Es riecht nach Sommer …
Städtebau und Architektur
Mit der ganzen Familie radeln wir durch das Naturschutzgebiet, um dem Lärm der Stadt für einen Moment zu entfliehen und eine kleine Auszeit zu genießen – dennoch mitten in der Stadt. Wir suchen Erholung am Wasser. Nach ein paar Kurven sehen wir endlich den Rhein und folgen der Promenade parallel zum Fluss. Obwohl wir schon oft hier waren, sind wir diesmal besonders gespannt, denn die alten Gebäude wurden abgerissen. Das letzte Mal, als wir dort waren, gab es eine Baustelle und wir sind neugierig, wie es nun am Strandbad Mannheim aussieht. Wir haben so schöne Erinnerungen an die Tage am Rhein!
Nun erblicken wir ihn, hölzern und leicht schwebt er hinter den großen Bäumen und fügt sich selbstverständlich in die Ufersituation ein. Der neue, selbstbewusste Bau hat seinen Platz gefunden. Er ruht auf schlanken Füßen aus gegossenem Stein, mit einem hellen hölzernen Aufbau und einem leuchtenden Schriftzug auf transparentem, metallenem Grund. Neue und alte Bäume spenden Schatten und verweben den Park mit dem Fluss. Wir parken unsere Räder und treten unter das helle Gebäude. Hier befindet sich die Ausgabe des neuen Bistros; elegante, natürlich belichtete Treppen führen auf das hölzerne Deck und öffnen sich zur Rhein– und zur Waldseite hin. Wir lassen unsere Blicke schweifen, über die schon gut besuchte Rheinpromenade bis hin zu den gerade ankommenden Campern auf der anderen Seite. Erinnerungen werden wach. Es gibt Durchblicke zum Wald und zum Wasser. Der abgerundete Sockel aus dem recycelten Beton des Vorgängerbaus mit seinen leuchtenden Rheinkieseln folgt sanft den Gewohnheiten des Wassers. Es fühlt sich gut an.
Wir gehen vorbei an den Menschen, die schon über die Promenade flanieren und suchen uns einen Platz unter einem Sonnenschirm. Die Promenade ist bunt und lebendig, Fahnen wehen, das Wasser glitzert, die Frachtschiffe fahren vorbei und schlagen Wellen. Die Kinder spielen am Rhein und die Erwachsenen genießen ein erstes Getränk in der Sonne.
Die neue hölzerne Fassade spielt mit Licht und Schatten und erzählt vom Handwerk und den Möglichkeiten. Sie ist offen und bergend zugleich, erinnert an hölzerne Gebäude früherer Zeiten. Der natürliche und nachwachsende Rohstoff Holz schlägt zugleich eine Brücke in die Zukunft. Die Räume sind einfach und offen, innen wie außen. Man hört ein Lachen, spürt den Wind und die warme Sonne.
Wir sind neugierig und erkunden den neuen Bau, entdecken den hochwassersicheren Aufzug, fahren nach oben und betreten das hölzerne Deck vorbei an den dienenden Räumen für Bistro, Strandbadaufsicht und Camping. Die Orientierung ist klar, einfach und durchdacht.
Oma und Opa fahren seit ihrer Kindheit mit dem Zelt ins Strandbad Mannheim. Wenn wir das nächste Mal mit ihnen auf dem Campingplatz übernachten, dann erkunden wir auch den anderen Teil des neuen Baus. Dort befinden sich
in besonderen Räumen die Rezeption mit Blick auf die Einfahrt des Campingplatzes sowie ein
Aufenthaltsraum für die Camper mit Blick auf den Rhein.
