Nichtoffener Wettbewerb | 04/2026
Neubau 3-Feld-Sporthalle in Horb am Neckar
8
©Auer Weber / Visualisierung: Piotr Banak
ein 2. Preis
Preisgeld: 20.000 EUR
Architektur
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Schneck Schaal Braun Ingenieurgesellschaft Bauen
Tragwerksplanung
CAPE | climate architecture physics energy
Energieplanung
Erläuterungstext
Städtebau und Leitidee
Die neue Dreifeldsporthalle versteht sich als identitätsstiftender Baustein für den Schul- und Vereinssport in Horb am Neckar. Ziel des Entwurfs ist es, einen funktionalen, wirtschaftlichen und zugleich architektonisch prägnanten Baukörper zu schaffen, der sich sensibel in die topografische und städtebauliche Situation einfügt.
Der Neubau der Dreifeldsporthalle ist am östlichsten Rand des Baugrundstückes positioniert. Dadurch wird ein möglichst großes Entwicklungspotential für die gewünschte spätere Bebauung des Restgrundstückes gewährleistet. Er bildet einen Eckstein am Kreisverkehr „An den Kelternwiesen“ und markiert in seiner Präsenz den Übergang vom gegenüberliegenden, geplanten neuen Stadtquartier, dem angrenzenden Gewerbegebiet im Südwesten und der lockeren Wohnbebauung am Hang entlang der Ihlinger Straße.
Der Baukörper nimmt in seiner Ausrichtung die Koordinaten der Straße „An den Kelternwiesen“ auf. Dadurch entsteht eine Umlenkung in die Stadionstraße und eine Straßenraum-Aufweitung, die dem Eingangsbereich der Halle ein angemessenes Vorfeld verschafft. Der Haupteingang der Sporthalle liegt nahezu gleich weit entfernt von den beiden Schulen Martin-Gerbert-Gymnasium und der gewerblichen und hauswirtschaftlichen Schule im Westen. Der Eingang der Halle und die Zufahrt zu den Stellplätzen sind bewusst vom Kreisverkehr abgerückt, was der Verkehrssicherheit und einer möglichen Lärmbelästigung der Wohnbebauung durch an- und abfahrende Fahrzeuge zugutekommt.
Architektur und Erscheinungsbild
Der Baukörper der Sporthalle wird als klarer, ruhiger Solitär ausgebildet, der in die Hangsituation eingebunden ist. Er tritt zur Stadionstraße zweigeschossig und zur Ihlinger Straße eingeschossig in Erscheinung. An seiner Westseite lagert sich das eingeschossige Eingangsbauwerk mit dem Foyer und seinen Nebenräumen an, das zur Stadionstraße eine eindeutige Adresse ausbildet. Großzügige Verglasungen schaffen hier Transparenz und Einblicke in das sportliche Geschehen.
Die Ausführung als Holzkonstruktion ist in der Fassade klar ablesbar. Die geschlossenen Wände im Erdgeschoss und die Giebelwände sind mit einer rhythmisierten, lasierten Lärchenholzschalung bekleidet. Die oberen Bereiche der Hallenlängsseiten sind verglast und werden durch die regelmäßige Struktur im Raster vorgesetzter Lisenen gegliedert.
Äußere und innere Organisation
Der überdachte Eingangsbereich der Halle an der Stadionstraße liegt zentral und ist für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer leicht aufzufinden. Von hier aus führt eine Wegeverbindung zu den Außensportflächen, die sich oberhalb der hangseitigen Stützmauer befinden. Westlich des Parkplatzes - auf der Erweiterungsfläche des Baufeldes - wird ein Interims-Sportfeld vorgeschlagen.
Die Organisation der Halle folgt einer klaren funktionalen Trennung zwischen Sportbetrieb, Zuschauerbereich und Nebenräumen. Das Foyer bildet den repräsentativen Mittelpunkt des Gebäudes. Die transparente Fassade stärkt die öffentliche Wahrnehmung der Sportnutzung.
Über das Foyer werden die Zuschauertribünen auf kurzem Wege erschlossen. Diese sind, da der Veranstaltungsfall nur gelegentlich zum Tragen kommt, als Klapptribünen auf Hallenebene konzipiert, so dass die Halle bei Bedarf schnell vom reinen Sportbetrieb in eine Veranstaltungsarena (< 200 Personen) verwandelt werden kann. Die Dreifeldhalle ist durch mobile Trennvorhänge flexibel unterteilbar und erlaubt parallele Nutzungen durch Schul- und Vereinssport.
