Nichtoffener Wettbewerb | 02/2025
Neubau Bildungsakademie BiaKA der Handwerkskammer Karlsruhe in Karlsruhe-Neureut
6
Perspektive
©AID Architektur
3. Preis
Preisgeld: 40.000 EUR
AID Architektur, Ingenieur-Dienstleistungen
Architektur
architectoo | schoch bühler freie architekten
Architektur
RAMTHUN Landschaftsarchitektur GmbH
Landschaftsarchitektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser schlagen für die neue Bildungsakademie der Handwerkskammer einen klaren rechteckigen Baukörper vor, der durch zwei große Lichthöfe gegliedert wird. Die notwendigen Baumassen werden trotz der Größe über das sich im Dach abzeichnende Mäander in ein harmonisches Verhältnis gesetzt. Komplettiert wird das Gebäude durch zwei vom Hauptvolumen abgesetzte Baukörper.
Im Westen findet die Bildungsakademie Ihren Abschluss in einer eingeschossigen Lager- und Fahrzeugspange, die sich schützend vor die Anlieferung legt und einen gut proportionierten Anlieferhof ausbildet. Die Förderfähigkeit dieses Gebäudeteils ist nicht gegeben. Die Situierung des Parkhauses auf der Nordostecke des Grundstückes wird vom Preisgericht positiv bewertet. Durch die Lage des Parkhauses zum östlichen Wohngebiet wird allerdings eine Lärmschutzeinhausung notwendig. Da die Erschließung des Geländes mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Osten her erfolgen wird, ist der Haupteingang an der Ostseite folgerichtig verortet. Der Vorplatz ist großzügig bemessen und verspricht – abgeschirmt vom Verkehr – in Nachbarschaft zum südlichen Grünraum hohe Aufenthaltsqualität.
Die klare Gliederung der Funktionsbereiche verspricht eine leichte Orientierung im Gebäude. Die zentrale Treppenanlage im Eingangsbereich und eine angemessene Verteilung von Treppenhäusern und Aufzügen in den übrigen Gebäudeteilen sorgen für eine gute vertikale Erschließung. Die großen Lichthöfe führen viel Tageslicht in die innenliegenden Bereiche des Gebäudes und lassen einen hellen lichtdurchfluteten Charakter erwarten. Dem Charakteristikum des Mäanders, durch die Einschnitte Ein- und Ausblicke zu gewähren, wird über den nach Norden gerichteten Werkhof, der als „gläserne Manufaktur des Handwerks“ eine Schaufensterfunktion nach außen übernimmt sowie über den Außenbereich der Mensa, der Richtung Süden den Blickbezug auf die Sportplätze und den anschließenden Grünzug freigibt, Rechnung getragen. Die Lage des gläsernen Schau-Kubus im Werkhof wird bemängelt, da dieser zurückversetzt und an dieser Stelle verortet wenig Blicke auf sich ziehen wird.
Die Werkhallen weisen einen schmalen, aber doch gut nutzbaren Grundrisszuschnitt auf. Die LKW-Halle wurde besonders gewürdigt, da die Tatsache, dass in dieser Halle nicht nur KFZ-Prüfungen, sondern auch Schulungen vorgenommen werden, Berücksichtigung findet und eine LKW-Durchfahrt ermöglicht wird. Die Zuordnung der Nutzungen ist nicht immer optimal gelöst. Im Erdgeschoss müssten Schreiner und Feinwerktechniker die Positionen tauschen. Im Obergeschoss müsste die Zuschaltbarkeit des großen Seminarraums zum Speiseraum nachgewiesen werden. Die zusätzlichen Sportflächen im Obergeschoss sind nicht förderbar.
Durch die angebotenen Erweiterungsflächen auf den Dachterrassen würde der Entwurf seinen eigenen Charakter verlieren. Auch die Umwidmung des Parkhauses zur Erweiterung lässt Fragen bzgl. der zukünftigen Parkierung offen und wird vom Preisgericht bemängelt.
Die Fassade wirkt in ihrer Reduziertheit etwas schematisch. Die weit auskragenden umlaufenden Balkone werden kritisch hinterfragt. Insgesamt besticht das Erscheinungsbild durch seine Zurückgenommenheit und Klarheit. Die Erwartungen an eine angemessene Repräsentation der Handwerkskammer nach außen werden vom Preisgericht kontrovers diskutiert. Der Entwurfsgedanke der „Gläsernen Manufaktur des Handwerks“ wird vom Preisgericht generell begrüßt, steht aber im Gegensatz zum sommerlichen Wärmeschutz, für den der Glasflächenanteil zu groß bemessen ist.
Die baukörperliche Setzung erzeugt eindeutige Freiräume. Der Eingangsplatz im Osten ist gut gesetzt und schafft die gewünschte repräsentative Adresse. Die eingeschobenen Höfe dienen der Pausennutzung, haben jedoch im Erdgeschoss wenig Bezug nach außen. Die umlaufende Begrünung ist insbesondere im Norden und Westen zu schmal. Die Erfüllung der Begrünungsvorgaben wird in Frage gestellt.
Die im mittleren Bereich angeordnete Kubatur lässt eine gute Wirtschaftlichkeit erwarten.
Insgesamt stellt die Arbeit, deren Stärken sowohl in der städtebaulichen Setzung als auch in der funktionalen Durcharbeitung liegt, einen guten Beitrag dar.
Lageplan
©AID Architektur
Grundriss EG
©AID Architektur
Grundriss OG
©AID Architektur
Schnitt A-A
©AID Architektur
Schnitt Parkhaus
©AID Architektur