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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Neubau Bildungscampus Weiße Stadt in Oranienburg

Blick auf den Vorplatz
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Blick auf den Vorplatz

1. Preis

Preisgeld: 63.000 EUR

sehw architektur

Architektur

SCHÖNHERR Landschaftsarchitekten PartmbB (ehem. herrburg LA)

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Städtebauliche Einordnung
Der Neubau der Sonnengrundschule sucht in seiner stadträumlichen Anordnung den Anschluss an das östlich gelegene neue Wohnquartier. Mit ihrem Gebäudevolumen und der Gliederung des Baukörpers sucht die neue Schule die Maßstäblichkeit des benachbarten Wohnviertels und bildet so entlang des neuen Grünzuges den Abschluss der städtebaulichen Achse Richtung Westen. Gleichzeitig gelingt der Schule ein angemessenes Gegenüber zum südlich gelegenen Gebäude mit Kita und Betreutem Wohnen. Die differenzierte Höhenstaffelung des Gebäudes ermöglicht eine angemessene Einfügung in das hetero-gene städtebauliche Umfeld.

Räumliche Verknüpfung, Adressbildung
Durch die Gliederung des Gebäudevolumens verzahnt sich der Neubau in alle Richtungen mit der Um-gebung. Zum Grünzug im Süden formuliert ein Gebäudeversatz die Zugangssituation zur neuen Schule. Die Gestaltung des Vorplatzes mit einer hohen Aufenthaltsqualität unter Einbindung des Grünzuges bietet ein zusätzliches stadträumliches Angebot als Quartiersplatz und verbindet die Schule mit dem Stadtviertel. Richtung Osten und Westen schaffen die Höfe zwischen den Gebäudeflügeln die räumliche Verbindung mit der Wohnbebauung im Osten und dem Schulhof im Westen.

Gebäudeorganisation
Im Erdgeschoss der neuen Schule bildet eine Abfolge transparent verbundener Gemeinschafts-
räume die "Neue Mitte", das Herz der Schule. Der Vorplatz als Entree des Gebäudes mündet in das großzügige Foyer mit angeschlossener Aula, die bei Veranstaltungen abgetrennt werden kann. Die Mensa und die Spiel- und Bewegungsräume der Ganztagsbetreuung befinden sich in direkter Nähe zur Aula und der Haupterschließung im Zentrum des Gebäudes. Die beiden Cluster der des Hortes liegen ebenfalls gut angebunden Richtung Nordwesten und sind gut mit den Außenbereichen des Schulgebäu-des verbunden. Die Höfe zwischen den Gebäudeflügeln sorgen für eine gute Belichtung und Anbin-dung an die begrünten Außenbereiche und die Pausen- und Sportanlagen.
Die Sporthalle befindet sich vom gut auffindbar in direkter Nachbarschaft vom Vorplatz und kann für externe Nutzer separat über den Windfang ohne Betreten des Schulgebäudes erschlossen werden.
In den Obergeschossen befinden sich übersichtlich angeordnet die Cluster der einzelnen Jahrgangsstu-fen, die sich um das zentrale Treppenhaus gruppieren.

Die Compartments
Die Unterbringung der Unterrichts- und Horträume erfolgt in baugleichen Compartments. Die einzel-nen Cluster, die Heimatbereiche der Schülerinnen und Schüler sind als eigenständige Raumgruppen übersichtlich angeordnet und über kurze Wege zu erreichen. Die Lernwerkstätten und Inselräume be-finden sich zwischen den Clustern. Die Anordnung der Räume und Flurbereiche innerhalb eines Com-partments ermöglicht verschiedenste den Schulalltag abbildende und veränderbare Raumkonstellatio-nen, die sich auch nach außen über eine differenzierte Gebäudefigur abbilden. Transparenz innerhalb des Clusters, sowie Nischen und Rückzugsbereiche bieten Raum für differenzierte pädagogische Be-treuungsangebote. Die innerhalb des Clusters gelegenen Lerninseln bieten wechselseitige Außenraum-bezüge und sind vom Teambereich und den Klassenzimmern gut einsehbar. Die vorgelagerten Außen-treppen sorgen für einen direkten Zugang zu den umliegenden Pausenbereichen im Erdgeschoss. Die Dachüberstände der Loggien sorgen für eine Verschattung großer Teile der Fassade.

