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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2019

Neubau 7-gruppiger Kindergarten mit Kinderkrippe und -hort in Furth

1. Preis

Preisgeld: 22.800 EUR

ama_architekturbĂŒro michael auerbacher

Architektur

lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

StÀdtebau
Der Entwurf greift die vorgefundene stĂ€dtebauliche Struktur ö entlicher GebĂ€ude mit in Ost- West-Richtung verlaufenden Baukörpern auf und schreibt diese fort : Zwei zueinander in Grundriss und Aufriss versetzte GebĂ€udeflĂŒgel fĂŒgen sich mit ihrer Höhenfolge in die bestehende Topographie ein. Der Neubau bindet mit einer Magistrale das bestehenden HortgebĂ€ude an, sodass eine Gesamtfigur mit drei FlĂŒgeln entsteht : Krippe, Kindergarten und Hort.
Mit der versetzten Anordnung der Baukörper entstehen eigenstĂ€ndige, den einzelnen Nutzungen zugeordnete FreirĂ€ume. VorplĂ€tze bieten separate ZugĂ€nge fĂŒr die verschiedenen Nutzungen. Die 2-geschossigen, aufgegliederten Baukörper scha en einen kleinteiligen und kindgerechten Maßstab.

Funktionen und rÀumliche Organisation
Die neuen Hortgruppen werden anstelle der derzeitigen Krippe im BestandsgebĂ€ude untergebracht. FĂŒr die Krippengruppen aus dem Bestand wird im Neubau Ersatz gescha en. Somit ist eine durchmischungsfreie Nutzungszuordnung fĂŒr Krippe, Kiga und Hort baukörperweise möglich.
Die einzelnen Bereiche sind fĂŒr sich eigenstĂ€ndig erschlossen und organisiert. Sie funktionieren als separate Nutzungseinheiten und sind jeweils fĂŒr sich abschließbar. Gleichermaßen sind sie Teil eines Ganzen mit kurzen inneren Wegen und wechselseitiger funktionaler VerknĂŒpfung. Die gemeinschaftlich genutzten RĂ€ume (Personal, Catering und MehrzweckrĂ€ume) liegen hierbei zentral an der Magistrale mit kurzer Anbindung zu Hort, Kiga und Krippe.
Es wird die Möglichkeit einer wettergeschĂŒtzten Anbindung der Schule an das Foyer des HortgebĂ€udes am nördlichen Ende der Magistrale aufgezeigt.
In den 3 GebĂ€udeteilen verteilen sich die jeweiligen Nutzungen auf 2 Ebenen. Die GruppenrĂ€ume verfĂŒgen ĂŒber direkten Außenzugang in die FreiflĂ€chen oder haben vorgelagerte großzĂŒgige Balkone. Die angebotenen Raumstrukturen sind flexibel nutzbar, alle HauptnutzflĂ€chen sind sĂŒdorientiert, die dienenden RĂ€ume liegen nach Norden. Die Flure werden aufgeweitet, es entstehen Spielzonen und informelle FreirĂ€ume. Oberlichten fĂŒhren Tageslicht in das GebĂ€udeinnere.
Es entstehen o ene, freundliche InnenrÀume mit guter Orientierbarkeit und hoher AufenthaltsqualitÀt. Die TechnikrÀume liegen in der Ebene -1.

Erschließung
Die Erschließung erfolgt in 2 Ebenen ĂŒber - den GebĂ€udezugĂ€ngen vorgelagerte verkehrsfreie Platzsituationen : Von SĂŒden ĂŒber die Klosterstrasse (Hauptzugang Krippe und Kiga) und ĂŒber den nördlichen bestehenden Parkplatz (Zugang Hort/ Personaleingang/ Andienung KĂŒche). Die VorplĂ€tze scha en ein angemessenes Entree fĂŒr die Zugangssituationen und bieten Raum fĂŒr Wartezonen, Begegnung und Kommunikation. Der bestehende nördliche Zugang des Bestandes (HortgebĂ€ude) wird beibehalten.
Zur Anfahrt und Abholung fĂŒr Krippe und Kindergarten wird eine Vorfahrt an der Klosterstraße angeboten. Dies scha t eine sichere Hol – und Bringsituation. FahrradstellplĂ€tze liegen an den VorplĂ€tzen in rĂ€umlicher NĂ€he zu den GebĂ€udeeingĂ€ngen. Die Ver – und Entsorgung der KĂŒche kann – entkoppelt vom Hauptzugang - mit kurzer Anbindung ĂŒber den bestehenden Parkplatz erfolgen.

