modgnikehtotsyek
T√ĄGLICH FRISCHE WETTBEWERBE UND JOBS Jetzt Newsletter bestellen

Nichtoffener Wettbewerb | 05/2012

Musikzentrum im ViktoriaQuartierBochum

3. Preis

Preisgeld: 25.000 EUR

HASCHER JEHLE Architektur

Architektur

wh-p Ingenieure

Tragwerksplanung

INNIUS RR GmbH

TGA-Fachplanung

Akustik-Ingenieurb√ľro Moll GmbH

Akustikplanung

Erläuterungstext

Musikzentrum Bochum

ST√ĄDTEBAULICHE EINBINDUNG
Kirche und Konzertsaal heben sich als Solitäre auf dem Marienplatz hervor. Das gemeinsame verbindende Element des Foyers umspielt dabei den neuen Konzertsaal und schafft einen Raum zwischen Kirche und Konzerthaus. Die bisher undefinierte Stadtbrache des Marienplatzes erhält so eine adäquate städtebauliche Fassung und kann nun als Marien-“Platz“ tatsächlich wirken.

Die s√ľdliche Begrenzung des Marienplatzes (Brandwand) wird durch einen Neubau aufgewertet und r√§umlich klar gefasst. Der durch die st√§dtebauliche Arrondierung der s√ľdlich gelegenen Geb√§udestruktur geschaffene Neubau k√∂nnte das Musikzentrum erg√§nzende Nutzungen, wie zum Beispiel R√§ume f√ľr die Musikschule Bochum, Workshop-, Seminar-, Konferenzr√§ume und die Konzerthausverwaltung aufnehmen. Alternativ w√§re auch eine kommerzielle Nutzung (B√ľro, Wohnen, Gewerbe, Gastronomie) zur Gegenfinanzierung der Neubauma√ünahmen denkbar.
Der Entwurf lässt durch seine schonende, mäandrierende Gebäudeform die weitestgehende Erhaltung des vorgefundenen Baumbestandes zu.


NEUER MARIENPLATZ
Konzertsaal und Foyer bilden zusammen mit der bestehenden Marienkirche einen gemeinsamen Vorplatz aus. Eine leicht ansteigende Freitreppe empf√§ngt die Besucher und f√ľhrt sie niveaugleich in die einzelnen Veranstaltungsr√§ume.
Der neue Marienplatz schafft eine Aufenthaltsqualit√§t f√ľr Konzertbesucher, Bochumer und Spazierg√§nger. So dient der Platz sowohl als Au√üenbereich des Foyers, durch seine leichte Anhebung aber auch als Treffpunkt und Ruhezone an der stark befahrenen Viktoriastra√üe.
Am ehemaligen Haupteingang westlich der Marienkirche entsteht ein kleinerer, gesch√ľtzter Platz, der im Sommer f√ľr Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden kann. Durch die gl√§serne Fassade des
Foyerkörpers bleibt dabei immer eine Sichtbeziehung zwischen beiden Plätzen gegeben.


ERSCHLIESSUNG
Die durch das Geb√§udeensemble gebildeten Vorpl√§tze definieren gleichzeitig die Eingangssituationen. Der Haupteingang ist von dem gr√∂√üeren, √∂stlich gelegenen Platz an der Viktoriastra√üe aus erreichbar. Von der Humboldtstra√üe aus ist ein Nebeneingang √ľber den kleineren
Open-Air-Platz zum gemeinsamen Foyer geplant.
K√ľnstlereingang und Anlieferung befinden sich auf der etwas tiefer gelegenen Westseite an der Humboldtstra√üe.
Große Teile des Foyers und des Konzertsaals sowie die Marienkirche befinden sich auf dem selben Höhenniveau. Das Foyer umfließt den Konzertsaal und begleitet die innere Höhenentwicklung des Saales. An der Viktoriastraße öffnet und präsentiert sich der Neubau mit dem umlaufenden Foyer zur Stadt. Es entstehen vielfältige Blickbeziehungen zwischen Innen und Außen. Der Entwurf vermittelt einen offenen einladenden Eindruck - das Gebäude wird von außen als offenes Haus wahrgenommen. Das Foyer wird das Fenster zur Stadt.
Durch den s√ľdlichen Neubau entsteht entlang des Konzerthauses eine befahrbare Privatstra√üe, die sowohl vom Anlieferverkehr des Neubaus als auch von der Feuerwehr genutzt werden kann.