Beschreibung Tragwerk, Konstruktion, Material

Das Material Holz bildet das bestimmende Element in der Tragstruktur, im Ausbau und in der äußeren Anmutung. Eine vorgelagerte Struktur aus Holzelementen bestimmt das Fassadenbild und zeigt die Re-gelmäßigkeit des Konstruktionsrasters der Module im Inneren. Holzbrüstungen in den Bereichen der Klassenräume und bodentiefe Verglasungen in den Differenzierungsräumen gliedern die Fassaden. Die Dachhaut erhält eine extensive Dachbegrünung. Photovoltaikelemente werden auf den Flachdächern installiert.
Das neue Schulgebäude wird als flexibler und robuster Modulbau in Holzbauweise geplant. Die regel-mäßigen und strukturierten Grundrisse sorgen für einen ausgeprägten Wiederholungsgrad der zum Einsatz kommenden Tragwerksglieder und Module. Gleichzeitig wird ein hohes Maß an Flexibilität im Grundriss erreicht und Nutzungsanpassungen in der Zukunft ermöglicht. Den vertikalen Lastabtrag übernehmen primär Stützen aus Brettschichtholz, dessen Abstand in Längsrichtung 4,20 m und in Qu-errichtung 8,40 m beträgt.
Die Lasten der in Längsrichtung spannenden Deckenelemente aus Brettschichtholzdecken werden von den in Querrichtung spannenden Balken aus Brettschichtholz aufgenommen. Durch den optimalen Achsabstand können die Deckenelemente, die durch entsprechenden Verbund untereinander zur Schreibe ausgebildet werden, besonders wirtschaftlich errichtet werden. Die Überspannung der Sport-halle erfolgt mittels Brettschichtholzbalken. Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt über regelmäßig im Grundriss angeordnete Betonkerne und Wandscheiben aus Brettsperrholz. Die Gründung wird als Flachgründung konzipiert.

Energetisches Konzept
  • Ziel: größtmögliche Nutzung erneuerbarer Energien und Energieeinsparung
  • Beheizung über Flächenheizkörper, Wärmeerzeugung über regenerative Fernwärme
  • weitgehend natürliche Lüftung, unterstützt durch Hybridlüftungsanlage, in Teilbereichen (Aula, Mensa) mechanische Be- und Entlüftung über dezentral angeordnete Lüftungsgeräte, jeweils mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung
  • automatisierte Nachtkühlung im Sommer
  • PV-Anlage auf Dach für Eigenstromversorgung
  • Hohe Tageslichtautonomie durch Anordnung der Fenster, bei Bedarf ergänzen LED-Deckenleuchten mit Präsenz- und Tageslichtsteuerung über Eigenstrom die Beleuchtung
  • außenliegende tageslichtgesteuerte Sonnenschutzanlagen

Nachhaltigkeit
  • Verwendung von regionalen, nachwachsenden, klimagerechten und recyclebaren Baumaterialien
  • Verzicht auf Verklebungen und Verbundstoffe, Cradle to Cradle (C2C) Ansatz für durchgängige Kreislaufwirtschaft
  • Retentionsgründächer zur Wasserrückhaltung, Verdunstung und Erhöhung der Biodiversität
  • wasserdurchlässige Beläge und Grünflächen mit Retentionsmulden zur nachhaltigen Regenwasserverdunstung, -versickerung von Starkregenereignissen

