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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Neubau Bildungscampus Weiße Stadt in Oranienburg

Außenperspektive Haupteingang

Außenperspektive Haupteingang

3. Preis

Preisgeld: 23.998 EUR

HASCHER JEHLE Architektur

Architektur

Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten PartGmbB

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Erläuterungsbericht

Städtebau und Freiraum
Der Entwurf definiert eine klare städtebauliche Setzung aus zwei funktional differenzierten, aber
architektonisch verschmolzenen Baukörpern: einem dreigliedrigen Schultrakt und einer zentral
angedockten Sporthalle. Beide Volumen bilden ein kohärentes Ensemble. Die Höhenstaffelung
reagiert auf die Maßstäblichkeit der Umgebung und erzeugt ausgewogene Proportionen. Die
Gesamtfigur folgt einer orthogonalen Ordnung mit modularer Gliederung. Horizontale Fensterbänder,
geschlossene Brüstungszonen und eingestellte Begrünungselemente verleihen dem Gebäude eine
ruhige, strukturierte Erscheinung. Die Architektur ist zurückhaltend, funktional und klar gegliedert –
geprägt von rhythmischer Fassadensprache und ausgewogenem Verhältnis zwischen Offenheit und
Geschlossenheit.
Der Haupteingang befindet sich auf der Südseite und wird durch eine vorgelagerte Platzfläche betont.
Er bildet die primäre Adresse und führt in ein zentral gelegenes Foyer. Weitere Zugänge im Osten
erschließen Nebenbereiche. Die Erschließung ist klar zoniert: Bewegungsflächen, Pausenbereiche,
Sportzonen, Anlieferung und Erschließung sind funktional voneinander getrennt und orientieren sich
an kurzen, linearen Wegen.
Die landschaftsräumliche Idee entwickelt sich aus einer südlich verlaufenden Parkstruktur, die sich
über das Grundstück nach Norden zieht und durch Innenhöfe sowie begrünte Dachflächen gleichsam
durch das Gebäude hindurchgeführt wird. So entsteht ein durchgrünter, atmender Schulcampus mit
hoher räumlicher Tiefe.
Die Sport- und Spielflächen sind funktional zoniert und werden durch lineare Baumreihen gegliedert.
Verschattete Aufenthaltsbereiche, ein Kleinspielfeld sowie differenzierte Bewegungsangebote in
Gebäudenähe fördern eine ganzheitliche Nutzung. Nördlich daran anschließend öffnet sich ein
modellierter, parkähnlicher Schulhof mit Rasenspielfeld und integrierter Spiellandschaft, die sowohl
körperliche Aktivität als auch Rückzug und Lernen im Freien ermöglicht.
Die Weitsprunganlage und die 60-Meter-Laufbahn sind entlang der südlichen Grundstücksgrenze
angeordnet. Sie nutzen den natürlichen Schattenverlauf der angrenzenden Vegetationsstruktur und
ermöglichen gleichzeitig eine störungsfreie Sportnutzung.
Das Regenwasserkonzept basiert auf durchlässigen Belägen, Versickerungsflächen und
rigolenbasierten Rückhaltesystemen. Gründächer und Zisternen ergänzen das dezentrale
Wassermanagement und tragen zur Klimaregulierung bei.
Fahrradstellplätze, Anlieferzonen und Begrünungselemente sind funktional integriert. Die
Gesamtstruktur folgt einer klaren Rasterlogik mit kohärenter architektonischer Sprache.

