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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2025

Neubau Bartolomeo-Garelli-Schule in Bamberg

Hofansicht
8

Hofansicht

2. Preis

Preisgeld: 16.650 EUR

TRU ARCHITEKTEN

Architektur

Bauforum Berlin GmbH

Landschaftsarchitektur

WILLNER VISUALISIERUNG

Visualisierung

Ralf Pawlitzky

Modellbau

Erläuterungstext

Städtebauliche Entwurfsidee

Der Neubau der Bartolomeo-Garelli-Schule stellt einen wesentlichen Baustein für das zukünftige Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Maisel-Brauerei in Bamberg dar. Durch seine präzise Platzierung und die abgestufte Höhenentwicklung fügt sich das Gebäude harmonisch in die umgebende Stadtstruktur ein. Der dreigeschossige Baukörper an der Kloster-Langheim-Straße setzt den Blockrand der nördlichen Wohnbebauung fort, während sich das viergeschossige Volumen bewusst von der angrenzenden Bebauung des zukünftigen Wohnquartiers ablöst. So entsteht ein markanter und stadtbildprägender Abschluss nach Süden. Hier wird die Adresse der neuen Schule geschaffen, mit einem transparenten und repräsentativen Eingangsbereich, der als symbolische Geste der Offenheit das Schulensemble im Quartier verankert.
Durch die Platzierung des Schulgebäudes am südlichen Rand des Baufeldes entsteht die Möglichkeit, im inneren Bereich des Quartiers eine großzügige grüne Oase zu schaffen – ein Spiel- und Naturraum. Dieser Freiraum wird zum grünen Herzen des Ensembles, in dem Kinder im Schatten von Bäumen entdecken, gärtnern, kommunizieren und sich erholen können. Gerahmt wird dieses vor Lärm und Einblicken geschützte Areal durch eine umlaufende Pergola, die im Bereich des Gebäudes als Vordach ausgebildet wird und zusätzlichen Raum für Aktivitäten wie Tischtennis, Schaukeln oder Klettern bietet.
Räumliche Umsetzung des pädagogischen Konzepts

Der Schulneubau ist funktional und übersichtlich gegliedert: Der viergeschossige Baukörper im Süden umfasst die Hauptfunktionen der Schule sowie die Sporthalle, während der angrenzende dreigeschossige Baukörper Platz für die Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) im Erdgeschoss und die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) in den beiden Obergeschossen bietet.
Das großzügige Foyer im Erdgeschoss bildet das Zentrum der Anlage und dient als zentraler Eingangsbereich für alle Nutzer. Dieser multifunktionale Raum wird sowohl für Pausen als auch für schulinterne Veranstaltungen genutzt. Von hier aus eröffnet sich ein spannender Blick auf den grünen Innenhof, die Sporthalle und die angrenzenden Räume (z.B. Musikraum). Die Verwaltungsräume entlang der Außenwände ermöglichen eine Nähe zu den Nutzungsbereichen und zugleich eine klare Trennung. Die Schulvorbereitende Einrichtung im Erdgeschoss fördert den frühen Kontakt mit dem schulischen Umfeld und bietet direkten Zugang zur Pausenhalle sowie zu den Spiel- und Aktionsflächen des grünen Innenhofs.
Über ein transparentes Treppenhaus gelangen die Nutzer in die oberen Geschosse. Ein weiteres kleines Veranstaltungsfoyer verbindet hier die Schule mit der Heilpädagogischen Tagesstätte, wobei wichtige Sichtbeziehungen zwischen beiden Bereichen bestehen. Zudem bieten Einblicke in die Zirkuspädagogik-Manege zusätzliche Anreize für Interaktionen. Die Schule beherbergt im 1.OG die Räume der Klassenstufen 1-4. Die Unterrichtsbereiche werden in Form von Lernclustern organisiert. Diese Cluster bestehen aus allgemeinen Unterrichtsräumen, Differenzierungs- und Gruppenräumen sowie Sanitärbereichen, die um eine gemeinsame zentrale Mitte gruppiert sind. Diese flexible Raumstruktur ermöglicht vielseitige Nutzungsmöglichkeiten. Die zentrale Mitte fungiert im 1.OG beispielsweise als offene, multifunktionale Bühne, die in Wechselwirkung mit dem Mehrzweckraum ein zusätzliches Angebot für Begegnungen schafft. Eine offene Lernterrasse sorgt für natürliche Belichtung und Belüftung und bietet gleichzeitig Raum für das Lernen im Freien. Im 2. Obergeschoss befinden sich die Räume der Klassenstufen 5-9, die um einen zentral gelegenen IT-Raum organisiert sind, welcher als digitaler Lernmittelpunkt fungiert. Der IT-Raum ist als „Raum im Raum“ konzipiert und erhält Tageslicht über Glaswände sowie durch die angrenzende Lernterrasse. Das 3. Obergeschoss beherbergt die Fachräume sowie die Bibliothek, die durch ein zentrales Oberlicht und zwei Lernterrassen natürlich belichtet wird. Diese Terrassen schaffen nicht nur einen Bezug zum Außenraum, sondern bieten auch inspirierende Unterrichtsumgebungen und Rückzugsorte, etwa zum Lesen.
Außenräume

