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Nichtoffener Wettbewerb | 04/2026

Neubau Bürgersaal und Neugestaltung Ortsmitte in Oberreichenbach

Handskizze Bürgersaal
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Handskizze Bürgersaal

Anerkennung

Preisgeld: 8.000 EUR

Architekten Stadtplaner Franke und Messmer BDA PartGmbB

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

TOPONEO Engel & Schneider Landschaftsarchitekten PartG mbB

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

In der Baustruktur Oberreichenbachs lässt immer noch deutlich das historische Haufendorf ablesen. Die Siedlungsform zeigt eine unregelmäßig gewachsene Hausstellung. Die „Grüne Mitte“ entlang des Bauchlaufs ist seit Jahrhunderten freigehalten. Die gestellte Aufgabe respektiert und bewahrt den Ortscharakter. Das nordwestliche Haus mit Frackdach soll erhalten bleiben, es prägt das Ensemble mit Kirche, Schulhaus und Pfarrhaus und bildet die Raumecke an der Hauptstraße zur Schwalbengasse. Die Nutzung als Lager für die Vereine bedeutet eine einfache, unaufwändige Renovierung mit Frostfreiheit, jedoch ohne Heizung. Weitere bestehende Räume werden als Werkstatt angeboten, auf der zugehörigen Freifläche mit Sonnenschutz können Gemeinschaftsaktionen mit allen Generationen stattfinden. Ein Barrierefreies WC ist auch von außen erschlossen. Der neue Bürgersaal umschließt den gemauerten Teil der bestehenden Scheune und legt sich in die schmale Fläche zwischen die beiden Bestandswohngebäuden Hauptstraße 17 und 11. Die Länge des verschmolzenen Baukörpers ermöglicht eine Verbindung des Dorfplatzes mit der Grünen Mitte. Es gibt dem südlichen Nachbargebäude ein Rückgrat, ohne es zu verschatten und bildet nach Norden und Osten gegenüber dem Gasthaus die definierte Fläche des Dorfplatzes. Das Foyer kann großzügig geöffnet werden, so dass Theke und Küche direkt mit dem Platz verbunden sind. Das Foyer wird zum Innen-Außen-Element und erweitert den Dorfplatz um ein Schutzdach. Im Sommer entsteht so zusammen mit der geöffneten Saalfassade nach Westen eine fluide Bewegung zwischen allen Flächen. Im Süden werden Gebäude mit kleinen Wohnungen besonders für junge Menschen als Starterwohnungen und für Senioren als altersgerechte Alternativen zum nicht barrierefreien Einfamilienhaus angeboten. Vielleicht gelingt es Eigentümer für ein Genossenschaftsmodell zu gewinnen. Die Hausstellungen verbinden das Grün der kleinen Privatgärten mit der Ortsmitte und ermöglichen einen Zugang zum Eichenbach. Ausgehend von der vorhandenen Keimstruktur Streuobst wird die bestehende Obstbaumstruktur aus dem Gartenbereich in die Freiflächen weitergeführt und im Park zu einer aufgelösten Streuobstwiese entwickelt. Innerhalb dieser Fläche werden unterschiedliche Obstgehölze ergänzt; ein feinmaschiges Wegenetz führt durch den Streuobstpark und ermöglicht eine ruhige Durchwegung sowie wechselnde Aufenthaltsorte. Die bestehende Pappel wird zunächst als Übergangsschatten erhalten. Bei nachlassender Standsicherheit wird der Baum gezielt als liegendes Totholzelement integriert: Teile des Stamms werden als Sitz- und Spielstamm genutzt, der sich langfristig als Prozessbaustein in der Streuobstwiese/ im Biotop zersetzt. Die alte Scheune mit teilweise Bruchsteinmauerwerk zeigt Spuren mehrmaliger Umbauten, Aufstockungen, Ausbesserungen. Das zeigt, dass Materialien wertgeschätzt und weiterverwendet wurden. Die Idee der Kreislaufwirtschaft soll in diesem Fall identitätsstiftend sein und eine Tradition erhalten. Die vorgefundenen Materialien wie Mauerwerk und Holzdachstuhl sollen in Teilen aufbereitet werden und in wirtschaftlich verträglichem Umfang erhalten bleiben. Die ehemalige Scheune liegt als Fußabdruck in der Mitte des Neubaus und zeichnet sich nach außen mit einer Durchdringung des Neubaudaches ab. Das alte Mauerwerk soll zum Foyer hin sichtbar gemacht werden und sowohl bei geschlossener als auch bei geöffneter Fassade vom Dorfplatz wahrnehmbar sein.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf ist sehr klar zoniert in einen kompakt bebauten und weitgehend versiegelten Bereich im Osten, der die heute vorhandene Wiese im Westen bewusst freilässt und als grüne Mitte für Oberreichenbach neu codiert.
Der Dorfplatz liegt in der Innenkurve der Hauptstraße und ist mit 4 Bäumen angemessen markiert – allerdings ist seine Aufenthaltsqualität durch den Straßenverkehr auch dann zu hinterfragen, wenn die vorgeschlagene Pflasterung der Fahrbahn umsetzbar wäre.
Zwischen dem Dorfplatz und der grünen Mitte entsteht nördlich des Bürgersaals ein gut dimensionierter Aufenthaltsbereich, der mit dem großflächig verglasten Foyer räumlich zusammenwirkt. Die dort an der Brandwand zum Wohnhaus Hauptstraße 15 vorgeschlagene Außenbühne wird mangels einer ausreichenden Fläche für Publikum kritisch hinterfragt.
Die großzügige, einfach zonierte und gegliederte grüne Mitte bietet ein großes Potenzial für Oberreichenbach, auch wenn ihre Durchwegung auf den Plänen nicht wirklich erkennbar und auch der Dialog mit dem Bürgersaal nicht überzeugend formuliert ist. Ob eine Aufweitung des Bachs angesichts der geringen Wassermenge sinnvoll wäre, ist fraglich. Das Backhaus ist an der Schwalbengasse sinnvoll platziert, erscheint aber in Dimension und baukörperlichem Gestus völlig überzogen.