Barrierefreiheit
Alle Ebenen des Neubaus sind schwellenlos gestaltet, ebenso die Verbindung zwischen Neubau und Bestand. Ein Aufzug im Neubau verbindet die Ebenen -1, +-0 und +1 barrierefrei. Ein Behinderten-WC ist in der Eingangsebene ausgewiesen. Die ZugÀnge zu den GebÀudeteilen Krippe, Kiga und Hort sowie die AusgÀnge zu den Freibereiche sind schwellenlos erreichbar.

FreiflÀchen
VorplĂ€tze und GĂ€rten prĂ€gen die FreiflĂ€chen. Ihre Zonierung scha t eine Trennung der Funktionen (ZugĂ€nge, Anlieferung, Parkierung, GĂ€rten usw.) und ermöglicht hohe Nutzungs – und AufenthaltsqualitĂ€ten fĂŒr die Außenanlagen.
Die mit der Situierung der Baukörper einhergehende Freiraumgliederung ermöglicht den jeweiligen Nutzungen Hort/ Kiga/ Krippe unmittelbar zugeordnete eigenstĂ€n-dige Freibereiche. Diese sind ausnahmslos sĂŒdorientiert.
Die Bespielung der FreiflĂ€chen ist durch zusammenhĂ€ngende RĂ€ume flexibel möglich - vom freien Bewegungsspiel, geschĂŒtzten RĂŒckzugsnischen, bis hin zum Lehrgarten. Überdachte Terrassen bieten Möglichkeit zum witterungsgeschĂŒtzten Aufenthalt im Freien. Die Topographie der bestehenden FreiflĂ€chen wird im Wesentlichen erhalten, ebenso der vorhandene Baumbestand, welcher vegetationsgerecht integriert und mit BlĂŒtenbĂ€umen ergĂ€nzt wird.
Im direkten Dialog mit der inneren Organisation entstehen o enen Spielwiesen mit altersgerecht ausgestatteten Spielboxen, die von den jeweiligen Gruppen individuell nutzbar sind. Ein Teil der FreiflĂ€chen des Kindergartens wird als Dachterrasse ĂŒber dem FlĂŒgel der Krippe höhengleich zu den GruppenrĂ€umen der oberen Ebene ausgewiesen.
Die Parkierung wird dezentral angeboten : SĂŒdliche entlang der Klosterstraße (Zufahrt von bzw. ĂŒber die Klosterstraße) und nördlich am bestehenden Parkplatz. Der bestehende Wendehammer wir zugunsten eines verkehrsfreien Vorplatzes neu organisiert. Ein Erweiterung des Stellplatzangebotes ist ĂŒber ein Nachverdichten der nördlichen Spange auf der oberen Terrasse möglich (Senkrechtparker statt LĂ€ngsparker). FahrradstellplĂ€tze werden eingangsnah ausgewiesen.

Hangsicherung/ AbstandsflÀchen
Die terrassierte EinfĂŒgung der Neubauten in die vorgefundene Topographie beschrĂ€nkt die Erfordernis fĂŒr Hangsicherungen auf das Nötigste. Aufwendige Tiefbaumaßnahmen werden durch die Adaption des bestehenden GelĂ€ndemodells nicht erforderlich.
Die AbstandsflĂ€chen zu den angrenzenden NachbargrundstĂŒcken werden eingehalten.

