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Nichtoffener Wettbewerb | 04/2026

Neubau Bürgersaal und Neugestaltung Ortsmitte in Oberreichenbach

Perspektive mit Bestand, neuem Bürgersaal und dem Vereinshaus
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Perspektive mit Bestand, neuem Bürgersaal und dem Vereinshaus

2. Preis

Preisgeld: 17.000 EUR

studio sufuco Architekt*innen BDA

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

Johannes Kappler Architekten

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

merz kley partner

Tragwerksplanung

Erläuterungstext

Oberreichenbach ist ein einzigartiger Ort. Wer die Ortsmitte besucht, ist fasziniert von der großzügigen Weite der zusammenhängenden Freiräume, die ein einzigartiges Potenzial für eine gemeinwohlorientierte Aktivierung als Multifunktionsflächen durch ein neues Haus für die Gemeinschaft bieten. Ziel des Entwurfsvorschlags ist es, dieses prägnante Merkmal zu erhalten sowie die Besonderheiten des Ortes situativ in das neue Stadtgefüge zu integrieren und optimal mit der Umgebung zu verknüpfen. Die einzelnen zukunftsweisenden Bausteine greifen als eigenständige Puzzlestücke so ineinander, dass ein ausdrucksstarkes Gesamtensemble entsteht, das sich harmonisch in das historische Ortsbild einfügt.

Das Gemeinschaftshaus als identitätsstiftendes Herzstück der neuen Dorfmitte für ein gemeinschaftliches Miteinander aller Generationen in Zeiten der Bauwende

Dieses städtebauliche Prinzip bestimmt auch die Konzeption des neuen Gemeindehauses. Es besteht aus drei Baukörpern, die ein markantes Gesamtensemble bilden, das präzise auf die Eigenarten des Ortes abgestimmt ist. Die einzelnen Elemente zeigen eine deutliche Verwandtschaft mit ortstypischen Haustypologien. Durch die diagonale Anordnung erhält der Komplex allerdings eine der Funktion angemessene Sonderstellung.
In das Gesamtensemble lässt sich auch das ortsbildprägende Haus mit Frackdach in der Hauptstraße 17 integrieren. So gewinnt der Ort einen vertrauten, wiedererkennbaren Baustein, der die Erinnerung an die Dorfgeschichte mit der Zukunft Oberreichenbachs in Beziehung setzt und in Zeiten der Bauwende ein Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zum Ausdruck bringt.
Die einzelnen Baukörper sind so programmiert, dass der zentrale Veranstaltungssaal, die Vereinsräume und der Küchenbereich optimal als zusammenhängendes Haus der Gemeinschaft funktionieren. Gleichzeitig können sie ebenso ideal auch als unabhängige Nutzungseinheiten voneinander betrieben werden. Durch die eigenständige Lage des Veranstaltungssaals lässt er sich sowohl zum Dorfplatz nach Norden als auch zur Grünen Mitte nach Süden erweitern. Die Küche mit Ausschank im Haus mit Frackdach kann sowohl dem Foyer als auch dem Dorfplatz dienen.
Die Architektur des Gemeinschaftshauses drückt eine kontextuelle und ökologische Grundhaltung aus. Die Verwendung von Holz als ressourcenschonendem, rezyklierbarem Material verortet das Gebäude im ländlichen Raum und führt zu einer Minimierung der CO₂-Emissionen. Durch die Bauweise kann es ein Prototyp für einfaches Bauen bzw. den neuen Gebäudetyp E werden. Eine Beziehung zu lokalen Freiraummotiven wird über die Fassaden hergestellt, indem die Fassadenkonstruktion als Gerüst für Spalierobst dient.