Zusammen mit der Humboldtstra√üe im Westen, der Viktoriastra√üe im Osten und der oberhalb der Kirche gelegenen Marienplatz-Stra√üe ergibt sich eine gro√üz√ľgige Feuerwehrumfahrung f√ľr das Musikzentrum.


SYNERGIE KONZERTHAUS - MARIENKIRCHE
Foyer und Backstagebereich werden zwischen dem neuen Konzertsaal und dem Multifunktionsraum
platziert. So sind beide Bereiche sowohl f√ľr den gro√üen Konzertsaal als auch f√ľr den Multifunktionssaal auf kurzem Wege erreichbar. Durch die Nutzung und Reaktivierung eines kurzen Teilst√ľcks des vorhandenen Stollensystems kann der Chor der Marienkirche direkt an den Backstagebereich (inkl. Chorumkleiden) angeschlossen werden. Die Verbindung zwischen den beiden S√§len erfolgt f√ľr Besucher und K√ľnstler getrennt auf unterschiedlichen Geschossen.


MULTIFUNKTIONSSAAL
Die Marienkirche wird zum Multifunktionssaal umgenutzt. Um ad√§quate akustische Verh√§ltnisse f√ľr die unterschiedlichen musikalischen Darbietungen zu schaffen, wird ein flexibles Trennwandsystem vorgesehen. Auf diese Art l√§sst sich das gro√üe Innenraumvolumen der Kirche √§u√üerst flexibel auf den jeweiligen Bedarf anpassen. Eine Bespielbarkeit f√ľr 70 bis maximal 500 Zuh√∂rer ist mit diesem System realisierbar. Hierdurch ergibt sich noch ein viel weiteres Spektrum an Nutzungen und eine viel h√∂here Flexibilit√§t als vom Auslober bisher angedacht. Um die Wirkung des Kirchenraumes so wenig wie m√∂glich zu beeintr√§chtigen sind die Trennw√§nde als hohe, gro√üformatige Glaslamellen vorgesehen. Die vorgefundene Vertikalit√§t des Innenraumes wird hiermit zus√§tzlich unterstrichen. Die Gl√§ser erhalten eine leichte F√§rbung und nehmen das Motiv der Kirchenfenster auf. Von der Decke werden flexibel verfahrbare Akustiksegel abgeh√§ngt, um das Raumvolumen nach oben hin zu begrenzen und die gew√ľnschten Nachhallzeiten zu erreichen.


VERWALTUNG
F√ľr die Verwaltung werden drei Varianten angeboten.
Um eine direkte Verbindung der Symphoniker mit ihrer Verwaltung zu gew√§hrleisten, k√∂nnten die R√§umlichkeiten in die Dachlandschaft oberhalb der Nebenr√§ume des Musikzentrums integriert werden. Entsprechend m√ľsste die Dachlandschaft angehoben und geformt werden. Dies b√∂te der Verwaltung die M√∂glichkeit von Blickbeziehungen in das Foyer.
Als wohl sch√∂nste, und auch r√§umlich nahe Variante, wird der Ausbau des Kirchendachstuhls vorgeschlagen. Die Erschlie√üung k√∂nnte √ľber ein eingef√ľgtes Treppenhaus im Kirchturm erfolgen. Die Verwaltung s√§√üe so in unmittelbarer N√§he, gleichwohl aber ‚Äě√ľber den Dingen‚Äú mit einem traumhaften Blick auf den neuen Konzertsaal.
Als dritte Variante wird die Nutzung des s√ľdlichen Neubaus angedacht. Um trotz der getrennten Geb√§ude eine r√§umliche Verbindung zu schaffen, k√∂nnten die H√§user im Bereich der Hinterb√ľhne unterirdisch angebunden werden. Auch hier bietet sich der Verwaltung ein direkter Blick auf den Konzertsaalneubau.


FASSADE
Die Marienkirche wird mit dem Konzertsaal um einen weiteren Solit√§r erg√§nzt. Kirche und Konzertsaal bilden zusammen ein st√§dtebauliches Ensemble und eine architektonische Einheit. Die Marienkirche beh√§lt dabei ihr √Ąu√üeres und Inneres Erscheinungsbild weitgehend bei. Der Konzerthausk√∂rper erh√§lt eine gefaltete, vertikale Fassade aus dunklen, reliefartigen Basaltelementen. Die Vertikalit√§t der Fassade spiegelt dabei die Strebepfeiler der Kirche, das Aufstreben des Kirchturms und deren gro√üformatige Fenster wider. Der neue Marienplatz erh√§lt so ein gegliedertes Auf und Ab ‚Äď Konzerthausk√∂rper, flaches verbindendes Foyer, Kirche.

