Offener Wettbewerb | 05/2025
Neubau Bildungscampus Seestadt aspern III in Wien (AT)
©Klammer*Zeleny+Patricia Bagienski
Visualisierung Haupteingang
1. Preis
Preisgeld: 71.000 EUR
Architektur
FCP Fritsch, Chiari & Partner ZT GmbH
Tragwerksplanung, Bauphysik
Brandschutzplanung
Landschaftsarchitektur
TGA-Fachplanung
Mattweiss Architekturmodellbau
Modellbau
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebauliche Einbindung in die örtlichen Gegebenheiten
Das Projekt bildet eine Kette von 5 mehreckigen Baukörpern, die miteinander verwebt werden und locker an die Sonnenallee gelegt werden. Der im Grundriss sechseckige Zuschnitt der Einzel-Bauteilglieder bewirkt lebendige Vor- und Rücksprünge der gesamten Baukörperfronten an allen Gebäudeseiten und bewirkt dadurch eine angemessene Maßstäblichkeit. Auf einfache Weise gelingt es dem Projekt die Hochgarage städtebaulich zu integrieren und mit der resultierenden Form eine Gesamtorientierung Richtung Freiraum zu erreichen. Das Erdgeschoß ist als Sockelgeschoß ausgebildet, das mit geradlinigen Fronten an die zulässigen Baufluchten heranragt. An der östlichen Ecke rückt der Baukörper von der Bauflucht an der Sonnenallee zurück und schafft so eine Vorplatzsituation. Die Jury überzeugt die gewählte gegliederte Baukörpergliederung, weil sie die Massivität des Volumens entschärft und eine maßstäbliche und kindgerechte Adresse am Ort. bewirkt. Die direkte Verbindung Haupteingang, Aula, Garten ist klar formuliert, die Anlagerung der Funktionen Saal, Bewegungsraum und Verwaltung überzeugt, die beiden Haupterschließungen sind folgerichtig hier direkt angelagert. Der Haupteingangsbereich sollte in seiner Dimension noch etwas vergrößert werden.
Umsetzung des räumlich-funktionalen und pädagogischen Konzeptes im Innen- und Außenraum
Die Grundrisse sind in eine mäandrierende Nutzflächenzone an der Fassade und eine über den gesamten Grundriss durchgehende Innenzone gegliedert, die sich zu 5 Platzartigen Situationen erweitert. Dieser Lösungsansatz unterstützt in hervorragender Weise die Intentionen der Ausloberin nach einem gemeinschaftlich nutzbaren Campus über die Bibergrenzen hinweg, Der fließende Übergang zwischen den Bereichen kann auch die gemeinsame Mitte ausgezeichnet integrieren und lädt die Kinder ein, auch die anderen Bereiche des Campus zu erkunden. In die Nutzflächenzone an der Fassade sind die Freiklassen als Loggien eingeschnitten, hier sind dann die gewünschten MUFU-Zonen direkt angelagert. Der Lösungsansatz erfüllt das geforderte Raumprogramm. Die vorgesehenen Raumproportionen sind nutzungsorientiert. Das Funktionslayout ist praktikabel organisiert und erfüllt aus pädagogischer Sicht die funktional räumlichen Nutzungsanforderungen in sehr hohem Maß. Lediglich eine zentralere Lage des Therapiebereiches im EG und eine Optimierung des miteinander verwobenen FM- und Verwaltungsbereiches wären wünschenswert.
Die Freiraumzonierung ist gut gelöst und lässt eine spannende Freiraumabfolge erwarten, die durch eine „Große Runde“ als Hauptverbindungsweg erlebbar wird. Durch die Minimierung der versiegelten Flächen (Wegbreiten, EPDM-Flächen etc.) leistet das Projekt einen Beitrag zur Reduktion der sommerlichen Erhitzung und erhöht die Resilienz gegenüber Starkregenereignissen. Das Angebot im EG wird durch großzügige und gut an die Biber angebundene Terrassen ergänzt. Der Hartplatz wird in drei Felder aufgeteilt, die zum Teil zu einem größeren Spielfeld zusammengeschlossen werden können und schafft somit für alle Altersgruppen ein attraktives Angebot und einen Mehrwert für das Quartier. Der Mehrfachnutzungsbereich ist überzeugend abgegrenzt.
Äußeres Erscheinungsbild und innere räumliche Qualität
Der lebendigen Volumetrie der Module ist ein streng orthogonales Raster von Balkonen und Stützen aus Holz vorgelagert, das dem Baukörper ein sehr attraktives und außergewöhnliches Erscheinungsbild verleiht. Der Einsatz von Holz und Trog-gebundene Fassadenbegrünung verstärken den einladenden und wohnlichen Charakter des Gebäudes. Die sowohl zur Sonnenallee als auch dem Campusgarten großzügig verglaste Aula bildet einen einladenden räumlichen und erschließungstechnischen Ausgangspunkt für das Campusgebäude. In diesem Bereich sind in den übrigen Geschossen entsprechende zentrale Kommunikationszonen ausgebildet, EG und 1. OG sind über einen Luftraum miteinander verbunden. Das mäandrierende Erschließungssystem der Regelgeschoße weist mit seinen zur Fassadenfront orientierten Platzbildungen der MUFU eine abwechslungsreiche Raumatmosphäre auf.
