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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Neubau Bürger FORUM Stadtmuseum und Sanierung Palais Rose mit Umfeldgestaltung in Lippstadt

Blick über den Marktplatz
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Blick über den Marktplatz

Anerkennung

Preisgeld: 17.500 EUR

Bez+Kock Architekten Generalplaner GmbH

Architektur

ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

Landschaftsarchitektur

Grauwald Studio Gesellschaft für Architektur und Bild

Visualisierung

Atelier für Architekturmodelle Boris Degen Modellbau

Modellbau

Erläuterungstext

STÄDTEBAU – MUSEUMSENSEMBLE VOR HISTORISCHER STADTKULISSE
Gemeinsam mit dem historischen Palais tritt der Museumsneubau vor die markante Lippstädter Altstadtkulisse rund um die Marienkirche und belebt so den öffentlichen Stadtraum. Der neu entstehende Marktplatz bildet das stadträumliche Pendant zum Rathausplatz auf der Ostseite der Kirche. Der quadratische Neubau dockt an der Nordostecke des Palais Rose an und zoniert so den umgebenden Stadtraum. Durch die Platzierung des Neubaus über Eck behält das historische Palais auch künftig seine solitäre Rolle und Strahlkraft am Marktplatz.
Der Giebel des asymmetrischen Satteldachs verleiht dem Neubau die gewünschte Prägnanz eines Kulturbaus gegenüber der Lippstädter Marienkirche. Die abgesenkten Trauflinien reduzieren gleichzeitig die wahrnehmbare Kubatur des Hauses und verleihen ihm eine angemessene Maßstäblichkeit im Quartier.
Der Zugang zum Stadtmuseum erfolgt vom öffentlichen Stadtboden des Marktplatzes aus. Gemeinsam definieren Alt- und Neubau einen vielfältig nutzbaren privateren Freiraum, der dem Stadtmuseum funktional zugeordnet wird. Die Anlieferung des Museums erfolgt diskret von der ruhigeren Nordwestseite aus.

STADTMUSEUM – AUSSTELLUNGSRUNDGANG ZWISCHEN INNEN UND AUSSEN
Das große Stadtmodell Lippstadts ist bereits vom Marktplatz aus im Schaufenster zu erkennen und markiert den Zugang zum neuen Stadtmuseum. Das Museum ist über insgesamt vier Etagen organisiert, die über eine breite Treppenanlage miteinander verknüpft sind und so einen abwechslungsreichen Ausstellungsrundgang ermöglichen.
Der Zugang zum Museum führt unmittelbar in das großzügig geschnittene Foyer mit Tickettresen und Shop. Die nördlich angelagerte Museumspädagogik lässt sich mit dem Foyer zu einer vielfältig bespielbaren Fläche verbinden. Zum südlich vorgelagerten Outdoor-Wohnzimmer orientieren sich das kleine Café, der Ruhebereich, sowie der gläserne Übergang ins Palais Rose. Es ergeben sich dreiseitig attraktive Erdgeschosszonen, die in den umgebenden Stadtraum hineinwirken. In der nordöstlichen Ecke des Hauses sind an diskreter Stelle die Anlieferung und die die Toiletten untergebracht.
Unmittelbar nach dem Erwerb des Tickets kann der Besucher wahlweise die Sonderausstellung im Untergeschoss, die Dauerausstellung in den beiden Obergeschossen oder das historische Palais Rose erkunden. Der Ausstellungsauftakt aller drei Bereiche befindet am südlichen Rand des Neubaus, so dass eine einfache Orientierung für die Besucher und eine gute Übersicht für das Museumspersonal gewährleistet sind.
Die fensterlose Sonderausstellung ist im 1.Untergeschoss untergebracht und wird durch eine zentral angeordnete Schachteltreppe in zwei Bereiche untergliedert, die auch den Rundgang durch die Ausstellung strukturiert.
Ein zweiter Treppenlauf führt vom Foyer aus hinauf in die Dauerausstellungsflächen des Neubaus. Im 1.Obergeschoss befinden sich hier der Sonderraum Lippe, in dem das historische Boot ausgestellt wird, sowie der Bereich Stadtgeschichten. Beide Bereiche werden durch die zentrale Treppenanlage voneinander getrennt und doch auch miteinander verbunden. Das große Fenster in der Nordfassade des Sonderraums Lippe blickt hinaus in die Altstadt und zum nördlich angrenzenden Bachlauf der Lippe. Die dicken und fensterarmen Außenwände des Hauses können mit großformatigen Vitrinen bespielt werden.
Über eine weitere Treppe gelangen die Besucher zum Ausstellungsbereich Stadtgeschichte im zweiten Obergeschoss. Am Kopfpunkt der Treppe öffnet sich der Blick nach Süden zum Palais Rose und der benachbarten Marienkirche, die Stadt wird selbst zum Exponat. Von einer reizvollen Galeriesituation aus kann das historische Boot aus erhöhter Position betrachtet werden, bevor der Weg wieder hinunter ins Erdgeschoss führt.