Der einfache und entlang des Grundstückszuschnitts sinnfällig geknickte Baukörper des Bürgersaals ist im Inneren klar gegliedert und eignet sich trotz einiger Mängel im Detail gut für die gewünschten Nutzungen. Durch seine schiere Länge überschreitet das Foyer die gewünschte Größe deutlich und hat doch die Anmutung eines breiten Flures. Der Saal ist im Westen des Gebäuderiegels richtig angeordnet, gut geschnitten und sinnvoll nach Norden zum Verbindungsbereich und nach Westen zur grünen Mitte hin orientiert.
Die vorgeschlagene Einbeziehung der Scheune (südlich des abgängigen Gebäudes Hauptstraße 13) in den neuen Baukörper wird im Preisgericht kontrovers diskutiert. Einerseits ist der Erhalt vorhandener Substanz grundsätzlich wünschenswert, andererseits sind die dadurch entstehenden Zwänge im Grundriss nicht befriedigend bewältigt. Zudem fehlt ein plausibler Vorschlag für die Nutzung des großen Dachraums.
Das Frackdachhaus bleibt erhalten und soll künftig als Lager und Werkstatt genutzt werden, was eine einfache Sanierung ohne Heizung und einen kostengünstigen Betrieb ermöglichen würde.

Die Anmutung des neuen Baukörpers erscheint in seiner Volumetrie, im Verhältnis von offenen und geschlossenen Flächen und auch in der Materialwahl und Detailsprache der Fassaden sehr angenehm und dem ländlichen Kontext angemessen. Warum die Dachtragstruktur in Stahl vorgeschlagen wird, ist allerdings schwer nachzuvollziehen.
Der Entwurf kommt mit einem relativ geringen Anteil versiegelter Flächen aus, was sehr positiv zu werten ist. Ansonsten bleibt die Arbeit zum Thema Klimaanpassung und Nachhaltigkeit eher indifferent.

Die Arbeit liegt bei allen wirtschaftlich relevanten Daten (mit Ausnahme des aufgrund des unausgebauten Dachraums hohen Bruttorauminhalts) im Mittelfeld. Durch die Beschränkung auf einen neuen Baukörper in relativ einfacher Konstruktion, der alle Nutzungen beinhaltet, ist eine wirtschaftliche Realisierbarkeit zu erwarten.
Lageplan

Lageplan

Grundriss Bürgersaal

Grundriss Bürgersaal

Fassadenschnitt Bürgersaal

Fassadenschnitt Bürgersaal