distanz nebeneinander bestehen. „FĂŒr uns war es wichtig, die berĂŒhmte Silhouette der Abtei nicht zu verĂ€ndern,“ unterstreicht Architekt Caspar Schmitz-Morkramer. „Wir wollten keine stilistische Spielerei, sondern ein klares GebĂ€ude schaffen, das bei Betrachtung Ruhe vermittelt und Spirituelles mit Architektonischem vereint.“

Besucher sehen den Michaelsberg schon von Ferne aufragen, das letzte StĂŒck des Weges fĂŒhrt auf den neuen Vorplatz. Hier lagert die imposante Abtei auf mĂ€chtigen StĂŒtzmauern. Zu ihren FĂŒĂŸen bettet sich der Neubau, das sogenannte Forum. Eine Besonderheit: Rund 90 bis zu 15 Meter tiefe BohrpfĂ€hle wurden parallel zum WestflĂŒgel der Abtei in den Fels eingelassen, um den Boden fĂŒr den Neubau vorzubereiten. „Wir haben uns intensiv damit beschĂ€ftigt, welchen Geist das Haus versprĂŒht und was wir daraus machen können“, erklĂ€rt Architekt Caspar Schmitz-Morkramer. Eine der Antworten war das Schaffen einer klaren Ordnung: So sind im ehemaligen KlostergebĂ€ude die Hotelzimmer untergebracht, sowie einige SeminarrĂ€ume. Das Forum ist zum Quartier fĂŒr das Katholisch-Soziale Institut, weitere TagungsrĂ€ume und das Restaurant geworden.
Die Architekten haben sich bei Ihrer Planung intensiv mit den Materialien von Berg, Fels und Stein auseinander gesetzt. „Die IdentitĂ€t des Ortes zu bewahren, hatte fĂŒr uns PrioritĂ€t,“ so Caspar Schmitz-Morkramer, „es galt, ergĂ€nzender Teil der Landschaft zu werden, ohne diese zu verletzen.“ So scheint der Neubau direkt aus dem Fels zu wachsen, seine HĂŒlle aus Wachenzeller Dolomit, knĂŒpft an Farben und Topografie des Ortes an. Die Architektur wird zur Komposition, Störendes dem Auge erspart: Die Autos der Mitarbeiter und Besucher verschwinden behutsam in der im Sockel gelegenen Tiefgarage.

Mit einer wie ins Massiv eingeschnittenen Eingangshalle öffnet sich das Forum den Besuchern. Die letzten Höhenmeter werden mit einem Glasaufzug ĂŒberwunden, der in einem glĂ€sernen Pavillon endet und die Sicht auf Bonn und das Siebengebirge freigibt. Klar und eindeutig wurde die Fuge zwischen den beiden Baukörpern, dem neugebauten Forum und der historischen Abtei, inszeniert. Die Trennung zwischen Alt und Neu bleibt scharf, ĂŒberwunden wird sie an nur zwei Stellen mit schmalen, verglasten BrĂŒcken.
„Architektur hat das Potential zwischen dem Betrachter und der Welt, zwischen Alt und Neu, zu vermitteln,“ betont Caspar Schmitz-Morkramer. So erlebt man ĂŒberall das harmonische Miteinander von gewachsener und neuer Struktur.
Der großzĂŒgige, glĂ€serne Pavillon auf dem Dach des neuen Forums wurde zur Lounge erweitert. Hier oben können Besucher in KĂŒrze eine grĂŒne Oase genießen: Die begehbaren DachflĂ€chen werden mit Gartenlandschaft zum Verweilen einladen. Durch die Gliederung in unterschiedlicher MaterialitĂ€t wirkt das GebĂ€ude weder massiv noch voluminös. Hohe, schmale Fenster, die viel Licht in den Innenraum transportieren und durch Panorama-Landschaftsfenster ergĂ€nzt werden, kommunizieren Transparenz. Loggien fĂŒgen sich als Aussichtsfenster in die Fassadengestaltung und bilden große, geöffnete Bereiche. „Mit dem Neubau haben wir der Abtei eine moderne Komponente gegenĂŒber gestellt. Wichtig fĂŒr uns war, dass die beiden HĂ€user kommunizieren und funktionieren, nicht konkurrieren“, so Schmitz-Morkramer.

Ausgearbeitet wurde auch ein ĂŒbergeordnetes Farb- und Materialkonzept, um Abtei und Forum optisch miteinander zu verbinden. Dabei dominiert Naturstein auf den Böden, warmes Eichenholz an Fenstern, TĂŒren, Böden, HandlĂ€ufen und der gesamten Möblierung. Die Architekten haben mit wenigen Materialien und daraus abgeleiteten Farben einen Grundton entwickelt, der Beziehungen schafft - zwischen RĂ€umen, Menschen und einem gewachsenen Ort.