Einladungswettbewerb in Anlehnung an RPW 2013 und HOAI 2021 | 11/2024
Neubau Begegnungsstätte St. Wolfgang in Ellwangen
6
©KAMM ARCHITEKTEN
2. Preis
Kamm Architekten BDA, Kalliopi Gkeka, Stefan Kamm
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Benjamin Feller, Anne Silberzahn, Franca Johanna Poos, Lkhagvamaa Batkholboo
Schuler und Winz Landschaftsarchitekten
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
Die neue Begegnungsstätte tritt mit ihrer Positionierung in Dialog zur Kirche St. Wolfgang und stellt eine unverkennbare Adresse dar: Der dreiecksförmige "Pavillon" setzt einen prägnanten Akzent. Gleichzeitig hat die Sonderform den großen Vorteil, dass die Außenkanten vom Straßenraum der Friedhofstraße zurücktreten und Sichtbeziehungen zur Kirche von drei Seiten offen bleiben. Das Dach erhält eine flache Überwalmung und fügt sich in die Umgebung ein. Im öffentlichen Raum platziert sich der Neubau nach Norden in Verlängerung der Häuser an der Wolfgangstraße. Der neu entstandene Raum zwischen Kirche mit Nordausgang und Begegnungsstätte wird zum Dreh- und Angelpunkt und Kommunikationsort für Gemeinde und Besucher.
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebau
Der Entwurf stellt ein dreiecksförmiges Gebäude im Norden des Kirchenbaukörpers St. Wolfgang prominent in den bisherigen Freiraum zwischen Wolfgangstraße, Friedhofstraße und Bundesstraße. Die Schenkel des Dreiecks nehmen gut nachvollziehbare Raumbezüge zur Umgebung auf und bilden sinnvolle Raumkanten – nach Nordosten als Umlenkung der Wolfgangstraße in die Friedhofstraße, im Nordwesten als Parallele zum Kirchenschiff.
Im Zwischenraum von Kirche und Begegnungsstätte entsteht so ein hervorragend nutzbares Entrée in die Begegnungsstätte und ein unverwechselbarer öffentlicher Raum, der die Außenfassade der Kirche als identitätsstiftende Raumbegrenzung nutzt. Es ist gut vorstellbar, dass Kirchenbesucher hier verweilen, bevor sie die Begegnungsstätte besuchen.
Die Abgrenzung des Vorplatzes zur Parkplatzdurchfahrt erscheint ungeklärt, ebenso der Übergang zur Friedhofserschließung. Es muss mit dem Landesamt für Denkmalpflege geklärt werden, ob das auskragende Vordach zur Kirche hin mit den Zielsetzungen des Denkmalschutzes vereinbar ist. Durch die Lage des Vorbereichs ist in gewissen Jahreszeiten eine dauerhafte Verschattung zu erwarten.
Erschließung / PKW
Richtigerweise wird die Zufahrt zu den PKW-Stellplätzen an der Nordseite vorgesehen. Es wird bezweifelt, dass die Lage der Zufahrt unmittelbar an der östlichen Gebäudeseite unter Beibehaltung der Stellplätze des Rondells verkehrstechnisch reibungslos funktioniert. Die Anordnung der weiteren Stellplätze parallel zur Bundesstraße erscheint machbar.
Gebäude
Besucher betreten das Gebäude über einen überdachten Vorbereich in ein angemessen dimensioniertes Foyer. Der überdachte Vorbereich bildet eine vielfältig nutzbare Pufferzone zwischen Vorplatz und Gebäude. Saal/Gruppenraum und Jugendraum sind leicht auffindbar rechts und links angeordnet. Die Flexibilität der Nutzung ist hervorragend gewährleistet.
Sehr wohltuend sind die Außenraumbezüge zu Eingang und Kirche auf den öffentlichen Zugangsbereichen. Besonders attraktiv wird die zusätzliche Ausrichtung zum Friedhof gewertet. Für Besucher ist die aktuelle Nutzung verständlich nachvollziehbar.
Der Jugendraum erhält durch die bodentiefen Verglasungen unmittelbaren Anschluss in den Außenraum. Die Nebenräume sind gut positioniert. Die Anlieferung der Küche ist leicht unabhängig vom Foyer gewährleistet. Die Toilettenanlagen können auch von außen genutzt werden. Wünschenswert wäre eine direkte Zugänglichkeit des Stuhllagers von Seiten des Foyers.
Konstruktion
Brettschichtholzträger, die in einem parallelen Raster über das komplette Gebäude verlegt werden, bilden die Primärkonstruktion des Daches. Durch das leichte Gefälle des Daches in der Längsachse des Gebäudes entstehen unterschiedliche Trägerhöhen, die der statischen Beanspruchung entsprechen.
Die Wände sind als Holzständerwände mit Holzfaserdämmung und außenseitiger hinterlüfteter Holzfassade konstruiert. Einzelne vertikale Holzlamellen werden unmittelbar vor die Verglasungen der Veranstaltungsräume in der Art eines Vorhangs gestellt. Sie wirken als Raumfilter und gewährleisten gleichzeitig Ausblick und Diskretion.
Die Konstruktion scheint dem Gebäudekörper und den Dimensionen angemessen. Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit wird das Projekt positiv bewertet, der BRI liegt unterhalb des Medians der eingereichten Arbeiten. Hinsichtlich der Verkehrsflächen ist es eine sehr günstige Arbeit.
Mit einer überraschenden Grundrisskonfiguration schafft es die Arbeit, eine bescheidene und doch selbstbewusste Lösung für die Begegnungsstätte St. Wolfgang anzubieten.
©KAMM ARCHITEKTEN
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