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in Bau und Betrieb
Der Entwurf weist mit rd. 1,52 einen effizienten Faktor von BGFa/RFP auf. Das Ausmaß an bebauter Fläche liegt leicht über dem Durchschnitt. Die Kombination von Massivbauweise der Untergeschoße und der Erschließungskerne sowie Skelettkonstruktion der Regelgeschoße mit Holzbetonhybriddecken, die Verwendung von möglichst vielen vorgefertigten und gleichförmigen Bauteilen kommen der gewünschten Nachhaltigkeit entsprechend entgegen. Das Haustechnikkonzept mit Geothermie-Wärmepumpentechnik, Bauteilaktivierung, und Nachtlüftungsoption versprechen einen nennenswerten Beitrag zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in Errichtung und Betrieb. Der Einsatz von modularen Bauteilen aus sortenreinen und leicht voneinander trennbaren Materialien und Werkstoffen, die Anwendung von Lehm im Innenausbau tragen zur Abdeckung der Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft bei.
Die äußerst intensive Überarbeitung der strukturellen und konstruktiven Detaillierung wird hervorgehoben. Die gesteigerte Materialeffizienz durch den Einsatz der Holz-Ständerbauweise mit STB-Hybriddecken und dem massiven Betonkern muss für die Ausführung weiter optimiert werden. Das Thema der Gebäudekühlung muss weiter ausdetailliert werden.
Umsetzung der funktionellen, logistischen und verkehrstechnischen Vorgaben
Mit der Organisation der BIBER 1 und 10 (SIP), des Küchenbereichs des Mehrzwecksaals und der Verwaltung im Erdgeschoß, dem Turnsaal im Untergeschoß 1 und den Regel-BIBERn in den drei Obergeschoßen mit den dazwischenliegenden gemeinsamen Funktionen gelingt ein ausgezeichnetes Funktionslayout. Mit den Zugängen für Ver- und Entsorgung (Küche, Müll) an der südlichen Straße 03567, dem Haupteingang und Vorplatz an der Sonnenallee, dem Zugang zum BIBER 10 (SIP) direkt bei der nördlichen Hochgarage und dem Zugang zum Sportbereich an der nördlichen Straße 03947sind die logistischen Anforderungen entsprechend erfüllt.
Das Erschließungssystem mit nur einem durchgängigen inneren Erschließungstreppenhaus ist hinsichtlich der Erfüllung der Anforderungen an die interne Verteilung der Personenströme zu prüfen. Das Fluchtwegekonzept sieht darüber hinaus im Wesentlichen über die Terrassen erreichbare außenliegende Fluchttreppen vor. Für die Eigenevakuierung von nicht selbstrettungsfähigen Personen sind an den Fassaden angeordnete Aufzüge vorgesehen; ein Ansatz der grundsätzlich den Anforderungen entspricht, jedoch im Detail noch weiter zu vertiefen ist.
Empfehlungen zur Weiterentwicklung
Das Preisgericht formuliert folgende Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Projektes:
- Die Organisation der inneren Erschließung über nur ein Haupterschließungstreppenhaus wird hinterfragt. Der Umgang mit der Topographie im EG, insbesondere der interne Zugang zu Biber 10, ist zu prüfen.
- Durch die dezentrale Lage des Therapiebereichs ergeben sich für die Biber 1-9 große Weglängen. Die Situierung ist zu überarbeiten.
- Das „Spielband“ auf der Dachterrasse des 1. OG ist in der weiteren Bearbeitung zu detaillieren und mit den Nutzungsanforderungen abzustimmen.
- Das Entfluchtungs- und Evakuierungskonzept ist hinsichtlich der Durchgängigen Erfüllung der Anforderung zu prüfen.
- Das Projekt ist auf seine Wirtschaftlichkeit (Errichtung und Betrieb) zu optimieren.
- Das Tragsystem ist in Kombination mit der Haustechnik/ Energiesystem/Bauphysik frühzeitig abzustimmen und auf Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit zu prüfen.
- Das Fassadensystem und hier vor allem die auskragenden Bauteile aus Holz sind auf ihre Langlebigkeit zu untersuchen und die Nachhaltigkeit ist nachzuweisen. Zudem sind sämtliche Außenverglasungen in Bezug auf Umfang des Glasanteils und Größen zu optimieren; die Wirkung der Metallfilter ist nachzuweisen.
©Klammer*Zeleny
Modellfoto
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Lageplan
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Grundriss
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Baukörperprinzip
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Modellfoto
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EG Grundriss
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Grundriss
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Modellfoto