Beurteilung durch das Preisgericht
Ein klarer Baukörper, eine angemessene Körnung und die richtige Lage in der Umgebung.
Es zeigt sich ein Konzept, dass nahezu spielerisch und gekonnt mit der Einbindung in den Stadtraum umgeht. Die Adressbildung an der Stadionstraße ist eindeutig. Durch die simple Geste eines Vordachs auf der Südseite in Verbind mit dem sehr einladenden großzügigen eingeschossigen Westfoyer entsteht ein sehr flächensparender und gut dimensionierter Vorplatz. Die mit Bäumen bestandenen Stellplätze sind gut, kompakt und nachhaltig in die Freiflächenplanung integriert. Durch die Trennung von 100 m Laufbahn und Weitsprunganlage entstehen überall angemessene Grünräume und Abstände zu den umgebenden Verkehrsflächen. Die Freiräume kommen mit wenigen hangsichernden Mauern aus.
Genauso kompakt stellt sich der Baukörper selbst dar, der mit einer vorgeschlagenen Lärchenholzschalung, teilweisen Verglasungen mit vorgesetzten Lisenen und außenliegendem textilen Sonnenschutz eine dem Ort angemessene leichte Gebäudehülle gibt. kommen könnten.
Diese klare Ablesbarkeit von außen setzt sich im Inneren fort – beispielsweise mit der westlichen eingeschossigen Spange, dem Besprechungsbereich, Teeküche und Hausmeisterzimmer und dem Foyer zum kleinen Platz. Die hochklappbaren Tribünen auf der Eingangsebene sind gut nachvollziehbar und auf der Ebene der Teeküche generell richtig verortet. Es wird allerdings kontrovers diskutiert, ob die Besucher auf den Tribünen und damit auf der Spielebene zu schnell in ungewollten Ballkontakt kommen könnten.
Spieler:Innen und Zuschauer:Innen nutzen den gleichen Eingangsbereich über den Platz im Westen. Allerdings ist die Trennung in den Tribünenbereich nach Osten und den breiten Flur zu den Umkleiden nach Norden eindeutig und ausreichend dimensioniert, um Kollisionen zu vermeiden. Zusätzlich wollen die Verfasser:Innen einen weiteren Zugang von Nordosten als Nebeneingang für die Spieler. Die dort verortete Spielergalerie auf der kompletten Nordseite ruft unterschiedliche Stimmungen im Preisgericht hervor. Einerseits wird die Einsicht in die Halle von der Galerie aus sehr begrüßt, um als Spieler gleich Teil des Geschehens innerhalb der Halle zu werden. Anderseits wird die monetäre Notwendigkeit hinterfragt, wenn doch die Halle nach Norden eine Verglasung – auch zur Einsicht und zum Lichteintrag - erhält. Treppenaufgang und Aufzug im Nordwesten sind dafür ebenso notwendig.
Die Zweigleisigkeit einer Sportlergalerie und Tribüne wird aber als reizvoll angesehen.
Die kompakt angeordneten Umkleidebereiche und Geräteräume im Norden schieben sich unter die Freianlagen. Damit wird ein größtmöglicher Grünraum und ein kleinerer Fußabdruck des Baukörpers erzeugt. Die Belichtung der unter der Laufbahn liegenden Räume ist damit allerdings etwas eingeschränkt.
An der Stelle eines möglichen weiteren Baukörpers im Stadtgefüge wird interimsmäßig ein in den Hang eingebundenes Volleyballfeld angeboten, dass jederzeit rückbaubar wäre.
Mit einer geringen BGF und einem höheren Anteil an geschlossenen Holzfassaden zu den Glasfassaden liegt das Konzept in einem guten wirtschaftlichen Bereich.
Das Gesamtkonzept stellt einen sehr guten Beitrag hinsichtlich des Städtebaus, der Stadtgestaltung und der Freiraumnutzung dar. Die Lage von Tribüne und Sportgalerie bleibt jedoch fragwürdig.
©Auer Weber / Visualisierung: Piotr Banak
Lageplan
©Auer Weber
Grundriss EG
©Auer Weber
Grundriss OG
©Auer Weber
Nutzungen
©Auer Weber
Funktionsbereiche
©Auer Weber
Tragwerk
©Auer Weber