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Nichtoffener Wettbewerb | 12/2025

Neubau Brücke Birkenauer Straße zwischen Columbuspark und Franklin-Mitte in Mannheim

Mit leichtem Schwung ins Grüne

Mit leichtem Schwung ins Grüne

1. Preis

Preisgeld: 35.000 EUR

isea tec GmbH

Tragwerksplanung, Bauingenieurwesen

Schulitz Architekten

Architektur

Erläuterungstext

Der vorliegende Brückenentwurf entwickelt sich als stadtverbindendes Element aus den Parkanlagen nordwestlich und südöstlich vom Hochpunkt M. Die Dynamik der Verkehrsströme wird bei der Brücke in eine elegante Form und Funktionalität übertragen, so dass ein dynamisches, aber unaufdringliches Bild entsteht, das nicht in Konkurrenz zum Hochpunkt M steht. Der Grundgedanke des Brückenentwurfs ist ein sich in die Freiflächen einschmiegendes Bauwerk, welches sowohl als ergonomisch empfundene Verkehrsbeziehung, als auch gestalterisch als filigraner Stahlüberbau mit den Freianlagen als Einheit fungiert. Der Entwurf besticht durch seine schlichte, den konstruktiven Erfordernissen und funktionalen Anforderungen angepasste Formgebung.

Mit der Brücke über die Birkenauer Straße und dem FRANKLIN Steg wird eine direkte und komfortable Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen den Stadtteilen Vogelstang und FRANKLIN geschaffen. Von Süden kommend ermöglicht ein barrierefreier Weg auf der ansteigenden Erdrampe im Westen des Columbusparks die Zuwegung zur Brücke. Am nordwestlichen Rand des Parks weist die Wegeführung ausreichende Höhe zur Überwindung der Straßenbahntrasse auf.

Mit einem leichten Schwung führt die Trasse über den Straßenraum, den Rad- und Gehweg mittig durch die westliche Öffnung des Hochpunktes M. Um für Bewohner dieses Gebäudes eine komfortable und attraktive Anbindung an die Wegebeziehung über die Brücke zu ermöglichen, fällt die Trasse nach Überwindung der Stadtbahn wieder ab und überquert den Weg an der nördlichen Grundstücksgrenze des Hochpunktes M mit ausreichender Höhe. Das Widerlager Nord wird etwas abgerückt von der Grundstücksgrenze des Hochpunktes M platziert und ermöglich die Anordnung einer erdgebunden Treppenanlage. Für Radfahrer führt der Weg weiter Richtung Norden und bindet in den FRANKLIN Loop ein.

Aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Bereich des Hochpunktes M ist ein Brückentragwerk mit minimalem Konstruktionsvolumen unabdingbar. Der stählerne Hohlkasten des Überbaus ermöglicht eine äußerst geringe Konstruktionshöhe und damit eine möglichst geringe zu überwindende Höhe über die Stadtbahnline. Das fast 106 m lange stählerne Brückentragwerk überspannt die Bereiche Gleisanlage mit Birkenauer Straße sowie Grundstück Hochpunktes M mit einem 55 cm hohen, kantig ausgebildeten, einzelligen Hohlkasten stützenfrei. Mit dem südlichen Widerlager, welches am nordwestlichen Rand
des Columbusparks platziert ist, wird das Brückendeck monolithisch verbunden. Die zentrale und architektonisch prägnante Unterstützung des Decks stellt das flache und filigrane Strebewerk am nördlichen Rand der Birkenauer Straße dar.