Räumliche Organisation und Gestaltung
Das Erdgeschoss ist als flächiger Sockel konzipiert, der alle Funktionsbereiche mit kurzen Wegen und
intuitiver Orientierung verknüpft. Zentrale Funktionen wie Aula, Mensa, Musik- und Bibliotheksräume
sowie die Ganztagsbereiche sind um ein offen gestaltetes Foyer gruppiert, das Sichtbeziehungen
nach außen sowie in die angrenzenden Innenhöfe eröffnet. Die Aula ist flexibel nutzbar und eignet
sich für schulische wie außerschulische Veranstaltungen. Die Atmosphäre dieser offenen und
durchlässigen Raumzonen ist lichtdurchflutet und kommunikativ, ein verbindender Treffpunkt.
Die Obergeschosse folgen einer konsequenten Clustertypologie: Lernbereiche gruppieren sich jeweils
um eine offene Mitte mit zugeordnetem Teamraum. Diese sogenannten Marktplätze dienen als
erweiterte Lernzonen mit hoher Aufenthaltsqualität. Jedes Cluster verfügt über direkte Außenbezüge –
etwa Loggien oder Terrassen – und ist als eigenständige pädagogische Einheit organisiert. Im dritten
Obergeschoss befindet sich die Oberstufe, ebenfalls in dieser Struktur angeordnet.
Die vertikale Erschließung erfolgt über ein zentral positioniertes Treppenhaus sowie einen
barrierefreien Aufzug. Die Sporthalle ist über die Aula ans Schulhaus angebunden, kann aber auch für
Vereine über einen separaten Zugang unabhängig genutzt werden.

Material und Konstruktion
Die Tragstruktur basiert auf einem modularen Bauraster von 1,20 m. Regelmäßig gesetzte Stützen
und vorgefertigte Deckenelemente bilden die statische Grundlage. Die Aussteifung wird über
Stahlbetonwände organisiert. Die elementierte Bauweise erlaubt eine wirtschaftliche Umsetzung,
schnellen Baufortschritt und eine hohe Vorfertigungstiefe.
Das Gebäude ist als Holz-Hybrid-Konstruktion konzipiert. Die tragenden Wände und Stützen in Holz
werden durch massive Stahlbetonwände zur Aussteifung ergänzt, durch diese Kombination entsteht
eine ressourcenschonende Bauweise mit hoher konstruktiver Effizienz. Die Holzbauelemente
ermöglichen trockene, emissionsarme Bauprozesse und tragen zu einem angenehmen Raumklima
bei.
Die wirtschaftlichen Bandfassaden sind horizontal gegliedert: durchlaufende Fensterbänder, und
geschlossene Begrünungselemente erzeugen eine ruhige, rhythmische Erscheinung. Die klare
Fassadensprache unterstützt die Ablesbarkeit der internen Struktur und schafft ein ausgewogenes,
energetisch optimiertes Verhältnis zwischen offenen und geschlossenen Elementen.

Innenausbau
Der Innenausbau folgt dem Prinzip eines robusten, langlebigen und wartungsarmen Materialkonzepts.
Alle Oberflächen sind so gewählt, dass sie den Anforderungen des schulischen Alltags standhalten
und gleichzeitig eine freundliche, warme Atmosphäre unterstützen. Sichtbare Holzoberflächen,
akustisch wirksame Deckenpaneele sowie farblich differenzierte Bodenbeläge strukturieren die
Nutzungsbereiche und fördern Orientierung.
In den Clustermitten unterstützen textile Beläge und mobile Möblierung die pädagogische Flexibilität.
Die Flurzonen erweitern sich zu offenen Aufenthalts- und Lernbereichen. Der Ausbau ist technisch klar
gegliedert: Installationen verlaufen in abgehängten Decken und Technikschächten, sodass spätere
Umnutzungen oder Erweiterungen mit geringem Aufwand möglich bleiben.
Die verwendeten Materialien sind möglichst schadstoffarm und nach ökologischen Kriterien
ausgewählt. Farb- und Lichtkonzept orientieren sich am natürlichen Tageslichtverlauf und unterstützen
eine gesunde Lernumgebung.

Brandschutz
Die Brandschutzstruktur basiert auf zwei voneinander unabhängigen Rettungswegen, pro Cluster gibt
es eine außenliegende Treppe und als 2.Rettungsweg das zentrale Treppenhaus. Im EG führen
Ausgang direkt ins Freie. Alle Clustereinheiten unterschreiten, wie in der Auslobung gefordert, die
600 m² und bilden jeweils abgeschlossene Nutzungseinheiten. Im EG sind die zusammenhängenden
Flächen durch brandschutztechnische Abtrennungen untergliedert.

