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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025

Neubau BG Klinikum Hamburg

12

ein 2. Preis

Baumschlager Eberle Architekten

Architektur

ATP architekten ingenieure

Architektur, Tragwerksplanung

TOPOTEK 1

Landschaftsarchitektur

Corall Ingenieure GmbH

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TGA-Fachplanung, Nachhaltigkeitskonzept

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Landschaftsarchitektur

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Beurteilung durch das Preisgericht

Städtebau und Struktur
Die Arbeit zeigt eine klare stadträumliche Haltung und organisiert das Bauvolumen in zwei gut ablesbare Bereiche im Norden und Süden mit folgerichtiger Ausformulierung zum Stadt- und Landschaftsraum: Zum Bereich der Bergedorfer Straße im Norden gliedert der Klinikbaukörper mit einer Abfolge vier- bis sechsgeschossiger, über lärmabschirmende, der inneren Erschließungslogik folgenden Verbindungsgänge das große Volumen in Einzelbaukörper auf einem gemeinsamen Sockel, der für die notwendige Belichtung von einer auch vertikal verknüpfenden Innenhofstruktur profitiert. Zur Straße wird eine klare Raumkante ausgebildet, die in der Höhenentwicklung gegenüber der Nachbarbebauung durch ihre schlüssige Gliederung kleinteilig und in sinnvoller Proportion entwickelt ist. Der differenziert ausgebildete Sockelbereich bindet den südlich-gelegenen Reha-Bereich an und entwickelt vielfältige funktionale und gestalterische Bezüge, wobei die abgeleitete Programmerfüllung im Inneren insgesamt sehr folgerichtig und gemäß den Vorgaben der Auslobung organisiert ist.
Alleinstellungsmerkmal der Arbeit ist die bauliche und funktionale Eigenständigkeit des Reha-Bereiches, die sich schlüssig zum Landschaftsraum orientiert und im Gebäudeinneren grundsätzlich gut, wenn auch über zwei Ebenen organisiert angebunden ist und damit die notwendige Verknüpfung zum Klinikbereich und dem zweigeschossigen Foyer mit anliegender Terrasse herstellt. Die räumliche Organisation im Inneren wie auch die unmittelbare Einbindung in den Landschaftsraum im Süden zeigen hierbei besondere Raumqualitäten, die den funktional durchaus unterschiedlichen Ansprüchen von Klinik und Reha in ihrer Differenzierung sehr gerecht werden. Hervorzuheben ist außerdem die hohe städtebauliche Qualität der vorgesehenen Erweiterungsbereiche, die die Grundstruktur noch deutlicher ablesbar machen.
In der Betrachtung der einzelnen Volumina wie auch im Verhältnis der beiden Gebäudeteile in Nord und Süd zueinander wäre zu prüfen, wie die Baukörpergliederung im Einzelnen eine noch stärkere Klarheit entwickeln könnte, da diese bislang eine verhältnismäßig starke Heterogenität in Maßstäblichkeit und Gliederung aufweisen.
Erschließung und Innere Organisation: Der Haupteingang ist nach Osten orientiert und definiert eine eindeutige Eingangsgeste; die Erschließung der Therapiebereiche liegt separiert im Süden. Die verkehrliche Zufahrt für LKV und Selbsteinweiser ist – wie auch der tiefer liegende Wirtschaftshof – an der Westseite des länglichen Bauvolumens verortet und ausreichend dimensioniert. Die sich im Gebäudeinneren anschließende Raumorganisation insbesondere der Notaufnahme ist sehr schlüssig ausformuliert und profitiert – wie auch grundsätzlich die weiteren Funktionsbereiche – von der strukturellen Gliederung über Innenhöfe, die für den nördlichen und südlichen Baukörper gleichermaßen eine den Funktionen sehr angemessene räumliche Gliederung und Belichtung bieten. Aufbau und Lage der weiteren Diagnostik sind – mit Ausnahme des OP-Bereichs – schlüssig in Verortung und Aufbau: Im OP-Bereich ist die Anbindung an die Pflegeebenen durch entstehende Querungen weniger plausibel, wobei auch die Vermischung von Funktions- und Verkehrsflächen hinterfragt werden sollte. Der Hubschrauberlandeplatz ist zumindest bezüglich der inneren Gebäudeorganisation folgerichtig verortet; der notwendige Erhalt des externen Hubschrauberlandeplatzes in der Bauzeit ist zu berücksichtigen.
Die innere Erschließung separiert Patienten-, Besucher-, Personal- und Warenströme durch eine differenzierte Achsenstruktur: Die nördlich verortete Ver- und Entsorgungsachse bindet FTS, ZLA und Zentrallager schlüssig und mit folgerichtiger Nordorientierung sinnvoll und zur Andienung der Funktionen gut an und liegt ebenso für den Transport der Liegendkranken gut in der Struktur. Eine gut proportionierte Magistrale mit hoher räumlicher Qualität in Ost-West-Richtung im Süden leitet gehfähige Patienten und Besuchende und bindet im Bereich des Untergeschosses die Therapiebereiche im Reha-Trakt angemessen an. Vor dem Hintergrund der gefragten Trennung der Besucherströme verspricht die Struktur hier eine sinnvolle Lösung, die durch gut differenzierte Aufzugsgruppen auch die Pflege- und Funktionsbereiche auf kurzen Wegen anbindet. Die Pflegebereiche sind schlüssig aufgebaut und versprechen schon aus der gesamtstrukturellen Logik heraus eine hohe Qualität für die Patientenzimmer, wobei die im Reha-Bereich vorgesehenen Balkone der Differenzierung in den Zimmertypen und Liegezeiten gut entsprechen.