MATERIALITÄT – STADTBAUSTEIN MIT RELIEF
Das neue Stadtmuseum zeigt sich als massiver Stadtbaustein, dessen Erdgeschoß sich zum umgebenden Stadtraum großzügig öffnet, während die Obergeschosse nur mit einzelnen gezielt gesetzten außenbündigen Fensteröffnungen versehen wurden. Die im Dünnformat aufgemauerte Klinkerfassade wird in einem hellen Farbton geschlämmt, der in seiner Farbigkeit Bezug zum Palais Rose aufnimmt. Der Klinkerfassade ist ein flächiges Relief einbeschrieben, welches die Gliederung eines Fachwerkgebäudes zitiert und somit einen gestalterischen Bezug zum Ort herstellt. Im Inneren des Museums sollen die Wandoberflächen mit einem Lehmputz versehen werden, als Bodenbelag wird ein Stampflehmboden vorgeschlagen. Gemeinsam mit den schreinermäßigen Innenausbauten in massiver Eiche entsteht eine Raumatmosphäre, die von Handwerklichkeit und angenehmer Haptik geprägt ist – passend für ein Haus, das sich der Stadtgeschichte widmet. Decken und Dach werden als Flachdecken ausgeführt, um eine einfache Installationsführung oberhalb der Abhangdecken zu gewährleisten. Das Satteldach erhält eine Deckung aus großformatigen PV-Schindeln, die den Strombedarf des Hauses vollständig decken.

FREIRAUM – VIELFALT DER STADTRÄUME
Die städtebauliche Neuordnung durch den Museumsneubau bringt zwischen Markt- und Rathausstraße einen neuen Stadtplatz hervor. Der Platz soll sich als lebendiger Treffpunkt für alle Generationen mit einer hohen Aufenthaltsqualität entwickeln. Der großzügig gestaltete, offene Stadtraum bietet ausreichend Fläche für Feste und alle Stände des Wochenmarktes. Für die barrierefreie Platzgestaltung werden bestehende Mauern und Treppen entfernt und die gesamte Höhenlage des Platzes an die unveränderbaren Höhen der Straßenräume und der Kirche angepasst. Ein Großteil der bestehenden Bäume, die die räumlich trennende Platzkante markieren, werden für die offene Platzgestaltung entfernt und an den neuen Platzrändern durch Neupflanzungen ersetzt. Die Platzmitte wird mit großformatigen Natursteinplatten markiert, alle angrenzenden Bereiche mit Granitkleinsteinpflaster mit gesägter und gestockter Oberfläche befestigt. Durch die barrierefreie Gestaltung mit sanft geneigten Oberflächen ist der Platz für alle Menschen uneingeschränkt zugänglich. In der Raumtasche südlich des Kirchturms lässt ein runder Trinkbrunnen einen besonderen Anziehungspunkt entstehen.
Im Zusammenhang mit dem Museumsneubau und dem bestehenden Palais Rose entsteht ein grün geprägter, öffentlich zugänglicher Freiraum als Rückzugsort im Kontrast zum angrenzenden, offenen Stadtplatz. Der neue ‚Museumsgarten‘ beinhaltet vielfältige Angebote wie zum Beispiel eine Outdoor-Ausstellung für das Museum, Picknickflächen und Spielangebote. Einladende Sitzbänke, klimaresiliente, schattenspendende Bäume und pflegeleichte Staudenpflanzungen sorgen für ein angenehmes Mikroklima und eine besondere Aufenthaltsqualität.
Die Platzgestaltung erstreckt sich über die Rathausstraße hinweg bis zu den vorhandenen Gebäudekanten. Für die dezent markierte Rathausstraße wird eine verkehrsberuhigende Gestaltung vorgeschlagen, bei der die Belange von Fußgängern und Radfahrern berücksichtigt werden. Raumbildende Baumpflanzungen und Sitzmöglichkeiten verleihen der Rathausstraße einen attraktiven Charakter. Die PKW-Stellplätze bleiben in übersichtlicher Neuordnung in der Anzahl erhalten. Auf der nördlichen Straßenseite sind 10 Stellplätze vorgesehen, auf der Südlichen 5 Stellplätze. Insgesamt fördern 52 öffentliche Fahrradstellplätze, davon 16 überdacht mit E Bike Ladestationen eine nachhaltige Mobilität. In einer städtebaulichen Nische an der Marktstraße, zwischen Museumsneubau und bestehendem Bankgebäude ist die Anlieferung für den Neubau vorgesehen, sowie drei PKW-Stellplätze unter dem lichten Dach von Laubbäumen.
Die Neugestaltung des städtischen Zentrums von Lippstadt schafft einen lebendigen, grünen und einladenden Stadtplatz, der Tradition, modernes Stadtleben und ökologische Verantwortung harmonisch miteinander verbindet.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit entwickelt ein sehr klares städtebauliches Konzept, in welchem der Marktplatz als räumliches Kontinuum definiert wird, welches alle Platzkanten gleichermaßen respektiert. Aus dieser Haltung heraus wird das Museumsgebäude als ein solitärer Baukörper neben das Palais Rose gestellt und kann damit eine starke Präsenz entfalten. Kritisch wird jedoch diskutiert, ob damit nicht das Palais gewissermaßen „in den Schatten gestellt“ wird und in die zweite Reihe tritt. Diese Zweifel werden auch von der Fassadenanmutung genährt, welche eher die monumentale Wirkung des Baukörpers unterstützt. Grundsätzlich wird die Ziegelfassade, die durch Ausprägung von Fugen die Fachwerkbauweise zitiert, als unverständliche Kulissenarchitektur in Frage gestellt.

