Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025
Neubau BG Klinikum Hamburg
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Neubau BG Klinikum Hamburg
©LUDES Architekten - Ingenieure GmbH
ein 2. Preis
LUDES Architekten - Ingenieure GmbH
Architektur
Mettler Landschaftsarchitektur
Landschaftsarchitektur
henke rapolder frühe Ingenieurgesellschaft mbH
Tragwerksplanung
TGA-Fachplanung
Erläuterungstext
Die Lage am Geesthang, der großzügige, sich weitläufig hangabwärts nach Süden erstreckende Naturraum und der weite Blick über die Baumkronen hinweg nach Süden ins Elbe-Urstromtal führen zur entwurfsbestimmenden Entscheidung den Klinikvorplatz und den Haupteingang abweichend von den Machbarkeitsstudien nicht nach Osten, sondern nach Süden zu orientieren. Der Naturraum wird durch die konsequente Orientierung nach Süden und die Transparenz der gesamten südlichen Gebäudekante eng mit dem Gebäude verknüpft, erlebbar und wahrnehmbar gemacht. Ein großes, die natürliche Hangkante im oberen Bereich des Geländes aufnehmendes Kreissegment definiert die Kontur der südlichen Gebäudekante des Neubaus präzise und erzeugt eine große Geste, die das Gebäude über die gesamte Südseite zum angrenzenden Naturraum öffnet, diesen einbezieht und wie eine große Umarmung der Natur wirkt. Der große Schatz, der sich aus der einzigartigen natürlichen Umgebung ergibt, wird im Sinne einer heilenden, den Naturraum einbeziehenden Architektur, konsequent im Sinne der Patienten – aber auch der Mitarbeiter und Besucher – erlebbar.
Die weithin sichtbare städtebauliche Figur des Neubaus wird durch die drei höhengestaffelten, lichten Pflegepavillons, die auf einem begrünten Sockel platziert werden, definiert. Die gewählte Typologie der großen Pavillons für die Pflege schafft im Gegensatz zur in den vorliegenden Machbarkeitsstudien angewendeten Kammstruktur eine große Durchlässigkeit zwischen der Nord- und der Südseite des Geländes und vermeidet die Bildung eines langen undurchlässigen Riegels. In der Fernwirkung entstehen Durchblicke. Die wichtige Frischluftzirkulation entlang der Hangkante bleibt erhalten. Der zweigeschossige Sockel, gegenüber dem die Pflegepavillons an allen Seiten deutlich zurückspringen, wirkt als niederschwelliger Vermittler zur Umgebung.
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebau und Struktur
Die Arbeit beeindruckt durch eine konsequente städtebauliche Grundhaltung und präsentiert einen Entwurf, der sich sensibel auf den außerordentlichen Natur- und Parkraum an der Geestkante ausrichtet. Im Mittelpunkt steht ein großzügig dimensionierter Gebäudesockel, der sich harmonisch in die vorhandene Landschaft einfügt. Auf diesem Sockel werden drei Bettenhäuser als separate Baukörper organisiert. Diese Grundstruktur ermöglicht eine klare Gliederung und Integration des umfangreichen Raumprogramms in den landschaftlichen Kontext.
Das Klinikum wird über einen südlichen Parkeingang erschlossen. Besucher und Patienten gelangen über ein lang gestrecktes Parkfoyer, die sogenannte „Magistrale im Grünen“, in das Gebäude. Dieses Foyer fungiert als zentrale Verteilerachse und schafft eine klare Orientierung sowie eine angenehme Aufenthaltsqualität für alle Nutzergruppen.
Die Erschließung und Andienung für Krankenfahrzeuge, Ver- und Entsorgungslogistik sowie die Notfallaufnahme sind folgerichtig auf der Nordseite des Gebäudekomplexes angeordnet, zugänglich über eine eigene Parallelstraße zur Bergedorfer Landstraße. Diese räumliche Organisation sorgt für eine klare Trennung der unterschiedlichen Funktionsbereiche und trägt zur sicheren und reibungslosen Ablauforganisation bei.
