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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2025

Neu‐ und Erweiterungsbau Königin‐Katharina‐Stift in Stuttgart

Aussenperspektive
5

Aussenperspektive

2. Preis

Preisgeld: 52.000 EUR

schaudt architekten bda

Architektur

Planstatt Senner

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Städtebau und Freiraum
Der kompakte Erweiterungsbau des Königin-Katharinen-Stift Gymnasiums in exponierter Lage am „Oberen Schloßgarten“ wird selbstbewusst und doch zurückhaltend als viergeschossiger Baukörper westlich des unter Denkmalschutz stehenden Bestandsgebäudes positioniert. Von der Schillerstraße wird das Gebäude bewusst etwas nach Süden abgerückt um einen angemessenen Vorplatz für das sichere Ankommen der Schülerinnen und Schüler an der aktuell noch viel befahrenen Straße zu gewährleisten. Gleichzeitig kann so die nord-westliche Gebäudeecke des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes freigestellt erhalten bleiben. Durch die städtebauliche Setzung entsteht so eine ebenerdige, attraktive Campusmitte die sich zu den umliegenden Freibereichen im Oberen Schloßgarten hin öffnet. Der in seiner Höhe, wie Masse zurückhaltende Baukörper orientiert sich dabei an den weiteren umliegenden Sonderbausteinen die sich jeweils zum Park hin orientieren und Rückwertig von den dominierenden Hauptgebäuden gefasst werden. Hier wird die Grundstruktur des pavillonartigen Ensembles im Park aufgegriffen und fortgeführt: Begonnen beim Landtag, Württembergischer Kunstverein, Foyer des Schauspielhauses, neu entstehender Gastronomiepavillon vor dem Schloßgartenhotel, Erweiterungsbau des Königin-Katharinen-Stift Gymnasiums, bis über die Schillerstraße hinweg zu den neuen Lichtaugen des Hauptbahnhofs bis hin zum Planetarium.

Die Gestaltung der Freianlagen entwickelt sich aus der örtlichen Gegebenheit, den Nutzungsanforderungen und der Grundstückserschließung. Die Lage unmittelbar am Oberen Schloßgarten wird als besondere Chance verstanden, einen zukunftsorientierten Schulcampus mit Parkqualitäten entstehen zu lassen.
Das neue Schulgebäude definiert Eingänge, Durchgänge und Verbindungen, dadurch entstehen multicodierte Freiflächen mit hoher Qualität und räumlich definierte Nachbarschaften.

Der Schulhof des Gymnasiums Königin-Katharina-Stift wird als multifunktionaler Raum gestaltet, der den Bedürfnissen der Schüler*Innen entspricht und auch außerhalb der Schulzeiten öffentlich zugänglich ist. Durch den breiten Zugang von Süden wird der Platz als offener Treffpunkt für verschiedene Aktivitäten etabliert und verbindet den Schulhof mit der Parkanlage des „Oberen Schlossgartens“.
Wichtige Elemente sind Holzdecks zum Sitzen und Liegen sowie Pflanztröge, die eine harmonische Verbindung zur Natur schaffen. Sitzstufen am Eingang zur Sporthalle und eine Bühne, die als Outdoor-Klassenzimmer genutzt werden kann, runden das Konzept ab. Die Verbindung von Innen- und Außenraum ist ein zentrales Gestaltungselement.
Das Spielfeld ermöglicht vielfältige sportliche Aktivitäten, ergänzt durch Calisthenics-Stationen, die körperliche Betätigung fördern. Der Schulhof ist auch für die öffentliche Nutzung zugänglich und fügt sich als Freiraum in den bestehenden öffentlichen Raum ein, wodurch das Angebot an nutzbaren Freiräumen erweitert wird. Die Bäume, sowohl die neue Doppelreihe als auch die bestehenden Bestandsbäume, rahmen den Schulhof ein und bieten Schatten, während sie gleichzeitig das Mikroklima verbessern. Sie umschließen den Schulhof visuell als auch funktional und schaffen so eine einladende Atmosphäre. Unter den Bäumen können die Fahrräder der Schülerinnen und Schüler abgestellt werden. Hier wären auch überdachte Abstellplätze grundsätzlich möglich. Fassadenbegrünung und 14 Neupflanzungen tragen zusätzlich zur Verbesserung des Klimas bei.
Einige Flächen sind mit wasserdurchlässigem Rasenfugenpflaster versehen, um die Versiegelung zu reduzieren.
Insgesamt wird der Schulhof zu einem attraktiven, funktionalen Raum, der sowohl den Bedürfnissen der Schulgemeinschaft als auch der Öffentlichkeit dient. Die naturnah angelegten Freiflächen eröffnen eine Perspektive mit überaus hoher ökologischer Vielfalt und schaffen mit den offenporigen Oberflächenbelägen einen wertvollen stadtklimatischen Beitrag.
Das anfallende Oberflächenwasser wird in offenen Rinnen anschaulich wieder zur Versickerung dem Grundwasser zugeführt.
Alles in Allem betrachtet entsteht mit dieser Neubaumaßnahme für die Schülerinnen und Schüler Sowie das Lehrerkollegium ein zukunftsorientierter, verbindender Campus zum gemeinschaftlichen Wohlfühlen und Freiraum für die individuelle Förderung.