Die Architektur spricht eine einfache Sprache und kann vor dem Morgen bestehen. Ein Gebäude, das überdauert, Identität stiftet und Erinnerung schafft. Ein besonderer Ort für die Mannheimer und ihre Gäste. Wie immer schon. Die Seele des Ortes spiegelt sich auch in dem neuen Gebäude für das Strandbad, denn Architektur, Natur und Leben lassen sich nicht trennen. Es riecht nach Sommer, Holz und Sonnencreme …
Landschaftsarchitektur
Der Bauplatz bildet das Bindeglied zwischen der Park- und Flusslandschaft des Rheins. Gegenüber der bisher vorherrschenden, großflächigen Versiegelung – einer unbefriedigenden Zäsur zwischen den beiden Landschaftsräumen – sieht das vorgeschlagene Gestaltungskonzept ein integratives kontextuelles Erscheinungsbild vor. Die nordseitigen Erschließungsbereiche werden auf ein funktional notwendiges Maß reduziert. Grüne Intarsien aus strapazierfähigen partiell befahrbaren Schotterrasenflächen mit Großbaumpflanzungen gliedern und zonieren die geforderten Nutzungsbereiche, nehmen gestalterische Bezüge zur angrenzenden Parklandschaft auf und leisten einen besonderen Transfer zur Rheinuferpromenade. Die Verwendung von geschliffenem Farbasphalt mit Rheinkieselzuschlägen unterstreicht dieses Konzept.
Sämtliche Erschließungs-, Andienungs- und Parkierungsfunktionen werden somit niederschwellig dem landschaftsarchitektonischen Konzept untergeordnet und in das Vorfeld eingewoben. Durchblicke zum Rhein werden inszeniert. Entlang der Rheinuferpromenade werden die Flächen für die Außengastronomie entlang des Neubaus mit freiem Blick auf die Flusslandschaft etabliert.
Energie- und Nachhaltigkeitskonzept
Ziel der technischen Gebäudeausrüstung ist, mit möglichst kompakter und wirtschaftlicher Technik geringe Investitions- und Betriebskosten zu erzielen. Dabei sind speziell die Anforderungen aus der Energieleitlinie der Stadt Mannheim verbindlich einzuhalten. Die besondere Herausforderung bei diesem Projekt ist es, die Technik hochwassersicher auszustatten. Generell befinden sich alle Technikzentralen außerhalb der Hochwasserzone. Über einen zentralen Schacht werden alle Medien nach unten verteilt, um sämtliche Räume im Erdgeschoss und im Obergeschoss zu versorgen. In Abstimmung mit den Energieversorgern werden auch die Hauanschlüsse hochwassersicher im Schachtbereich des Obergeschosses platziert.
Das Wärmekonzept ist auf eine hauptsächliche Nutzung in den Sommermonaten abgestimmt. Die Wärmebereitstellung wird im Wesentlichen in den Übergangsmonaten und an kalten Sommertagen benötigt. Daher eignet sich eine
Luft-Wasser-Wärmepumpe ideal. Diese besitzt durch die Nutzung außerhalb der kalten Winterzeit einen hohen COP-Faktor und kann sehr wirtschaftlich arbeiten. Zudem besteht durch reversiblen Betrieb die Möglichkeit, die Räume auch im Sommer zu kühlen bzw. zu temperieren. Die Antriebsenergie bezieht die Wärmepumpe zu 100% aus PV-Modulen, die auf der obersten Ebene frei von Verschattung angeordnet sind. Überschüssige Energie aus den
PV-Modulen steht den elektrischen Verbrauchern wie Kühlschränken, Truhen, Beleuchtung usw. zur Verfügung. Hier ist es sinnvoll, diese Energie über einen Batteriespeicher für die Nachtstunden zwischenzupuffern.
Die Warmwasserbereitung erfolgt über ein Speicherladesystem und einen Puffer zur Bereitstellung der ausreichenden Schüttleistung in den Nassbereichen. Die Energie dafür erzeugen
Heat-Pipes auf solarthermischer Basis. Diese werden – von unten nicht sichtbar – ebenfalls auf dem obersten Dachfeld horizontal angeordnet. Somit erfolgt eine
optimale Ausnutzung der Sonne und eine gleichzeitige automatische Reinigung der Elemente. Wichtig ist die hochwassertaugliche Qualität der Installation im Erdgeschoss mit Fokus auf gute Reinigungsmöglichkeit nach Hochwassern.
Die Funktionsfähigkeit der technischen Gebäudeausrüstung im oberen Geschoss ist auch bei Hochwasser gesichert.