Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025
Neubau Besuchsinformationszentrum und Seminargebäude der Gedenkstätte Sachsenhausen
6
Perspektive Foyer, Vorplatz, Zugang Gedenkstätte
©Lankes Koengeter, LA.BAR, Visualisierung: Moriet & Brro
1. Preis
Preisgeld: 30.000 EUR
Architektur
Visualisierung
Erläuterungstext
Neugestaltung der Gedenkstätte: Erinnerung sichtbar machen
Die Gedenkstätte ist ein Ort, an dem sich zeitliche, räumliche und erinnerungskulturelle Ebenen überlagern. Sie dient als Informations- und Erfahrungsraum für ein vielfältiges Publikum. Der schützenswerte Naturraum wird bewusst in einen Dialog mit den Spuren der Vergangenheit gesetzt – sichtbar gemacht durch zurückhaltende, gestalterische Eingriffe, die die Authentizität des Ortes wahren.
Erweiterung und neue Vermittlungsräume
Mit dem neuen Besucherinformationszentrum (BIZ) wird die Gedenkstätte erstmals räumlich auf das Gelände des ehemaligen SS-Truppenlagers ausgeweitet. Ziel ist es, diesen lange ausgeblendeten Täterraum kognitiv wie emotional erschließbar zu machen. Das neue BIZ fungiert als zentrale Anlaufstelle für Information und Orientierung – bewusst gegenüber dem historischen Zugang zum Häftlingslager positioniert.
Markierungen, die erinnern – ohne zu rekonstruieren
Die historischen Lagergrenzen werden durch Sichtbetonscheiben, Betonbänder und Informationsstelen markiert. Sie orientieren sich in Höhe und Rhythmus am historischen Vorbild, machen die Enge der Lagerstraße erfahrbar und schaffen Orientierung. „Erkundungsfenster“ eröffnen gezielte Einblicke in das Gelände des ehemaligen SS-Truppenlagers.
Gestaltung im Spannungsfeld von Geschichte und Gegenwart
Der neue Platz rund um das BIZ wird durch einen sandfarbenen Belag als historische Schicht lesbar gemacht. Ein Wechsel des Bodenmaterials markiert Übergänge, etwa zum ehemaligen SS-Wirtschaftsgebäude, das durch landschaftliche und architektonische Mittel sichtbar, aber nicht zugänglich gemacht wird. Die Architektur des Neubaus fügt sich sensibel in das Gelände ein, bricht die Symmetrie der Lagerstruktur bewusst auf und öffnet sich einladend dem heutigen Besucherweg. Ein begleitendes Vegetationskonzept aus heimischen und klimaresilienten Arten bildet einen grünen Saum – als Kontrapunkt zur steinernen Geschichte.
Zurückhaltende Lichtführung, gezielte Information
Das Lichtkonzept setzt auf in die Gestaltung integrierte Leuchtelemente, die Ausstellung und Wegführung dezent akzentuieren. Wettergeschützte Treffpunkte für Gruppenführungen sowie Sitzgelegenheiten bieten Raum für erste Informationen, Sammlung und Austausch. Auch der Cafébereich ist behutsam in das Ensemble eingebunden.
Die Gedenkstätte ist ein Ort, an dem sich zeitliche, räumliche und erinnerungskulturelle Ebenen überlagern. Sie dient als Informations- und Erfahrungsraum für ein vielfältiges Publikum. Der schützenswerte Naturraum wird bewusst in einen Dialog mit den Spuren der Vergangenheit gesetzt – sichtbar gemacht durch zurückhaltende, gestalterische Eingriffe, die die Authentizität des Ortes wahren.
Erweiterung und neue Vermittlungsräume
Mit dem neuen Besucherinformationszentrum (BIZ) wird die Gedenkstätte erstmals räumlich auf das Gelände des ehemaligen SS-Truppenlagers ausgeweitet. Ziel ist es, diesen lange ausgeblendeten Täterraum kognitiv wie emotional erschließbar zu machen. Das neue BIZ fungiert als zentrale Anlaufstelle für Information und Orientierung – bewusst gegenüber dem historischen Zugang zum Häftlingslager positioniert.
Markierungen, die erinnern – ohne zu rekonstruieren
Die historischen Lagergrenzen werden durch Sichtbetonscheiben, Betonbänder und Informationsstelen markiert. Sie orientieren sich in Höhe und Rhythmus am historischen Vorbild, machen die Enge der Lagerstraße erfahrbar und schaffen Orientierung. „Erkundungsfenster“ eröffnen gezielte Einblicke in das Gelände des ehemaligen SS-Truppenlagers.
Gestaltung im Spannungsfeld von Geschichte und Gegenwart
Der neue Platz rund um das BIZ wird durch einen sandfarbenen Belag als historische Schicht lesbar gemacht. Ein Wechsel des Bodenmaterials markiert Übergänge, etwa zum ehemaligen SS-Wirtschaftsgebäude, das durch landschaftliche und architektonische Mittel sichtbar, aber nicht zugänglich gemacht wird. Die Architektur des Neubaus fügt sich sensibel in das Gelände ein, bricht die Symmetrie der Lagerstruktur bewusst auf und öffnet sich einladend dem heutigen Besucherweg. Ein begleitendes Vegetationskonzept aus heimischen und klimaresilienten Arten bildet einen grünen Saum – als Kontrapunkt zur steinernen Geschichte.
