Nichtoffener Wettbewerb | 03/2025
Neu‐ und Erweiterungsbau Königin‐Katharina‐Stift in Stuttgart
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Visualisierung Vorderansicht Königin‐Katharina‐Stift
©Architekturbüro Oberst & Kohlmayer Generalplaner GmbH
1. Preis / Zuschlag
Preisgeld: 84.000 EUR
Architektur
Planungsgemeinschaft Landschaftsarchitektur Markus Herthneck
Landschaftsarchitektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Auf unprätentiöse und gleichzeitig selbstbewusste Weise erfolgt die städtebauliche Setzung, die den Bestandsbau mit seiner Eckausprägung an der Schillerstraße als visuelle Adresse der Schule stärkt, ohne den Erweiterungsbaukörper selbst zu untergeordnet zu formulieren. Dem Dialog aus denkmalgeschütztem Bestand und selbstbewusster zeitgenössischer Architekturhaltung entsprechen auch die sensiblen Höhenbezüge der Geschosse zum Bestand. Logisch ist die innere strukturelle Ordnung und Stapelung der Funktionen mit der großen stützenfreien Sporthalle zuoberst. Dies erfüllt Nachhaltigkeitsgesichtskriterien und bietet monetäre und logistische Vorteile, da eine Sporthalle im Untergrund an diesem Standort Grundwasserthemen provozieren wird. Dies hat einen größeren oberirdischen Baukörper zur Folge als andere Arbeiten, die die Sporthalle eingraben. Dies wird kontrovers diskutiert, insgesamt jedoch die zeitgemäße Folge aus Themen der Nachhaltigkeit (Einsparung von Material- und Energieressourcen) betont. Besonders gelungen wird die Verbindung des Sockelgeschosses des Bestandsbaus gewertet mit der hier vorgeschlagenen Rückführung der Gewölberäume in eine Foyerzone mit Übergang zu einem seitlichen Eingang des Erweiterungsbaus. So ergibt sich eine Rundlaufmöglichkeit vom Haupteingang des Bestands durch das Sockelgeschoss mit Übergang zum multifunktionalen EG der Erweiterung und wieder raus auf die Schillerstraße zum Bestandseingang. Ebenso ist der ebenerdige Ausgang zum Schlosspark möglich, der schon heute als erweiterter Schulhof genutzt wird. So verweben sich Aktionen des Schulalltags optisch und physisch mit dem öffentlichen Raum und begünstigen somit ein Öffnen der Schule zum Quartier. Dies ist ein gelungener Beleg dafür, dass es funktional keiner direkten Brückenanbindung bedarf, wenn morphologische und inhaltliche Verbindungen zweier Gebäude entwickelt werden. Die Staffelung der Geschosse schafft eine große Vielfalt an Ein- und Ausblicken. Besondere Qualität für die Unterstufencluster im 1. OG versprechen die direkten Anbindungen an Makerspace und Bibliothek im 2. OG mit vorgelagerten Terrassen, so dass viele Formen der pädagogischen Aneignung gegeben sind. Die Sporthalle als illuminierte Krone mit Weitenwirkung wird der besonderen Herausforderung der Adresse gerecht, hier nicht nur Schulbau, sondern auch wichtiger Stadtbaustein zu sein. Verbesserungen wünscht man sich bei der Ausbildung von ausreichend großen Treppenhäusern und Nebenfunktionsräumen auf der Ebene des Sports. Die konstruktiven Ideen sind einfach und folgerichtig. Beim Verhältnis der Hüllfläche zum Bruttorauminhalt liegt die Arbeit im Durchschnitt, was angesichts des Verzichts auf Untergeschosse positiv überrascht. Bei den Wirtschaftlichkeitswerten der Programmflächen belegt die Arbeit den vordersten Platz. Bau und Betrieb versprechen somit hohe Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Ja, es gibt auch weitere Fragen und Herausforderungen. Sind die Räume im 1. und 2. OG ausreichend belichtet? Kann der bisher ohne Fassadenbezug gesetzte Musikraum im EG noch besser positioniert werden? Braucht das Haus wirklich 4 Aufzüge? Kann der dreigeschossige Luftraum brandschutztechnisch gelöst werden? Die gewendelte Fluchttreppe wird nicht funktionieren. Die Freiraumangebote sind angedeutet und bedürfen der Konkretisierung. Aber diese Fragen und Herausforderungen scheinen lösbar und das Konzept so intelligent und solide, dass insgesamt dem Entwurfsvorschlag eine sehr hohe Qualität attestiert wird.
Ansicht Modell Königin‐Katharina‐Stift Stuttgart
©Architekturbüro Oberst & Kohlmayer Generalplaner GmbH
Lageplan
©Architekturbüro Oberst & Kohlmayer Generalplaner GmbH