Die grüne Dorfmitte mit Dorfplatz als großzügige Multifunktionsfläche und Abfolge identitätsstiftender, klimaresilienter, sozial inklusiver Freiräume mit historischem und zukunftsweisendem Flair

Die zentrale Freiraumidee beruht darauf, den neuen Dorfplatz zusammen mit dem Vereinshaus und Bürgersaal neu zu verorten. Vis-à-vis zur bestehenden, denkmalgeschützten Evang.-Luth. Filialkirche St. Egidien entsteht zusammen mit dem ebenfalls denkmalgeschützten ehemaligen Schulhaus eine stadträumlich klar gefasste Mitte für Oberreichenbach, die in ihrer Dimensionierung angemessen erscheint und als Multifunktionsfläche ausreichend Platz für größere und kleinere Feste rund um das Gemeindezentrum bietet. Die Platzfläche aus Natursteinpflaster ist hochwertig und robust zugleich, während ein Obstbaumhain mit Sitzgelegenheiten und der neue Dorfbrunnen eine hohe Aufenthaltsqualität mit einer ausreichenden Verschattung am Platz bieten.
Die bestehende Aufweitung entlang der Hauptstraße wird zur grünen Dorfmitte mit Festwiese umgedeutet, in der das Bestandsgebäude Hauptstraße 17 für Azubiwohnen und das dazugehörige Nebengebäude mit Ausschank und Lagerflächen für Veranstaltungen ein Pendant zur gegenüberliegenden Brauerei mit ihrer gastronomischen Einrichtung bilden. Die vorhandenen räumlichen Qualitäten lassen von dort ausgehend einen großzügigen Freiraum für alltägliche Treffpunkte und Veranstaltungen im Grünen bis hin zum Eichenbach an der Schwalbengasse entstehen.
Als gedachte Allmende bietet dieser identitätsstiftende Freiraum mit zentraler Dorfwiese für Freizeit und Festivitäten, Generationengarten am Vereinshaus für gemeinsames Gärtnern und einem erlebbaren Freiraum mit Einbindung des Eichenbachs Platz für die vielfältigen Nutzungen des Dorflebens. Wildwiesen unterstützen die Biodiversität und schaffen Raum für Tierhabitate. Spiel- und Sportangebote für Kinder und Jugendliche werden ergänzt durch ruhige Aufenthaltsangebote für ältere Anwohnende.
Das Hauptwegenetz besteht aus einer wassergebundenen Wegedecke und verbindet fußläufig und barrierefrei alle Nutzungen in der neuen Dorfmitte. Gleichzeitig dient die grüne Mitte bei Starkregenereignissen temporär als Retentionsfläche.
Es entsteht ein sehr charakteristisches Zentrum für Oberreichenbach mit einer hohen Aufenthaltsqualität, die nun mit der durchgängig gestalteten Hauptstraße einen klar ablesbaren Dorfkern bis zum Gemeindehaus bildet. Mit der vorgeschlagenen Kombination aus naturnahen Flächen und gestalteten Grünräumen, Aktivzonen und Ruhebereichen ergibt sich ein einzigartiger Ort für soziale Interaktion und Freizeit in Oberreichenbach.

Inklusives Mehrgenerationenwohnen mit einzigartigen Angeboten an privaten, nachbarschaftlichen und dorfgemeinschaftlichen Räumen im ländlichen Kontext

Durch die Aufwertung der öffentlichen Räume gewinnt das Dorfzentrum auch als Wohnstandort an Attraktivität. Für das südlich des Eichenbachs angrenzende Areal wird ein Ensemble aus drei Mehrfamilienhäusern vorgeschlagen. Die Gebäude sind so angeordnet, dass sie Bezüge zur Nachbarbebauung aufbauen und die Vorteile des Wohnens im ländlichen Raum mit privaten Gärten und nachbarschaftlichen Treffpunkten bieten. Die Gebäudevolumen sind so gewählt, dass sie sowohl familienfreundliche Geschosswohnungen als auch altersgerechte Wohngemeinschaften mit einer optimalen Orientierung zu den unterschiedlichen Himmelsrichtungen aufnehmen können.
Auch für das Bestandsgebäude in der Hauptstraße 13 wird eine Wohnnutzung vorgeschlagen, die ideal zur vorhandenen Grundrissstruktur passt. Beide Geschosse werden mit einer Wohngemeinschaft für Auszubildende belegt, für die es im ländlichen Raum einen starken Mangel an Wohnraum gibt. Sie profitieren vom neuen Freiraumangebot, können aber auch einen Beitrag zur Belebung des Dorfzentrums vor allem dann leisten, wenn keine Veranstaltungen stattfinden.