Innenraum und Architektur
Maximale räumliche Qualität mit viel Tageslicht und wandelbaren flexiblen Strukturen, trotz einer maximalen Kompaktheit bestimmen den Entwurfsansatz für den Erweiterungsbau des Königin-Katharinen-Stifts.
Der Neubau soll neben den grundlegenden Funktionen für Schulunterricht und Ganztagsbetreuung vorwiegend ein Ort sein an dem sich jedes Individuum der Schulfamilie frei entfalten und seinen ganz persönlichen Teil zum gemeinsamen Schulleben beisteuern kann. Ein Spezifikum der Schule ist das Freie Lernen, in dem die Schüler*innen eigenverantwortlich arbeiten und sich dabei methodisches Wissen praktisch aneignen. Die Unterrichtsbereiche sind flexibel in Clustern angeordnet, sodass sowohl traditioneller als auch projektorientierter Unterricht nebeneinander stattfinden kann. Durch geschickte Anordnung der Räume, eine hohe Flexibilität in der Grundrissgestaltung sowie die geplante Skelettbauweise sind multifunktionale Nutzungen der Räumlichkeiten möglich. Ein offenes, vielfältiges Lernen soll hier durch die Architektur gefördert werden.
Das Erdgeschoss leitet mit seinen großzügigen Öffnungen ins Gebäude ein. Auf dieser Ebene befinden sich die Ganztagesbereiche, die Mensa mit Musik- und Theaterräumen. Das Foyer mit seinem lichtdurchfluteten und geschossübergreifenden Atrium verbindet dabei mit der offenen Treppe die Geschosse miteinander und schafft so Raum für Kommunikation und Begegnung. Großzügige Verglasungen und Fluraufweitungen sorgen für eine natürliche Belichtung und lassen Innen- und Außenraum miteinander verschmelzen.
Vom nördlichen Vorplatz an der Schillerstraße gelangt man unter dem überdachten Vordach in das zentrale Foyer, das sich zur großzügigen Aula - dem Herz der Schule – hin öffnet. Dieser Bereich dient vorrangig als Mensa – kann bei Bedarf durcch Zuschaltung des Ganztagsbereichs, sowie der beiden Musik- und Theaterräumen zu einer großen multifunktionalen Veranstaltungsfläche zusammengeschaltet werden. Die überhöhten Musikräume können durch mobile Bühnenpodeste für vielfältige Veranstaltungen zur Aula und zum Pausenhof hin geöffnet werden.
Die Mensa öffnet sich mit Ihren Essbereichen in Richtung Süden zum großzügigen Pausenhof. Hier lädt der überdachte Bereich zum Essen im Freien ein.