Beurteilung durch das Preisgericht

Der gut gegliederte Entwurf nimmt die Maßstäblichkeit des anschließenden Wohnquartiers überzeugend auf und bildet durch seine Positionierung zusammen mit der gegenüberliegenden Pflege- und Betreuungseinrichtung einen prägnanten Stadteingang. Durch die kammartige Struktur des Gebäudevolumens verzahnen sich die Freiräume der entstehenden Schule in gelungener Weise mit den Außenräumen der anschließenden Wohnsiedlung. Der räumlich gefasste und angenehm dimensionierte Vorplatz an der Emil-Büge-Straße leitet selbstverständlich zum Haupteingang und weiter in die sich in die Tiefe des Gebäudes entwickelnde Erschließungsachse. Diese schließt räumlich attraktiv an die verschiedenen Funktionsbereiche und Höfe im EG an.
Der Zugang von der Kurt-Schumacher-Straße ermöglicht durch die offene Gebäudestruktur die gewünschte Erschließung des Schulgebäudes von Norden. Die offene Gebäudestruktur ermöglicht die gewünschte Erschließung des Schulgebäudes vom nordöstlich an der Kurt-Schumacher-Straße gelegenen Nebeneingang.

Die Funktionen der Außenanlagen sind den Nutzungsbereichen im Gebäude sinnvoll zugeordnet und attraktiv gestaltet. Die Parkplätze sind an der Ostgrenze des Grundstücks gut angeordnet. Die GRZ des Entwurfs liegt im noch vertretbaren Bereich.

Das Erdgeschoss ist klar zoniert. Die Anordnung des zentralen zusammenschaltbaren Mensa-Aula-Bereiches, der Sporthalle und der beiden Hortcluster beidseits der Erschließungsachse ermöglicht eine sehr gute Orientierung im Gebäude. Die zentral gelegene Sitztreppe erschließt die Schulcluster in den Obergeschossen kompakt mit räumlich attraktiven Blickbeziehungen in die Höfe und die Sporthalle. Die Nutzbarkeit der in der zentralen Erschließungsachse gelegenen Aula ist allerdings durch ihre mittige Lage in der Erschließungsachse sehr eingeschränkt und müsste hinsichtlich der gewünschten separaten Nutzung parallel zum Schulbetrieb überprüft werden.
Die in den beiden Obergeschossen angeordneten je drei identisch strukturierten Schulcluster stellen in ihrer räumlichen Ausbildung und flexiblen Bespielbarkeit einen hervorragenden Beitrag zu diesem zentralen Wettbewerbsthema dar. Die jedem Cluster zugeordneten WC-Anlagen, Garderoben und Teamräume bilden eine sinnvolle Schwellensituation in die pädagogischen Flächen. Die über mehrere Fassadenanschlüsse gut belichteten Lerninseln gliedern die Cluster und bilden unterschiedliche sehr gut nutzbare räumliche Situationen. Die verschatteten Loggien bilden gute Nutzungsangebote für das Sommerhalbjahr. Die Erschließung des nördlichen Clusters im ersten Obergeschoss durch den sonderpädagogischen Bereich wird kritisch bewertet. Die Flächen für Schul- und Hortpersonal sind ausreichend und den verschiedenen Bereichen gut zugeordnet. Der Verwaltungsbereich mit anschließender Mensaküche wirkt etwas beengt und wäre nochmals zu überprüfen.

Das Tragwerk als Holzskelettbau mit aussteifenden Stahlbetonkernen ermöglicht spätere Anpassungen. Die Aussagen zur konkreten Materialität bleiben sehr abstrakt. Der Wettbewerbsbeitrag ist aus brandschutztechnischer Sicht grundsätzlich gut realisierbar. Es sind Kompensationsmaßnahmen für die Art der Rettungswegausbildung und der vorgeschlagenen Bauweise zu entwickeln.

Durch seine leicht unterdurchschnittliche BGF, die kompakte Struktur, den Verzicht auf eine Unterkellerung sowie die Entscheidung für eine nicht überbaute Sporthalle wird der Entwurf im Vergleich kostenmäßig leicht unterdurchschnittlich und für eine evtl. weitere Durcharbeitung als risikoarm bewertet.

Insgesamt stellt die Arbeit sowohl in Ihrer klaren städtebaulich-gestalterischen Haltung als auch in Ihrer zukunftsfähigen räumlich- funktionalen Interpretation der Ganztagsgrundschule eine hervorragende Antwort auf die Wettbewerbsaufgabe dar.
Blick in die Aula

Blick in die Aula

Lageplan

Lageplan

Modell

Modell

Modell

Modell

Modell

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