Energiekonzept/ Ökologie
FĂŒr das energetische Konzept zeigt der Entwurf Möglichkeiten zu nachhaltigen AnsĂ€tzen (Betonkerntemperierung, Niedertemperatursystem, LĂŒftung mit WĂ€rmerĂŒckgewinnung etc.) auf. Das VerhĂ€ltnis A/ V ist durch die kompakte GebĂ€udeform optimiert. Die GebĂ€udehĂŒlle wird hochwĂ€rmegedĂ€mmt und luftdicht ausgefĂŒhrt. Die SĂŒdorientierung der HauptnutzflĂ€chen ermöglicht die Nutzung solarer Gewinne. NebenrĂ€ume nach Norden dienen als Klimapu er. Auf den DachflĂ€chen ist eine sĂŒdorientierte PV-Anlage möglich.
FĂŒr die FreiflĂ€chen ist eine naturnahe Gestaltung der GĂ€rten sowie ein reduzierter Versiegelungsgrad der ParkierungsflĂ€chen vorgesehen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf greift die vorgefundene stĂ€dtebauliche Struktur sehr gut auf und schafft durch die in Ost/West-Richtung verlaufenden Baukörper ein harmonisches, sich aus dem Dorfzentrum fortsetzendes GefĂŒge. Die vom Rathaus kommenden Raumachsen werden vorteilhaft baulich freigehalten.
Die vorgeschlagene „Magistrale“ verbindet signifikant und funktional alle drei Einrichtungen Hort, Kindergarten und Krippe mit der Grund- und Mittelschule. Durch den GebĂ€udeversatz wird der entstehende Freiraum exzellent strukturiert. Die Anbindung an das bestehende HortgebĂ€ude gelingt den Verfassern auf hervorragende Weise. Durch den Versatz fĂŒgt sich das GebĂ€ude optimal in die Topographie ein.
Durch die einfache und ĂŒbersichtliche rĂ€umliche Zonierung der Nutzungen von Hort, Krippe und Kindergarten werden die Anforderungen des Wettbewerbs sehr gut erfĂŒllt. Kritisch wird die nicht vorhandene direkte Anbindung der KrippenrĂ€ume 3-6 an das GelĂ€nde beurteilt, welche jedoch durch den westlichen Zugang (Terrasse, TĂŒr) ermöglicht wird. Krippe 1+2 wird der Nutzungsanforderung unmittelbar gerecht. Die Kindergarten- und NebenrĂ€ume sind aufgelockert und logisch erschlossen und gestaltet. Es entsteht eine freundliche InnenraumatmosphĂ€re mit hoher AufenthaltsqualitĂ€t. Die zentrale Anordnung der FunktionsrĂ€ume fördert die Nutz- und Bespielbarkeit der Einrichtung. Auch die Erweiterungsmöglichkeit wird honoriert. Die unterschiedlichen Ebenen bzw. Nutzungen werden von gut proportionierten VorplĂ€tzen aus erschlossen. Die StellplĂ€tze sind oberirdisch angeordnet und den VorplĂ€tzen zugeordnet, eine kostengĂŒnstige und praktikable Lösung. Die 5 StellplĂ€tze im unĂŒbersichtlichen Kurvenbereich der Klosterstraße sind so nicht realisierbar, auch die Erschließung der StellplĂ€tze ĂŒber dem Gehweg ist zu hinterfragen. Die Freibereiche sind eindeutig und jeweils ebenerdig zu erreichen. Bei der Kinderkrippe wĂ€re eine stufenlose Verbindung vom OG zum unteren Spielbereich noch nachzuweisen.
Die innere Erschließung (Aufzug, Treppen) kann sehr wirtschaftlich und ansprechend realisiert werden. Die zweihĂŒftige Erschließung und die geplanten Oberlichte mit Sonnenschutzverglasung werden positiv bewertet. GĂ€nge sind aufgelockert und ansprechend gestaltet. Die vorgeschlagene Pfosten - Riegel - Konstruktion aus Holz zeichnet sich selbstverstĂ€ndlich nach außen ab und unterstreicht durch ihre MaterialitĂ€t den Holzbau und den Nachhaltigkeitsanspruch der Gemeinde. Die vorgelagerten Balkone in Holz spenden den notwendigen Schatten, welcher durch den integrierten außenliegenden Sonnenschutz fĂŒr den Innenraum optimal abgerundet wird. Leider fehlt ein Aufzug fĂŒr die barrierefreie Erschließung des gesamten BestandsgebĂ€udes (1. OG).
Durch die kompakte GebĂ€udeform ist das VerhĂ€ltnis AV sehr gut und verspricht eine wirtschaftliche Erstellung im Bau. Mit angemessenen Unterhaltskosten ist zu rechnen. Nebenbei wird die PV - Nutzungsmöglichkeit anerkannt. Insgesamt stellt der Entwurf einen hervorragenden Beitrag zum Wettbewerb dar und liefert ein wertvolles GebĂ€ude fĂŒr den lĂ€ndlichen Raum.