Die Therapiestationen befinden sich in den beiden unteren Geschossen (UG1 und UG2) und sind mit großzügigen Ausblicken zur Parklandschaft angeordnet. Eine Erschließung ist dabei sowohl über das zentrale Foyer als auch direkt aus dem Park heraus möglich. Neben den Therapiestationen verfügen auch das Schwimmbad, die Turnhalle und sämtliche Behandlungsräume über Tageslicht, was für die Aufenthaltsqualität und das Wohlbefinden der Nutzer förderlich ist.
Die Bettenhäuser selbst sind als große, quadratische Hofhäuser mit unterschiedlichen Bundtiefen konzipiert (ca. 130 x 130 Meter, fünf bis sechs Geschosse hoch). Durch die unterschiedlichen Bundtiefen kann spezifisch auf die unterschiedlichen Ausrichtungen (Nord, Süd, West oder Ost) und unterschiedlichen Anforderungen reagiert werden.
Die Patientenzimmer liegen an den straßenabgewandten Außenseiten (West-, Süd- und Ostseite), sind großzügig dimensioniert, lichtdurchflutet und verfügen jeweils über vorgelagerte Terrassen. Büro- und Nebenräume orientieren sich zu den Innenhöfen, was für eine geschickte Zonierung innerhalb der Baukörper sorgt.
Kritisch diskutiert wurde die derzeit noch recht schematische und zweigeschossige Fassade zur Bergedorfer Landstraße. Hier empfiehlt es sich, bei der weiteren Planung eine differenzierte architektonische Ausarbeitung vorzusehen, die besser auf die angrenzenden stadträumlichen Gegebenheiten eingeht.
Auch in der Andienung an der Nordseite bestehen noch funktionale Herausforderungen, die im weiteren Verlauf des Projekts präzisiert und gelöst werden sollten.
Ein besonderer Punkt betrifft die Planung des Hubschrauberlandeplatzes: Die vorgeschlagene Lösung erfüllt die aktuellen Anforderungen noch nicht vollständig, ist aber wohl „heilbar“.
Bei der potentiellen Klinikerweiterung im Westen wurde kritisch angemerkt, dass der aktuelle und wahrscheinlich auch zukünftig benötigte Landeplatz, nicht überbaut werden darf, d. h. hier ist eine Alternative vorzuschlagen, die ein Beibehaltung des Landeplatzes auch in Zukunft gewährleistet.
Insgesamt besticht der Entwurf durch eine hohe Präzision, eine gut durchdachte und logisch nachvollziehbare Organisation sowie eine verständliche Präsentation. Die Integration des großen Raumprogramms in die bestehende Landschaft ist überzeugend gelöst und der konsequente Bezug zur Umgebung wird – gerade im Hinblick auf die Anforderungen eines Krankenhauses mit solch langen Aufenthaltszeiten – als klarer Qualitätsvorteil gewertet.
Freiraumplanung
Der Bebauungsvorschlag entlang der Bergedorfer Straße fügt sich gut in den Landschaftsraum und berücksichtigt die topografischen Verhältnisse. Die südliche Ausrichtung der großzügig konzipierten Magistrale nutzt die Qualitäten des Freiraums. Die Anordnung der Vorfahrt und des Hauptzugangs an dieser attraktiven Südkante wird gleichwohl kontrovers diskutiert. Die verkehrstechnischen Anforderungen der Zufahrten und die Vorfahrt müssen im Rahmen der weiteren Bearbeitung geprüft werden. Zu- und Vorfahrten müssen zu einem qualitativ hochwertigen Freiraum als Begegnungszone entwickelt werden und dürfen nicht zu rein funktionalen Verkehrsflächen verkommen. Wohltuend ist die zurückhaltende Gestaltung der Parkflächen und der Erhalt und die Weiterentwicklung der Waldbestände. Die Anbindung der vorgeschlagenen Parkwege an das übergeordnete Wegenetz ist gut gelöst, gleichwohl erscheinen die neuen Wege die topografischen Verhältnisse im Sinne der Barrierefreiheit nicht hinreichend zu berücksichtigen. Die für den Klinikbereich erforderlichen Aufenthalts- und Therapiebereiche sind nicht ausreichend abgebildet und müssen in einer Überarbeitung nachgewiesen werden. Das für das Grundstück zwingend erforderliche Entwässerungskonzept ist nicht nachvollziehbar und muss im Rahmen der weiteren Bearbeitung dargestellt werden. Gleiches gilt für zu erwartende Starkregenereignisse und überzeugende Vorschläge für den Umgang mit Auswirkungen des Klimawandels.
