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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2018

Neubau Besucherzentrum am Brecht-Weigel-Haus in Buckow (MĂ€rkische Schweiz)

Innenraum (Mehrzweckhalle)

Innenraum (Mehrzweckhalle)

3. Preis

JORDAN BALZER SCHUBERT Architekten BDA

Architektur

ArchitekturbĂŒro Hauswald

Architektur

QUERFELDEINS Landschaft | StÀdtebau | Architektur PartGmbB

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Auszug aus dem ErlÀuterungsbericht

Vorwort (Architektonisches Konzept)

In der Auseinandersetzung mit der Lyrik des Bertolt Brecht fasziniert als durchgĂ€ngiges Stilmerkmal sein Ringen um die Klarheit des Ausdrucks, die Vermeidung des Undeutlichen, TrĂ€umerischen und Expressiven, was zur einzigartigen Lakonie seiner Gedichte fĂŒhrt. Dieses Ringen um eine geistige Ordnung war in der Zeit seines Wirkens auch das Wesensmerkmal der baulichen Moderne, besonders verkörpert durch Mies van der Rohe. So muss auch die bauliche ErgĂ€nzung auf dem GrundstĂŒck des Brecht-Weigel-Hauses einem klaren, puristischen Ansatz verpflichtet sein, der selbst erklĂ€rend ist und der Landschaft ihre PrĂ€senz lĂ€sst.
Der Saal lĂ€sst durch die großflĂ€chige Verglasung den Landschaftsraum mit dem Lyrischen Garten und dem Brecht-Weigel-Haus ins Innere wirken. Die „geborgte Landschaft“ erlaubt es, den eigentlichen Raum gestalterisch so zu reduzieren, dass allein der unverwechselbare Blick den Geist des Ortes prĂ€gt. Die VorhĂ€nge erinnern nicht nur an „Miesianische“ Architekturen und das Werk von Lilly Reich, sondern auch an das Epische Theater von Brecht. Hier wird der Ort selbst zum Ereignis!

1.) StĂ€dtebauliche Einordnung und Erschließung

Das GebÀude gliedert sich in drei Funktionsbereichen: Funktionsbaukörper, Eingangsraum und Saal mit Orientierung zum lyrischen Garten.
Das neue, pavillonartige EingangsgebĂ€ude fĂŒr das Brecht-Weigel-Haus ermöglicht zum einen die didaktische und museale PrĂ€sentation der Geschichte als Einstimmung in den „Literarischen Ort“ und zum anderen einen neuen Hauptzugang zum Gesamtareal. Die OptionsflĂ€che sehen wir als essentiell, um den vorhandenen Baumbestand im Kronenbereich zu schĂŒtzen und ausschließlich den Saal im Gesamtareal so zu prĂ€sentieren, dass eine spannungsvolle stĂ€dtebauliche Ordnung freistehender Bauten im Park entsteht.
Die gesamten Nebenfunktionen und die BĂŒros werden im hinteren Baukörper angeordnet und, vom Brecht-Weigel-Haus gesehen, hinter dem glĂ€sernen Saal versteckt. Durch die leichte VerschrĂ€nkung der Baukörper entsteht so eine klar erkennbare Eingangssituation zwischen Saal und Versorgungsbereich und das GebĂ€ude wirkt gegenĂŒber dem HauptgebĂ€ude kleiner.

Beurteilung durch das Preisgericht

Es handelt sich bei dem Entwurf um eine ruhige, ausgewogene und klare Anlage, die sich gegenĂŒber dem Atelierhaus sehr zurĂŒcknimmt. Die Grundrissstruktur setzt sich aus zwei quadratischen Baukörpern zusammen, dem Funktion- und Saalbau, den ein kleiner quadratischer Foyerbau verbindet. Der Saalbau, das höchste GebĂ€ude, konzentriert sich mit seiner Nordfassade auf den Garten mit Atelierhaus. Der Saal, ein lichter U-förmiger verglaster Bau, schafft es, den Garten und das Atelierhaus in den Raum zu holen und es entsteht ein Licht durchfluteter Raumeindruck (Nachteil Raumklima/Sonne). Das Foyer - der kleinste Baukörper - erschließt sich von der Straße. Durch die unklare Gliederung des Eingangs- und Ausgangsbereichs entsteht ein Problem bezĂŒglich der Einlasskontrolle, das unbedingt geklĂ€rt werden muss. Das Foyer beherbergt den Museumsshop hinter dem sich sehr eng und unzugĂ€nglich der gastronomische Versorgungsbereich befindet. Da dieses GebĂ€ude beidseitig belichtet wird, sollte diese Situation klarer gegliedert werden, auch im Hinblick auf den rĂŒckwĂ€rtigen Gartenaustritt. Der um die Attika gegenĂŒber dem Foyer erhöhte Funktionsbau ist im Grundriss dreigeteilt: dem mittig liegenden Flur, der westlich befindlichen Nassraumachse und dem östlichen Verwaltungstrakt mit BĂŒro, Lager, Archiv.
Die Fassaden gliedern sich klar in geöffnete und geschlossene FlÀchen, proportional ausgewogen gestaltet. Jedoch sollte die östliche Fassade des FunktionsgebÀudes geschlossen sein um die Eingangssituation im VerhÀltnis zur Saalfassade zu steigern. Im Materialkanon der vorgefundenen Situation wirken die naturgraufarbenen Faserzentplatten recht fremd.
Der Entwurf fĂŒllt das vorgegebene Optionsfeld und wird den sonstigen Vorgaben der Auslobung gerecht.
Lageplan

Lageplan

Außenraum (Blick vom Brecht-Weigel-Haus)

Außenraum (Blick vom Brecht-Weigel-Haus)

Lageplan (Einordnung und Freiraum)

Lageplan (Einordnung und Freiraum)