Die Außenräume bilden mit dem geplanten Quartiersplatz des Maisel Brauerei Geländes eine Platzkette entlang des neu geschaffenen, schulinternen Bartolomeo-Garelli Boulevards. Die Sequenz von drei Plätzen zieht sich von Nord nach Süd durch das Brauerei Gelände und verknüpft damit die bestehenden und neu geschaffenen Platzräume zu einer sinnfälligen Abfolge. Den ersten Raum der Platzkette bildet der nördliche Quartiersplatz mit Aufenthalt und Spiel. Der Boulevard bietet mit unterschiedlichen Spiel- und Grünintarsien Räume zur körperlichen Bewegung, sozialen Interaktion, Rückzug, Stille und taktil-kinästhetische Erfahrungen. Im Zentrum liegt der grüne Innenhof des Schulneubaus. Der Raum dient der freien Bewegung, dem erholsamen Aufenthalt, dem Naturerlebnis mit Barfußpfad und Schulgarten. In diesem Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum, was der Schule einen ganz besonderen naturnahen Charakter verleiht. Gezielte Sichtbeziehungen zur Sporthalle machen Sport zum festen Bestandteil des Schulalltags und stärken Teilhabe. Zudem bietet die Pergola ein flexibles System, welches Spielgeräte wie Schaukeln und Kletternetze aufnehmen kann, für Schatten sorgt und damit eine multifunktionale Bespielung des Raumes zulässt. Im Süden der Platzfolge liegt das Kleinspielfeld für Fußball, Volleyball, Basketball und freie Bewegungsspiele. Parallel zum Sportfeld wird eine 20m Laufbahn geschaffen, welche zusätzlich die körperliche Bewegung fördert. Damit wird der Dreiklang aus Sport und Bewegung, Grünraum und Aufenthalt sowie Spiel und Kommunikation gebildet.
Die gesamten Schulhofflächen werden minimal und barrierefrei gestaltet. Der seichte Höhenunterschied zwischen Schulhof und den angrenzenden Flächen wird im Bereich des Spielfeldes als tribünenartige Sitzstufen genutzt und im Bereich der Pergola als Schleppstufen.