Freiraumplanung
Der neue Klinikkomplex sieht eine kompakte Bebauung entlang der Bergedorfer Straße vor und lässt so Platz für einen großzügigen Grünraum auf der Südseite.
Die Zufahrt zum Klinikbereich sowie die Positionierung des Haupteinganges am südöstlichen Gebäudegiebel sind schlüssig gelöst und gut auffindbar. Auch die Zufahrt für Rettungsdienste und Anlieferung von Westen scheint umsetzbar. Beide Zugangsbereiche sind in der Arbeit flächig begrünt dargestellt – es wird bezweifelt, dass sich dies so umsetzen lässt.
Die Staffelung der Gebäude und die Nutzung der Hanglage für die Anbindung der südlichen Gebäude an die angrenzenden Freiräume sind gut gelöst. Die Qualitäten der städtebaulichen Fuge zwischen der Klinik und den Therapiegebäuden sind noch nicht überzeugend dargestellt.
Der Klinikpark ist unter der Berücksichtigung der topografischen Verhältnisse mit einem schlüssigen Wegenetz und Anbindung an vorhandene Wege gestaltet. Mögliche Aufenthalts- und Nutzungsangebote, insbesondere die Therapieflächen, sind nicht nachvollziehbar.
Besonders gewürdigt wird das nachvollziehbare Regenwasserkonzept mit ausreichend Retentionsflächen. Die Entwicklung der vorhandenen Waldflächen ist bislang nicht ablesbar.

Funktionale Beurteilung
Die Notaufnahme ist in allen funktionalen Aspekten sehr umfassend und vollständig umgesetzt und zeigt keine maßgeblichen Defizite.
Der OP-Bereich ist in weiten Teilen und in Bezug auf die geforderten Affinitäten erschlossen. Nachteilig ist die Anbindung an die Allgemeinpflegeebenen, da sich hier lange Wege mit teils Querungen anderer Stationen ergeben. Der OP-Bereich weist eine grundsätzlich sehr belastbare Strukturierung auf, in der alle relevanten Teilprozesse ablesbar sind. AOP- und SDS-Prozesse sind adäquat dargestellt und zeigen ein gutes Verständnis für die damit verbundenen Prozesse. Insgesamt ist an dieser Stelle allerdings zu bemerken, dass wiederholt Flächenvorgaben unterschritten werden. Da diese Flächen aber prozessrelevant sind, müssen hierzu noch die erforderlichen Nachweise und Anpassungen erfolgen. Dies fällt beispielsweise im Aufwachraum auf, da hier Funktionsflächen mit Verkehrsflächen vermischt werden.
Die Radiologie zeigt eine in hohem Maße funktionsfähige Strukturierung und bildet sinnvolle Betriebszonen aus. Die inneren Wegebeziehungen sind adäquat gegliedert, die räumliche Abfolge zwischen Bildgebung, Personal- und Patientenführung ist in der dargestellten Form gut möglich.
Das ambulante Zentrum ist eigenständig organisiert, mit separatem Zugang und weitgehend sinnvoller Gliederung der Funktionszonen. Cluster sind adäquat dargestellt. Die Diskretion in Warte- und Untersuchungsbereichen ist gewahrt, die Abläufe wirken nachvollziehbar. Die räumliche Trennung zum stationären Betrieb ist gegeben, zugleich bestehen funktionale Bezüge zu diagnostischen Einheiten. Die Belichtungssituation der U/B-Räume ist im Weiteren zu prüfen und ggf. zu optimieren.
Der Therapiebereich ist mit allen Teilfunktionen über zwei Geschosse im EG und 1.UG insgesamt anforderungsadäquat entwickelt. Die erforderlichen Prozesse sind grundsätzlich richtig strukturiert und ablesbar. Nachteilig ist die Trennung zweier Inseln von „Markt“ sowie die grundsätzliche Entkopplung des Check-In-Centers von allen anderen Funktionsbereichen der Therapie, da dadurch Prozesse teilweise deutlich anders strukturiert werden müssten.
Die Pflegebereiche sind gut und insgesamt funktionsfähig planerisch umgesetzt. Sie lassen in allen Stationstypen einen guten Betrieb und insgesamt klare Prozesse zu. In einigen Bereichen ergeben sich sicherlich noch Optimierungsmöglichkeiten, sind aber insgesamt nicht wesentlich prozessseitig entscheidend. Durch die gewählte Gebäudestruktur (Pavillon-Stil) ist die Anbindung der KSR-Einheiten in Teilen schwierig. Die High-Care-Bereiche der Pflege sind grundsätzlich gut dargestellt.
Im Bereich der Logistik zeigt der Beitrag ein klares Konzept mit nachvollziehbarer eigenständiger FTS-Trasse und guter Anbindung der Lagerbereiche, Apotheke, Küche und AEMP. Lediglich die Lagerzonen erscheinen fragmentiert. Auf den Funktionsebenen ist die Übergabezone der FTS-Aufzüge nicht vollständig planerisch an den Aufzügen nachgewiesen.

FAZIT
Insgesamt bietet der Beitrag im Gesamtblick eine sehr gute grundlegende Funktionalität. Die Strukturen des Beitrages sind in den Pflegebereichen gut umsetzbar und zeigen auch in den anderen Funktionsbereichen deutliche Qualitäten. In Teilen – insbesondere im OP - sind in den Funktionen noch weitere Optimierungen erforderlich und besonders die Flächendefizite sind nachzuarbeiten, um ggf. daraus resultierende Funktionseinschränkungen zu vermeiden. Mit Blick auf eine weiter vertiefte Planung ist eine weitere Ausarbeitung und Akzentuierung der verschiedenen SGB VII-Qualitäten (rehabilitative Bausteine des Hauses) erforderlich.