Energie und Nachhaltigkeit
Die kompakte Gebäudeform, das gute A/V-Verhältnis und die klare Rasterstruktur bilden die
Grundlage für ein wirtschaftliches und energetisch effizientes Gesamtkonzept. Extensive
Dachbegrünungen verbessern das Mikroklima, reduzieren Abflussspitzen und schaffen zusätzliche
Retentionsvolumen. Regenwasser wird gesammelt und in Zisternen sowie über Rigolen
zwischengespeichert. PV auf den Dächern trägt zur Deckung des Energiebedarfs bei.
Die modulare Systemstruktur fördert ressourcenschonendes Bauen, kurze Bauzeiten und niedrige
Betriebskosten. Der Außenraum mit hohem Grünanteil und naturnahen Materialien trägt zur
ökologischen Gesamtbilanz bei.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf weist eine hohe städtebauliche und architektonische Qualität auf. Zu nennen sind hier insbesondere der kompakte Baukörper, welcher auf die Ostseite des Grundstücks gesetzt ist und sich gut in die Umgebung einpasst. Durch eine Staffelung nimmt das Bauvolumen zur Kurt-SchumacherStraße hin ab, was der baulichen Umgebung nachempfunden ist. Die GRZ I liegt im vertretbaren Rahmen.

Es herrscht eine klare Erschließungssituation mit der Haupterschließung im Süden und einer Nebenerschließung im Norden. Die Sporthalle hat eine separate Erschließung für Vereine, die Anlieferungszone befindet sich separat im Osten und liegt damit nicht im Zugangsbereich für die Schüler. Die Außenanlagen sind klar zoniert mit einer deutlichen Abgrenzung der Flächen für den Hort. Die Sportanlagen sind kompakt angeordnet, die Stellplatzanlage ist effektiv gelöst. Eine natürliche Verschattung der Freianlagen ist durch Baumpflanzungen vorgesehen. Momentan fehlt eine Erschließung von der Kurt Schuhmacher-Straße, dadurch ist das Kleinspielfeld schlecht für externe Nutzer erreichbar. Der Vorbereich zum Haupteingang wirkt insbesondere für Stoßzeiten als zu klein dimensioniert. Ebenso ist der Zugang zum Pausenhof zu eng und nicht klar erkennbar.

Das Flächen- und Raumprogramm wird erfüllt, die Cluster- und Hortbereich sind sehr gut organisiert. Jedes Cluster erhält eine eigene außenliegende Lernterrasse. Es wird ein hoher Grad an baulicher Verschattung durch die günstige Anordnung der Räume erreicht. Negativ ist anzumerken, dass sich Aula und Eingangsbereich identisch sind und es so zu funktionalen Konflikten kommen kann.

Die geplante Holzhybridkonstruktion entspricht den Vorgaben zu Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Die Skelettbauweise mit vorgefertigten Elementen ermöglicht eine verkürzte Bauzeit und spätere Anpassungen. Die Vorgaben zum energetischen Konzept wurden eingehalten.

Der hohe Anteil an Fensterflächen ist klimatisch und wirtschaftlich sowie funktional ungünstig. Grundsätzlich wird eine bodentiefe Verglasung im Erdgeschoss von der Stadt sehr kritisch gesehen. Ein hoher Anteil an Glasfassade erhöht die Bewirtschaftungskosten (z.B. Fensterreinigung, Glasbruch).

Der Wettbewerbsbeitrag ist aus brandschutztechnischer Sicht realisierbar. Es sind Kompensationsmaßnahmen für die Art der Rettungswegausbildung und der vorgeschlagenen Bauweise zu entwickeln.

Die Fassadenkennwerte sind wegen des großen Anteils an transparenten Flächen hoch. Die Kosten der Außenanlagen liegen annähernd im Budget, da der Freiflächenanteil gering ist.

Insgesamt stellt der Wettbewerbsbeitrag vor allem hinsichtlich der Umsetzung des pädagogischen Konzepts einen gelungenen Vorschlag für die gestellte Aufgabe dar.
Innenperspektive Kommunikations- & Ganztagsbereich

Innenperspektive Kommunikations- & Ganztagsbereich

Präsentationsplan 1

Präsentationsplan 1

Präsentationsplan 2

Präsentationsplan 2

Präsentationsplan 3

Präsentationsplan 3

Präsentationsmodell

Präsentationsmodell