Funktionale Beurteilung
Im Bereich der Notaufnahme und Notfallintervention wird ein stimmiges Gesamtkonzept erkennbar. Die Wegebeziehungen sind sinnvoll gegliedert, der Zugang für Selbsteinweiser und die Liegendkrankenzufahrt sind funktional getrennt und angemessen positioniert. Die Organisation der Schockräume ist plausibel. Auch die räumliche Nähe zu diagnostischen und interventionellen Einheiten unterstützt die dargestellten Prozesse.
Der OP-Bereich hat eine grundlegend funktionale Anlage in einer U-förmigen Abwicklung mit langen Wegen. Der Sterilflur ist an der Außenseite orientiert mit disloziertem Lager. Die gewünschte Trennung von Ver- und Entsorgungs-, sowie Personal- und Patientenströmen ist nicht suffizient dargestellt. Die räumliche Organisation ist dennoch klar und lässt einen funktionalen Ablauf erwarten. Auch der AOP-Bereich ist anforderungsgemäß in das Gesamtsystem eingebunden.
Die Radiologie ist in guter Anbindung zur ZNA und zu den stationären Einheiten positioniert. Die interne Strukturierung ist nachvollziehbar und im Bereich der Betriebszone besteht Optimierungspotential. Die Leitstelle ist entkoppelt an der Magistrale (außerhalb der Betriebsstelle) dargestellt. Schnittstellen mit anderen Fachabteilungen, insbesondere mit der Notfallversorgung, sind funktional dargestellt.
Im ambulanten Zentrum wurde ein eigenständiger Bereich geschaffen, der funktional vom stationären Betrieb abgetrennt ist. Die Zonierung von Warte-, Untersuchungs- und Verwaltungsbereichen ist dargestellt. Patientenführung und Diskretion sind beachtet und sinnvoll gelöst. Zu beachten ist allerdings die Tageslichtsituation (ca. 2/3 der Räume ohne Tageslicht). Dies erfordert im weiteren Vertiefungsverfahren nochmal eine Überarbeitung.
Das Therapiezentrum ist mit seinen unterschiedlichen Affinitäten zu unterschiedlichen Funktionsbereichen gut gelöst. Die geschossige Aufteilung der Funktionen bedarf einer Überarbeitung mit Blick auf kausale funktionale Zusammenhänge. Die Tageslichtsituation der Inseln sowie in Teilen der Medizinischen Trainingstherapie bedürfen einer deutlichen Verbesserung.
In den Pflegebereichen überzeugt der Entwurf durch eine spezifische und klare Organisation der unterschiedlichen Pflegeeinheiten. Die Allgemeinpflegeeinheiten sind in einer 1-flurigen Form dargestellt und erzeugen tendenziell längere Wege. Die Affinitäten sind grundsätzlich gut dargestellt zeigen jedoch für Stationen in „abgewandten“ Bettentürmen längere Anbindungswege.
IMC- und ITS-Einheiten sind sinnvoll positioniert und funktional gut angebunden. Durch die kompakte Darstellung der im 2-Flur-System sind die Prozesse funktional, haben aber in einzelnen Punkten Überarbeitungsbedarf.
In den logistischen Bereichen zeigt der Beitrag eine strukturierte Herangehensweise. Die Erschließung intern ist schlüssig, die räumliche Nähe zu den Bedarfsstellen gegeben. Die externe Erschließung über den Wirtschafts- und Entsorgungshof ist absehbar zu überarbeiten.
FAZIT
Insgesamt handelt es sich bei diesem Entwurf um einen Beitrag, der eine grundlegende funktionale Qualität und eine weitgehend belastbare Gesamtstruktur zeigt. Dennoch ist in einigen Funktionsbereichen noch weiterer Optimierungsbedarf zu erkennen. Die Abläufe sind weitgehend stimmig organisiert. In der Tiefe bestehen noch weitere Entwicklungspotenziale auch und gerade mit Blick auf eine schärfere Akzentuierung der Erfordernisse und Affinitäten der Funktionen im Rahmen der rehabilitativen Patientenversorgung.
Interior Foyer
©LUDES Architekten - Ingenieure GmbH
Neubau BG Klinikum Hamburg
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Interior Therapie
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Patientenzimmer
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Modell
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Lageplan
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