Zurückhaltende Lichtführung, gezielte Information
Das Lichtkonzept setzt auf in die Gestaltung integrierte Leuchtelemente, die Ausstellung und Wegführung dezent akzentuieren. Wettergeschützte Treffpunkte für Gruppenführungen sowie Sitzgelegenheiten bieten Raum für erste Informationen, Sammlung und Austausch. Auch der Cafébereich ist behutsam in das Ensemble eingebunden.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Arbeit gelingt es auf einfachste Weise die komplexe Aufgabenstellung zu lösen. Ein gut gesetzter solitärer zweigeschossiger Kubus nordöstlich des ehemaligen SS-Wirtschaftsgebäudes (Kasino) nimmt sowohl das Raumprogramm das Besucherzentrums als auch das des Seminargebäudes auf. Der Solitär bildet zusammen mit dem Casino einen klar definierten Vorplatz, der auch als städtebaulicher Umlenkpunkt für das Lagergelände hervorragend dient. Für den Ankommenden aus westlicher Richtung entsteht ein angemessener räumlicher Abschuss der im Sinne der Lesbarkeit und der Wegeführung eine gute Orientierung leistet. Die gewählte Gebäudetypologie - der Kubus - entzieht sich gekonnt der schwierigen formalen Diskussion um Axialität in der Gesamtanlage und Parallelität zum Wirtschaftsgebäude, die zwangsläufig durch 2 Gebäude entstehen würde. Eine leichte Verdrehung innerhalb des Gebäudes verweigert sich subtil aber sicher der vorherrschenden Lagergeometrie und wirkt zugleich als einladende Geste. Der weitere Umgang mit dem Wirtschaftsgebäude bleibt offen und zukünftigen Diskussion vorbehalten. Gleichwohl erscheint eine aktive Auseinandersetzung mit dem ehemaliges SS-Wirtschaftsgebäudes (Kasino) als dringend geboten.
Auch die Außenanlage überzeugt durch eine Reihe von Entwurfsmaßnahmen. So wird die historische Enge der Lagerstraße thematisiert, ein überzeugender Ort für die Modelle gefunden, das Casinogebäude als nicht betretbarer TäterOrt behandelt und ein südlich des Solitärs gelegener Baumhain als gut nutzbarer Außenbereich entwickelt. Durch die Verdrehung von Fassade zu innerem Baukörper entstehen im Erdgeschoß ein angemessener Übergang zwischen Innen und Außen.
Die Lage des Haupteingangs entspricht einer natürlichen Bewegungslinie. Der Eingangsbereich wird übersichtlich und großzügig präsentiert. Die Lage von Info/Ankunft und Buchverkauf muss noch in direkterer Beziehung gebracht, die Zuordnung von Arbeitsplätzen verbessert werden. Die Lage der Cafeteria mit seinem angeschlossenen Außenbereich ist gut gewählt. Die Größe des Gebäudekerns, die Anordnung von notwendiger Erschließung und die Funktionsflächen lassen eine hohe Flexibilität und Variabilität erwarten.
Die inneren Erschließungsflächen im ersten OG sind sehr knapp bemessen. Die Technikflächen sind nicht erkennbar. Ein Teilunterkellerung zur weiteren Entspannung der beengten Raumverhältnisse wäre zu prüfen sowie die Vorgabe die Arbeitsplätze in Einzelbüros anzulegen.
Eine funktionierende Anlieferung ist nicht dargestellt. Die hierfür in Frage kommenden Nebenräume sind zu klein bemessen.
Die Fassade besteht aus weißem Dämmbeton mit einer davor liegenden verdrehten Fassade aus liegenden Aluminiumlamellen. Diese Anordnung lässt in Verbindung mit dem geschlossenen Dach über dem Zwischenraum und der vorgeschlagenen Bauteilaktivierung gute klimatische Verhältnisse im Gebäude erwarten. Das Dach sollte begrünt ausgeführt werden.
Durch die gewählte kompakte Form, das gute Verhältnis von Außenfläche zu Volumen, sowie der Verzicht der Teilung in zwei Baukörper ergibt sich eine Wirtschaftlichkeit in der Erstellung und im Betrieb des Gebäudes.
Insgesamt besticht die Arbeit durch eine eigenständige wie zielführende Interpretation der Aufgabenstellung. Die gewählte Architektursprache ist zeitgemäß, im baulichen Kontext angenehm abstrakt und verfügt über eigene starke Ausdrucksmittel.
Perspektive Lagerstraße, Vorplatz, BIZ
©Lankes Koengeter, LA.BAR, Visualisierung: Moriet & Brro
Lageplan 1:500
©LA.BAR, Lankes Koengeter
Grundriss Erdgeschoss 1:200
©LA.BAR, Lankes Koengeter
Ansicht von der Lagerstraße 1:200
©Lankes Koengeter, LA.BAR
Befreite Häftlinge auf der Lagerstraße, Juni 1945, Erläuterungen, Piktos
©Staatsarchiv Prag, Lankes Koengeter, LA.BAR