Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025
Neubau der Deutschen Botschaft – Kanzlei und Residenz – in Canberra (AU)
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©Flooer
Anerkennung
Architektur
Schüller Landschaftsarchitekten
Landschaftsarchitektur
Tragwerksplanung
Visualisierung
Modellbau
Erläuterungstext
Zentrales Ziel des städtebaulichen Konzepts ist die sensible Einbindung der neuen Baukörper in die bestehende Umgebung. Die starke, landschaftlich geprägte Topografie des Grundstücks sowie der wertvolle, teils jahrzehntealte Baumbestand bilden den Ausgangspunkt der Entwurfsüberlegungen.
Der Entwurf für die Neue Botschaft in Canberra verfolgt das Ziel, die Bundesrepublik Deutschland im Gastland würdig und zeitgemäß zu repräsentieren. Dabei steht neben der adäquaten Darstellung deutscher Identität und Werte auch die funktionale Umsetzung der komplexen Abläufe in Kanzlei und Residenz im Mittelpunkt. Es entsteht ein Gebäudeensemble, das Offenheit, Souveränität und Modernität ausstrahlt und gleichzeitig den hohen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Sicherheit und Nutzungsqualität gerecht wird. Zentrale Leitidee ist es, ein Gesamtkonzept zu realisieren, das architektonisch und funktional überzeugt, den unterschiedlichen Anforderungen der Nutzungsbereiche entspricht und dabei auf die lokalen klimatischen und landschaftlichen Bedingungen angemessen reagiert. Die Gestaltung orientiert sich an Deutschlands Selbstverständnis als weltoffenes, zukunftsgerichtetes Land, das technologischen Fortschritt, ökologische Verantwortung und kulturelle Identität miteinander verbindet. In Übereinstimmung mit dem Ziel der Bundesregierung, bis 2045 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, wird der Entwurf höchsten energetischen Standards gerecht. Dabei wird nicht nur der Betrieb, sondern bereits die Erstellung der Gebäude in die Betrachtung mit einbezogen. Der Neubau soll dabei die höchste Zielsetzung von 6 Sternen im australischen Bewertungssystem Green Star erreichen. Nachhaltige Baustoffe, optimierte Baukonstruktionen und der sensible Umgang mit Ressourcen sind integrale Bestandteile des Konzepts.
Während das Hanggeschoss mit seinen erdberührten Bauteilen als robuste Stahlbetonkonstruktion ausgeführt wird, entstehen die darüberliegenden Geschosse in ökologisch und gestalterisch hochwertiger Holzbauweise. Diese Kombination vereint statische Effizienz mit einer ressourcenschonenden Bauweise und schafft zugleich Räume von hoher ästhetischer und atmosphärischer Qualität. So entstehen gesunde, inspirierende und attraktive Arbeits- und Lebenswelten, die den hohen funktionalen und repräsentativen Ansprüchen der Botschaft gerecht werden.
Die plastisch ausgeformten Fassaden leisten weit mehr als nur einen Beitrag zur äußeren Erscheinung: Sie erfüllen höchste Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Wartungsfreundlichkeit, Sicherheit, Langlebigkeit sowie konstruktiven Sonnenschutz – und verleihen dem Gebäudeensemble zugleich einen eigenständigen, wiedererkennbaren Charakter. Die vertikal gegliederten Aluminiumfassaden mit ihrer wechselnden Amplitude erzeugen ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten, das an den leichten Fall eines Vorhangs erinnert. Ihre Gestaltung variiert in Abhängigkeit zur jeweiligen Gebäudenutzung und stärkt so die Differenzierung der Funktionsbereiche.
Die leicht reflexive Oberfläche der Fassadenelemente ermöglicht eine subtile Verbindung von Natur und Architektur: Das Gebäude tritt in Dialog mit dem umgebenden Grünraum und fügt sich harmonisch in den landschaftlichen Kontext ein. Vordächer und fein gestaltete Pergolastrukturen verwischen die Trennung zwischen Innen- und Außenraum und schaffen Übergangszonen von hoher Aufenthaltsqualität.
Ein besonderes architektonisches Element bildet das dreidimensionale Raumgerüst an der Nordseite des Residenzgebäudes. Dieses lässt sich durch textile horizontale Elemente auf zwei Ebenen flexibel bespielen. Je nach Tageszeit, Jahreszeit oder Veranstaltungsformat entstehen dadurch variable und atmosphärisch dichte Raumsequenzen, die sowohl funktional als auch gestalterisch eine besondere Qualität bieten.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit überzeugt durch die Kompaktheit beider Baukörper und durch die Idee den Kanzlei-Neubau unmittelbar neben der Residenz zu platzieren. Die schützenswerten Bäume bleiben dabei erhalten. Der bestehende Garten wird respektiert und durch neue Wege und Ausstattungselemente ergänzt. Die Terrassen der Residenz behalten ihre Aufenthaltsqualität zum Garten. Die getrennten Zugänge sind einladend und attraktiv gestaltet. Die diagonale Staffelung des Kanzlei-Neubaus schafft vielfältige Sichtbeziehungen. Die Übereckverglasungen werden kritisch in Bezug auf die solaren Einträge gesehen. Die kompakten Grundrisse sind funktional und gut strukturiert. Besonders begrüßt wird der sehr geringe Fußabdruck der beiden Gebäude. Der Versiegelungsgrad der Außenanlagen ist jedoch hoch, vor allem durch die große Parkplatzfläche. Die Chance, die Außenanlagen zu bestärken durch die kompakte Situierung der Gebäudekörper wird leider nicht positiv umgewandelt. Kritisch gesehen wird die zu geringe Distanz zwischen Kanzlei und Residenz in Bezug auf Tageslicht, Sichtbeziehungen und Sicherheitsaspekte. Trotz der Nähe der beiden Baukörper, fällt die Verbindung auf der Eingangsebene wenig repräsentativ zum amtlichen Teil der Residenz aus. Positiv bewertet wird, dass bei dieser Arbeit der Bestand der Residenz teilweise gewahrt wird. Jedoch überblendet die neue Alufassade den Bestand und ist somit von außen nicht erkennbar. Durch die gute Flächeneffizienz und Kompaktheit werden die Kosten im unteren Budgetbereich eingeordnet. Die Jury würdigt die Idee, die beiden kompakten Baukörper in eine gemeinsame Nord-Südausrichtung mit dem geringsten Fußabdruck zu organisieren anerkennend.
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