Das gläserne Foyer steht auf einem schlichten Sichtbetonsockel, auch das gefaltete, umlaufende Dach hebt sich mit einer vorgeblendeten Sichtbetonkante vom Konzerthauskörper ab.


INNENRAUM MUSIKZENTRUM BOCHUM
√Ąhnlich der Foyerfassade ist auch das Innere des Foyers in schlichter Formensprache gehalten. Garderobe und Pausengastronomie, sowie die Treppenstufen im Foyer, werden als hochwertige Holzeinbauten konzipiert. Der Fu√üboden des Foyerbereiches erh√§lt einen hellen, fein geschliffenen Fliesestrich, der die Leichtigkeit des eingeschossigen Foyerbaues unterst√ľtzt.
Der Konzertsaal nimmt das äußere Thema der gefalteten Vertikalität auf und nutzt sie als akustische
Elemente. Auch diese sekund√§ren Akustikelemente werden in einem dunklen, ansprechenden Farbton ausgef√ľhrt, so dass der Fokus des Betrachters auf der hellerleuchteten B√ľhne und ihren Protagonisten liegt. Als Kontrast zu den dunklen Au√üenw√§nden erhalten die Balustraden einen goldig-schimmernden Ton, der die hochwertige Klangqualit√§t und Architektur des Konzertsaales hervorhebt.


AKUSTK

GROSSER SAAL
Der Entwurf f√ľr den Konzertsaal wei√üt optimale akustische Bedingungen f√ľr den angestrebten Zweck als Spiel- und Probest√§tte der Bochumer Symphoniker auf.


RAUMVOLUMEN UND PRIM√ĄRFORM
Das ausreichend gro√üe Raumvolumen ist Voraussetzung f√ľr die angestrebte Nachhallzeit in einem Konzertsaal, da sich die Absorption des Publikums ma√ügeblich auf die Nachhallzeit auswirkt. Bei einem f√ľr den angestrebten Nutzungszweck zu gro√üen Raumvolumen und damit einer zun√§chst zu langen Nachhallzeit besteht zwar die M√∂glichkeit die Nachhallzeit durch absorbierende Fl√§chen zu reduzieren, hierbei besteht jedoch die Gefahr, dass die f√ľr die gew√ľnschten fr√ľhen Erstreflexionen ben√∂tigten Fl√§chen deutlich reduziert werden. Bei einem geeigneten Raumvolumen ‚Äď was bei sinfonischer Musik bei 10 bis 12m¬≥/Platz liegt ‚Äď werden zum Erreichen der gew√ľnschten Nachhallzeit von ca. 1,8 bis 2,1 s kaum breitbandig absorbierende Fl√§chen ben√∂tigt. Der vorliegende Saalentwurf hat ein Volumen von ca. 12.600m¬≥ und erreicht somit bei einer Besetzung von 1.050 Personen, einschlie√ülich Orchester/Chor, eine f√ľr sinfonische Nutzung optimale Volumenkennzahl von 12m¬≥ pro Platz.

Als Prim√§rform wurde eine l√§ngliche, ann√§hrend rechteckige Grundrissform mit leicht abgewinkelten L√§ngs- und Stirnw√§nden gew√§hlt. Das Publikum gruppiert sich in mehreren terrassenf√∂rmig ansteigenden und gegeneinander versetzten R√§ngen (Ann√§hrung an das ‚ÄěWeinbergprinzip‚Äú) um die B√ľhne herum, wobei jedoch noch eine klare Hauptausrichtung zu erkennen ist. Das Orchester r√ľckt bei diesem Entwurf n√§her ins Zentrum des Geschehens, wodurch eine gr√∂√üere N√§he und damit eine intimere Beziehung zwischen Publikum und Vortragenden entsteht. Durch die unterschiedlich im Raum angeordneten R√§nge besteht die M√∂glichkeit, besonders bei modernen Kompositionen (Karl-Heinz Stockhausen, Luigi Nono, John Cage etc.), einzelne Musiker, Musikergruppen oder bei Kompositionen mit Live-Elektronik Lautsprecher im gesamten Raum zu platzieren, wodurch eine noch gr√∂√üere Klangvielfalt und Intimit√§t zwischen Zuh√∂rer und Orchester entsteht.