Die auffallend flach angeordneten Streben folgen der Notwendigkeit der Einhaltung des Lichtraumprofiles der Birkenauer Straße und dem Wunsch die Spannweite des Decks durch weit auseinanderliegende Strebeanschlusspunkte möglichst stark zu minimieren. Sowohl die beiden weit gespreizten Streben als auch der vertikale Pfeiler weisen eine deutliche Verjüngung in Höhe und Breite zur gemeinsamen Verknüpfungsstelle auf. Die auffallend große Schlankheit dieser Tragwerkelemente ist nicht nur Ausdruck architektonischer Eleganz, sondern auch technische Notwendigkeit zur maximal möglichen Reduktion der Zwangskräfte infolge thermischer Ausdehnung dieser semiintegralen Konstruktionsweise. Hinter dem Hochpunkt M wird das Brückendeck durch eine architektonisch zurückhaltend gestaltete Pendelstütze unterstützt, bevor das Brückendeck längs verschieblich an dem nördlichen Widerlager angeschlossen wird.


Beurteilung durch das Preisgericht

Die neue Brücke tritt als unaufgeregtes und filigranes Element in Erscheinung. Sie bildet dadurch eine angenehme Zurückhaltung zur heterogenen und signifikanten Stadtsilhouette Franklins aus. Im Verbund mit der Landschaft wirkt die Brücke durchlässig und selbstverständlich und erzeugt eine elegante und durchdachte Figur ohne sich selbst zu erhöhen. Diese Leichtigkeit mit dem Umgang mit Konstruktion und Gestalt wird positiv gewürdigt.

Das Brückentragwerk reagiert auf die beengte und komplexe räumliche Situation mit einer minimalistischen Konstruktion. Ein Stahlhohlkasten geringer, konstanter Höhe (55 cm) spannt über die gesamte Länge vom Columbus Park bis zur Grünfläche Franklin Mitte mit lediglich einer zurückhaltenden Pendelstütze nach dem Hochpunkt M und dann der markanten Stützung bei den Gleisanlagen. Diese bildet ein zurückhaltendes und das gleichzeitig gestaltgebende Merkmal der Brücke: Zwei flach angeordnete und weit gespreizte Streben verjüngen sich in Höhe und Breite zur sich ebenfalls verjüngenden Stütze hin. Damit wurde dieser konstruktiv delikate Punkt architektonisch auf das technisch Notwendige reduziert. Insgesamt ist ein sorgfältig gestaltetes und gleichzeitig robustes und wartungsarmes Brückenbauwerk entstanden.

Die EntwurfsverfasserInnen verbinden mit dem subtil geschwungen Brückenbauwerk das südlich gelegene Columbus- mit dem nördlichen Franklinquartier. Die feinsinnige Linienführung bildet sich im Süden nicht nur baukonstruktiv, sondern auch in der Einfachheit der Anbindung über ein Erdbauwerk positiv ab. Die seitlichen Flanken des südlichen Antrittspunktes sind vegetativ freigehalten, nur ein kleines Treppenbauwerk untersetzt die zusätzliche landschaftliche Einbindung. Auch im Bereich des M-Gebäudes spielt sich die Brücke durch die symmetrische Lage maximal frei. Im Franklin-Park wird die Brücke von Süden kommend parallel zum Sportplatz auf das Parkniveau hinuntergeführt. Dadurch entstehen vier im Preisgericht intensiv diskutierte Aspekte:

1. Der vorhandene Parkweg kann nicht erhalten bleiben
2. Die vorhandenen Bäume müssen verpflanzt werden
3. Der durchgängige Parkblick wird durch die Erdskulptur bzw. das Stützmauerwerk verstellt.
4. Das Wegenetz in Franklin Mitte wirkt als Übererschließung.

Ein intelligenter Umgang mit den o.g. Aspekten wäre wünschenswert.

Insgesamt stellt diese Arbeit einen überzeugenden Beitrag zur Verknüpfung und Wegeverbindung Franklins dar, der die Aufgabe selbstverständlich und ressourcenschonend löst.
Lageplan

Lageplan

Markantes Strebewerk aus Stahl vor Hochpunkt M

Markantes Strebewerk aus Stahl vor Hochpunkt M

Ansicht West

Ansicht West