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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Neubau Bürger FORUM Stadtmuseum und Sanierung Palais Rose mit Umfeldgestaltung in Lippstadt

Blick auf den Eingang
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Blick auf den Eingang

1. Preis

Preisgeld: 68.000 EUR

STUDIO-MRA

Architektur

GREENBOX Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

wh-p Ingenieure

Tragwerksplanung

Erläuterungstext

Städtebau - Ring als urbanes Ordnungsprinzip

Der Entwurf betont die zentrale Stellung der Marienkirche, indem er den historisch gewachsenen Stadtring als ordnendes Prinzip aufgreift und räumlich präzisiert.
Als Teil dieses Gefüges markanter Bausteine setzt sich der Erweiterungsbau an den Rand des Rings und tritt in einen dialogischen Bezug zu den bestehenden baulichen Strukturen, die durch diese Setzung gestärkt und klarer gefasst werden. Grünräume werden dabei als verbindende Elemente zwischen den Baukörpern und dem öffentlichen Raum positioniert und schreiben die Geste räumlich fort. Innerhalb des Rings wird ein neuer Museumsplatz als Pendant zum Rathausplatz ausgebildet. Er übernimmt künftig die Funktion des Hauptstandorts für den Wochenmarkt und bietet Raum für vielfältige öffentliche Veranstaltungen.
Das Palais Rose rückt in den Mittelpunkt des Geschehens rund um den Museumsplatz und wird durch zwei klare städtebauliche Flanken gefasst: Das „Grüne Wohnzimmer“ bildet die linke Platzkante aus, der Museumsneubau definiert die rechte Platzkante. Der Haupteingang am Erweiterungsbau wird gut auffindbar ausgebildet, um die Eingangssituation eindeutig zu markieren und den, zukünftig einzigen Zugang zum Ensemble, zu stärken.
Das Foyer des Erweiterungsneubaus fungiert als vermittelndes Element zwischen Marktstraße und neuem Museumsplatz. Die gute Durchwegung stärkt die Aufenthaltsqualität und unterstützt die Nutzung des Bereichs als offenes Forum, Lernort und „Dritten Ort“ im städtischen Gefüge.
Ein sichtbar gestalteter Übergang in Anlehnung an einen venezianischen Arkadengang, verweist auf das Palais Rose und schafft eine klar lesbare Verbindung zwischen Alt und Neu. Begleitet wird diese Anbindung von einem grünen Skulpturengarten, der den Weg räumlich fasst und atmosphärisch akzentuiert.

Architektur - Körnung, Rhythmus, Gestalt

Aus der historischen städtebaulichen Setzung von 1820 wird die Gliederung der Baukörper in ihrer Korngröße und Abstufung zur Marktstraße als zentrales Merkmal abgeleitet. Diese Maßstäblichkeit wird im Neubau durch fein gliedernde Fugen aufgenommen, die nicht nur die Struktur des Baukörpers
rhythmisieren, sondern zugleich der internen Erschließung des zweigeschossigen Volumens dienen.
Die Baumasse reagiert sensibel auf die wechselseitigen Anforderungen zwischen innerer Raumstruktur – insbesondere den variierenden lichten Raumhöhen – und den städtebaulichen Bezugspunkten der umliegenden Giebel- und Traufhöhen. So fügt sich das Gebäude behutsam in das komplexe, historisch gewachsene Umfeld ein. Die Dachform orientiert sich dabei am vorherrschenden Weichbild der Stadt und trägt zur Einbindung in das bestehende Stadtbild bei. Farbigkeit und Gliederung des bestehenden Stadtmuseums werden aufgenommen und neu interpretiert.
Wenige, sorgfältig platzierte Öffnungen gliedern die Fassade und treten in Dialog mit dem städtischen Umfeld. Ein markanter Einschnitt im Obergeschoss fungiert als Blickfenster zur Marienkirche und dem angrenzenden Stadtraum und gibt von außen einen atmosphärischen Hinweis auf das Leitexponat.