Mit einer Abmessung von 19 bis 23m (20m im B√ľhnenbereich) in der Breite, 36m bis 40m in der L√§nge und 14 bis 17m in der H√∂he und den seitlichen ‚ÄěZwischenw√§nden‚Äú der terrassenf√∂rmigen R√§nge ist eine optimale Versorgung aller Pl√§tze mit fr√ľhen, energiereichen Erstreflexionen und eine gleichm√§√üige Schallverteilung im Raum sichergestellt. Die Abmessungen entsprechen demnach auch den Vorgaben der Auslober.

Die terrassenf√∂rmig ansteigenden R√§nge und das ansteigende Gest√ľhl innerhalb des Parketts und der R√§nge stellen eine gute Sichtverbindung von jedem Platz zur B√ľhne und damit auch gute H√∂rbedingungen sicher.

Das gegenseitige H√∂ren ist unverzichtbar f√ľr ein optimales Zusammenspiel der Orchester-/ Chormitglieder und des Dirigenten und damit auch Grundvoraussetzung f√ľr gute Musikdarbietungen. Um dies zu erreichen sind im Entwurf folgende schallreflektierende Fl√§chen im Nahbereich der B√ľhne vorgesehen, welche die Musiker mit energiereichen Erstreflexionen versorgen und damit das Zusammenspiel f√∂rdern:

- reflektierende Flächen seitlich und hinter den Musikern mit einer Höhe von ca. 2,6m,
Entfernung von B√ľhnenmitte ca. 7m bis 9m
- einzelne konvex gebogenen Deckensegel in einer H√∂he von ca. 10m √ľber der B√ľhne
(Höhe und Neigung können bei Bedarf variabel eingestellt werden)
SEKUND√ĄRSTRUKTUR UND BESTUHLUNG
Neben der Nachhallzeit, ist die Diffusit√§t eines der wichtigsten raumakustische Parameter. Sie ist mitverantwortlich f√ľr eine gleichm√§√üige Schallverteilung und den Raumeindruck.

Der Entwurf sieht eine vertikale Gliederung der Wandoberfl√§chen und eine Strukturierung der Decke vor, die eine hohe Diffusit√§t erwarten lassen. Teile der Wandfl√§chen sind als Tiefenabsorber aus unterschiedlich dicken Holzwerkstoff- oder Gipskartonplatten mit einer Seitenl√§nge von > 1m geplant. Diese Plattenschwinger wirken im mittleren und oberen Frequenzbereich reflektierend und absorbieren den Schall im unteren Frequenzbereich. F√ľr eine breitbandigere Absorption werden die Platten fein gelocht oder geschlitzt ausgebildet. Aufgrund der optimalen Volumenkennzahl werden zum Erreichen der gew√ľnschten Nachhallzeit jedoch nur sehr wenige Wandfl√§chen breitbandig absorbierend ausgef√ľhrt und deren Anordnung mit den gew√ľnschten Seitenreflexionen abgestimmt.
Teile der Wandfl√§chen stehen dar√ľber hinaus f√ľr flexible Akustikelemente zur Verf√ľgung, mit denen eine Nachhallzeitspreizung erreicht werden kann. Die Elemente k√∂nnen schwenk- oder klappbar ausgef√ľhrt werden, sodass je nach Anforderung mehr oder weniger breitbandige Absorptionsfl√§chen vorhanden sind und damit die Nachhallzeit reduziert werden kann. Auch besteht die M√∂glichkeit, Teile der strukturierten Wandoberfl√§chen zu √∂ffnen und dadurch ein dahinter liegendes Volumen an den Saal anzukoppeln, wodurch die Nachhallzeit angehoben werden kann.

Die Decke besteht aus gro√üen streifenf√∂rmigen Elementen die quer zur Hauptausrichtung des Saales die Decke strukturieren. Sie unterst√ľtzen den Direktschall indem sie mit Ihrer optimalen Neigung den Schall auch auf die weiter entfernten Publikumspl√§tze lenken.

