modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025

Neubau BG Klinikum Hamburg

Neubau BG Klinikum Hamburg - Perspektive Haupteingang
2

Neubau BG Klinikum Hamburg - Perspektive Haupteingang

ein 2. Preis

Nickl & Partner

Architektur

Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Stadtplaner GmbH

Landschaftsarchitektur

Horn + Horn Ingenieurbüro für Bauwesen

Tragwerksplanung

Potthoff GmbH

TGA-Fachplanung

nees Ingenieure GmbH

Brandschutzplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Städtebau und Struktur
Der Entwurf verortet sich mit einer klaren geometrischen Baukörperformation parallel zur Bergedorfer Straße und versucht hier eine einladende Geste und Adresse durch die Positionierung des Haupteingangs zu schaffen. Die Gebäudehöhen sind im städtebaulichen Kontext verträglich ausgebildet, der Sockel mit dem auskragenden Dach vermittelt maßstäblich zur Bergedorfer Straße und die Vor- und Rücksprünge der aufgehenden Hofhäuser und ihrer Verbindungsgänge erzeugen hier ein relativ differenziertes Bild des Gesamtensembles. In Richtung Süden zum Klinik-Park wird der Sockel dreigeschossig in leicht geschwungener Form abgestaffelt und gestalterisch sinnvoll topografisch integriert.
Die gesamte Grundrissorganisation orientiert sich an dem tragfähigen Konzept der Ausbildung eines „Backbones“ im Norden für die Ver- und Entsorgung / Logistik / Erschließung für das Personal und einer parallel dazu laufenden „Magistrale“ im südlichen Sockelbereich für die Zirkulation der Patienten. In den aufgehenden Hofhäusern kommen analog die Patienten im Südteil an und das Personal nutzt das nördliche Backbone, das die Häuser auch je Regelgeschoss verbindet. Es wird kritisiert, dass die Organisation der Logistik ausgehend vom Backbone Querungssituationen im gesamten Sockelbereich erzeugen, die sich störend auf die Zirkulation im Therapiebereich etc. auswirken.
Die Andienung des Sockels funktioniert grundsätzlich: LKV und Selbsteinweiser kommen separiert über die Westfassade ins Gebäude. Darunter befindet sich der Wirtschaftshof zur Andienung des Versorgungstraktes im 1. UG. Der Ausbildungs-, Lehr- und Forschungstrakt im EG im Osten des Ensembles wird über einen separaten Eingang über die Ostfassade erschlossen.
Der Haupteingang inszeniert die Lage am Geesthang; in Nord-Süd-Richtung durch den Sockelbereich durchgesteckt, zweigeschossig ausgebildet macht er den Landschaftsblick erlebbar und stellt die direkte Verbindung zum Klinikpark und zum Therapiebereich im 1. UG her.
Die Verortung des Therapiebereichs im 1. UG wird positiv bewertet in Bezug auf den gut genutzten Freiraumbezug (TOR-Bereiche) und die Separierung von den „Akut-Bereichen“. In der Tiefe des Sockels entstehen hier allerdings auch einige schlecht oder nicht mit Tageslicht versorgte Räume, die teils so nicht nutzbar sind.
Die vertikal organisierte Schiene im Westbereich des Ensemble erscheint sinnvoll kombiniert mit ZNA im EG, darüber liegendem OP-Bereich im 1. OG und Heli-Landeplatz auf dem Dach. (Dieser muss an die Anforderungen der Fachplanung angepasst werden). Der OP-Bereich weist erhebliche funktionale Mängel wie fehlende Schleusen, Dunkelbereiche und lange Wege auf, die grundlegend überarbeitet werden müssen.
Die Organisation der funktionalen Einheiten (QZ/NZ etc.) jeweils auf einer Ebene in den Obergeschossen der Hofhäuser hat Vorteile, erzeugt jedoch durch die Unterbringung in den Einzelgebäude auch lange Wege; die alternative Stapelung wäre im Entwurf umsetzbar und könnte geprüft werden.
Die geforderte Baumasse wird als Reaktion auf die bebaubaren Flächen des Grundstücks (Restriktion u.a. Bestandsgebäude) in einem sehr kompakten Baukörper organisiert. Ein Teil der Technikflächen wird aus dem Gebäudekomplex ausgelagert als Energie-Park im östlichen Freiraum organisiert. Der Kompaktheit geschuldet ist die Barrierefreiheit der Patientenzimmer noch nicht vollumfänglich gegeben, dies ist durch Überarbeitung nachzuweisen. Lage und Ausrichtung der Patientenzimmer wird positiv bewertet, da eine gute Aufenthaltsqualität entsteht (ggf. Balkon/Freisitz integrieren?).
Der Entwurf zeichnet sich durch eine grundlegend tragfähige Gebäudeformation aus, die durch ihre Kompaktheit und Positionierung parallel zur Bergedorfer Straße dem Klinik-Park großzügig Flächen verschafft und die durch eine klare Erschließungs- und Grundrissorganisation strukturiert wird. Positiv hervorzuheben sind zudem die Adressierung der Bergedorfer Straße (B5) und die guten Verbindungen zwischen Innen- und Außenraum im südlichen Sockelbereich, die die freiräumlichen Qualitäten des Areals angemessen berücksichtigen.