Architektur Konstruktion

Der Entwurf wird von vier Naturmaterialien dominiert: Stampflehm, Bronze, Holz und Stein.
Diese Materialien bilden einen harmonischen Kontrast zueinander.
Der Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit. Die Stampflehmwände stehen auf einem Sockel aus R-Beton, die Decken sind aus Brettsperrholzträgern über die kurzen Seiten gespannt. Im Dach unterstützen filigrane Fachwerkträger die Sparrendachkonstruktion. Die Energieversorgung erfolgt nach Möglichkeit über eine Wärmepumpe mit Geothermie, die massiven Wände werden mit Flächenheizungen zum Kühlen und Wärmen genutzt. Zusätzlich wird eine Lüftungsanlage eingeplant. Eine Integrierte farblich angepasste PV-Anlage ergänzt das System sinnfällig.
Ziel ist ein Gebäude das mehr Energie erzeugt als es verbraucht. Einfaches Bauen, natürliches Material, Kreislaufgerechte Konstruktionen, Verzicht auf Bauschaum und Silikone sorgen für einen positiven Co2 Abdruck.

Freiraum – Museumsplatz

Durch den Neubau des Museums kristallisiert sich im Norden eine klare Platzkante heraus, im Westen begrenzt das Palais Rose den Raum, im Osten leiten Rampen zu den Marktterrassen. Dazwischen spannt sich – von Palais Rose bis zum Eingang des Stadtmuseums – ein Skulpturengarten auf, der die beiden Baukörper freiraumplanerisch verbindet und als öffentlich zugänglicher Kunstraum fungiert. Unter dem südlichen Blätterdach entsteht ein urbanes „Wohnzimmer“: Lose, umstellbare Sitzmöbel erlauben variable Arrangements und fördern den nachbarschaftlichen Austausch.
Die zentrale, weitläufige Platzfläche ist bewusst multifunktional konzipiert: Wochenmarktstände finden hier großzügigen Raum, ohne den Blick auf Kirche und Marktterrassen zu verstellen, und dank einer locker organisierten Standanordnung ist entspanntes Flanieren jederzeit möglich. Darüber hinaus bietet die ebene Fläche ideale Bedingungen für Open-Air-Veranstaltungen wie Konzerte, Theater und Performances, wodurch sich der Museumsplatz als lebendiges Zentrum kultureller und gesellschaftlicher Aktivitäten etabliert.

Freiraum – Marktterrassen

Südlich der Kirche gliedert eine modellierte Topografie zwei Terrassenebenen. Die obere Ebene wird von einem großzügigen Staudenbeet mit integrierter Sitzbank geprägt, eine schmale Stufe führt hinab zur zweiten Ebene. Dort bilden Staudenbeete mit aufgesetzten Sitzkanten zusätzliche Aufenthaltsflächen. Schattenbereiche vor der Kirche ermöglichen Blickbeziehungen zum Markt. Das Zusammenspiel aus Geländeprofil, Pflanzflächen und Sitzmöglichkeiten schafft einen attraktiven Ort zum Verweilen, Beobachten und Kommunizieren. Im Norden der Marienkirche wiederholt sich die räumliche Gliederung, schafft hier aber einen introvertierten Rückzugsort.

Freiraum – Vertiefung

Ein Stadtteppich fasst die gesamte Fläche bis hin zum Rathausplatz in ein einheitliches Gesamtbild. Für den Museumsplatz wird vorhandenes Natursteinpflaster aus dem Projektgebiet recycelt. Der Stein wird gesägt, damit eine barrierefreie Oberfläche entsteht. Effektbeleuchtung an den Markterrassen im Bereich der Sitzkanten sorgt für eine atmosphärische Beleuchtung. Auf dem Museumsplatz sind skulpturale Leuchten aufgestellt, die für eine ausreichende Ausleuchtung sorgen.
Bei der Entwässerung wurde darauf geachtet, den Freiraum, um die Kirche zu entlasten. Dazu werden alle Flächen von der Kirche weg entwässert. Wo möglich, werden die Oberflächen in die Staudenbeete entwässert. Unterhalb des Museumsplatzes wird eine Flachzisterne verortet, die bei Starkregenereignissen das Kanalnetz entlastet und somit die Entwässerung verbessert.