Damit die Nachhallzeit nicht von dem Besetzungszustand abh√§ngig ist, wird das Gest√ľhl hochabsorbierend ausgef√ľhrt. Damit wird sichergestellt, dass auch w√§hrend der Proben das gewohnte akustische Umfeld gegeben ist.


MULTIFUNKTIONSSAAL
Um den Kirchenraum als Multifunktionssaal nutzen zu k√∂nnen, sieht der Entwurf eine Haus-in-Haus-L√∂sung vor. Hierf√ľr sind in der Ebene der St√ľtzenreihen um die eigene Achse schwenkbare, verfahrbare, farbige Glasw√§nde vorgesehen, mit denen ein separates gl√§sernes Raumvolumen im Kirchenraum gebildet werden kann ohne den Bezug zum Kirchenraum zu verlieren. Das gl√§serne Raumvolumen betr√§gt (bei der im Pr√§sentationsplan dargestellten Variante) ca. 1.750m¬≥, womit im vollbesetzten Zustand (225 Personen inkl. Musiker) eine Volumenkennzahl von 7,8m¬≥ pro Platz erreicht wird ‚Äď ein f√ľr Kammermusik, Multifunktionsnutzung und Probenbetrieb geeigneter Wert. Den oberen ‚Äělosen‚Äú Abschluss der gl√§sernen Box bilden Akustiksegel, die variabel von der Decke abgesenkt werden k√∂nnen.

Eine Variabilit√§t der Nachhallzeit kann dadurch erreicht werden, dass die Vorder- und R√ľckseite der schwenkbaren Glaselemente akustisch unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Die Vorderseite ist glatt und damit schallreflektierend (konventionelle Glasoberfl√§che), wohingegen auf der R√ľckseite d√ľnne, fein perforierte Acrylglasscheiben in einem Abstand von ca. 10cm vor der Glasscheibe angeordnet sind. Je nach Anforderung k√∂nnen die um 180¬į um die eigene Achse drehbaren Glasw√§nde entweder mit der absorbierenden Fl√§che (kurze Nachhallzeit) oder mit der glatten reflektierenden Fl√§che zum Innenraum angeordnet werden. Eine weitere Verl√§ngerung der Nachhallzeit ist m√∂glich, indem die W√§nde nur um 90¬į gedreht werden und die Deckenreflektoren unter das Kirchendach gefahren werden. In diesem Fall verschwimmt das Glasvolumen mit dem angrenzende Kirchenraumvolumen, wodurch die lange Nachhallzeit der Kirche zum tragen kommt.

Der besondere Reiz dieser Konstruktion liegt darin, dass ein separater Innenraum mit einer eigenen Akustik erzeugt werden kann und zugleich, durch das hohe Maß an Transparenz, der Kirchenraum erlebbar bleibt.


TRAGWERKSKONZEPT

Der zentrale Bauk√∂rper des Geb√§udes und somit auch des Tragwerkes ist der Konzertsaal. Seine leicht geneigten Umfassungsw√§nde bilden einen polygonalen Ring und sind in Stahlbeton vorgesehen. Darauf sitzt ein mehrfach geknicktes Stahltragwerk in Form eines zweiachsigen Tr√§gerrostes, der die √§u√üere Kontur abbildet und dessen Bauh√∂he entsprechend des Beanspruchungsverlaufes variiert. Durch die Ringwirkung der Sockelkonstruktion kann eine Schalenwirkung aktiviert und somit ein Teil der Lasten wirtschaftlich √ľber Druckkr√§fte abgetragen werden.