Freiraumplanung
Die Arbeit konzentriert die Baumassen entlang der Bergedorfer Straße und schafft so einen großzügigen Landschaftsraum in Richtung Geestkante. Der neue Klinikstandort wird insgesamt gut in die Landschaft eingebunden – sowohl die vorhandene Topografie wird berücksichtigt als auch Rundwege für die Kliniknutzenden vorgesehen.
Der Hauptgang an der Bergedorfer Straße ist zwar im Sinne der Adressbildung und Auffindbarkeit nachvollziehbar positioniert, jedoch ist die Fläche dort eng und es ist fraglich, ob hier eine einladende Geste mit ausreichend Luft für das Ankommen von mobilitätseingeschränkten Personen realisiert werden kann.
Die Zufahrt für Rettungsdienst und Anlieferung von Westen erscheint plausibel.
Intensiv gestaltete Bereiche im Außenraum gliedern sich größtenteils an die terrassierte Sockelzone südlich des Gebäudes an und sind auf kurzem Wege erreichbar. Es ist allerdings fraglich, ob die angebotenen Flächen für Aufenthalt, Nutzung und auch die TOR-Flächen nebst Werkhof groß genug bzw. vorhanden sind.
Die terrassierte Geländegestaltung bietet die Chance, trotz der Hanglage ebene, nutzbare Freiräume zu schaffen. Allerdings zieht die großräumige Ummodellierung des Geländes einen starken Eingriff in den Naturraum, insbesondere den Wald, nach sich. Insgesamt erscheint die Freianlage sehr stark baulich überformt zu sein und zieht sich weit in den Naturraum der Geestkante hinein.
Das für das Grundstück zwingend erforderliche Entwässerungskonzept ist nicht nachvollziehbar und muss im Rahmen der weiteren Bearbeitung dargestellt werden. Gleiches gilt für zu erwartende Starkregenereignisse und überzeugende Vorschläge für den Umgang mit Auswirkungen des Klimawandels.
Überarbeitungshinweise:
Die Lage und Ausdehnung des Haupteingangsbereiches sind im Hinblick auf die Nutzbarkeit, aber auch auf die Schaffung einer großzügigen, einladenden Geste zu prüfen und ggf. zu überarbeiten.
Im parkartigen Freiraum sind für die Nutzung als Klinikpark mehr, größere und differenziertere Angebote vorzusehen. Hier sind explizit auch die TOR-Bereiche sowie die Notwendigkeit eines Werkhofes zu nennen.
Der Grünraum südlich des Klinikneubaus soll auch künftig nicht ausschließlich Klinikpark, sondern auch Naturraum sein. Hier ist ggf. eine Differenzierung in stärker überformte und naturnahe Bereiche zu schaffen und eine Anbindung an umgebende Wegebeziehungen zu schaffen.
In der Überarbeitung ist ein schlüssiges Konzept zum Umgang mit dem Niederschlagswasser vorzustellen, welches u.a. auch Starkregenereignisse berücksichtigt.