Beurteilung durch das Preisgericht

Städtebaulich bildet der Neubau für den großen Stadtraum, der vom Rathausplatz bis zum Palais Rose reicht und auf dem die Kirche die Mitte ausfüllt, eine nordwestliche Raumkante. Dieses Platzkonzept wird auch durch die Bepflanzung mit der Baumreihe entlang der Rathausstraße schlüssig weiterverfolgt. Wie nah diese Reihe jedoch an das Palais Rose herangeführt werden sollte, wurde kontrovers diskutiert.

Der Neubau als nördliche Begrenzung des neuen Marktplatzes aus 4 giebelständigen und getrennt durch eine Fuge - in der Höhe gestaffelten Baukörpern, erscheint schlüssig und fügt sich in die Umgebung ein, ohne dass er seinen Charakter als Museumsbau verliert. Im Inneren beherbergen diese Baukörper die Ausstellungsräume, die durch lange Treppen voneinander getrennt werden. Flankiert werden diese Treppenräume durch lange Wände, die die Baukörper auch im Inneren sichtbar machen. Diskutiert wird, ob diese Teilung eine Einschränkung der Ausstellungskonzeption bedeuten könnte. Optionen, die Brückenverbindungen im Obergeschoss breiter ausbilden zu können, um die Verbindung zwischen diesen Räumen aufzuwerten und die Ausstellungen flexibler gestalten können, werden gesehen. So würde auch die Ausstellungsfläche etwas vergrößert.

Ob die Entfluchtung des Gebäudes mit gesichertem Ausgang ins Freie funktioniert, wird hinterfragt. Der Lastenaufzug mit seitlicher Beladung erscheint weniger funktional. Raum 46 (Umkleiden und Aufenthaltsraum) hat kein Tageslicht.

Die Eingangshalle, die durch das Gebäude hindurch bis zur Marktstraße geführt wird, überzeugt und wertet mit einer zweiten breiten Eingangsfassade zur Marktstraße hin auch diese in guter Weise auf. Das Bürgerforum im östlichen Baukörper ist richtig platziert und kann im Zusammenspiel mit dem großen museumspädagogischen Bereich sowie dem Café sehr gut als Dritter Ort entwickelt werden. Die Unterbringung aller wichtigen Räume auf nur zwei Geschossen wird sehr positiv gewertet und schafft Übersichtlichkeit und Flexibilität in der Nutzung.

Die dem Gebäude vorgelagerte Erschließung, die auch die Verbindung zum Palais Rose bildet, wird kontrovers diskutiert.

Die Materialität der Fassade mit Stampflehm würde den Charakter als Sonderbau unterstreichen und betont die kubische Architektursprache. Es wird jedoch hinterfragt, ob sich diese Wahl in der Realisierung durchsetzen kann bzw. Änderungen erfahren könnte.

Das Freiraumkonzept zeichnet sich durch eine angenehme Ruhe und Zurückhaltung in der Wahl der Mittel aus und stärkt im Wesentlichen die historisch begründete Abfolge von Plätzen und Stadträumen mit ihrem Bezug zu den wichtigen Gebäuden der Stadt. Nur die Anordnung einer doppelten Baumreihe vor der Fassade des Palais Rose erscheint unsensibel.

Die Chance, mit dem Museumsneubau auch die unterschiedlichen Platzhöhen auszugleichen und die Niveaus von Kirchenumfeld und Museumsplatz barrierefrei und ohne raumgreifende Rampen zu erschließen, wird nicht konsequent genutzt. Der vergleichsweise hohe Versiegelungsgrad der Flächen wird kritisch thematisiert.

Die Grundfläche des Neubaus umfasst 980 qm.

Die geforderten Flächen für den Wochenmarkt werden überzeugend nachgewiesen. Die Flächen für die Herbstwoche erscheinen möglich, der Nachweis bleibt offen.

Die Arbeit überzeugt durch ihre Klarheit, städtebaulich und in der inneren Organisation, und könnte mit ihrer architektonischen Ausgestaltung neben der Kirche, dem Palais Rose und dem Rathaus eine sehr schöne Ergänzung bilden.
Lageplan

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Konzeptpiktogramme

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