Der Rost tr√§gt den oberen Raumabschluss in Form von Trapezblechen, auf denen D√§mmung und Dichtung angebracht sind, sowie die Unterdecke mit allen technischen und akustischen Einbauten. Die abgestuften Trib√ľnenkonstruktionen werden als gefaltete Flachdecken ausgebildet, die auf die W√§nde des Untergeschosses ablasten. Das Dach der angelagerten Foyer- und Erschlie√üungszonen ist an die Umfassungsw√§nde des Konzertsaales angeschlossen und durch diese ausgesteift. Nach au√üen hin tragen schlanke Betonst√ľtzen die Deckenplatte. Der gesamte Bauk√∂rper ruht auf einem massiven Untergeschoss in Stahlbetonbauweise. Die Gr√ľndung erfolgt auf Einzel- und Streifenfundamenten, die mittels Magerbetons√§ulen auf die Schichten des unverwitterten Festgesteines gef√ľhrt werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Ein skulpturaler Bauk√∂rper aus dunklem Basalt steht selbstbewusst neben der Marienkirche und formt mit dieser einen gro√üz√ľgigen Vorplatz und Eingang. Durch den gro√üen Abstand der Bauk√∂rper beh√§lt der Kirchenbau Freiraum und W√ľrde. Der Vorplatz ist zur Viktoriastra√üe ge√∂ffnet und erh√∂ht; er wird √ľber eine gro√üe Stufenanlage erschlossen, die sich √ľber eine vielf√§ltige Treppenanlage auch im Inneren des Foyers fortsetzt. Es entstehen reizvolle Raumeindr√ľcke mit dem Nachteil einer eingeschr√§nkten Barrierefreiheit. Der Eingang ins Foyer liegt an der richtigen Stelle; die bauk√∂rperliche Ausbildung ist allerdings sehr schwach. Die angelagerten Nebenr√§ume sind hier zwar funktional richtig, st√∂ren aber Raumeindruck und Durchblick. Auch wird die Fassade zur Humboldtstra√üe zur R√ľckseite.
Das Volumen des frei geformten Saals wird umschlossen von einem polygonalen eingeschossigen Geb√§ude - das Foyer umflie√üt so den Konzertsaal allseitig. Dieser sehr positive Effekt entspricht in hohem Ma√üe dem Wunsch nach Offenheit und einer sch√∂nen Wegef√ľhrung innerhalb des Hauses mit hohen Aufenthaltsqualit√§ten. Allerdings wird er erkauft durch eine sehr komplizierte Verbindung von Anlieferung und B√ľhne √ľber lange G√§nge auf unterschiedlichen Niveaus im Untergeschoss. Zudem ist der Zugang f√ľr Besucher durch die offene Foyerausbildung nur schwer kontrollierbar. Die Fluchtwege sind teilweise zu lang; ein 2. Rettungsweg aus dem Saal ist durch das umlaufende Foyer so nicht gesichert.
Die verteilte Gastronomie ist bez√ľglich Produktions- und Vorbereitungsfl√§chen unzureichend ausgestattet.
Anmutung und Ausformung des gro√üen Saales sind sehr ansprechend. Die relativ zentrale Anordnung der B√ľhne und die unterschiedlichen Ebenen der Sitzbereiche f√∂rdern eine enge Beziehung zwischen Orchester und Publikum. Die Balkone m√ľssten aber steiler sein. Auch die Zirkulation des Publikums auf unterschiedlichen Ebenen m√ľsste im Saal und nicht im Foyer gel√∂st werden. Die Ausbildung der Decke erm√∂glicht keine Revision der Beleuchtung und Technik.
Der Kirchenraum wird in ganzer Gr√∂√üe als Multifunktionsraum bespielt. Der Vorschlag der Abtrennbarkeit √ľber mobile √ľbergro√üe Glasw√§nde wird im Grundsatz gesch√§tzt, in der Machbarkeit aber angezweifelt. Die Abtrennbarkeit und Erschlie√üung des kleinen Saales ist problematisch.
Die Anordnung der Verwaltungsbereiche wird in 3 Varianten angeboten, wobei Variante 2 denkbar erscheint, allerdings nicht ganz √ľberzeugen kann.
Der Entwurf sieht eine kostenintensive Fassade aus dunklem Basalt und gro√üen Glasfl√§chen vor; dies signalisiert Kraft und Ausdruck. Zahlreiche Bauteile der Fassade sind asymmetrisch und teilweise geneigt, das gro√üe Dach des Saals kann eigentlich auch nur in Basalt ausgef√ľhrt werden, was insgesamt einen erh√∂hten Kostenaufwand verursachen w√ľrde. Die Einhaltung des Kostenrahmens erscheint ohnehin nur schwer erreichbar.
Der Wettbewerbsbeitrag strebt den Passivhausstandard an und will die EnEV um 40 % unterschreiten. Der bauphysikalische Rahmen ist nicht betrachtet. Das L√ľftungskonzept ist unzureichend (Kirche). Der Passivhausstandard w√ľrde bei dieser Geb√§udegeometrie vermutlich nicht erreichbar sein.
Insgesamt sind der skulpturale Ansatz und die Offenheit des Ensembles ein sehr guter Beitrag f√ľr ein lebendiges Musikzentrum der Stadt Bochum.