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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2021

Neubau Bundesministerium der Finanzen (BMF) auf dem Postblockareal in Berlin

2. Rundgang

Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT GmbH

Architektur

Pei Cobb Freed & Partners

Architektur

Kieran Fraser Landscape Design

Landschaftsarchitektur

Transsolar Energietechnik GmbH

TGA-Fachplanung

knippershelbig GmbH

Tragwerksplanung

ErlÀuterungstext

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) ist derzeit in Berlin auf sieben Liegenschaften verteilt. Um organisatorische und fachliche AblĂ€ufe zu optimieren und modern ausgestattete KonferenzrĂ€ume und flexibel nutzbare BĂŒrorĂ€ume zu schaffen, sollen die Funktionen in einem Neubau zusammengefasst werden. ZusĂ€tzlich sollen dort die Bundesfinanzakademie (BFA) mit Wohneinheiten fĂŒr TeilnehmerInnen untergebracht werden sowie ein Konferenzzentrum und eine Großkantine.
Der Neubau steht direkt gegenĂŒber dem Detlev-Rohwedder-Haus, dem Hauptsitz des Bundesministeriums fĂŒr Finanzen, auf dem sogenannten Postblockareal. Der Bauplatz an der Kreuzung Wilhelmstraße-Leipziger Straße – dem Platz des Volksaufstandes von 1953 – liegt im Zentrum Berlins, umgeben von einer Vielzahl stadthistorisch und touristisch bedeutungsvoller Orte und Bauten sowie wichtiger nationaler und Berliner Institutionen.

Leitidee

Einen Neubau fĂŒr das Bundesministerium fĂŒr Finanzen an diesem Standort zu entwickeln, wirft sowohl typologisch als auch kontextuell eine Vielzahl an Fragen auf, allesamt spannend und mit höchster zeitgenössischer Relevanz. Wie wollen wir arbeiten? Das Ministerium wird Arbeitsplatz fĂŒr hunderte von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sein. Wie wollen wir lernen? Neben dem Ministerium wird auch die Bundesfinanzakademie im Neubau untergebracht sein. Und vielleicht die entscheidendste Frage – wie wollen wir Demokratie leben? Wie will sich unsere demokratische Gesellschaft auch in Bezug auf die Vergangenheit positionieren?
Wie so oft gibt es keine einfachen Antworten, vielmehr eine architektonische Haltung: Transparenz, diametral zum Habitus des Detlev-Rohwedder-Haus, das durch Masse und MassivitĂ€t beeindrucken sollte. Holz, als Material der Zukunft, das in einem materialgerechten Entwurf seine ganze StĂ€rke in PrĂ€zision und Vorfertigungsgrad entfalten kann. Der menschliche Maßstab, Integration, aber auch Angemessenheit, in Ausdruck, ReprĂ€sentanz und Wirtschaftlichkeit.

Urbaner Kontext

Unsere GebĂ€udestruktur nimmt die Anordnung der hintereinander angelegten Höfe des Postblocks auf und dient gleichzeitig als Gelenk zwischen Detlev-Rohwedder-Haus und Postblock. Im Gegensatz zur Blockrandbebauung entlang der Leipziger Straße und Wilhelmsstraße reagiert das Blockinnere auf die bestehende Bebauung und fĂŒhrt diese fort. Die sĂŒdöstliche GebĂ€udekante weicht zurĂŒck, um den prĂ€gnanten Baum im Generalpostgarten zu erhalten. Zwei große Innenhöfe schaffen im Kontrast zum Berliner Stadtraum eine begrĂŒnte Binnenwelt mit höchster AufenthaltsqualitĂ€t.

GebÀudestruktur

Die Hofstruktur des Postblocks wird auch innen weitergedacht. Das HerzstĂŒck einer transparent arbeitenden Behörde bildet die zentrale Eingangshalle mit Besucher-, Konferenz- und Pressezentrum. Die sĂŒdlich angeordnete Akademie und das Finanzministerium lassen sich als klar getrennte Volumen ablesen, bilden aber dennoch als zwei Adressen unter einem Dach eine Einheit und werden gemeinsamen ĂŒber die Wilhelmstraße erschlossen.
Als Antwort auf die komplett geschlossene und abweisende Erdgeschosszone des Detlev-Rohwedder-Hauses erhĂ€lt der Neubau eine großzĂŒgige Arkade entlang der Wilhelmstraße und der Leipziger Straße. Die Höfe werden an den öffentlichen Raum angebunden und interagieren mit der Stadtgesellschaft. Die Arkade, die verglaste Mensa und der StĂŒtzenfilter im Eingangsbereich der Bundesfinanzakademie geben Einblicke auf die Baumlandschaft der Innenhöfe frei. Neben dem Aspekt der Erholung, ĂŒbernehmen die grĂŒnen Inseln auch wichtige Aufgaben im Klima-Haushalt einer zukunftsfĂ€higen Stadt.
Zwei sonnige DachgĂ€rten im 5. Obergeschoss bieten den Nutzern des Hauses reichlich Platz fĂŒr Begegnung und Kommunikation, aber auch entschleunigte Ruhebereiche fĂŒr ungestörtes Verweilen. Die obersten DachflĂ€chen des Hauses werden zur GĂ€nze extensiv begrĂŒnt und zu 40 bis 50 Prozent als SolargrĂŒndach mit einer PV-Anlage bestĂŒckt.

Raumkonzept

Die klare Grundstruktur mit einer ĂŒbersichtlichen internen Erschließung sorgt fĂŒr eine eindeutige Orientierung im GebĂ€ude. Der stĂ€ndige Bezug zu Hallen- und HofrĂ€umen trĂ€gt ebenfalls zur Übersichtlichkeit, aber auch zur Belichtung des GebĂ€udes bei. Geschlossene RundlĂ€ufe vermeiden tote Enden und halten die Wege innerhalb des GebĂ€udes kurz.
Besucher und GĂ€ste des Finanzministeriums gelangen ĂŒber die sĂŒdliche Freitreppe zum Konferenz- und Pressebereich im ersten Obergeschoss. Mitten im Atrium liegt der große Konferenzsaal, ĂŒber zwei große Fenster visuell mit der Eingangshalle und dem angrenzenden Innenhof des Postblocks verbunden.
Von den BĂŒros aus ist die spektakulĂ€re Innenhofgestaltung durch umlaufende französische Balkone vom Schreibtisch aus erleb- und begehbar. SĂ€mtliche Abteilungen sind als flexibel nutzbare 600 mÂČ Einheiten organisiert.
Der Eingang zur Akademie liegt ebenfalls im SĂŒden. Über den gedeckten Durchgang zum sĂŒdlichen Innenhof gelangt man in das Foyer, die anschließenden Gemeinschaftsbereiche und die Cafeteria. HörsĂ€le und SchulungsrĂ€ume liegen im 1. und 2. Obergeschoss, VerwaltungsrĂ€ume und BĂŒros im 3., darĂŒber sind die Wohneinheiten untergebracht.

Konstruktion

Das Tragwerk besteht aus einer hybriden Stahlbeton- und Holzbaukonstruktion. Die Untergeschosse, das Erd- und Teile des 1. Obergeschosses werden in Stahlbetonbauweise erstellt. DarĂŒber wird ein Holzbau aus vorgefertigten Modulen errichtet. Die Rippendecken und Holzuntersichten der Decken bleiben sichtbar und verleihen dem Haus einen beinahe wohnlichen Charakter.