Konstruktion, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit

Ein effizienter Bauprozess wird durch eine industrielle Bauweise mit hohem Vorfertigungsgrad realisiert. Mit Ausnahme der Treppenhauskerne wird in den Obergeschossen auf konventionelle Ortbetonbauweise verzichtet. Das Tragsystem basiert auf Holzstützen mit aufgelagerten Holz-Beton-Verbunddecken. Die vollständig elementierte Primärkonstruktion ermöglicht eine zügige Errichtung vor Ort. Selbsttragende Holzrahmenelemente definieren die Fassaden, ergänzt durch eine hinterlüftete Konstruktion mit Wärmedämmung, Konterlattung, Lattung und vorgehängten Holzelementen. Sie gewährleistet die Rückbau- und Recyclingfähigkeit. Der Baustoff Holz ermöglicht eine energie- und ressourcenschonende Konstruktionsstrategie. Als langfristiger CO2-Speicher kompensiert der Holzwerkstoff partiell den CO2-Fußabdruck der konstruktiv notwendigen Betonkomponenten. Die Holzhybridkonstruktion in Kombination mit naturbelassenen Ausbauwerkstoffen generiert ein herausragendes Raumklima. Dreifach-Wärmeschutzglas mit hohen Transmissionskoeffizienten für sichtbares Licht optimiert die Tageslichtqualität im Gebäude. Außenliegende Sonnenschutzbehänge fungieren als effiziente Barriere gegen unerwünschte solare Lasten während der Sommermonate. Dennoch gewährleistet im geöffneten Zustand das Sonnenschutzpaket eine uneingeschränkte Tageslichtnutzung. Die integrierten Terrassenbereiche bieten während Hitzeperioden Zugang zu verschatteten Außenräumen auf verschiedenen Etagen. Eine begrünte Pergola spendet sommerlichen Schatten und fördert das lokale Mikroklima. Die Sporthalle erhält im oberen Bereich eine verglaste Fassade für gleichmäßige natürliche Belichtung. Brettschichtholzträger bilden das Deckentragwerk. Des Weiteren werden die Dächer mit Photovoltaik, extensiver Begrünung und Retentionselementen versehen. Eine erhöhte Regenwasseraufnahme und eine gezielt verzögerte Abgabe des Niederschlagswassers können erfolgen. Die kompakte Gebäudegeometrie optimiert die Grundfläche und wirkt dem "Wärmeinseleffekt" entgegen. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Glasflächen, geschlossenen Fassadenbereichen und Fenstern mit Brüstung bildet die Basis für ein wirtschaftliches und nachhaltiges Gebäudekonzept mit minimierten Unterhalts- und Betriebskosten. Um den Lärmschutz zu verbessern sind keine Klassenräume nach Osten ausgerichtet und die vorgesehen Nebenräume und Treppenhäuser mit zusätzlicher Lärmschutzverglasung ausgestattet. Eine mechanische Lüftung ist in diesen Bereichen auch vorgesehen, um eine optimale Voraussetzung für die Lernatmosphäre zu schaffen.


Beurteilung durch das Preisgericht

Die städtebauliche Einbindung wirkt selbstverständlich und unaufdringlich. Das Bauliniengefüge wird berücksichtigt und eingehalten. Die Höhenentwicklung ist nicht bebauungs- plankonform. Die Viergeschossigkeit im südlichen Grundstücksbereich muss geprüft wer- den, scheint jedoch zustimmungsfähig. Die Höhenentwicklung nimmt die Nachbarbebauung im Anschluss von Norden auf, die dort vorgesehene Dreigeschossigkeit wird fortgeführt und springt dann nach Süden hin um ein Stockwerk nach oben. Das Nutzungskonzept wird als pädagogisch wertvoll beurteilt. Das pädagogische Konzept berücksichtigt diesbezüglich fast alle wesentlichen Vorgaben der Auslobung und setzt diese gut durchdacht um. Anerkennenswert ist die gute Anordnung von SVE im EG mit direktem Außenbezug. Die Situierung vom HPT im 1. und 2. OG ist nicht ideal. Der großzügige Luftraum der Manege im 1. OG wird als positiv beurteilt, eine Anordnung im EG wäre dennoch besser. Ein "Timeout"-Raum fehlt im 1.OG. Der Verwaltungstrakt im EG als Mittelflur, ähnlich einer Bürostruktur, ist zu überdenken. Der Wettbewerbsbeitrag weist eine einfache und gut unterteilte Fassadengestaltung (Holzlamellenfassade) auf. Es entsteht ein homogenes Gesamterscheinungsbild mit subtilen Materialdifferenzierungen. Die Holzschalung ist in homogener Farbigkeit und unterschiedlichen Oberflächenstrukturen (Horizontal- und Vertikalausrichtung) dargestellt. Die Fassadeneinteilung kann dabei jedoch kaum auf Raumerfordernisse reagieren. Hier ist die Struktur der Klassenzimmer relativ starr vorgeben. Die Situierung der Freianlagen folgt konsequent dem städtebaulichen Konzept und berücksichtigt die pädagogischen Anforderungen. Der mit einer Pergola umschlossene grüne Pausenhof lässt neben Naturerlebnissen und sensitiven Erfahrungen auch ruhige Rückzugsmöglichkeiten zu.