Die Galerieebene in der Mensa schafft die gewünschte kleinteilige Zonierung der Essbereiche und kann gleichzeitig als Tribüne für Veranstaltungen fungieren. Ein zusätzlicher Ganztagesbereich, sowie die Teeküche und WCs bilden hier eine zusammenhängende Einheit als neues Herz der Schule. Dieser Gesamtbereich könnte grundsätzlich auch autark von Externen z.B. am Wochenende genutzt werden. Auf diesem Geschoss wird auch die warme Verbindung an das Erdgeschoss des Bestandsgebäudes geschaffen. Dadurch können kurze Wege im Gesamtensemble der Schule auch im Winter garantiert werden ohne den neuen Kanalabschnitt des Nesenbachs zu überbauen, sodass Kanalsanierungen jederzeit ohne Rückbaumaßnahmen des Gebäudes erfolgen können.

Im Erdgeschoss liegt im Westen des Neubaus die Ganztagsräume die sich in Ruhe- und Rückzugsbereiche sowie Spiel- und Bewegungsbereiche unterteilen. Diese Ganztagsräume orientieren sich alle bewusst in den westlichen Grünbereich, um diese Außenbereiche mit direktem Zugang mitnutzen zu können. Integrierte Wandschränke auch in den Flurbereichen ermöglichen viel Stauraum für Material, ohne durch zusätzliche Räume weitere Flächen zu generieren.

Die zusätzlich benötigten Klassenräume werden nach Jahrgangsstufen in den oberen Geschossen in einer offenen Clusterstruktur organisiert. Im zweiten Obergeschoss ist der Clusterbereich der Jahrgangsstufe Fünf, sowie die SchülerInnen-Bibliothek verortet. Im dritten Obergeschoss befindet sich die Jahrgangsstufe sechs, sowie der zusätzliche NWT – Robotik Raum. Das geschossübergreifende Foyer verbindet die einzelnen Jahrgangsstufen miteinander und fördert das Miteinander unter den Schüler*innen. Im südlichen Bereich schließen mit direktem Zugang aus den Clustern die großzügig überdachte Lernterrassen an, die über die Außentreppe mit dem Pausenhof verbunden werden.

Durch das zentrale Foyer an der Schillerstraße wird auch die Zweifeldhalle im Untergeschoss zentral erschlossen.
Im Zwischengeschoss der Sporthalle kann an der östlichen Gebäudeseite eine kleine Sitztribüne mit Blick in die Sporthalle angeordnet werden z.B. für wartende Eltern oder als Treffpunkt nach dem Sport. Auf diesem Niveau ist im Norden zentral die benötigte Haustechnik verortet.

Im südlichen Bereich wird der benötigte zweite Fluchtweg der Sporthalle über den großzügig eingeschnittenen Lichthof gewährleistet. Dieser steht der Schulgemeinschaft als Grünes Klassenzimmer zur Verfügung, belichtet im südlichen Bereich zusätzlich die Sporthalle und dient als Einbringöffnung für Haustechnik oder größere Sportgeräte.
Zusätzlich wird die gesamte Hallenlängsseite im westlichen Bereich über ein Glasoberlicht mit Tageslicht versorgt, das ebenengleich mit dem Außenraumbelag verlegt werden kann.