Im Inneren überzeugt der Bau durch eine klare räumliche Gliederung sowohl in der Grundrissgestaltung als auch in der vertikalen Entwicklung. Es entstehen differenzierte, gut proportionierte Räume, die die Orientierung sehr einfach machen und ebenso einen gut funktionierenden Museumsbetrieb ermöglichen. Die geforderten Flächen werden leicht unterschritten. Durch die mittige Treppenanlage ist ein guter Rundgang für die Besuchenden gegeben, die Räume sind leicht verständlich und mit gelungenen Sichtbeziehungen versehen. Die Positionierung des Sonderraums Lippe ist geschickt über eine Blickbeziehung mit Stadt und Landschaft verbunden. Auch die übrigen Fassadenöffnungen sind zwar sparsam, aber an der richtigen Stelle eingeordnet, die Führung der Rettungswege bleibt jedoch unklar. Hervorzuheben ist die Konzeption der Erdgeschoßzone, die sich mit einer prägnanten Geste klar und großzügig zum Platz öffnet und neben dem Ticketing und Empfang auch für viele andere Aktivitäten nutzbar ist.

Der Verbindungsbau zwischen Neubau und Palais ist an der richtigen Stelle vorgesehen und angenehm zurückhaltend ausgeformt. Im Raum zwischen den Gebäuden wird ein separater Gartenbereich definiert, der sich nach zwei Seiten orientiert: Er kann mit Ausstellungs-, Spiel- und Aufenthaltsbereichen sehr gut als ein erweiterter Museumsraum genutzt werden, wird aber auch Teil des öffentlichen Raumes.

Auch die übrigen Flächen des Marktplatzes sind sorgfältig gestaltet, wobei das Ziel erkennbar ist, Freiräume mit unterschiedlichen Atmosphären zu schaffen und dabei die nötige Anpassung an den Klimawandel zu leisten. Parkplätze, Fahrradständer und andere Elemente sind gut positioniert, es stehen ausreichend Flächen für die multifunktionale Nutzung wie z.B. Märkte oder Veranstaltungen zur Verfügung.

Insgesamt ist die Arbeit ein eigenständiger und sorgfältig geplanter Beitrag, der den Mut zeigt, an dieser Stelle einen charaktervollen Museumsbau zu entwickeln.
Lageplan

Lageplan

Erdgeschoss

Erdgeschoss

Ausstellungsgeschosse

Ausstellungsgeschosse

Schnitt

Schnitt

Schnittschema

Schnittschema

Ansichten

Ansichten

Fassadendetail

Fassadendetail

Modell

Modell