Die Sportflächen im Südwesten werden mit neuen Baumpflanzungen gut in die umgebenden Grünflächen eingebunden. Der offene Übergang der Pergola zur künftigen Wohnbebauung lässt Fragen bzgl. Schallschutz und direkter Sichtbeziehung offen. Das ausgewogene Verhältnis zwischen versiegelten und begrünten Flächen lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten. Die Erschließung ist zentral mit zwei separaten Zugangsmöglichkeiten für HPT und SVE vorgesehen. Es gibt eine unaufdringliche und gut erreichbare Horizontalerschließung über zwei Treppenhäuser. Die Barrierefreiheit ist mit nur einem Aufzug wirtschaftlich umgesetzt. Es gibt drei barrierefreie Sanitärbereiche, jeweils einer in jeder Etage. Die Verteilung von MZR, Unterricht, HPT, SVE, Sport und Lehrerbereich ist schlüssig und wird seitens der Schulleitungen für gut beurteilt.

Der Schallschutz ist im Bereich EG Pergola zum Wohnhof im Norden zu prüfen und ggf. zu optimieren. Die Verortung der Klassenräume im Wesentlichen auf die Nord-/Süd- und Westseiten bietet eine ausgewogene Grundlage die sommerlichen Wärmeeinträge zu reduzieren, bzw. zu minimieren. Der sommerliche Wärmeschutz ist v.a. nach Süden hin dennoch nicht ideal, gerade da sieben Unterrichtsräume nach Süden orientiert sind. Hier sind großflächige, robuste Verschattungselemente vorzusehen. Die gleichmäßigen Bandfassaden zu den Haupträumen ermöglichen eine gleichmäßige Tageslichtversorgung. Eine Kunstbelichtung ist wie bei Schulgebäuden üblich trotzdem vorzuhalten. Das bedarfsgeführte hybride Lüftungskonzept in den Klassenräumen in Kombination mit den Schallschutzelemente entspricht den Grundvorgaben an die Klassen- räume. Das Materialkonzept sowie die energetische Konzeption der Aufbauten zeigen bezüglich des Kriteriums Ressourcen und Energie eine ausgewogene Ausarbeitung. Der Entwurf zeigt eine durchschnittliche Flächeneffizienz. Ebenfalls liegt die Auswertung der BRI/BGF im Mittelwert der eingereichten Entwürfe. Insgesamt ist mit durchschnittlichen Baukosten zu rechnen. Die kompakte Bauform lässt auf durchschnittliche Lebenszyklus- kosten schließen. Bei dem Entwurf wird konstruktiv eine kompakte vertikale Tragstruktur in Ortbeton vorgesehen. Die Decken sind als Holz-Beton-Verbunddecken geplant. Diese sowie die Fassadenelemente können vorgefertigt werden und in kurzer Vorort Montagezeit eingebaut wer- den. Insgesamt stellt die Arbeit einen guten Beitrag für den Neubau der Bartolomeo-Garelli- Schule dar.
Außenansicht

Außenansicht

Lageplan

Lageplan

Grundriss Piktogramme

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Städtebau

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Konstruktion

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Ansichten

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Schnitte

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