Beurteilung durch das Preisgericht

Die Autoren der Arbeit integrieren das bestehende Frackdachhaus in das neue Bürgerhaus und stärken so den Altbestand. Es entsteht ein abgestaffelter, dreiteiliger giebelständiger Baukörper, der sich in die Tiefe des Grundstücks entwickelt und einen kleinteilig, strukturierten, neuen Dorfplatz gegenüber der Kirche bildet, der zugleich den Durchblick zum Eichenbach und zur südlichen Bebauung öffnet. Der neue Dorfplatz wird durch die bestehende Obstbaumwiese locker begrenzt.
Die aneinander gefügten Dächer zitieren die vor Ort bestehende Dachstruktur.
Alle auf dem Wettbewerbsgebiet befindlichen Bestandsgebäude werden erhalten und für neue Nutzungen vorgeschlagen.
Geschickt werden die Bestandsgebäude und auch die vorhandenen Einbauten des Außenraums wie bestehende Parkplätze oder das Boulefeldes durch eine neue Wegeführung und Ergänzung mit wassergebundenen Oberflächen zusammengefügt.
So entsteht unter maßgeblichen Bestandserhalt eine neue Identität für Oberreichenbach.

Die Behandlung der Oberflächen der Straßen und des neuen Dorfplatzes heben den Bereich von den angrenzenden und querenden Straßen angemessen ab, ohne dass zu große Eingriffe erforderlich sind. Begrüßt wird ergänzend der Steg über den Eichenbach als Verbindung zum südlich angrenzenden Wohngebiet. Insbesondere die innere Durchquerung wird durch die Nutzung für Kinder als angemessen und hilfreich betrachtet.

Auch in der Materialität der Neubauten - Holzkonstruktion mit Holzverkleidung der Fassaden und Biberschwanzdeckung, sowie der Strukturierung der Baukörper in typisch fränkischer Proportion fügt sich der kleinteilige Baukörper als stimmig an den Bestand an.

Funktional wird die direkte Öffnung des Foyers nach Norden zum Platz begrüßt, gleichzeitig wäre eine Anbindung der Vereinsräume an das Foyer und die Öffnung des Bürgersaal in die Grünfläche wünschenswert. Einzig die in den grünen Raum nach Süden aus ragenden Vereinsräume werden, da sie zulasten einer freien fußläufigen Bewegung des Areals parallel zu Hauptstraße gehen, kritisch gesehen. Das Büro ist abgewandt vom Platz nach Süden situiert. Ebenfalls kritisch gesehen wird die Lage der Küche, abgewandt vom Foyer im Frackdachhaus.

Durch den vollständigen Erhalt der Bestandsgebäude zeichnet sich die Arbeit zusammen mit der Materialwahl Holz mit hoher Nachhaltigkeit aus, im Freiraum wird ausreichend Möglichkeit für Biodiversität und Artenschutz erkannt.

Aufgrund des Bestandserhalts, der geringen Versiegelung wird die Arbeit nicht nur als angemessen und nachhaltig, sondern auch als wirtschaftlich eingestuft.
Isometrie des gesamten Wettbewerbsareals

Isometrie des gesamten Wettbewerbsareals

Grundriss 1:200

Grundriss 1:200

Ansichten Nord / Süd 1:200

Ansichten Nord / Süd 1:200

Ansicht West / Schnitt Längs 1:200

Ansicht West / Schnitt Längs 1:200

Piktogramm Städtebau

Piktogramm Städtebau

Piktogramm Nutzungen / Freiraum

Piktogramm Nutzungen / Freiraum