Auf dem Niveau der Sporthalle sind jeweils im Norden wie Im Süden für den jeweiligen Hallenteil die entsprechenden Umkleiden angeordnet. Die Gerätelagerräume können hier an den Hallenstirnseiten mit der benötigten Tiefe positioniert werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der sehr kompakte fast würfelförmige Baukörper ist gegenüber dem Königin-Katharina-Stift leicht zurückgesetzt, dadurch wird der Eckgiebel des historischen Gebäudes freigestellt, es entsteht so ein sehr schöner und angemessener Vorplatz zum Altbau und dem neuen Schulbaukörper. Unterstützt wird diese Vorzone durch einen im Erdgeschoss eingezogenen Bereich, der sehr deutlich den Haupteingang, mit dem direkt dahinterliegenden Haupttreppenhaus, akzentuiert. Bedingt durch die Kompaktheit des Baukörpers und seiner Setzung an der nord-westlichen Ecke des Grundstücks entsteht ein maximal großer Außenraum auf der Ebene des Schlossgartens, der sich als Schulhof vielfältig nutzen lässt. Die Sporthalle ist dafür vollkommen eingegraben, die Nebenräume sind funktional schlüssig angeordnet. Über einen zur Halle offenen galerieartigen Flurbereich lassen sich die beiden Hallenteile unabhängig erschließen. Die Lage des Regieraums ist nicht optimal. Der 2. Rettungsweg der unterirdischen Halle befindet sich an der südlichen Stirnseite der Halle, die danebenliegende abgesenkte Treppenanlage, die zur Belichtung der Halle vorgesehen ist, wird räumlich und in seiner Lage im Schulhof eher kritisch gesehen. Leider werden für die Halle keine Oberlichter angeboten, die für die Atmosphäre vor allem für eine Schulturnhalle durchaus angebracht wären. Der Schulbaukörper ist in sich gut organisiert, wobei im Erdgeschoss der 2-geschossige Raum der Mensa in seiner Lage leider den Außenbezug etwas vernachlässigt. Ob eine 2-geschossige Mensa für eine Schule dieser Größe angemessen ist, wird im Preisgericht sowohl positiv als auch als eher unangemessen diskutiert. Die Nutzung der Versammlungsstätte im EG wird jedoch positiv bewertet. Für die Multifunktionale Nutzung bietet der Mensaraum gute innenräumliche Möglichkeiten. Die geschlossene stegartige Verbindung zum Altbau im 1.Obergeschoss ist funktional richtig angeordnet, sie hat aber eine Umorganisation des Lehrerbereiches im Altbau zur Folge. Durch den 2-geschossigen Mensabereich bleibt im 1.Obergeschoss relativ wenig Nutzfläche übrig, der Betreuungsraum liegt etwas abseits, ansonsten sind hier nur Nebenräume und WC‘s untergebracht. Gut funktionieren dagegen das 2. und 3.Obergeschoss. Hier sind die clusterartigen Schulnutzungen sehr gut und flexibel untergebracht. Die Geschosse lassen sich jeweils in 2 Nutzungseinheiten mit eigener Fluchttreppe unterteilen und erfüllen dadurch gut die brandschutztechnischen Anforderungen. Die Clustermitten befinden sich an den beiden Enden der Raumspangen direkt an der Fassade und sind dadurch optimal belichtet. Positiv werden die südlich den beiden Schulgeschossen im 2. und 3.Geschoss vorgelagerten Loggien als offene Außenbereiche bewertet. Jedes Cluster erhält dadurch eine angemessene Außenfläche und gleichzeitig mit der 2. Fluchttreppe eine Verbindung in den Schulhof. Der angebotene Lichthof im Flurbereich der Cluster könnte noch zugunsten der offenen Flur- und Lernflächen der Cluster optimiert werden. Richtigerweise wird das Dach des Schulbaukörpers nicht als Außenfläche genutzt, der Erschließungsaufwand wäre angesichts des Flächengewinns bei diesem Entwurf doch zu groß. Die Arbeit liegt durch seine Kubatur mit seinen Kenndaten im wirtschaftlichen Bereich. Die geringe Kubatur bedingt jedoch einen großen Aufwand für die eingegrabene Sporthalle. Insgesamt stellt die Arbeit, insbesondere in ihrer Kompaktheit und den sich daraus ergebenden offenen

Verbindungen der Außenräume zum Schlosspark, einen guten Beitrag für eine Erweiterung des König- Katharina-Stift dar.
Modell

Modell

Lageplan

Lageplan

Innenperspektive

Innenperspektive

Schnitt

Schnitt