Funktionale Beurteilung
Die Notaufnahme (ZNA) und die Notfallintervention sind im Erdgeschoss nachvollziehbar dargestellt. Die funktionale Trennung zwischen Liegendkrankenzufahrt und Selbsteinweiser ist grundsätzlich vorhanden, allerdings zeigen sich Schwächen in der internen Wegeführung.
So können die einzelnen Betriebszonen in ihrer Anordnung optimiert werden. Raum- Geometrien lassen in Teilen (Schockräume und Intervention) keine adäquate Notfallversorgung zu. Die logistischen Abläufe erscheinen unstrukturiert, was den Betrieb in diesem hochfrequentierten Bereich beeinträchtigen dürfte.

Im OP-Bereich (ZOP und AOP) offenbaren sich deutliche Defizite in der funktionalen Auflösung der Vorgaben. Die Raumzuschnitte und Wegebeziehungen zwischen OP-Sälen, Nebenräumen und Logistikzonen sind nur bedingt konsistent gelöst. Eine klare Trennung von reinem und unreinem Bereich ist nicht immer nachvollziehbar, ebenso fehlen eindeutige Zuordnungen zu den vor- und nachgelagerten Funktionen wie Aufwachraum und Sterilgut-Versorgung. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die Anforderungen an eine moderne, prozessorientierte OP-Organisation nur unvollständig verstanden wurden.
Die Radiologie ist räumlich gut positioniert. Die Wegebeziehungen zur Notaufnahme und zu den Pflegestationen sind gegeben, jedoch in ihrer Ausgestaltung in Teilen komplex. Die funktionale Nähe zur Notfallintervention ist gut umgesetzt.
Das ambulante Zentrum ist funktional sinnvoll erschlossen. Zu beachten ist der hohe Anteil an nicht-tagesbelichteten Untersuchungszimmern (~50 %). Die unterschiedlichen Cluster sind grundsätzlich gut erkennbar dargestellt.
Das Therapiezentrum ist insgesamt vollständig und den Anforderungen entsprechend sehr gut entwickelt. Es zeigt ein profundes Verständnis der erforderlichen Strukturen, Prozesse und Qualitäten und setzt diese umfassend um.
Die Pflegebereiche – der Bereich Allgemeinpflege ist in einer 1-flurigen Form dargestellt und erzeugt tendenziell längere Wege. Die Affinitäten sind grundsätzlich gut dargestellt, zeigen jedoch für Stationen in „abgewandten“ Bettentürmen längere Anbindungswege. IMC- und ITS-Einheiten sind sinnvoll positioniert und funktional gut angebunden. Durch die kompakte Darstellung der Einheiten im 2-Flur-System sind die Prozesse funktional, haben aber in einzelnen Punkten (Darstellung von Dienst- und Interventions-Räumen außerhalb der Einheit, keine funktionale BV-Abtrennung bzw. Schleuse) Überarbeitungsbedarf.
Die zentralen logistischen Bereiche der CDS sind gut dargestellt. Die hierzu assoziierten Läger stellen sich jedoch in einer fragmentierten Form dar. Die notwendigen FTS-Trassen sind nicht funktional dargestellt und lassen einen automatisierten Warentransport nicht zu. Alle Backbone-Punkte in den Betriebsgeschossen sind grundsätzlich nachgewiesen. Der Wirtschaftshof ist in seiner Zu- und Abfahrt unklar. Die sonstigen logistischen Funktionen (Entsorgung, Speisenversorgung, Bettenaufbereitung, Sterilgutversorgung, Apotheke) sind aufgezeigt, in Teilen jedoch ohne erkennbare Funktion, da sie nicht, oder fehlerhaft raumscharf aufgelöst sind.

FAZIT
Insgesamt bietet der Beitrag im Gesamtblick eine grundlegende Funktionalität, jedoch fallen in den zentralen Funktionseinheiten deutliche Defizite auf. Das Therapiezentrum ist sehr gut dargestellt.
Die Planungen zu den Einzelbereichen zeigen in Teilen ein gutes Verständnis für Anforderungen und Prozesse, sind im Weiteren jedoch konsequenter umzusetzen und vertiefend in eine funktionale und logistisch durchdachte und betrieblich belastbarere Ordnung zu bringen. In eine weiteren planerischen Überarbeitungsphase müssen die Affinitäten und strukturellen Erfordernisse der rehabilitativen Funktionen des SGB VII weiter geschärft und ausformuliert werden.
Neubau BG Klinikum Hamburg - Perspektive Süd

Neubau BG Klinikum Hamburg - Perspektive Süd